Pro:
schöne Grafik, variierende Motorengeräusche, viele Tuningmöglichkeiten, detailierte Fahrzeuge
Kontra:
Gegner leicht zu besiegen, Driftrennen zum Teil zu schwierig, hakende Online-Duelle, teuer
Empfehlung:
Ja
Auf geht's in eine neue Runde: Mitte November hat Electronic Arts (EA) den Startschuss für die neue Ausgabe von "Need For Speed" gegeben, einer der bekanntesten Rennspielsimulationen. Nicht einmal ein Jahr nach dem letzten Titel namens "Most Wanted" hat EA jetzt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die zehnte Version "Need For Speed Carbon" veröffentlicht. Und wieder geht es darum, in wilden Straßenrennen gegen rivalisierende Crews zu bestehen, bei rasendem Tempo die Flucht vor Polizeistreifen zu ergreifen, Straßensperren zu durchbrechen und in der Karriereleiter steil nach oben zu steigen. Neben bekannten Spielelementen haben die Entwickler auch Neuheiten integriert, die ich im nachfolgenden Testbericht vorstellen möchte.
*** Worum geht's? ***
"Der Kampf um die Stadt entscheidet sich im Canyon", so bewirbt EA sein neues Rennspiel, das wieder einmal durch düster-dunklen Gangster-Charme beeindrucken kann. Kernelement von "Need For Speed Carbon" sind aufgemotzte Rennboliden, mit denen nachts in atemberaubenden Tempo durch die Straßenzüge von Palmont City geheizt wird – illegal und ohne Rücksicht auf jegliche Verkehrsregeln. Im wahren Leben sollte darauf in jedem Fall verzichtet werden, macht es am PC auch noch soviel Spaß.
*** Lasse die Karriere beginnen…***
Schritt für Schritt muss sich der Spieler im so genannten Karrieremodus in einzelnen Rennen gegen andere Renn-Crews durchsetzen. Sie beanspruchen einzelne Blocks der Stadt für sich und dulden fremde Rennwagen in ihrem Terrain nur widerwillig. Allerdings geht es nicht nur darum, Ruhm und Ehre zu erlangen, sondern auch um viel Geld. Das ist notwendig, um den eigenen Wagen mit einer Vielzahl an Tuningteilen aufzuwerten, bei Autohändlern komplett neue Schlitten zu kaufen oder auch um saftige Strafen zu zahlen, wenn die Polizei aus wilden Verfolgungsjagden mit den Rasern als Sieger hervorgeht und statt einer weiteren Flucht die Handschellen klicken.
Auch wenn sich auf den ersten Blick im Vergleich mit vorherigen Need For Speed-Versionen in den meisten Situationen nicht viel verändert zu haben scheint, kann die Carbon-Episode durch mehrere neue Features überzeugen. Sie lassen den ohnehin schon hohen Spielspaß nochmals steigen. So besteht erstmals die Möglichkeit, nicht nur allein die vielen verschiedenen Rennen zu meistern, sondern auf die Hilfe einer eigenen Crew zu setzen. Je mehr Stadtbezirke unter die eigene Kontrolle gebracht werden, desto mehr Crewmitglieder stellen sich vor, um ihre Hilfe in den Rennen und beim Tunen des eigenen Fuhrparks anzubieten. Allerdings stehen maximal drei Crew-Mitglieder parallel zur Verfügung.
Jedes der Crew-Mitglieder ist auf eine von drei Rollen spezialisiert: Blocker, Schlepper oder Scout. Die Aufgabe der Blocker erklärt sich von selbst: Sie verfolgen das Ziel, die Fahrzeuge fremder Crews auszubremsen und am erfolgreichen Fahren zu hindern. Problematisch dabei: Hier und da verwechseln sie auch schon mal das fremde mit dem eigenen Team, um sich gleich darauf über eine Audio-Nachricht dafür zu entschuldigen. Mit der Hilfe eines Schleppers kann die eigene Höchstgeschwindigkeit durch das Fahren im Windschatten deutlich gesteigert werden und Scouts zeigen versteckte Wege durch kleine, vergessene Gassen entlang der Strecke, die normalerweise niemand durchkreuzen würde. Da werden dann auch schon mal Absperrungen oder Tore durchbrochen, um eine Abkürzung zu nehmen.
