Pro:
Alles zw. Anfang und Ende
Kontra:
Evtl. das voraussehbare Ende
Empfehlung:
Ja
San Fransico, Anfang der 80er: Christopher Gardner steckt in Schwierigkeiten. Die gesamten Ersparnisse seiner Familie hat er in neuartige Knochendichtmessgeräte gesteckt, die nur geringfügig bessere Ergebnisse liefern, als die bisher verwendeten Geräte, jedoch doppelt so teuer sind und dadurch schlecht zu verkaufen – was er zum Zeitpunkt des Erwerbs nicht wusste. Trotzdem versucht er, besagte Geräte an Arztpraxen und Krankenhäuser zu verkaufen, was nur mäßig funktioniert. Immerhin verdient er gerade noch genug, um mit seiner Familie zumindest einigermaßen über die Runden zu kommen – allerdings muss er an allen Seiten sparen. Auch an der Miete, mit der er schon seit Monaten im Rückstand ist. Einen realistischen Weg aus dieser Situation scheint es nicht zu geben. Als Linda genug von all den Problemen hat und mit ihrem gemeinsamen Sohn verschwindet, scheint alles endgültig zusammenzubrechen. Doch Chris stößt bei der Suche nach einem besser bezahlten Job auf ein Praktium bei einer Investmentbank, das, und das ist der große Nachteil, unbezahlt ist. Zudem hat von all den Bewerbern nur einer die Chance, später als Broker an der Börse zu arbeiten. Aber das ist vielleicht die einzige Möglichkeit, ein Vater für seinen Sohn zu sein und einen Weg aus den finanziellen Engpässen zu finden..
---> A Father's Way
Die Hauptmotivation für Chris' Arbeitseifer liefert sein kleiner Sohn Christopher Junior, der es einmal besser haben soll, als er es in seiner Kindheit hatte. Der echte Chris Gardner, auf dessen Geschichte „Das Streben nach Glück“ basiert, sagte dazu in einem Interview, dass er ein von seiner Familie verlassenes Kind war und allein aus dem Grund seinen Sohn niemals im Stich lassen würde. Genau dies kommt im Film wunderbar zum Ausdruck. Gardner weicht nicht von der Seite seines Juniors – egal, welches Ausmaß seine bzw. ihre Lage nimmt.
Besonders schlimm wird es für beide, als Linda den Entschluss fasst, zu gehen – nicht nur in eine andere Wohnung, sondern nach New York, da sie dort eine Festanstellung in Aussicht hat. Dadurch fehlt nicht nur Mutter und Ehefrau, sondern auch ihr Lohn, welches natürlich zum Überleben beigetragen hat. Und da die Miete ohnehin seit Monaten fällig ist, wird der Vermieter immer ungeduldiger und droht mit Rausschmiss. Während Christopher selbigen beruhigt, in dem er ihm versichert, den Mietpreis schnellstmöglich zu bezahlen, versucht er seine medizinischen Geräte an den Mediziner zu bringen – ein Verkauf bedeutet vier Wochen überleben. Dummerweise hat niemand wirkliches Interesse an dem Produkt, außer ein Obdachloser und ein Hippie, die ihm zwischenzeitlich ein Gerät stehlen, welches er sich auf (als Außenstehender betrachtet) äußerst amüsante Weise zurückholt. Nur verkaufen kann er auch dieses Teil leider nicht.
Deshalb entschließt er sich, sich um das Praktikum bei einer Investmentbank zu bewerben. Da kommt die Frage auf, wie er gerade auf diese Institution kommt. Ganz einfach: Er lief an der Bank vorbei, traf einen Mann, der aus seinem roten Ferrari stieg und stellte ihm zwei Fragen: „Was machen Sie, und wie machen Sie es?“ Er sagte ihm, er sei an der Börse tätig und alles, was man dazu können muss, ist mit Zahlen und Menschen umgehen. Beides kein Problem für Christopher, so holte er sich ein Bewerberformular und bewarb sich – mit Erfolg. Nur ist er damit noch nicht aus dem Sumpf gezogen, denn das Praktikum ist unbezahlt.
---> Das Streben nach Glückseligkeit
Es kommt, wie es kommen muss: Die Miete kann nicht ausgeglichen werden, worauf der Vermieter das Schloß auswechseln lässt. Chris und sein Sohn sind obdachlos. Zwar haben sie noch ein wenig Geld für ein Motel, allerdings können sie ihren Aufenthalt dort bald auch nicht mehr finanzieren, da die Verkäufe noch immer nicht vorangehen. Spätestens jetzt hätten viele den Kopf in den Sand gesteckt und alle Hoffnungen verloren – nicht Christopher Gardner! Hartnäckig gibt er jeden Morgen seinen Sohn bei der Kindertagesstätte ab, geht seinem Praktikum nach, lernt fleißig und versucht zwischendurch die Knochendichtmessgeräte zu verkaufen. Viel Zeit hat er für all die Tätigkeiten nicht, denn spätestens um 17 Uhr muss er mit seinem Jüngling beim Obdachlosenheim sein, sonst ist es unwahrscheinlich, dass sie einen Platz zum Nächtigen erhalten. Alternativen zum Heim gibt es zwar schon, jedoch keine wirklich guten: Entweder irgendwo unter freiem Himmel oder eine „sichere“ U-Bahn-Toilette. Im Zweifelsfall entscheiden sie sich für letzteres.
