Pro:
viele geniale Szenen
zusätzliche Szenen der Redux Fasung
Kontra:
Redux Fassung zieht sich
magere Extras
Empfehlung:
Ja
Regie:Francis Ford Coppola
Darsteller: Martin Sheen, Dennis Hopper, Marlon Brando, Robert Duvall, Laurence Fishburne
Inhalt:
Mitten im Vietnamkrieg: Captain Willard (Martin Sheen) von den Spezialkräften wird von der US Armee der Auftrag erteilt, den hochdekorierten Colonel Kurtz (Marlon Brando) zu eliminieren. Dieser ist scheinbar durchgedreht, hat mit seinen Männern in Kambodscha ein Terrorregime aufgebaut, gehorcht keinen Befehlen mehr und ist für die Armee nicht zu erreichen. Eine ähnliche geartete Mission ist gescheitert (vom Trupp hat man nichts mehr gehört) - jetzt soll's Willard richten.
Auf einem Patroullienboot macht er sich den Fluß hinab zu Colonel Kurtz auf, während die Besatzung nichts von der gefährlichen Mission ahnt. Dabei geraten sie in immer absurdere Situationen, die den Wahnsinn des Kriegs offenbahren je näher sie ihrem Ziel gelangen: ein Hubschrauberangriff auf ein Dorf (der kommandierende Offizier ist primär am Surfen interessiert), eine Show von Playboy-Bunnies für die Soldaten (später trifft die Bootsbesatzung die Schönheiten wieder und erhandelt sich intime Momente für ein wenig Treibstoff), das Passieren einer Brücke bei nachts mitten in den schlimmsten Gefechten, der Aufenthalt auf einer Farm französischer Kolonialisten (der einen Exkurs in die Kolonialgeschichte Indochinas bietet) - am Schluß gelangen sie dezimiert ins Lager von Col. Kurtz.
Dort muß sich Willard dem finalen Showdown stellen.
Kritik:
Apocalypse Now zeigt wie kaum ein anderer Film den Wahnsinn des Krieges. Die absolute Stärke des Films ist, daß so viele einzigartige Szenen geschaffen wurden. Angefangen beim Filmbeginn - untermalt von "This is the end" der "Doors" ein wahnsinniges Toben von Willard in seinem Zimmer in Saigon - , der Hubschrauberangriff aufs Dorf mit Wagners Walkürenritt als Begleitmusik, die darauffolgende Surferszene (legendär der Ausspruch: "Charlie does not surf!"), das nächtliche Passieren einer hart umkämpften Brücke und der dort tobende Kampf, der an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten ist: der Vietcong zerstört die Brücke, die Amerikaner bauen sie dann wieder auf, die Soldaten haben komplett die Orientierung verloren (auf die Frage nach dem kommandierenden Offizier bekommt Willard die Antwort "Ain't you?!") oder sind komplett (zugekifft) der Realität entrückt.
Insgesamt gelingt es damit, ein surreales Bild vom Wahnsinn des Krieges (bis zum finalen Höhepunkt, der Schreckensherrschaft des Col. Kurtz) zu zeichnen, fernab jeglichen Hollywood-Heldentums - die in die Redux-Version eingefügte Sequenz auf der Farm franzäösischer Kolonialisten liefert da vor dem Höhepunkt, dem Gelangen ins Kurtz' Camp, noch eine kleine Verschnaufpause und ein (fast unwirkliches) Ausruhen in einer fernen Welt. Insoferne schien mir dieser Handlungsstrang auch etwas wie ein Fremdkörper im Film zu wirken.
Neben der - von Coppola in dieser Periode (der Film entstand Ende der 70er) gewohnten - handwerklichen Perfektion ist auch die Schauspielerleistung vom Feinsten: Martin Sheen, als immer mehr auf den Spuren des Colonel Kurtz wandelnder Spezialkräfteoffizier, (trotz auf dem Set erlittenen Herzinfarkt) mit einer sehr guten Darbietung, die Show stehlen ihm aber etwas Robert Duval als surfbegeisterter exzentrischer Colonel Kilgore ("I love the smell of napalm in the morning"), Dennis Hopper als ebenso exzentrischer Fotojournalist, den man im Kurtz-Camp als begeisterten Anhänger des Colonels trifft, und natürlich Marlon Brando - entgegen den Vereinbarungen mit den Produzenten zu übergewichtig - , der das Dämonische und Durchgeknallte im Colonel mit perfekter Nuschel-Performance einzigartig zum Ausdruck bringt.
Wo die vorligende Redux-Version - es wurden zig Minuten (Laufzeit 202 Minuten) an Filmmaterial und geschnittenen Szenen gegenüber dem Original wieder eingefügt - deutliche Schwächen zeigt ist das Gesamtbild: die einzelnen Szenen großteils brilliant gemacht (von der Kameraführung, Schauspielerei her) , aber insgesamt wirkt der Film überladen und viel zu lang. Ich muß gestehen, es noch nicht geschafft zu haben, einmal den Film ohne Unterbrechung anzusehen. Eine straffere Handlung (nicht ohne Grund sind etliche Szenen ursprünglich der Schere zum Opfer gefallen) wäre da meiner Meinung nach wohl besser gewesen. Nur um den Trend von Starwars, E.T,... nachzukommen und an Kultfilmen herumzudoktern (und ein paar Extra-Dollars einzunehmen) - dafür ist Apocalypse Now zu schade.
DVD (FSK 16):
Extras sind der Trailer und eine etwas surreal wirkende Sequenz, wo die Sprengung des Kurtz Camp auf den Philippinen (Material nicht im Film verwendet) abgefilmt wird.
Bild- und Tonqualität sind (soweit ich das als Durchschnittsverbraucher beurteilen mag) recht gut.
Angesichts der bewegten Entstehungsgeschichte sind die Extras doch dürftig, immerhin gäbe es da bei einer Dokumentation viel zu erzählen (Herzinfarkt des Hauptdarstellers, monatelange Dreharbeiten, tonnenweise Filmmaterial). Insoferne ist's für Filmfreunde vielleicht vernünftiger auf ein kompletteres Paket zu warten.
Fazit:
Kultfilm der eine Schatztruhe an legendären Szenen und Zitaten ist, jedoch in der vorliegenden Redux Version zu überladen und langatmig ist. Die DVD ist sehr mager ausgestattet, ansonsten von der Bild- und Tonqualität recht gut. Endlich eine zufridenstellende Special Edition mit ausführlichen Extras und beiden Versionen (ideal mit seamless branching) wär absolut wünschenswert weiterlesen schließen
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