Pro:
großartige schauspielerische Leistung von Helen Mirren
Kontra:
überflüssiger Film, einseitige Personencharakterisierung
Empfehlung:
Nein
Erst kürzlich habe ich entdeckt, dass unsere Stadtbücherei auch eine kleine DVD-Sammlung hat, bei der man sich für eine Woche auch mal Filme und Serien ausleihen kann.
Es sind zwar nicht die Top-Blockbuster dabei, aber immerhin ein paar Filme, die ich mir immer schon gerne ansehen wollte.
So habe ich mir übers Wochenende dieses Mal „Die Queen“ ausgeliehen und natürlich auch angesehen.
_Zum Inhalt
August 1997: Tony Blair ist gerade zum neuen britischen Premierminister gewählt worden und macht sich nervös zum Antrittsbesuch bei der Queen auf.
Die Queen ist wie gewohnt sehr reserviert und misstrauisch dem Politiker gegenüber, Tony Blair hingegen ist sofort von der Monarchin begeistert. Der Besuch ist sehr kurz und nicht besonders herzlich, doch ein paar Tage später kommt der Tag, der in Großbritannien alles verändert: der 30. August 1997, der Tag, an dem Prinzessin Diana, die Königin der Herzen, in Paris einen schweren Autounfall hat und ihren schweren Verletzungen erliegt.
Die ganze Nation ist in Trauer, nur die Queen und ihre Familie, die sich im Sommerurlaub in Schottland befinden, halten sich an die Etikette und zeigen keinerlei öffentliche Reaktion.
Das britische Volk nimmt den Monarchen dieser Gefühlskälte sehr übel und blitzartig sinkt die Sympathie für die Monarchie, aber die Queen denkt gar nicht daran, sich öffentlich zu äußern oder gar ein öffentliches Begräbnis von Diana zuzulassen.
Tony Blair sieht die negative Stimmung gegenüber der Queen mit großer Besorgnis und er rät ihrer Majestät dringend ihr Schweigen zu brechen und Diana das Begräbnis zu geben, das die Bevölkerung sich wünscht. Nur so könne die Monarchie vor ihrer größten Krise bewahrt werden…
_Meine Meinung
Ich tu mich bei von Kritikern gelobten und mit Oscars ausgezeichneten Filmen immer etwas schwer, sie als langweilig zu bezeichnen, weil ich mir dabei immer wie ein Banause vorkomme, aber ich finde „Die Queen“ einfach langweilig und überflüssig, wobei ich aber gleichzeitig sagen muss, dass die Leistung von Helen Mirren als Queen wirklich hervorragend ist.
Der Tod von Lady Di ist eines dieser Ereignisse, die man nie vergisst und bei dem jeder sofort sagen kann, was er gerade gemacht hat, als er die Nachricht erhielt. Ich erinnere mich auch daran und ich weiß auch, dass ich damals alle möglichen Sendungen und Berichterstattungen dazu angesehen habe.
Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb mich „Die Queen“ einfach nicht gefesselt hat. Vielleicht habe ich mich an dem Thema einfach sattgesehen.
Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass bis auf die Queen alle anderen Charaktere im Film sehr eindimensional gezeichnet sind, was mich teilweise ganz schön auf die Palme gebracht hat. Prinz Charles wird nur als Einschleimer beim Premierminister dargestellt, ansonsten bekommt man von ihm nicht viel zu sehen. Sein Verhältnis zu den Prinzen William und Harry wird so gut wie gar nicht thematisiert und gerade das wäre auch etwas gewesen, was ihm vielleicht etwas Profil verliehen hätte (also in dieser filmischen Darstellung).
Queen Mom ist nicht die schrullige und liebenswerte alte Dame im rosa Kostümchen, sondern eine verbitterte alte Frau, die ihrer Tochter immer noch sagt, wo der Hase langläuft (im wahrsten Sinne des Wortes).
Am Schlimmsten ist für mich aber die Familie Blair charakterisiert worden. Tony Blair ist das treue Hündchen, welches der Queen hinterherdackelt und alles dafür tut, dass diese Frau, „die in 50 Jahren nichts falsch gemacht hat“ in der Öffentlichkeit gut dasteht und sich mal ja keiner in der Öffentlichkeit negativ über die Monarchie äußert. Nach außen hin möchten seine Anhänger ihn gerne als den großen Reformer wirken lassen, aber innerlich ist er zu 100% königstreu und hat im Film Sätze zu sagen, die nichteinmal ein neunjähriges Kind über seine Mama zum Besten gibt.
Seine Ehefrau Cherie hingegen ist die knallharte Gegnerin der Monarchie und der Queen im Speziellen. Teilweise wirkt sie sehr verbittert und auch unfähig (eine dreifache Mutter, die ihrer Familie angebrannte Fischstäbchen serviert).
Neben dieser völlig einseitigen Personendarstellung, habe ich mich während des Films auch einfach nur gefragt, worum es denn eigentlich geht.
Ich bin bisher davon ausgegangen, dass es um eine Darstellung der britischen Gesellschaft und das zeitweise etwas schwierige Verhältnis des Volks zur Monarchie geht und dass man vielleicht zu verstehen lernt, weshalb die Monarchen so an ihrer Etikette und Contenance festkleben, aber das alles wird bei „Die Queen“ nur am Rande thematisiert.
Im Grunde handelt der Film vom Tode Dianas und vom unfähigen Umgang der königlichen Familie mit der Situation. Dazu kommt, dass Tony Blair, warum auch immer, ein so großes Interesse daran hat, dass die Queen sich menschlich und korrekt verhält und ihr ständig gut zuredet. Warum sein Interesse am Bestand der Monarchie so groß ist, kann man nur ahnen (oder sich halt irgendwo anders über die britischen Kämpfe zwischen ererbter und gewählter Macht informieren).
„Die Queen“ hat aber durchaus auch positive Seiten. Wie schon erwähnt, hat mich die Leistung von Helen Mirren als Queen Elizabeth sehr beeindruckt und auch die Mischung aus fiktiven Bildern und original Aufnahmen aus der Zeit ist sehr gelungen – das war´s dann aber auch schon.
_Allgemeines
"Die Queen“. UK 2006
Regie: Stephen Frears
Drehbuch: Peter Morgan
Darsteller: Helen Mirren, Michael Sheen, Alex Jennings, James Cromwell, Roger Allam, Sylvia Syms
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
_Die DVD
Sprachen / Ton: Deutsch, Englisch (beide in Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bild: 16:9
Ländercode 2
_Bonusmaterial
Neben dem deutschen und dem englischen Kinotrailer, einer winzigen Fotogalerie, gibt es als Bonusmaterial einiges zu lesen und zwar in Form von Informationen über Cast und Crew und Notizen über die Produktion, die ganz informativ sind.
Wer nicht lesen möchte, kann sich auch das knapp 20-minütige Making-Of ansehen, dass den Fokus auf die Darstellung lebender Personen, die Ausstattung des Sets und der Schauspieler und die Ereignisse rund um die Trauer um Lady Di legt. weiterlesen schließen
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