Wurden ausreichend Rennen in einem der insgesamt vier Territorien gewonnen, kommt es zum lokalen Finale und einer weiteren Neuerung von "Need For Speed Carbon". Dann sind Events gegen den Crewboss des feindlichen Territoriums möglich, die entlang steiler Abgründe im Canyon ausgetragen werden. Nur wer gewinnt, darf die Kontrolle eines Territoriums für sich beanspruchen. Zum Teil kommt es auch vor, dass fremde Crews zu Duellen in eigentlich bereits gewonnenen Abschnitten der Stadt auffordern. Das kann schon mal recht nervig sein, ist allerdings realistischer als wenn nur der Gamer selbst fremde Bezirke angreift.
*** Neue Canyon-Duelle ***
Abwechslungsreich sind die verschiedenen Rennmodi. Neben der "freien Fahrt", während der die einzelnen Blöcke von Palmont City erkundet werden können, stehen Sprintrennen im Kampf gegen die Uhr, Radarfallenrennen – bei denen mit möglichst hoher Geschwindigkeit bestimmte Checkpunkte passiert werden müssen – und Driftrennen bereit. Hierbei geht es darum, möglichst schnell, querstehend und mit quietschenden Reifen die Kurven zu nehmen ohne dabei die Leitplanke oder Felsen zu berühren.
Neu sind die Canyon-Duelle gegen die Bosse fremder Crews. Sie sind in zwei Teile aufgeteilt und dabei gilt: Mann gegen Mann, Auto gegen Auto. Zunächst darf bei der Verfolgung der Gegner nicht aus den Augen verloren werden. Es kommt darauf an, möglichst lange auf Tuchfühlung zu bleiben und bei Bedarf auch zu überholen. In Runde Zwei, übernimmt der Spieler die Führungsrolle, am Ende wird abgerechnet. Doch Vorsicht: die Schluchten sind tief, der Wagen beim Durchbrechen der Leitplanke nur noch ein Haufen Blech.
*** Online warten noch mehr Gegner ***
Ist die Karriere einmal gemeistert, warten über das Internet weitere Herausforderungen auf den virtuellen Raser. Über den EA-Server kann nicht nur der schnellste Fahrer auf vielen der einzelnen Rennstrecken ermittelt werden, indem der Schatten des aktuell Zeitbesten verfolgt und im Idealfall überholt wird, auch andere Modi sind online möglich. So besteht die Möglichkeit, mit einem Polizeiwagen auf die Suche nach Rasern zu gehen. Wer selber Raser sein möchte, muss zunächst einen solchen erwischen. Während meines Tests musste ich allerdings immer wieder feststellen, dass die Verbindung zum EA-Server getrennt wurde. Das mag an den vielen Spielern liegen, die online in Duellen antreten möchten, förderlich für den Spielspaß sind die Verbindungsabbrüche aber sicher nicht.
*** Wagen tunen ***
Sicherlich Geschmacksache, für viele Freaks aber ebenfalls eine interessante Neuerung ist die so genannte "Autosculpt"-Funktion. Je weiter der Spieler seine Karriereleiter nach oben klettert – das heißt, je mehr Rennen er gewinnt – desto mehr Möglichkeiten gibt es, den eigenen Wagen zu tunen und nach den persönlichen Vorlieben zu gestalten. Im eigenen Unterschlupf können die unzähligen Tuning-Teile wie beispielsweise Front- und Heckspoiler, Felgen, Motorhaube oder Auspuffrohre durch das bei den Rennen gewonnene Geld nicht nur gekauft, sondern zudem auch nach dem eigenen Belieben angepasst werden.
Auch dem Motor kann mehr Leistung zugeführt werden - auf Wunsch auch eine Lachgaseinspritzung, um den eigenen Wagen auf langen Geraden auf ungeahnte Geschwindigkeit zu beschleunigen. Ebenfalls lässt sich das Auto mit einer neuen Lackfarbe oder einem fetzigen Design versehen. Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn der eigene Wagen durch unzählige Verfolgungen mit der Polizei zu bekannt geworden ist.
