Pro:
Sixties-Komödienklassiker mit gutem Bild und Ton - endlich auch auf DVD zu haben und mittlerweile sehr günstig.
Kontra:
Bonusmaterial? Fehlanzeige.
Empfehlung:
Ja
„Das große Rennen rund um die Welt“ stammt aus einer Zeit, in der es dem Kino noch gut ging: Einfach ein paar große Namen her, dann noch eine amüsante Geschichte drum herumgestrickt, zusätzlich noch ein paar hübsche Locations und ein bisschen Liebe – fertig war die Laube. Und das Dolle daran: Dem Publikum gefiel’s.
Jawoll, so ist das: Hier wird nicht mit nie da gewesenen Spezialeffekten und waghalsigen Stunts geprotzt; und selbst die Kulissen sind oft genug eindeutig als das zu erkennen, was sie sind. Ach, seien wir ehrlich: Auch die wenigen Spezialeffekte sind wenig spektakulär, stehen dafür aber ganz im Dienst der Story – wenn Tony Curtis’ Lächeln so richtig strahlt, ist das genauso ein netter visueller Gag am Rande wie der Einsturz des Eiffelturms ganz zum Schluss des Films. Und die Stunts? Tja, „Das große Rennen rund um die Welt“ bietet zwar die womöglich größte Tortenschlacht der Filmgeschichte, aber die eigentlichen Verdienste des Films finden sich weder in der Ausstattung noch auf dem Gebiet akrobatischer Glanzleistungen.
„Das große Rennen rund um die Welt“ folgt einem Strickmuster, das sich eine ganze Weile lang gut bewährt hat: Man nehme ein paar bekannte und beliebte Schauspieler, stricke um sie herum eine Geschichte, in der es um ein Wettrennen geht – und das war’s dann eigentlich schon. Was dabei herauskommt, sind Filme wie „Eine total, total verrückte Welt“ (1963) oder „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ (1965), der aus dem gleichen Jahr stammt wie “The Great Race“. 1981 und 1983 gab’s mit “Honkytonk Freeway“ und “The Cacconball Run“ durchaus erfolgreiche Versuche, dem Genre neues Leben einzuhauchen, aber seitdem scheint die ehemalige Erfolgsformel wirklich in Vergessenheit geraten zu sein – wer weiß, vielleicht sind die Stars von heute und ihre Agenten einfach zu gierig geworden, als dass das finanzielle Wagnis wirklich erfolgreich sein könnte?
Die Grundidee von “The Great Race“ ist schnell geschildert: Wir schreiben das Jahr 1907. Ein Automobilbauer wünscht sich den werbewirksamen Beweis für die Qualität seines Produktes – und findet sie in einem Preisausschreiben, aus dem derjenige als Sieger hervorgeht, der auf dem schnellsten (Land-)Weg von New York nach Paris gelangt. Als Automobilisten für die eigene gute Sache verdingt das Unternehmen, wen wundert’s, einen Rennfahrer (Tony Curtis), außerdem nehmen am großen Rennen noch dessen erklärter Widersacher Professor Fate (gespielt von Jack Lemmon) und eine sehr hübsche Suffragette (Natalie Wood) teil.
Den Rest kann mensch sich schon fast zusammenreimen, oder?
Tony Curtis und Natalie Wood sind im Film natürlich zunächst Kontrahenten, entdecken dann aber ihre Gefühle füreinander, und weil dies ein Film aus einem anderen Zeitalter ist, wird in einer romantischen Szene zwischendurch auch mal ein für den Oscar in der Kategorie “Best Song“ nominiertes Liedchen zum Lobe des “Sweetheart Tree“ zum Besten gegeben (dafür, dass Musik und Text vom Besten sind, bürgen Henry Mancini und Johnny Mercer). Zwischendurch versucht der schlimme Finger Professor Fate mit ziemlich unegalen Mitteln, den Sieg des „großen Leslie“ zu verhindern (natürlich geht der Schuss mit schöner Regelmäßigkeit nach hinten los), und im letzten Drittel wird “The Great Race“ noch mal qua kurz zur Persiflage von “Der Gefangene von Zenda“ und gibt Jack Lemmon die Gelegenheit, eine zwote Rolle zu spielen.
Und was kommt summa summarum dabei heraus?
Ein im besten Sinne harmloser, witziger Filmspaß – angenehm altmodisch, aber nicht verstaubt, mit einer Laufzeit von 150 Minuten für heutige Verhältnisse vergleichsweise lang, aber nie langweilig: „Das große Rennen rund um die Welt“ ist der perfekte „Wir warten aufs Christkind“-Film, der die Zeit bis zur Bescherung verkürzt oder auch das Warten auf den Wechsel von Silvesterabend zum Neujahrsmorgen – durch und durch netter Familien-Kintopp vom Regisseur, der uns auch die „Pink Panther“-Filme mit dem unvergessenen Peter Sellers als trotteligem Inspektor Clouseau beschert hat.
Die DVD bietet blitzsauberes Bild und guten Ton, aber leider nicht mehr – bekennende Bonusmaterialisten gehen hier so leer aus wie selten. Trotzdem gibt’s von mir volle Punktzahl für die Veröffentlichung eines unterhaltsamen Films auf DVD, die lange auf sich hat warten lassen und die mittlerweile sehr günstig zu haben ist. weiterlesen schließen
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