Zwischen der Obdachlosigkeit, dem Praktikum, den Verkaufsversuchen und dem Streben nach Glück, versucht Christopher seinem Sohn ein Vorbild zu sein und ihn so gut es geht zu erziehen. Er gibt ihm zum Beispiel den Ratschlag, oder vielmehr den Befehl, immer für seine Träume zu kämpfen und sie zu beschützen – egal, was andere (und dazu zählt auch er selbst) dazu sagen. Das ist im Grunde auch die Kernaussage des Streifens: Das Leben selbst in die Hand nehmen und nicht darauf hören, was andere zu sagen haben. Sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen, sondern immer wieder aufstehen und seinen Weg gehen. Der Titel „Das Streben nach Glück“ drückt den Filminhalt insgesamt am besten aus, basiert er auf der Unabhängigkeitserklärung von Amerika, die von Thomas Jefferson am 4. Juli 1776 verfasst wurde und in der es unter anderem heißt:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.“
---> Vorausehbarkeit
„Das Streben nach Glück“ hat ein Problem, was die meisten Filme haben, die auf einer wahren Begebenheit basieren: Das Ende ist vorhersehbar. Dies ist jedoch nicht weiter tragisch, denn es kommt nicht auf das Ende an, sondern auf das, was dazwischen passiert und wie das alles gemeistert wird. Und gemeistert werden muss viel, jedoch gibt es keine fortlaufenden Rückschläge. Immer wieder finden positive Ereignisse statt, wie zum Beispiel die Zulassung zum Praktikum und die damit verbundene Hoffnung auf einen festen Arbeitsplatz mit festem Einkommen. Oder Kleinigkeiten, die Gardner seinem Sohn kauft, wenn er etwas verkauft hat – Kleinigkeiten, die hierbei die Welt für den Kleinen wesentlich aufzuhellen scheinen. Viel beeindruckender ist aber, wie sie ihre Obdachlosigkeit angehen: Mit Stärke. Christopher Gardner sagte dazu, dass sie „homeless, but not hopeless“ (obdachlos, aber nicht hoffnungslos) waren und Will Smith als Chris Gardner, wie auch sein Sohn Jaden als Chris Gardner Junior bringen diese Einstellung meines Erachtens glaubwürdig auf die Leinwand. Es gibt beispielsweise eine Szene vor dem Obdachlosenheim, in der sich ein anderer Obdachloser in der Schlange vordrängelt – und zwar vor Gardner und seinen Sohn. Die anderen wartenden Herrschaften haben das natürlich bemerkt, nur sagte niemand etwas dazu – vielleicht sahen sie keinen Wert darin oder es war ihnen aufgrund ihrer Hoffnungslosigkeit egal. Doch Chris Gardner fing mit dem Drängler fast eine Schlägerei an und dabei liegt die Vermutung nahe, dass er dies seines Sohnes wegen tat – damit er ein Dach über den Kopf hat; zumindest für diese Nacht.
---> Die DVD
Als Bonusmaterial gibt es Audiokommentare vom Regisseur Gabriele Muccino, eine Auseinandersetzung mit dem „American Dream“ von einem Italiener, Vater & Sohn im Film und privat, ein Gespräch mit dem „echten“ Chris Gardner, nähere Erläuterungen zum Zauberwürfel und eine Musik-Performance. Sprachen: Deutsch (5.1), Englisch (5.1). Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch. Laufzeit ca. 113 Minuten.
---> Fazit
In „Das Streben nach Glück“ zeigt sich Will Smith von einer anderen, ernsthaften Seite. Kennt man ihn doch vor allem aus Komödien und Actionstreifen, so widmet er sich hier den „amerikanischen Traum“ alá vom Tellerwäscher zum Millionär und schafft dies auch ausgesprochen gut – was ihm sein Sohn übrigens gleichtut. Sicherlich ist das Ende vorhersehbar, doch darauf kommt es bei diesem Film nicht an. Stattdessen transportiert er eine Botschaft, die sich schnell erahnen lässt: Nicht aufgeben und nicht die Hoffnung verlieren. Das die Geschichte dabei tatsächlich so passiert ist und nicht aus den Fäden eines Hollywood-Autoren stammt, zeigt, dass sich harte Arbeit und Zielstrebigkeit durchaus löhnen können – und das macht „Das Streben nach Glück“ zu einer Inspirationsquelle, bei der man eventuell selbst darüber nachdenkt, inwiefern man sich von Meinung anderer beeinflussen lässt. weiterlesen schließen
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