Insgesamt stehen bei "Need For Speed Carbon" drei verschiedene Wagenklassen zur Verfügung, in denen wiederum aus vielen verschiedenen Modellen ausgewählt werden kann. Schweren Muscle Cars aus den USA, die in der Beschleunigung alles andere als optimal laufen, dafür aber in der Höchstgeschwindigkeit punkten können, stehen Tuner aus Asien gegenüber, die durch ein einfaches Beherrschen des Wagens in Kurven überzeugen sollen. Exoten aus Europa wie Mercedes oder VW sorgen hierzulande für heimische Atmosphäre.
Trotzdem bleibt ein Manko: Alle drei Wagenklassen lassen sich im Spiel leider zu identisch steuern. Abgesehen von vielen verschiedenen und durchaus beeindruckenden Motorsounds konnten wir bei unserem Test kaum nennenswerte Unterschiede ausmachen, auch wenn ein Porsche beispielsweise anders in die Kurven gefahren werden sollte, als ein VW Golf GTI.
*** Mein Fazit: Rennspaß (auch) für Einsteiger ***
Es ist und bleibt, wie es war: Need For Speed macht einfach Spaß. Erstaunlich ist allerdings die Tatsache, dass auch Einsteiger schnell mit dem Handling der Wagen zurechtkommen und sich die Gegner recht leicht besiegen lassen – auch ohne Hilfe der eigenen Crewmitglieder. das bleibt aber nicht im gesamten Spielverlauf so. Je weiter die Karriere fortschreitet, desto härter werden die Rennen gegen die Kontrahenten. Insbesondere in den Drift-Rennen ist echtes fahrerisches Können und die optimale Kontrolle über den eigenen Boliden notwendig, um als Sieger den Parcours zu verlassen.
Recht einfach zu handhaben sind auch die Verfolgungsfahrten gegen Streifenwagen der Polizei. Zwar setzen die Ordnungshüter hier und da mal zu einem Rempler an oder bauen Straßensperren auf, doch sind diese entweder leicht zu durchbrechen oder gar zu umfahren. Hier wäre ein härteres Eingreifen wünschenswert gewesen. Wie aus den Vorgänger-Versionen bekannt, ist es möglich, einzelne Streifenwagen abzuhängen, indem Hindernisse gerammt werden – zum Beispiel ein mit Stahlrohren beladener LKW. Dieser verliert daraufhin seine Ladung, die anschließend die Straße blockiert.
*** Online-Gaming mit Haken ***
Die leider zu schnell vollendete Karriere wird durch den Online-Modus erweitert, der aber noch mit vielen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Inzwischen hat EA einen Patch (http://www.electronic-arts.de/publish/ea_spiele/download_details.html?dlid=1725&spieleid=941&nav=4) veröffentlicht, der kleinere Probleme und Unstimmigkeiten bei den Internetrennen behebt, jedoch nach unseren Erfahrungen nichts an den nervigen Verbindungsabbrüchen ändert.
Alles in allem ist EA ein solider zehnter Teil der Need For Speed-Serie gelungen. Die vielen unterschiedlichen Wagen werden durch eine ansprechende Grafik ebenso realistisch dargestellt, wie durch beeindruckende Motorengeräusche. Und wenn bei den nächtlichen Canyonfahren die Stadt-Silhouette am Horizont sichtbar wird, wirkt sich auch das positiv auf das Gameplay aus. Schade ist, dass im allgemeinen Straßenverkehr immer die gleichen Fahrzeuge auftauchen. Insbesondere die weißen TV-Übertragungswagen tauchen zu häufig auf.
*** Nett aber teuer ***
Dennoch: Mit Höchstgeschwindigkeit durch die nächtlichen, fast leergefegten Straßenzüge zu brettern macht Laune und sorgt für die ein oder andere abwechslungsreiche Spielstunde. Schade ist nur der hohe Preis: Für die von uns getestete PC-Version werden immerhin 55 Euro fällig, noch teurer sind die Ausgaben für die Xbox 360 und die bald auch in Europa erhältliche Playstation 3.
Abschließend wie immer mein Hinweis, dass ich diesen Bericht als Redakteur von onlinekosten.de schrieb. Er ist unter meinem Namen auch unter www.onlinekosten.de zu finden. weiterlesen schließen
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