Pro:
Leitfaden für Touristen
Kontra:
Einträge sind zu kurz | Maschsee gehört nicht ins Abseits
Empfehlung:
Ja
| Vorgeschichte
Als wir vor drei Jahren das letzte Mal in Hannover waren, um Verwandtschaft zu besuchen, schauten wir uns einige Sehenswürdigkeiten dieser Stadt näher an. Ich kann mich erinnern, dass ich ziemlich enttäuscht war, dass Niedersachsens Hauptstadt kaum touristische Highlights zu bieten hat. Bei unserem diesjährigen Kurzbesuch wollte ich der Sache nochmals auf den Grund gehen. Ich stieß auf der Stadt-Homepage unter www.hannover.de auf den "Roten Faden", von dem ich heute berichten möchte.
| Was ist "Der Rote Faden"?
"Der Rote Faden" ist eine 4200 m lange Leitlinie durch die Innenstadt Hannovers, der (hauptsächlich) Touristen an "architektonischen, historischen und vergnüglich-unterhaltsamen Sehenswürdigkeiten" vorbei führen soll. Als praktische Hilfe gibt es im Tourismus-Service am Ernst-August-Platz (schräg gegenüber des Bahnhofs - Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9-18 Uhr, Sa. 9-14 Uhr) eine Begleitbüchlein, dass man für 2.- EUR kaufen kann. Das kleine, handliche Buch ist nur 88 Seiten dick und beinhaltet ein paar interessante Informationen und farbige Abbildungen der Hannoverschen Innenstadt. Es ist in deutsch, englisch, russisch, französisch, italienisch, chinesisch, koreanisch, polnisch und spanisch erhältlich. Der Touristen-Service bietet zusätzlich einen Bildband (5,20 EUR) zum "Roten Faden" mit deutschen, englischen, französischen und japanischen Erklärungen an.
| Meine Meinung
Ich möchte an dieser Stelle nicht alle 36 Stationen des roten Fadens ausführlich beschreiben. Das würde zu weit führen. Aber ein paar Punkte sollten doch erwähnt werden. Aber der Reihe nach...
Nachdem wir uns das Heft im Tourismus-Service besorgt hatten, drückte uns der morgendliche Kaffee und wir beschlossen, einen kurzen Abstecher zu Kaufhof Galeria zu machen, wo wir eine Toilette vermuteten. Ziemlich erleichtert machten wir uns danach auf, um zur zweiten Station des Fadens (die erste Station ist das Tourismusamt) zu kommen. Doch mussten wir feststellen, dass wir - aus dem Kaufhof Galeria tretend - in der falschen Straße gelandet waren und nun den Faden im wahrsten Sinne des Wortes von hinten aufrollten. "Unsere" erste Station war nämlich der Endpunkt mit der Nr. 36.
Aufgrund unserer Erfahrungen möchte ich nun warnen, den gleichen Fehler zu machen. Den Faden in der falschen Richtung abzulaufen ist unsinnig und macht absolut keinen Spaß! Viele Informationen werden vom nächsten Punkt - oder auf dem Weg dort hin - vorgegriffen. Wenn man den Weg nun umgekehrt läuft, werden einem diese Infos erst dann geliefert, wenn man bereits daran vorbei gelaufen ist. Also bitte darauf achten, dass man den roten Faden von Nr. 1 bis Nr. 36 in der richtigen Reihenfolge abarbeitet!!!
Läuft man den Faden also in der richtigen Richtung ab, kommt man bei Punkt 2 an die sog. "elegante Luise" - einer 155 m langen, zwölf Meter hohen und glasgedeckten Einkaufspassage. Dass man dieses Gebäude als "Sehenswürdigkeit" anpreist, fand ich schon etwas seltsam. Shoppingbegeisterte mag das wohl gefallen, aber ich trenne eine Sightseeingtour streng von einem Shoppingtag. Deshalb ließen wir die Einkaufspassage links (ähm, rechts) liegen und liefen weiter zur Oper (3). Das klassizistische Bauwerk betrachteten wir nur von außen, obwohl ich die Information, die hannoversche Oper zähle zu den Top 20 der Welt, recht interessant fand. Auch die Georgstraße (4) - Flaniermeile und Boulevard - und die im Heft unter Nr. 5 angegebenen "historischen Fassaden" weckten nicht unser Interesse. Das "Aegidientor" (6) riss uns ebenfalls nicht vom Hocker und erst bei der "Aegidienkirche" (7) begannen meine Augen wieder zu glänzen.
