Pro:
ehrlich, teilweise sehr gefühlvoll, gute Texte...
Kontra:
...die man fast alle schon kennt, sehr schwache Beats, kaum Ohrwürmer
Empfehlung:
Nein
Jaja, wir kennen das alle: Im Laufe der eigenen Musikkarriere wachsen die Erwartungen der Fans und Kritiker so stark an, dass man spätestens beim zehnten Album von Journalisten zerfetzt wird. Bushido schaffte es nun mit einem seiner wahrscheinlich letzten Alben "Von der Skyline zum Bordstein zurück" bei mir ziemlich seltsame Gedanken zu erzeugen.
Nach dem ersten Durchhören war ich hellauf begeistert und dachte mir sofort: "Meine Güte, das ist echt sein bisher bestes Album!" Mittlerweile, ein gutes halbes Jahr später, denke ich genau das Gegenteil darüber: Das Teil kann keinesfalls meine persönlichen Favoriten Bushidos ("Electro Ghetto" und "King of Kingz") übertreffen, liegt rein musikalisch sogar unter dem bisher meiner Meinung anch schwächsten Album ("Carlo, Cokxxx, Nutten 2").
Das hat mehrere Gründe:
1. Überraschenderweise keine Features. Das wird zwar einigen gefallen, mir aber nicht, denn mir 80 Minuten lang die gleiche Stimme anzuhören... finde ich persönlich nicht so toll.
2. Bushido versucht hier krampfhaft seinen alten Style wiederzufinden. Dazu missbraucht er viele seiner alten Reime von "CCN 1", "King of Kingz" und "Vom Bordstein bis zur Skyline", schreibt einige Worte um und verkauft mir dann das ganze mit seiner mittlerweile recht senilen Rapweise, nämlich jede einzelne Zeile gemächlich und im immer gleichen Takt runterzuleiern.
3. Die Beats sind einfach nur zu lasch. Die meisten Tracks haben einen gemächlichen Beat, der Rest, der aggressiv klingen soll, schafft das aber einfach nicht. Das liegt wahrscheinlich an der schon angesprochenen monotonen Rapart oder/und einfach daran, dass die Beats in keinsterweise reinhauen.
Sicherlich, für knallharten Bushidofans wird das Album die Erleuchtung schlechthin sein, aber ich nehme an, wenn diese Fans ein bisschen ehrlich zu sich selbst und nach außen hin sein würden, dann würde zumindest ein Teil ähnlicher Meinung sein wie ich.
Vom Prinzip her ist ja das Album auch ganz sauber: Das Intro und Outro sind recht uninteressant, den "richtigen" Start machen die Standardtracks "Universal Soldier", "Weißt du?" und "Goldrapper" in denen es mal wieder darm geht, die Feinde auszustechen und zu vernichten, die eigene Machtposition zu behaupten, der einzig gute Rapper Deutschlands zu sein, der auch noch gleich zweimal Gold gegangen ist. Das ganze, wie schon beschrieben, mit größtenteils alten Zeilen und deshalb eben nicht mit Versen, bei denen man einfach nur abgeht, wie damals beispielsweise bei "Ich battle mich im Spiegel, weil keiner von euch gut ist." Man hat das ja schon mal irgendwo gehört.
"Sonnenbankflavour", das textlich ja ganz gut geraten ist, könnte ich mir ja auch noch antun, wenn ich da nicht ständig dieses ehrlich gesagt richtig dämliche Video im Kopf hätte.
"Kurt Cobain" ist da schon wieder etwas schwächer und mit "Wenn ein Gangster weint", "Kein Fenster" und "Ich schlafe ein" wird es wieder richtig emotional, und das sogar überrachend gut und vor allem nicht künstlich sondern wirklich ehrlich. In zweiterem schildert Bushido seinen Besuch im Gefängnis, in letzterem den alltäglich Stress, den er jetzt als "Superstar" durchleben muss.
Und die nächsten Titel sagen leider schon alles über den Inhalt: "Alphatier", "Sex in the City", "Dealer vom Block", "Bravocover", "Kickboxer", "Ich regle das" und "Blaues Licht". Klar, auf alten Alben und bei Musik anderer Künstler kommt so eine Welle der Aggrssion gut beim Großteil des Publikums an, aber (und ich weiß, dass ich mich wiederhole): Das hat man fast alles schon mal gehört! Und das macht das Album auch insgesamt so schwach: Das Gefühl, hier entweder ein Remixalbum oder so ein typisches Notorious BIG-Album zu hören, bei denen man Teile des Tracks schon beim ersten Hören mitsingen/-rappen kann, weil es sie ja schon auf älteren Alben gibt.
Einige Lichtblicke gibt es aber glücklicherweise auch auf dem Album, beipspielsweise das wirklich gefühlvolle "Janine", die neueste Auskupplung, das textlich (man staune) komplett frisch ist und die Geschichte des jungen Mädchens erzählt, das vergewaltigt wurde, anschließend ein Kind bekam und sich aus Verzweiflung das Leben nahm. Das ganze auch noch nach einer wahren Begebenheit, die Bushido sich zum Anlass nahm, diesen Track zu schreiben.
Weiterhin habt mir der Bonustrack "Knight Rider", der bei der Limited Edition des Albums dabei ist, gefallen, der zwar nichts anders macht, als jeder aggressive Track, diesmal aber ebenfalls textlich (fast) komplett neu ist und sich im Gesamtergebnis auch noch ganz gut anhört. Und sowas kommt als Bonustrack...
Als letzten Lichtblick gibt es da noch "Bloodsport", bei dem alle Zeilen auf den gleichen Reim ('-ort' und verschiendste, aber immer ähnliche Variationen) enden.
Tracklist:
1. Intro - Von der Skyline zum Bordstein zurück (2:08)
2. Universal Soldier (3:43)
3. Weißt Du? (3:39)
4. Goldrapper (3:54)
5. Sonnenbank Flavour (3:40)
6. Kurt Cobain (3:28)
7. Wenn ein Gangster weint (3:32)
8. Ich schlafe ein (3:16)
9. Hast Du was bist Du was (4:08)
10. Alphatier (3:43)
11. Bloodsport (4:01)
12. Sex in the City (4:02)
13. Dealer vom Block (3:48)
14. Bravo Cover (3:10)
15. Ich regele das (3:44)
16. Kickboxer (3:26)
17. Blaues Licht (3:59)
18. Janine (3:56)
19. Kein Fenster (3:46)
20. Von der Skyline zum Bordstein zurück - Album Version (4:03)
21. Outro - Von der Skyline zum Bordstein zurück (1:37)
Den Gesamteindruck des Albums habe ich ja schon beschrieben: Für den Großteil Leute, die Bushidos alte Alben kennen, wird das Teil einfach nur öde sein. Der Rest wird es sich wahrscheinlich den ganzen Tag anhören. Hinzu kommt noch, dass das Album keine wirklichen Ohrwürmer à la "Electro Ghetto" (der Track), "Superheroez", "Endgegner" oder "Eine Kugel reicht" hat. Und das finde ich sehr schade.
Genre: HipHop/DeutschRap
Label: Ersguterjunge/Universal
Preis: ca. 14€
Besonderheiten: Als Limited Edition (3 Bonus Tracks) und Pur-Edition erhältlich weiterlesen schließen
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