Pro:
tolle Charakterstudie, spitzen Schauspieler, Dialoge
Kontra:
2 gleiche Parallelmontagen
Empfehlung:
Ja
"Superman" war 1978 der Kinohit schlechthin und wurde für seine Effekte auch zurecht mit einem Oscar ausgezeichnet. In den 80ern legte Richard Donner mit "Lethal Weapon-Zwei stahlharte Profis" den Grundstein für eine der besten Actionreihen der Filmgeschichte, die in einem Atemzug mit "Die Hard" genannt werden dürfen. In den 90ern versuchte Donner mit weiteren Produktionen wie "Maverick", "Assassins" und "Fletchers Visionen" an seinen Erfolg der 80er anzuknüpfen. Zu unrecht wurde ihm dies versagt, obwohl vorher genannte Filme klasse besitzen und es auch locker mit "Lethal Weapon" aufnehmen können. 2003 kündigte sich für mich jedoch das endgültige Ende Donners an, als er mit "Timeline" einen lahmen, niedrig budgetierten Sci.-Fi.-Streifen auf die Leinwände brachte. Oft zählt in Hollywood nicht was du mal gedreht hast, sondern was du drehen wirst. Und ich möchte mal behaupten, dass Donner besser geworden ist. Denn "16 Blocks" ist keine Actionkomödie wie "LW", sondern ein äußerst spannender Cop-Thriller, mit Bruce Willis in höchstform, der nur einen seiner letzten Filme zu einem Hit verhelfen konnte ("Sin City").
Story:
Jack Mosley (Bruce Willis) ist ein ziemlich kaputter Cop mit einem kaputten Bein und einem Alkoholproblem. Um 08:02 Uhr bekommt er den undankbaren Auftrag den kriminellen Eddie Bunker (Rapper Mos Def) zum Gericht zu fahren, damit dieser dort gegen einen Cop aussagen kann, der schmutzige Geschäfte am laufen hat. Jack hält auf dem Weg dorthin kurz an um sich noch eine Flasche Whisky zu gönnen. Als er seinen hochprozentigen Einkauf erledigt hat, zielt jemand mit einer Knarre auf seine Fracht auf dem Rücksitz. Jack schießt ihn nieder und flüchtet mit Eddie um Verstärkung zu rufen. Sie treffen sich mit Frank Nugent (klasse, David Morse), der jedoch der Drahtzieher des ganzen Attentats ist. Eddie und Jack können noch knapp entkommen und von hier an beginnt eine wirklich klaustophobische Hetzjagd die ihres gleichen sucht. Die Story klingt nicht sonderlich neu, was daran liegen könnte, dass man sie so oder so ähnlich schonmal im Eastwood Klassiker "Der Mann, der niemals aufgibt" gesehen hat. Eastwood muss eine Zeugin von A nach B bringen und wirt von koruppten Bullen gejagd. Das Ganze endet in einer actionreichen Busfahrt. Richard Donner behauptet jedoch, dass er den Film zuvor nie gesehen hätte. Was ich dem Mann jetzt einfach mal glaube. Es handelt sich also um kein "offizielles" Remake. Die Story weist nur eine kleine Schwäche auf. Warum vetrauen die Beiden sich nicht einfach jemand Fremden an, um diesen dann aufzuklären? Tja, das ist halt Film. Und Film muss nur in sich schlüssig sein und solange die Spannung nicht darunter leidet ist das auch ganz akzeptabel. Das Schöne an "16B" ist, dass dem Antagonisten David Morse mehr Platz eingeräumt wird als in anderen Filmen dieses Genres. Dem Zuschauer wird das Anliegen des Bösewichts sogar etwas nähergebracht, so dass man Ansatzweise schon verstehen kann warum Frank Nugent nicht will, dass Eddie Bunker aussagt. Immerhin würde er gegen einen Cop aussagen, aber anderen Cops damit ebenfalls schaden. Cops die Familie haben, die ihren Job lieben und die vielleicht das ein oder andere Mal etwas illegales getan haben um einen wichtigen Fall zu lösen. Den Ausdruck "Bösewicht" finde ich deshalb nicht ganz zutreffend. Von korrupten Cops kann man deshalb auch nicht wirklich reden.
