Pro:
Perfekter Ausgangsort für Erkundung der Highlands
Kontra:
Im Sommer ziemlich überlaufen
Empfehlung:
Ja
Während einer mit der dänischen Reederei DFDS Seaways angetretenen
Pauschal-Kurzreise im Mai hielten sich die beste Ehefrau von allen und
ihr Angetrauter zwei Tage lang im schottischen Pitlochry auf. Den
meisten Menschen hierzulande dürfte dieser Ort unbekannt sein, einen
Besuch aber ist er allemal wert. Und deswegen möchte ich an dieser
Stelle Pitlichy allen Reisefreudigen vorstellen.
Die Geographie
Pitlochry wird gern als Tor zu den Highlands bezeichnet. Die Lage des
Ortes ist für alle Schottland-Reisenden wirklich optimal, denn von
Edinburgh oder Glasgow aus ist Pitlochry jeweils in rund einer
Autostunde erreichbar, das schottische Hochland beginnt direkt im bzw.
nördlich des 2.500-Einwohner-Ortes, der zur Grafschaft Perth and Kinross
gehört. Von Perth aus ist Pitlochry in knapp einer halben Stunde über
die gut ausgebaute A 9 zu erreichen. Der Ort verfügt auch über einen
Bahnhof mit Anschluss an die Highland-Linie Edinburgh/Glasgow -
Inverness. Wir erreichten Pitlochry übrigens über die Fährverbindung
Amsterdam - Newcastle, wobei es vom englischen Hafen bis zum Zielort
knapp 300 Kilometer sind, für die mit dem Auto etwa dreieinhalb Stunden
benötigt werden.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter dieser Adresse: www.visitscotland.com/info/towns-villages/pitlochr y.
Die Historie
Im nahen Allean Forst finden sich die Reste eines Ringforts aus dem 8.
Jahrhundert, genannt "The Black Spout". Die geschichtlichen Ursprünge
von Pitlochry gehen auf das Jahr 208 zurück, als der römische Kaiser
Septimius Severus an den Moray Firth vorstieß und zum Schutz der Truppe
auch in den Seitentälern Kastelle errichtete. Die Pikten errichteten
einen Symbolstein (Dunfallandy Stone) in dem dort später entstandenen,
ursprünglich selbständigen Ort, dessen Kirche, Moulin Kirk, bereits im
Jahr 1180 genannt wird. 1511 wurde Moulin zum Burgh ernannt. Der Ort
Pitlochry selbst entstand, nachdem General George Wade ab 1725 eine
Straße durch den Ort bauen ließ, um nach den Jakobiten-Aufständen von
1715 die ländlichen Bereiche Schottlands zu erschließen. Im Jahr 1842
besuchte Königin Victoria das nahe gelegene Blair Castle. Damit
steigerte sich auch der Bekanntheitsgrad des Ortes. Im Jahr 1863 wurde
eine Bahnstation eingerichtet, und Pitlochry wurde zu einem beliebten
Touristenziel. Folgend entstand das Atholl Palace Hotel als bis heute
bestehendes Wahrzeichen der Gegend. 1947 wurde Pitlochry zum Bezirk
(Burgh) ernannt. Im gleichen Jahr wurde auch mit der Errichtung einer
Staumauer zur Gewinnung von Energie aus Wasserkraft begonnen. Die
Staumauer staut den Fluss Tummel zum Loch Faskally auf und verfügt über
eine 311 Meter lange Lachsleiter. Loch Faskally und die Fischtreppe
zählen heute zu den bekanntesten Touristenattraktionen. Im Jahr 1951
wurde das Pitlochry Festival Theatre eröffnet, welches ursprünglich in
einem Zelt spielte. Das heutige Theatergebäude stammt von 1981. Der Ort
war 2003 ein Gewinner des Gartenbauwettbewerbs "Britain in Bloom" in der
Kategorie Small Country Town. Neben dem Theater und dem Wasserkraftwerk
ist Pitlochry heute Standort von zwei Whiskybrennereien sowie einer
Kleinbrauerei. (Quelle: Wikipedia).
Die Ausflugsziele
Weil wir selbst im Atholl Palace Hotel wohnten (worüber noch ausführlich
zu berichten sein wird), passt dieses Haus nicht in die Aufzählung
unserer Ausflugsziele, ist aber für alle anderen Menschen einen Besuch
wert, wobei neben dem Hotel selbst auch dessen riesige Parkanlagen und
ein im Haus untergebrachtes kleines Museum über das Hotelleben früher
beachtenswert sind.
Nicht weit von Pitlochrys Ortskern entfernt liegt Blair Castle, schön
ist auch ein Ausflug entlang des Flusses Tummel zum Tay und an diesem
entlang nach Westen über Aberfeldy und Kenmore zum Loch Tay. Wer noch
etwas weiter fahren möchte, kann von Pitlochry aus problemlos mit Auto
oder Bahn die schottischen Metropolen Edinburgh und Glasgow oder auch
alle Höhepunkte der Highlands erreichen. Mein Tipp ist ein Besuch am
Loch Katrine nordöstlich von Glasgow - und natürlich eine Fahrt durch
das berühmte Glen Coe.
