Pro:
beleuchtete Thematik, Besetzung
Kontra:
unrealistisch, schlecht übersetzt, platte Story, rosarotes Hollywood - Ende, dürftige DVD - Extras
Empfehlung:
Nein
Einleitung:
Filme, die die Thematik der Hooligan Bewegung oder speziell Ultra-Gruppierungen im Fußball beleuchten, gibt es zwar nicht wie Sand am Meer, aber sie sind bei genauerer Recherche und Interesse für diese Fakt nicht schwer ausfindig zu machen. Eines Abends wurde also auch der Film "Hooligans" brühwarm konsumiert und dieser hat ein durchwachsendes Bild hinterlassen. Nicht allein als Sympathisant eines Leipziger Kultvereins kenne ich die Differenzen besonders bei Rivalen auf lokaler Ebene sehr gut und konnte sie so beim Schauen dieses Films sehr gut auf den Rahmen England übertragen. Das UK generell als Geburtsnest der Hooligan-Szene sollte ja fast jedem bekannt sein. Doch bei sesselpupsenden Spießbürgern hat zumeist beim Hören des Wortes "Hooligan" eine nicht der Wahrheit entsprechendes Abbild ergeben: Hooligans - saufende, bärige Suffköppe mit nationaler Ausrichtung und faustkräftigen Argumenten. So falsch ist diese Vorstellung vom Stereotypen des Hools sicherlich nicht, aber auf die Stirn geschrieben steht es zum Glück niemanden. Auch im Film wird dieser Aspekt zunächst erst einmal richtig dargestellt, wie ich finde: Hools müssen nicht immer riesige Schränke sein, mit extrem kurz geschorenen Haaren und dem IQ eines Eimers gefüllt mit Wasser, jeden Tag in die Muckibude rennen und sich nur laut verbal ausdrücken. Falsch gedacht. Denn zumeist sind es eben Klientel aus der working-class, die zum Stressabbau am Wochenende eben ihren Kick brauchen: Fußball, fi*****, Alkohol und Bambule. Leute, die sich eben gut fighten können und dies auch unter Beweis stellen wollen. Fußball lebt nun mal von Emotionen, deren Ventil mitunter eben schlagkräftige Argumente sein können. Aber es gibt eben auch bestimmte Basics: Wer am Boden liegt, wird nicht mehr angerührt und ein Feind steht jeder Fangruppe gegenüber: der vermeintliche Freund und Helfer.
Inhalt:
Der Hauptdarsteller im Film ist Matt: Matt (Elijah Wood) ist ein Student an der Harvard-Universität und managt bisher sein Journalismus-Studium mehr als gut. Doch dann dies: kurz vor seinem Abschluss wird er ohne eigenes Verschulden von der Hochschule geworfen, weil ihm der vermeintliche Kokainbesitz nachgewiesen werden konnte. Matt geht nach London, wo er seine Schwester Shannon (Claire Forlani) besuchen möchte. An diesem Tag spielt gerade Westham United gegen Arsenal London. Ein besonders gewürztes Stadtderby. Der Bruder von Shannon's Mann, Gründungsmitglied der "Green Street Elite" - eine berüchtigte Ultra-Gruppe von Westham, nimmt Matt mit zum Spiel. Doch Matt tritt gleich ins erste Fettnäppchen: Er spricht von Soccer - das Unwort aller englischen Fußballfans. Eine wahre Beleidigung für Freunde des gepflegten Geschiebes. Milchbubi Matt schaut nicht schlecht drein, als er die aufkochenden Euphorien und aufgeheizte Stimmung im Hexenkessel des Stadions miterleben darf.
Unmittelbar nach Spielende tritt dann Matt den Heimweg gen Wohnung der Schwester an, wird aber in einer Seitenstraße von Arsenal-Hools tätlich angegriffen. Zum Glück ist die "Green Street Elite" gerade in der Nähe und hilft ihm aus der Patsche. Matt erkennt schnell, was es heißt, wenns knallt. Es kommt nicht auf Körpergröße oder -umfang an. Atzen aus dem Fitnessstudio müssen nicht zwangsläufig immer am längeren Hebel sitzen. Vielmehr heißt es schnell sein und jeden Zug des Gegners schon im Voraus zu erkennen und diesem entgegenzuwirken. Nach Matts erster erfolgreich absolvierter Schlacht, geht die Clique erst mal einen trinken. Doch schon in dieser anfänglichen Szene zeigen sich erste gravierende Filmfehler auf. Neben einer miserablen durchgängigen Übersetzung kommt es bei dieser sehr unübersichtlichen Schlacht zu einem utopischen Ausgang. Mehr als doppelt so viele Arsenal-Hools verlieren haushoch gegen 10 Leute der United, ohne das diese ernsthafte Verluste einzustecken haben. Quatsch ist auch, dass die feste Gruppe der 10 Fußballfreunde nahezu im gesamten Film immer zusammen unterwegs ist und sich auch nie aus den Augen verliert, auch als es bei Waffeleien alles etwas schneller zur Sache geht.
