Pro:
Charaktere, psychologisch vertieft, Idee des Thrillers, einige Textstellen, Anschaulichkeit
Kontra:
Rechtschreibung, Schluss, Langatmigkeit
Empfehlung:
Nein
Vor kurzem war ich mal wieder gewillt, mir einen Thriller zu Gemüte zu ziehen. Doch sollte es nicht irgendeiner sein, sondern „Die Anstalt“ von John Katzenbach. Wie es zu dem Buch kam und was ich davon halte, erfahrt ihr im nun folgenden Bericht…
Preis und Kaufort
Erstanden habe ich diesen Psychothriller in einem An- und Verkauf für Bücher in Potsdam. Dort habe ich genau 2€ bezahlt und somit 6,95€ gespart, denn normalerweise kostet „Die Anstalt“ 8,95€. Lohnenswert ist es sicherlich, auch mal bei eBay oder anderen Plattformen zu stöbern, denn dort findet man viele Taschenbücher zu tollen Preisen.
Daten
Titel: Die Anstalt („The Madman’s Tale“)
Autor: John Katzenbach
Genre: Psychothriller
Seitenanzahl: 749
Verlag: Knaur
Sprache: Deutsch
Erschienen: 2006
Übersetzer: Anke Kreutzer
ISBN-10: 3426629836
ISBN-13: 978-3426629833
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 4,8 cm
Aussehen
Bei diesem Buch handelt es sich um eine broschierte Ausgabe, für mich schlichtweg ein Taschenbuch, auch wenn es sehr dick ist. Der Umschlag ist in schlichtem Schwarz gehalten. Auf der Vorderseite erkennt man den Autor sowie den Titel des Buches in weißer Schrift. Dazwischen blickt einem die Information „Psychothriller“ entgegen, links oben außerdem das Logo des Knaur-Verlages.
Rechts unten erscheint eine kurze Kritik der „Washington Post“, dazu später aber mehr. Der Hingucker schlechthin auf der Vorderseite ist die ausgestreckte Hand, die einem entgegenzugreifen scheint. Außerdem leuchtet diese im Dunkeln, was ich persönlich mal als außergewöhnliches Layout eines Buches empfinde. Schick ist das Ganze also schon mal.
Kritiken
kulturnews.de:
„Eine fiese Mordserie in einer geschlossenen Anstalt, erzählt von einem Schizophrenen, dem immer wieder seine "Stimmen" dazwischenfunken. Stoff für einen wirklich packenden Thriller. Katzenbach sorgt mit erzählerischem Talent und seiner Liebe zum Detail für Schlaflosigkeit. Was ist Wahrheit, was ist Wahn, und wer kann das schon unterscheiden? Gruselig gut!“
Washington Post:
„Eine Tour de force, herausragend erzählt.“
Publishers Weekly:
„Diesen Thriller kann man unmöglich aus der Hand legen.“
So? Mal sehen, ob ich dem beipflichten kann…
Inhalt
Francis Petrel wurde vor 20 Jahren gegen seinen Willen in eine Psychiatrie eingewiesen. Grund dafür war eine heftige Auseinandersetzung mit seiner Familie, die ihn schon längst für unnormal erklärt hatte, da er Stimmen hört. Einer Mordserie folgt die Schließung der Anstalt und somit Francis’ Entlassung.
Nach wie vor nimmt er Medikamente und kann sich nicht von seinen Stimmen lösen. Er schreibt seine Geschichte nieder, aber nicht mit Stift und Schreibblock, sondern an der Wand seiner Wohnung. Um wen handelt es sich beim „Engel“, der der Auslöser von Francis’ traumatischen Gedankenstößen ist? Existiert er oder fantasiert Francis?
Meinung
Gleich zu Beginn möchte ich anmerken, dass John Katzenbach in diesem Buch sehr detailliert schreibt. Jede Information wird dem Leser bildhaft vor Augen geführt, sodass er sich unmittelbar in das Geschehen versetzt fühlt. Katzenbachs psychologische Verflechtungen sind einzigartig, aber teilweise durch Langatmigkeit und stetige Wiederholungen von Details überdeckt, was mehr als schade ist.
Die Idee eines Mörders, der sich in einer Klinik nach Opfern umsieht, ist toll, denn hierbei handelt es sich um eine tatsächlich neue Umgebung bzw. Schaffung einer Atmosphäre bezogen auf den gesamten Thriller.
Zu Beginn vermisste ich oft eine steigende Handlung, denn das Buch war durchzogen von Selbstgesprächen, inneren Stimmen und Gesprächen mit dem Arzt und ersten Bekanntschaften in der Anstalt – die Insassen sind damit gemeint. Spannung wird zwar aufgebaut, aber lediglich dadurch, dass man darauf wartet, endlich einen roten Faden bzw. etwas „Unnormales“ im Buch zu finden. Das erste Drittel des Buches konnte mich leider nicht überzeugen, da einzig und allein der erste Mord, und zwar der an der auszubildenden Krankenschwester, erste Anstöße zum Thriller gab. Zudem kam im ersten Teil auch die Psychologie noch nicht so zum Ausdruck, wie ich es mir erhofft hatte. Das Buch ist tatsächlich in drei Teile geteilt, wobei der erste Teil eine Art Vorgeschichte ist, der zweite Teil von der Mordserie berichtet und der dritte Teil lediglich sehr klein ausfällt, da er „das Leben danach“ verkörpert.