Die Aegidienkirche wurde im Bombenhagel des Jahres 1943 bis auf die Außenmauern und den barocken Turmrest zerstört. Die mit Efeu überwachsene Kirchenruine ist heute Gedenkstätte für die Opfer von Kriegen und Gewalt. Hier hängt die Friedensglocke, die ein Geschenk der Partnerstadt Hiroshima von 1985 ist. Leider hörten wir keines der vier Glockenspiele, die täglich um 9.05 Uhr, 12.05 Uhr, 15.05 Uhr und um 18.05 Uhr erklingen soll. An einem der Strebepfeiler der Aegidienkirche ist ein Andachtsrelief zu sehen - der Volksmund nennt ihn auch "Spartanerstein". Er stellt Station Nr. 8 dar.
Nr. 9 ("Kunst und Geschichte") überblätterten wir gelangweilt, weil ich von der hannoverschen Galerieszene noch nie etwas gehört hatte. Ihr Ruf - falls sie denn einen hat - schien mir nicht interessant genug, um mich näher damit zu beschäftigen. Dafür gefiel mir der "Bogenschütze" (10) vor dem Hannoverschen Rathaus schon eher. Er deutet mit seinem Pfeil direkt auf das Gebäude. Was das wohl zu bedeuten hat? Interessant fand ich den Hinweis, dass eine Kopie der Skulptur in München steht. Bei meinem nächsten München-Besuch werde ich sie mir einmal anschauen.
Ein Highlight des roten Fadens ist meiner Meinung nach das Rathaus (11). Es wurde von 1901 bis 1913 gebaut und steht auf 6026 Buchenpfählen, da der Boden sehr sumpfig ist. Das Rathaus sollte man unbedingt von Innen sehen. Die 38 m hohe Halle ist sehr imposant. Wer Zeit hat, kann mit dem Schrägaufzug hinauf fahren und die Innenstadt von oben betrachten. Allerdings steht dieser Hinweis leider nicht im Begleitbüchlein, was ich schade finde. Solche Tipps habe ich im roten Faden sehr vermisst!
Das "Kestnermuseum" (12) besichtigten wir nicht, weil uns die Sammlung nicht sonderlich interessierte. Der Hinweis, das würfelartige Gebäude sei eigentlich nur ein Mantel, der um den alten Museumsbau von 1889 herum gebaut wurde, fand ich jedoch sehr interessant. Das "Wappenportal" (13), das "Haus des Hofbaumeisters" (14) und das "Wangenheimpalais" (15) mit der seltsamen Bushaltestelle davor betrachteten wir nur kurz. Uns zog es zur Waterloosäule (16), die man leider nur sonn- und festtags besteigen kann. Sie erinnert an die Schlacht bei Waterloo im Jahre 1815, als Preußen, Briten und Hannoveraner Napoleon besiegten.
Zurück Richtung Leine kann man die "Wasserkunst und Flussgötter" (17) und die "Leine-Brücke" (18) betrachten. Unter Nr. 19 wird das "Hohe Ufer" mit dem Beginenturm beschrieben. Unter Nr. 20 sind die berühmten Nanas zu finden. Diese auffälligen Skulpturen von Niki de St. Phalle gehören inzwischen zum Stadtbild Hannovers und gefallen mir besonders gut. Ich schaue immer wieder gerne am Leine-Ufer vorbei, wenn ich in Hannover bin.
