Pro:
"Cars" ist ein Pixar-Film, und allein das ist schon so eine Art Adelsprädikat.
Kontra:
"Cars" ist nicht ganz der Renner, der "Findet Nemo" war. Aber an den reichen Pixar so schnell wohl nicht mehr heran - auch "Die Unglaublichen" war m.E. toll, aber kein zweiter "Findet Nemo".
Empfehlung:
Ja
Am Karnevalssamstag wurde die „Cars“-DVD einem gründlichen Test im Heimbereich unterzogen. Der Versuchsaufbau beinhaltete Popcorn sowie ein sechsjähriges Mädchen und einen siebenjährigen Jungen.
Wenn die Pixar Studios morgen ihre Pforten für immer schlössen, könnten die Pixar-Leutchen auf eine vergleichsweise kurze, deshalb aber nicht minder beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die fing an mit „Toy Story“, dem ersten komplett am Computer getricksten abendfüllenden Animationsfilm, und sie fand ihren bisherigen Höhepunkt mit „Findet Nemo“. Der Markenname „Pixar“ ist innerhalb kurzer Zeit zu einem Prädikat geworden, das für computeranimiertes Entertainment der Spitzenklasse steht. Es hat nicht lange gedauert, bis das auch der Großen Alten Dame des animierten Unterhaltungskinos klar wurde: Im Januar 2006 verleibte sich der Disney-Konzern die Pixar-Studios ein – die Vertriebskanäle der Mäusemacher hatte Pixar schon vorher genutzt.
„Cars“ ist also gleichermaßen ein Pixar- wie ein Disney-Film. Und schon sind wir mittenmang in der Zwickmühle. In gewisser Weise ist „Cars“ ein sehr typisches Disney-Produkt, und in gewisser Weise tut das dem Film nicht gut. Technisch ist „Cars“, Pixar sei Dank, mal wieder Staunen erregend gut gelungen. Die Schwächen des Films liegen eher im erzählerischen Bereich. „Cars“ ist, so habe ich das empfunden, einfach nicht so straff erzählt wie der direkte Vorgänger „Findet Nemo“. „Cars“ bietet nicht die Fülle an kleinen Pointen, die „Nemo“ durchgängig zum Vergnügen gemacht haben. Und die Geschichte, die „Cars“ erzählt, ist auch einfach nicht so interessant wie die von „Findet Nemo“: Fisch-Sohnemann geht verloren – und Daddy durchschwimmt den ganzen Ozean, um Sohnemann wieder zu finden. Das hat, finde ich, vom Start weg mehr Potenzial als „Cars“: Knallrotes, angeberisches Rennauto entdeckt, dass es ein Leben abseits der Überholspur gibt. Das ist eine sehr moralische Botschaft, für die der Film allemal das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient – und leider ist das auch vergleichsweise etwas langweilig.
„Findet Nemo“ ist eben nicht nur ein wunderbar animierter Film gewesen, sondern „Findet Nemo“ hat eine interessante Geschichte erzählt und war gespickt mit herrlichen Figuren (die Schildkröten!) und tollen Gags (die zwei Pelikane, die auf dem Wasser dümpeln). Deswegen war „Findet Nemo“ nicht nur ein Augenschmaus, sondern ein Film, der keine Längen hatte und der nicht einen Augenblick lang langweilig war.
Und „Cars“?
Ich glaube, Kinder sind das gnadenloseste, unbestechlichste Publikum, das ein Regisseur fürchten kann: Eine ehrlichere Reaktion als das sichtlich gelangweilte Herumgehampel des minderjährigen Zielgruppen-Publikums, das wir zum Heimkinoabend geladen hatten, ist nicht denkbar. Die Langeweile kam übrigens zu dem Zeitpunkt auf, den ich bereits im Verdacht gehabt hatte: Wenn Rennwagen McQueen und die flotte Miss Sally sich bei einer gemeinsamen Fahrt über Land näher kommen, dann ist das alles zwar wirklich sehr, sehr toll illustriert – aber tolle Landschaftsaufnahmen sind, auch wenn sie aus dem Rechner stammen, nun mal in erster Linie tolle Landschaftsaufnahmen. Und als solche für Kinder eher langweilig, selbst wenn im Hintergrund auch noch ein wirklich nettes Stück Musik läuft, das sogar für den „Oscar“ nominiert war.