Action:
Wer übrigens Action ala "LW" erwartet ist hier fehl am Platz. Dieser Film ist oberflächlich betrachtet ein spannender Cop-Thriller. Tiefergehend ist "16B" jedoch eine schöne Charakterstudie die bei Actionfans wohl nicht gut ankommen wird. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir keine oder schlechte Action bekommen. Die Actionszenen sind seicht gestreut, aber so perfekt und sauber inszeniert, dass sie am Ende befriedigender auf den Zuschauer wirken als die Mainstreamaction eines Bruckheimer Films. Aufgrund der Personenkonstellation hätte es dem Storyverlauf auch geschadet. Immerhin sind Jack Mosley und Frank Nugent mal 20 Jahre Partner, beste Freunde gewesen und dann sofort wenn man sich begegnet aufeinander zu ballern wäre wohl sehr unrealistisch. Da die Dialoge zwischen Mosley und Nugent äußerst spannend und aussagekräftig sind, denkt man sowieso nicht darüber nach ob die Beiden sich nicht lieber die Kugeln um die Ohren fliegen lassen sollten. Die Hetzjagden durch chinesische Küchen, runtergekommenen Wohnungen und Lagerräumen unterstützen wunderbar die leicht klaustophobische Stimmung des Films. Es ist auch mal wieder shcön zu erwähnen, dass die Action hier durchgehend mit Hand gemacht wurde und CGI nicht ein einziges Mal "sichtbar" verwendet wurde. Genau wie früher in den guten alten "LW" Filmen.
Schauspieler:
Schnauzer, geplatzte Blutäderchen und unterlaufene Augen. Das MakeUp von Bruce Willis ist einfach klasse. Oft spielt Willis Losertypen, aber noch nie hat er sich dabei so ins Zeug gelegt wie hier. Die MakeUp Effekte erledigen dabei den Rest. Bruce Willis hat sich, um sein Humpeln perfekt zu simulieren, sogar einen spitzen Stein in seinen Schuh gelegt. Das hat sichtlich geholfen, denn sein Humpeln vergisst er somit auch in den schnellen Verfolgungsjagden nicht. Schön zu sehen, dass der Mann sich so viel Mühe gibt, was man ja von Stallone und Wesley Snipes nicht mehr behaupten kann. Einfach wunderbar mit anzusehen wie Willis nach jeder Verfolgung fix und fertig ist und ihm der Schweiß über die Stirn rinnt. Kann sein, dass das auch vom Alkohol kommt. Grundsätzlich habe ich etwas dagegen, wenn Rapper in einem Film besetzt werden. Mos Def hat sich jedoch durch seine Leistung im Drama "The Woodsman" bei mir großen Respekt verschaft. Auch in "16 Blocks" legt er sich richtig ins Zeug und den Kleinkriminellen, der im Knast zu einem besseren Menschen wird, kauft man ihm sofort ab. Anfangs habe ich befürchtet, dass Mod Def nur als lästiges Anhängsel an Willis hängt um für ein paar fehlplatzierte Lacher zu sorgen. Keine Spur davon. Er quaselt zwar viel im Film, jedoch darf man ihn deswegen auf keinen Fall mit Martin Lawrence oder Eddie Murphy vergleichen, das wäre falsch. Er hat einfach viel zu erzählen, weil ihm im Knast keiner zugehört hat oder er immer nur mit den selben Menschen zu tun hatte. Alles wa ser sagt ist wichtig, weil man es im Laufe des Films immer irgendwo wiederfindet. Wäre noch David Morse zu nennen, der sich auch musikalisch neben dem Filmgeschäft betätigt, genau wie Bruce Willis und Mos Def. Frank Nugent ist genau so ein inetressanter Charakter wie Jack Mosley. Beide haben eine gemeinsame Vergangenheit, positiv wie negativ. Er stellt keinen Klischeebösewicht dar. Was er tun muss um sein Ziel zu erreichen macht ihm keine Freude. Morse spielt seinen Charakter sehr konzentriert und facettenreich. Ab und zu verspürte ich den Wunsch noch einen Film zu sehen, der die Geschichte um die Partnerschaft von Mosley und Nugent beleuchtet. Die Konstellation Mosley/Bunker ist genau so fesselnd wie das Aufeinandertreffen Mosley/Nugent. Dass der Kriminelle durch den Cop zum Positiven bekehrt wird wäre langweilig und auch nicht neu, aber hier ist er schon durch das Gefängnis rehabilitiert. Mos Defs Charakter dient als Mentor für Bruce Willis, der hier durch Bunker eine positive Entwicklung durch macht. Und zwar eine äußerst spannende. Für mich war der Höhepunkt seiner Veränderung die Szene im Bus, als er erkennt wie Eddie Bunker wirklich ist. Die Chemie von Willis und Morse zeugen von einer intensiven Spannung, wie ich sie zuletzt in "Verhandlungssache" zwischen Samuel L. Jackson und Kevin Spacey gespürt habe. Spitzen Dialoge und Blicke die für sich sprechen. Das ist Spannung! Und jeder, der denkt es handelt sich wieder um ein typisches Buddy-Movie, wie bei "LW" liegt ebenfalls falsch. Während bei "LW" der Kontrast zwischen Mel Gibson und Danny Glover eher oberflächlich war (Familienvater gegen Frauenheld), wird hier kein schwarz/weiß gezeichnet. Weg von den üblichen Stereotypen heißt es hier. Die Synchronstimmen sind übrigens die selben wie sonst auch bei Willis, Mos Def und David Morse. Im Original klingt Mos Def jedoch wie Mickey Mouse, also ist die deutsche Synchronstimme wahrscheinlich die die am wenigsten nervt.
