Pro:
leiser AF-S Antrieb, VR (Bildstabilisator)
Kontra:
ab 200mm läßt die Leistung der Optik nach
Empfehlung:
Ja
Heute möchte ich von meinen Erfahrungen mit meinem Nikon AF-S VR 70-300mm f/4,5-5,6 G ED berichten. Geliefert wird dieses schöne Telezoom in einem großen goldenen Karton mit schwarzer Beschriftung, das wirkt schon ziemlich wertig. Auch das beigefügte Zubehör ist angenehm komplett:
Lieferumfang:
Natürlich das ca. 750g schwere Objektiv, beide Abdeckungen, wobei ich hier gerade den Frontdeckel hervorheben möchte, denn ich finde die Nikon-Konstruktion durch den Innengriff sehr praxisnah, da auch bei angesetzter Gegenlichtblende der Deckel abgehoben werden kann, wenn man kleinere Hände hat. Und für meine großen Hände ist der Deckel auch angenehm, da er ca. 6mm Dicke aufweist – da hat man was in der Hand ;-). Die Gegenlichtblende wird auch mitgeliefert und ist angenehm strukturiert, dadurch also doch sehr unempfindlich.
Gehäuse:
Das Objektiv ist mit 145mm Länge und 80mm Durchmesser natürlich nicht klein und mit einem schon erwähnten Gewicht von 750g auch kein ausgesprochenes Leichtgewicht. Aber gerade diese Größe macht es für ein Telezoom wieder handlich, denn man kann schön mit der Hand voll unter das Nikon AF-S VR 70-300 greifen und hat so eine stabile Haltung bei Fernaufnahmen. Es ist zwar voll aus Kunststoff gefertigt (aber mit Metallbajonett), durch den großen gummierten Zoomring jedoch ein tolles Anfaßgefühl (neudeutsch: Haptik). Auch die Zoomverstellung an sich geschieht mit angenehmen Wiederstand und ohne Rucken. Die Oberflächenstruktur tut da sein Übriges.
Die Technik:
Die kann man gut anhand der kryptischen Bezeichnung des Objektives erklären:
AF-S: Es ist natürlich ein Autofokus-Objektiv, das auf „Knopfdruck“ automatisch scharfstellen kann. Hier kommt Nikon’s SilentWave Technik zum tragen, ein äußerst leiser Ultraschallantrieb, den Canon unter der Bezeichnung USM erfunden und eingeführt hatte. Das funktioniert sehr zuverlässig und die Innenfokus-Konstruktion führt dazu, dass mein Fokussieren die Gesamtlänge des Objektives nicht verändert wird und sich die Frontlinse dabei auch nicht dreht. Das ermöglicht auch die optimale blütenförmige Gegenlichtblende. Es kann jederzeit in das Fokussiergeschehen eingegriffen werden, ohne den dennoch vorhandenen Schalter von Automatik auf Manuell schalten zu müssen. Die manuelle Verstellung erfolgt hier jedoch ungedämpft und relativ direkt.
VR: Die „AntiWackel-Technologie“ von Nikon, die dazu beiträgt, dass bis zu 4 Lichtstufen längere Belichtungszeiten freihand realisierbar sind (je nach persönlichem Zitterfaktor). Dies ist besonders bei so lichtschwachen Zoom-Objektiven von unschlagbarem Vorteil. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass die Optik hier nur den eigenen Zitterfaktor ausgleicht und natürlich nicht die Bewegungen der Objekte. In der 2. hier eingebauten Version ist ein Schalter eingebaut, der es ermöglicht, schöne Mitzieh-Effekte zu realisieren, die ansonsten durch den VR neutralisiert werden könnten (Modus: Aktive).
70-300mm: Das ist der Brennweiten-Bereich, den das Objektiv zur Verfügung stellt. Bei 300mm ist das Objektiv ca. 4cm länger geworden, dennoch dreht sich die Frontoptik, die mit einem 67mm-Filter geschützt werden kann, auch hier nicht. Das ist auch angenehm bei der Nutzung von Pol- oder Verlauf-Filter.
G-Typ: Hier muss ich generell ein wenig auf den Nikon-Bajonettanschluß eingehen. Nikon hat im Gegensatz zu Canon bei seinen Autofokus-Objektiven den Anschluss nur modifiziert, um die Kompatibilität zu älteren Nikkoren größtenteils aufrecht zu erhalten. Da bei diesen Objektiven die Blende mechanisch übertragen wurde (durch einen kleinen Hebel am Anschluss zu erkennen), hatten diese auch die manuelle Blendenverstellung natürlich am Objektiv. Obwohl auch bei den modernen AF-Objektiven von Nikon dies mechanisch geschieht, verzichte man bei den G-Nikkoren auf diese Blendenverstellung am Objektiv. Diese erfolgt elektronisch an den modernen Autofokus-Kameras.
ED: Dies ist eine spezielle Glaskonstruktion, die eine verbesserte Lichtdurchlässigkeit ohne innere Spiegelungen gewährleisten soll.
Die Naheinstellgrenze liegt bei diesem Objektiv bei 1,5 m und hat einen maximalen Vergrößerungsfaktor bei 1:4
Die Optik:
Nach meinen Erfahrungen ist Verzerrung bei diesem Objektiv trotz seines großen Brennweiten-Bereiches so gut wie nicht vorhanden. Das haben die Nikon-Konstrukteure sehr gut gelöst. Die Linse kann an digitalen Sensoren im kleineren Format wie auch im Vollformat (analog wie digital) genutzt werden. Da ich meine Erfahrungen hier jedoch nur mit meiner D2H gesammelt habe, kann ich nur für das kleinere APS-C Format des digitalen Sensors wiedergeben. Und hier sind auch die Randabschattungen (Vignettierung) vernachlässigbar. Von 70-200 mm Brennweite ist sie eine ausgezeichnete Optik, die danach aber merklich nachlässt.
Das Bild ab ca. 200mm erscheint mir etwas kontrastarm, bei 300mm geradezu flau, da hilft auch kein Abblenden. Das ist eigentlich schade, denn gerade die ED-Gläser sollten das eigentlich verhindern. Auch die Farbsäume (CA’s) zwischen dunklen und hellen Ränder nehmen in diesem Brennweiten-Bereich überproportional zu. Das kann man zwar mit entsprechender Software im Nachhinein ändern, ist dennoch ärgerlich.
Fazit:
Alles in allem hinterlässt die Optik bei mir gemischte Gefühle. Das Gehäuse und die Mechanik sind nahezu makellos, ab 200mm Brennweite hat sie jedoch so seine Macken hat. Wer es weiß, die kann bis zu einem gewissen Grade entsprechend korrigierend eingreifen. Die Optik wird komplett mit Gegenlichtblende ausgeliefert und das Bajonett hat sogar einen Staubschutzring, der in dieser Objektiv-Klasse (kein roter oder goldener Ring) nicht üblich ist. Wenn hier Nikon im Glas noch etwas nachbessern würde, könnte eine tolle Optik herauskommen. weiterlesen schließen
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