Noch einmal: Was die Optik von „Cars“ angeht, gibt’s wirklich nichts auszusetzen. Allein die Farbgebung des Films ist eine echte Augenweide. Die rötlich-staubige Wüste unter Abendhimmeln in zarten Lila- und Rosatönen ist ja schon toll gelungen – aber wenn dann noch plötzlich die Neonreklamen des kleinen, verschlafenen Nestes „Radiator Springs“ aufflammen, untermauert Pixar wieder ganz deutlich den Anspruch darauf, die führende Pixelschmiede im Reich der Animation zu sein. Die subtile Beleuchtung im Inneren des Laderaumes von Truck „Mack“, die offenbar dem Farbwechsel der in diesen Tagen immer beliebteren LEDs nachempfunden sind, ist auch ein echter Hingucker – keiner vielleicht der beim ersten Sehen ins Auge fällt, dafür aber einer, der die Sorgfalt und Detailverliebtheit verrät, mit der hier zu Werke gegangen worden ist.
Keine Frage: „Cars“ ist sehenswerte Unterhaltung – und wahrscheinlich wäre „Cars“ auch bei erwachsenen Kritikern besser weggekommen, wenn nicht Pixar selbst die Messlatte so arg hoch gehängt hätte. „Cars“ ist toll, aber „Cars“ ist eben kein zweiter „Die Unglaublichen“ (der hat mir auch sehr, sehr gut gefallen), und „Cars“ ist schon gar kein zweiter „Findet Nemo“.
Die DVD bietet, wen wundert’s, Bestwerte in Sachen Bild und Ton – gäbe es das Medium DVD nicht, dann müsste es für Filme wie „Cars“ erfunden werden.
Die Zusatzausstattung hingegen ist, wenigstens für Pixar-Verhältnisse, etwas mau: Wer das Verwöhnprogramm der verschwenderisch ausgestatteten Doppel-DVDs erwartet, auf denen „Findet Nemo“ und „Die Unglaublichen“ erschienen sind, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Neben einem 16 Minuten kurzen Hintergrundbeitrag mit dem Titel „The Inspiration for ‚Cars’“ gibt’s den Trailer sowie zwei weitere Pixar-Animationsfilmchen (eines davon zeigt Abschleppwagen „Hook“ in einem neuen Kurzabenteuer), außerdem gibt’s eine viel versprechende Vorschau auf den nächsten Pixar-Kinostreich „Ratatouille“, in dem’s um eine Pariser Ratte mit Feinschmecker-Ambitionen geht.
Darüber hinaus wird nichts geboten. Ich kann damit in diesem Falle zwar wunderbar leben, könnte es aber verstehen, wenn Fans des Films vergrätzt reagieren: In Australien (und offenbar nur dort) ist „Cars“ – bitte fest anschnallen! – sogar als Dreifach-DVD erschienen. Mithin hat die deutsche „Cars“-DVD den faden Beigeschmack, der so vielen Editionen für den deutschsprachigen Markt anhaftet, die das umfangreiche Bonusmaterial anderer Editionen für US, UK, Australien oder einen anderen Teil der Welt unterschlagen.
R e s ü m e e
Rennwagen geht verloren, um zu sich selbst bzw. zu der Erkenntnis zu finden, dass es Ruhm und Erfolg auch abseits der Rennbahn zu gewinnen gibt. Die Optik des Films ist toll, die Geschichte hat allerdings ihre Längen. Ein zweiter „Findet Nemo“ ist „Cars“ nicht, und die Ausstattung der DVD lässt leider auch zu wünschen übrig. weiterlesen schließen
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