Kamera & Schnitt:
Glen MacPherson hat hier das erstemal geschaft Stimmung mit seinen Bildern zu erzeugen. In "Walking Tall" ist ihm das nicht gelungen, was wie ich annehme an der Story an sich lag. Seinen etwas entsättigten und eng kadrierten Bildern ist es zu verdanken, dass die klaustophobische Stimmung für den Zuschauer spürbar wird. Tolle Deatailaufnahmen ergänzen sich mit gleichwertigen Totalen in den Actionsequenzen zu einem Genuss. Das einzige was ich bemängeln muss sind zwei Parallelmontagen, die beide gleich aufgelöst werden. Beim ersten Mal ist das noch relativ spannend in Szene gesetzt. Die darauffolgenden ist dann eher einfallslos. Ich meine damit die Sequenz im Miethaus bei dem Chinesen und die Sequenz zum Ende hin mit den Krankenwagen. Ansonsten läuft hier alles so wie es laufen muss um eine ordentliche Portion Spannung zu zaubern. Hier wird jede Sekunde mit den Protagonisten mitgefiebert. Musik: Klaus Badelt, der schon für die Gurke "Catwoman" die Musik komponierte, unterstützt hier mit seinen Klängen das Tempo des Films ideal. Sehr zurückhaltend setzt Badelt hier seine Musickstücke ein um dann bei schnelleren Sequenzen wieder etwas draufzupacken. Er kann durchgehend mit seinen Stücken überzeugen ohne sich damit in den Vordergrund zu drängen. Des weiteren komponierte er auch für "Poseidon", "Ultraviolet" und "Wu-Ji", die alle in den nächsten Monaten bei uns anlaufen. Regie: Richard Donner ist zurück und zwar besser als je zuvor. "Lethal Weapon 4" war nicht schlecht, diente aber eher dazu das Image von Mel Gibson nochmal aufzupolieren. Mit "16B" ist ihm eine spannende Charakterstudie gelungen, die für mich auch einige Parallelen zur Realität aufwirft. Achtet z.B. mal auf die Szene am Anfang als die Cops die Wohnung stürmen. In einer Einstellung sieht man wie ein Polizeibeamter mit seinem Fuß einfach mal kurz gegen den Kopf eines am bodenliegenden toten Gangmitglieds läuft. Es ist nur ein ganz kurzer Moment, der aber viel über die Cops im Film und in der Realität aussagt. Denn Donner hat anscheinend seinen Film als eine Analogie zum heutigen Umgang mit Terroristen angelegt. Es geht um Vorurteile, Gleichgültigkeit und das Erreichen eines Ziels mit legalen sowie mit illegalen Mitteln. Man könnte sogar soweit gehen und behaupten, dass der Charakter von David Morse an George W. Bush angelegt wurde. Denn er will Sicherheit auf der Straße, auch wenn er dafür illegale Mittel anwenden muss. Allerdings ist das nur eine kleine unbefestigte Theorie. Solche Dinge machen aber einen guten Film noch sehenswerter. Richard Donner ist einfach klasse. Er lässt die Handlung in Echtzeit laufen, was der Dynamik des Films extrem zur Hilfe kommt. Übrigens kommt der Name Gruber des öfteren im Film vor. Auch in den "Die Hard" Filmen 1 und 3 hieß der Bösewicht Gruber. Ich schätze das war Willis Einfall, zumal er auch an der Produktion des Films beteiligt war.
Fazit:
"16 Blocks" gehört zu den spannendsten Filmen die ich die letzten Monate gesehen habe. Hinzu kommt ein gewisser Anspruch, die mit Action gekonnt verbunden wird. Jede einzelne Szene ist hier spannend und fesselt einen bis zum Schluss. Für diejenigen, die einen reinen Actionfilm erwarten ist "16B" nichts, aber wie lautet es im Film? "People can change!"
9/10 Punkte für den Film und für einen tollen Bruce Willis! weiterlesen schließen
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