Nachdem also die Vorgeschichte der „Anstalt“ geschafft war, machte ich mich auf weitere, hoffentlich spannendere Passagen gefasst. Zu der Zeit war ich dann auch sehr lesefreudig, da ich wirklich gespannt war, was mich nun erwarten würde. Nun ja, Spannung bekam ich auch, allerdings nur stückweise. Zu viele Details werden wiederholt, was schnell zur Langeweile führt. Allerdings wird immer mehr klar, dass es sich bei den Hauptfiguren Francis, Peter und Lucy um beeindruckende und individuelle Charaktere handelt. Alle drei Personen erschienen mir als sympathisch und durch ihre sehr unterschiedlichen Arten, mit Situationen umzugehen, gewann das Buch noch etwas an Sympathie. Weitere Morde geschehen. Lucy, welche selbst einmal vergewaltigt und durch eine große Narbe in ihrem Gesicht gebrandmarkt wurde, versucht, auf rationale, logische Weise an die Taten heranzugehen. Sie arbeitet als ermittelnde Anwältin, um sich stückweise auch an ihrem eigenen Peiniger zu rächen. Auch Peter, welcher in die Klinik eingewiesen wurde, aber eigentlich nicht „verrückt“ ist, denkt auf eher logische Weise, kann sich aber in das Geschehen und die Arbeitsweise der Klinik einlassen, da er tagtäglich mit den Insassen konfrontiert ist. Francis scheint also der einzige zu sein, der wirklich „ein Ding weg hat“ und auch psychisch in der Lage dazu ist, wie ein Mörder zu denken. Francis ist auch derjenige, der das beste Gespür hat. Aber da Lucy und Peter eng zusammenarbeiten, was auf ihre Gemeinsamkeiten hinsichtlich ihres Berufes bzw. ihrer Arbeitsweise zurückzuführen ist, steht Francis etwas außen vor. Ihm wird kein Gehör geschenkt. Abgesehen von einigen hilfreichen Hinweisen bleibt er ignoriert und stückweise auch ausgestoßen.
Nun ja, allmählich fing ich also an, mich damit auseinanderzusetzen, um wen es sich nun beim Mörder handelt. Ich spekulierte lange Zeit auf … ha, ich verrate es nicht! ;-) Ich möchte nichts vorwegnehmen, außer vielleicht, dass es sich beim von mir vermuteten Mörder um einen „normalen“, in der Klinik arbeitenden Mann handelt. Ab Seite 600 etwa wendete sich das Blatt allerdings nochmal und ich kam auf einen völlig anderen Gedanken, der dann auch stimmen sollte. Der Mörder war letztendlich vorauszusehen, wenn auch nicht hundertprozentig. Abgesehen davon ist das Ende an sich sehr mager ausgefallen – es findet ein Kampf im Kellergewölbe statt, nachdem Lucy angegriffen wurde. Der tätliche Angriff auf Lucy war ebenso vorauszusehen, nachdem sie sich die Haare gefärbt hat und alles so schön organisiert wurde. Mehr möchte ich aber auch hierzu nicht sagen.
Alles in allem fand ich den Abschluss des Buches aber etwas nüchtern und langweilig, wenn nicht sogar voraussehbar. Lediglich Peters Schicksal sagte mir noch einmal zu, da es wirklich ungeahnt war.
Was ich dem Buch aber auch noch abziehe, ist die schlechte Rechtschreibung im Buch. Ich habe so einige Tippfehler entdeckt und das sogar zufällig. Außerdem hatte entweder der Korrektor oder die Übersetzerin – vielleicht sogar beide – ein Problem mit „dass“ und „das“. Diesen Fehler habe ich so oft entdeckt, dass ich das Buch manchmal am liebsten gegen die Wand geworfen hätte. Es ist nicht so, dass Katzenbach nicht schreiben könnte, aber ein mangelndes Rechtschreibvermögen und falsche Kommasetzung auf deutscher Seite machen es nicht gerade zum genüsslichen Lesen. ;-) Der Schreibstil an sich ist sehr gut, dagegen lässt sich meiner Auffassung nach nichts sagen.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich von diesem Buch etwas enttäuscht bin und froh bin, dass ich nur 2 Euro bezahlt habe. Es gibt einige sehr spannende Passagen, eine gut durchdachte Psychologie und durchaus passende Charaktere. Abzug gibt es aber leider für die unangebrachte Detailverliebtheit in diesem Thriller und die daraus folgenden Wiederholungen. Außerdem missfiel mir die Rechtschreibung sowie das unspektakuläre Ende.
Schade, Herr Katzenbach, von mir gibt es leider nur 3 Sterne und keine Kaufempfehlung.
In diesem Sinne vielen Dank für Lesungen, Bewertungen und Kommentare.
Nach wie vor lege ich keinen Wert auf 08/15-Kommentare der Gattung „Super Bericht!“ oder „Sehr informativ“. Entweder jemand hat etwas zur Thematik zu sagen oder nicht, so einfach ist das. ;-) weiterlesen schließen
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