Durchs Marstalltor kommt man die die Altstadt (21), wo Bürgerhaus (22) und Kreuzkirche (23) zu finden sind. Dem Unternehmer und Imagepfleger Johann Duve ist unter Nr. 24 ein Denkmal gesetzt worden. Die Informationen, die man im Begleitbüchlein zu seiner Person findet, sind sehr unterhaltsam. Dieser Abschnitt ist einer der wenigen, den ich ausführlich genug finde.
Es geht weiter mit dem "Ballhof" (25), dem "Historischen Museum" (26), dem "Leine-Schloß" (27) und dem "Denkmal für Leibniz". Dann befindet man sich endlich im Kern der Altstadt (29), wo mir die Marktkirche (30) am besten gefallen hat. Hier liegt General Johann Michel von Obentraut, dem Urbild des "Deutschen Michel". Gleich gegenüber liegt das "Alte Rathaus" (31) mit dem "Neidkopf" in der Mauer des Standesamtes.
Wen jetzt der Hunger quält, den führt der rote Faden zur Markthalle (33). Hier kann man nach Herzenslust Schlemmen! Absolut sehenswert!!! Mein Favorit!!
34 ("City"), 35 ("Das Kröpcke") und 36 ("Unterm Schwanz") führen zurück zum Ausgangspunkt und somit wieder ins Shoppingviertel.
Alles in Allem bin ich von Hannovers Sehenswürdigkeiten immer noch nicht überzeugt. Es gibt nur ein paar wenige Stationen des "Roten Fadens", bei denen ich der Meinung bin, man müsste sie gesehen haben. So finde ich die Marktkirche sehr interessant und die Aegidienkirche, außerdem natürlich das Rathaus, die Nanas und die Markthalle. Leider wird der Maschsee im Anschluss nur unter der Rubrik "Abseits des Roten Fadens" erwähnt. Dann ist es aber meistens schon zu spät, weil man sich bereits am Ausgangspunkt (am Bahnhof) befindet.
Im Anhang sind auch das Wilhelm-Busch-Museum, die Herrenhäuser Gärten und der Zoo aufgeführt, was ich sehr wichtig finde. Sie gehören nämlich zu den Touristen-Highlights von Hannover und sollten nicht fehlen. Da sie aber etwas abseits liegen, ist es verständlich, wenn sie nicht im "Roten Faden" integriert sind.
Die im "Roten Faden" gelieferten Daten sind leider nicht sehr ausführlich. Zwar wird auf der Homepage des Tourismus-Services darauf hingewiesen, dass dieses Büchlein nur kurze Erklärungen liefert. Aber ich hätte gerne noch mehr über die einzelnen Stationen erfahren. So gefielen mir vor allem die Erklärungen zu "Johann Duve" (24) und zur "Marktkirche" (30), wobei die "Aegidienkirche" (7) und der "Bogenschütze" (10) meiner Meinung nach zu kurz kamen.
Den Preis von 2.- EUR finde ich in Ordnung. Klar, "umsonst" würde ich das kleine Büchlein auch nehmen. Aber ein kleiner Unkostenbeitrag kann wohl sich jeder Tourist leisten. Apropos: Die Tageskarte der öffentlichen Verkehrsmittel ist mit 4,80 EUR in Hannover vorbildlich günstig. Hier sollten sich andere Kommunen und Städte ein Vorbild nehmen. Da steigt man doch gerne auf die umweltbewusste Variante um!
| Fazit
"Der Rote Faden" des Tourismus-Services Hannover bietet einen kleinen Einblick in die wenigen Sehenswürdigkeiten der Hannoverschen Innenstadt. Die Erklärungen sind meiner Meinung nach teilweise etwas zu kurz gehalten. Shoppingmeilen sind für mich keine Sehenswürdigkeiten, weshalb ich sie im Begleitbuch gar nicht aufgeführt hätte. Dafür habe ich den Maschsee vermisst, der unbedingt in der Leitlinie integriert werden sollte. Einen Platz im Anhang hat er wirklich nicht verdient.
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti
[...auch bei yopi und dooyoo unter ähnlichem Nick tätig ;-) ] weiterlesen schließen
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