Die Einkaufsmöglichkeiten
Natürlich gibt es in Pitlochry die in einem derartigen Ort zu
erwartenden Geschäfte. Ein Supermarkt, eine Apotheke, mehrere Drogerien,
zwei Banken mit Geldautomaten, mehrere Antiquitäten-Läden und kleine
Geschäfte mit Souvenirs und Handwerkskunst sind vor Ort zu finden.
Besonders interessant aber ist der Fabrikverkauf der Firma "Heathergems"
(zu deutsch etwa: Heideschätze), bei dem auch wir erfolgreich auf
Schnäppchenjagd gingen. Hier gibt es Schmuck mit Steinen aus
getrockneten, gepressten und schließlich geschliffenen Heidekräutern.
Sehenswert ist auch der Produktionsablauf und die Bearbeitung des
"Rohstoffs", des Heidekrauts, was durch einige Fenster vom Laden aus
beobachtet werden kann. Die kleine Fabrik mit Ladengeschäft liegt hinter
der Touristen-Information.
Meine Meinung
"Ceud mile fàilte" steht auf einem Schild am Ortseingang - und damit
dürfte dem Besucher klar sein, dass er endgültig in Schottland
angekommen ist. Für all diejenigen, die möglicherweise in der gälischen
Sprache nicht ganz so bewandert sind, sei erwähnt, dass sich diese
Begrüßung mit einem "100.000 Willkommen" übersetzen lässt. Und
willkommen fühlten wir uns in dem kleinen pittoresken Örtchen mit seinen
Naturstein-Häusern tatsächlich. Pitlochry ist ein Touristenort mit sehr
vielen Übernachtungsmöglichkeiten, die vom Campingplatz über einfache
Bed& Breakfast-Häuser bis eben zum Atholl Palace Hotel reichen.
Entsprechend ist auch das weitere Angebot im Ort: Es gibt viele
Möglichkeiten, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen - hier rangiert
die Bandbreite von Fish & Chips bis hin zum exklusiven Menü. Es
dürfte also für jeden Geschmack und jede Brieftasche etwas zu finden
sein.
Die Menschen in Pitlochry sind Fremden gegenüber sehr offen, was meiner
Meinung nach nicht nur daran liegt, dass sie größtenteils vom Tourismus
leben. Im übrigens bemühen sie sich auch im Gespräch mit dem Besucher,
den eigenen Dialekt zu unterdrücken und so zu sprechen, dass sie von der
englischen Sprache mächtigen Gegenübern verstanden werden. Wer Fragen
hat, der kann in Pitlochry nahezu jeden Menschen ansprechen - allerdings
muss er aufpassen, dass er nicht nur auf andere Touristen trifft, was
vornehmlich in den Sommermonaten leicht geschehen kann. Deswegen auch
würde ich empfehlen, den Ort eher im Frühjahr (wenn die Natur erwacht
und überall zärtliches Grün sprießt) oder im Herbst (wenn die Bäume
wunderschöne Gelb-, Rot- und Brauntöne entwickeln) zu besuchen. Auch für
Wanderer ist Pitlochry dann besonders schön.
Der Ort selbst schlängelt sich an seiner Hauptstraße entlang, wo auch
die meisten Geschäfte zu finden sind. Lohnenswert ist aber auf jeden
Fall auch ein Spaziergang entlang des Flusses Tummel, dessen lange
Lachstreppe in der Nähe des Theaters wir natürlich auch besichtigt haben
- hier heißt auch ein sehr schönes Ausflugslokal den Gast willkommen.
Zudem gibt es die Möglichkeit zur Besichtigung der örtlichen
Whisky-Brennerei Edradour, auf die wir allerdings verzichteten, auch
wenn es von den zuvor eingeforderten 7,50 Pfund Eintrittsgeld einen Teil
zurückgibt, wenn der Gast nach der Besichtigung im angrenzenden Shop
einkauft.
Schließlich und endlich eignet sich Pitlochry hervorragend als
Ausgangspunkt für Ausflüge in die Highlands. So sind es zum Beispiel nur
rund 120 Kilometer bis Fort William, während die Hafenstadt Dundee
sogar nur rund 80 Kilometer entfernt ist. Bis Edinburgh sind es gut 100
Kilometer (hierhin würde ich aber eine Fahrt mit der Bahn bevorzugen),
bis Glasgow etwa 130 Kilometer und bis zum Loch Lomond etwa 110
Kilometer. All diese Fahrten können mit dem Auto auf gut ausgebauten
Straßen zurück gelegt werden.
In der Summe haben wir unseren Aufenthalt in Pitlochry absolut genossen.
In den zwei Tagen unseres Aufenthalts dort allerdings haben wir im
Grunde genommen fast alle Sehenswürdigkeiten besucht, ein wesentlich
längerer Aufenthalt im Ort ist entsprechend nur all denjenigen zu
empfehlen, die Ruhe suchen, wandern wollen oder aber auch Pitlochry als
Ausgangsort für Ausflüge ansehen. Wer gern eine Kurzreise nach
Schottland unternehmen möchte, ist hier auf jeden Fall goldrichtig und
wird sich sofort wohlfühlen. weiterlesen schließen
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