In der Folge kommt Matt immer mehr auf den Untergrund-Geschmack: Vorgeglüht wird zunächst einmal in der eigenen Kneipe und dann geht's ab zu Westham. Das nächste Spiel in Manchester stellt die Westham-Hools ebenfalls unter eine harte Probe: feindliche Fans warten schon am Bahnhof, können aber durch ein Ablenkungsmanöver "besiegt" werden. Hier zeigt sich ein weiterer wahrer Fakt auf: Die Taktik ist ein fundamentaler Bestandteil von Überfällen solcher Art.
In der Folge heizt sich der Konflikt zwischen Matt und seiner Schwester immer mehr auf. Denn ihr Mann war früher auch mal Westham-Fan und ebenfalls Gründungsmitglied der "Green Street Elite". Nach einem tragischen Tod eines Jungen bei einer Schlägerei hat er seinem Hobby aber den Rücken zugedreht. Doch die Vergangenheit holt ihn wieder ein: Der Vater des Jungen - ebenfalls Anführer einer verfeindeten Londoner Fußballmannschaft schwört blutige Rache und die Vergeltung erfolgt prompt mit dem Überfall des Lokals der Westham-Ultras. Schluss mit lustig. Sportlich fair wird sich ein Match am Stadtrand ausgemacht. Der Ausgang? Bleibt erst mal geheim! Selbst schauen.
Kritik:
Wie bereits angedeutet beinhaltet der Film einige Filmfehler. Die Synchronisation ist einfach nur schrecklich. Annähernd britische Stimmung kommt nur bei Schauen des Films im Originalton auf. Zudem sind die Dialoge miserabel übersetzt. Der Übersetzer scheint wohl mit wirklicher Fankultur nicht viel am Hut gehabt zu haben und hat eher Vokabular von Sekttrinkenden, dekadenten Lobbyisten mit VIP-Raum-Dauerkarte für den FC-Bayern-München verwendet. Außerder Ultra-Gruppierung "Schickaria" kann man diesen mit Bonzen verseuchten Verein eh vergessen.
Und es geht weiter: Das englische Wort für Ultra-Gruppierung wurde im Film lieblos mit "Firma" übersetzt. Abgang!
Auch die Nahaufnahmen bei den Aufeinandertreffen der rivalisierenden Fangruppen sind nicht die besten: Verwackelte Kameraaufnahmen, generell unruhige Kameraführung und schlecht nachvollziehbare Schnitte.
Auch das Ende des Films ist mehr als platt, ebenso wie der viel zu durchsichtige Storyverlauf. Der Konflikt des klassischen Dreieckkonflikts zwischen Matt, seiner Schwester und deren Mann weitet sich weiter aus und endet in einer Tragödie. Doch die Lehre bleibt auf der Strecke. Ein typisches Hollywood-Ende. Gewalt ist nicht gut, aber Alternativen werden nicht angeboten. Ein meines Erachtens nach einfach zu gering an der Oberfläche kratzende Film der nie wirklich tiefgründig auftrumpft.
Die finale Szene misslungen wie ich finde: (nicht lesen, falls das Ende offen bleiben soll)
Matt fährt zurück nach Harvard und trifft dort auf dem Klo den Kommilitonen, dem er seinen dortigen Rauswurf zu verdanken hat. Dieser hat sich gerade eine Line K zu Gemüte geführt und wird daraufhin von dem Ich-mutier-innerhalb-von-wenigen-Tagen-vom-Milchbubi-zum-Superschläger Matt attackiert. Obwohl sein gegenüber nun die Kompetenz in Person sein müsste, gibt dieser klein bei und schenkt Matt reinen Wein ein. Totaler Quatsch wie ich finde. Der Regisseur scheint auch in diesem Metier noch keinerlei Erfahrungen gemacht zu haben, verfilmt aber eine solche Thematik - naja!
Auch die Fangesänge sind nur in englischer Sprache zu ertragen. Auch hier erweisen sich die deutschen Übersetzungen als lächerlich klingende Lutscherkost. Keine wirklich coole Fangruppierung lässt solche sinnlos-und-langweilig klingenden Gesänge vom Stapel. Die Betonung liegt mitunter auf den falschen Silben, sodass ein stimmungsgewaltiges Singen nie wirklich auf den in diesem Metier geschulten Rezipienten überschwappen könnte.
Aber Ende wie gewohnt noch die allgemeinen Details zum Film:
Originaltitel: Green Street Hooligans
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Jahr: 2005
Dauer: 109 min
Genre: Drama
Regisseur: Lexi Alexander
Schauspieler: Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani, Marc Warren, Leo Gregory
Drehbuch: Lexi Alexander, Dougie Brimson
Land: USA/ UK
Format: Dolby, Surround Sound, PAL
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9, 1.85:1
DVD Erscheinungstermin: 1. Dezember 2005
Studio / Vertrieb: MC One
Ländercode: Regionalcode 2
Extras:
Die DVD bietet als Extra Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur und eine Bildergalerie. Somit mehr als mau, aber meines Erachtens nach auch nicht so entscheidend.
Preis:
Die DVD kostet zwischen 12 und 15 Euro. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben