Pro:
Wetter (halt kroatisch schön), Stephansdom
Kontra:
Pupsig klein
Empfehlung:
Ja
Letztes Jahr war ich nach Ungarn und vor Ljubljana in Zagreb.
Da ich bei Freunden gewohnt habe, kann ich euch nichts über die Hotels vor Ort erzählen, aber da könnt ihr vielleicht selber was drüber schreiben.
Um es vorweg zu nehmen, ich bin kein Fan von Zagreb geworden. Aber immer schön der Reihe nach.
Anreise
Wir sind vom Balaton aus nach Zagreb gefahren mit einem IC gefahren. Einem kroatischen oder ungarischen allerdings. Und was dort ein IC, wird hierzulande als D-Zug betitelt und ist obgleich im angenehmen Drei-Sitzer-Abteil doch schon ein älteres Modell. Nun ja, nach ungefähr 4-5 Stunden waren wir in Zagreb und ich hab den Hauptbahnhof (Glavni Kolodvor) bewundert. Der ist nämlich ganz im Gegensatz zu den immer vernommenen Worten "muffig", "alt", "restaurierungsbedürftig", etc eine echte Perle. Mit wunderschönen Stukaturen versehen ist es tatsächlich ein Altbau, der sich aber sehen lassen kann. Als wir dort ankamen, war der zwar grade in einer seiner Restaurationsphasen, aber wat soll's. Mich hat er trotzdem fasziniert.
Außer von Fonyod kommt man wie folgt nach Zagreb:
Mit der Bahn von: München, Wien, Ljubljana, Thessaloniki, Skopje, Belgrad, Budapest, Bratislava und Sarajevo.
Mit dem Auto von: z.B. Rijeka und Split über die Autobahn
Mit dem Flieger hab ich keine Ahnung, aber wir haben während unserer Woche dort ein paar Australier kennengelernt, die mit dem Billigflieger von London gekommen sind. Geht also auch für einen Wochenentrip :)
Geschichte
Erstmalig erwähnt wurde die Stadt 1094 als Bistum und 1242 wurde sie urkundlich eine freie Königsstadt.
Die beiden Siedlungen die die heutige Stadt formen werden auf das 15. Jahrhundert datiert und damals waren sie noch durch einen Fluss getrennt und bekriegten sich. Heute sind sie durch eine Kopfsteinpflasterstraße verbunden.
Erst während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Hauptstadt eines eigenen Staates und dann erst wieder mit dem "Fall" Jugoslawiens 1991 (wenn man so will. Man möge mit mir streiten). 1991-1995 wurde auch in Zagreb der Unabhängigkeitskrieg geführt und an manchen Häusern sieht man noch deutliche Spuren. Das war's dann aber auch schon. Also auch historisch ist das Städtchen mit seinen 700.000 Einwohnern nicht sonderlich aufregend.
Und was gibt es nun zu sehen in dieser immer wieder angepriesenen Hauptstadt?
Ne ganze Menge. Das muss man sagen, so z.B.:
1. Den Botanischen Garten (ein paar Bilder im Anhang. Nicht sonderlich groß aber ok. Man hat ihn locker ohne was zu verpassen in zwei Stunden durch. Mit Kindern hält man sich am Teich vermutlich länger auf. Aber ansonsten nichts spektakuläres. In direkter Nähe zum Hauptbahnhof.)
2. Den Mirogoj Friedhof (Hab ich leider nicht gesehen, obwohl der ganz oben auf meiner Liste stand, soll aber wirklich schön anzusehen sein mit vielen Denkmälern und sehr alten Grabsteinen.)
3. Ban Jelacic Platz (der Platz direkt vor dem Bahnhof. Hier verkehren Straßenbahnen und es führt ein rechteckiger Park direkt zum Hauptplatz der Stadt.auf dem Tomislav Trg)
4. Tomislav Trg (dieser Platz ist praktisch das Herz der Stadt. Hier befindet sich das größte Tourismusinfozentrum und von hier gelangt man praktisch zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im Touricenter sagte man uns, egal welche der Stadttouren wir buchen würden, sie gingen alle von dem Platz los und kämen nach ca 1. Stunde dort wieder an. Also dachten wir uns: Was für schlechte Routen und Touren. Wir machen das selber besser. Aber nix da. Man sieht einfach nicht mehr. Es gibt nicht mehr. Alles ist ganz nah bei einander und alles ist bei diesem Platz.)
5. Steinerne Tor (es ist eines der fünf Stadttore aus dem 13. Jahrhundert. Das letzte Überlebende sozusagen. Heute ist es nach einem Brand vor ca. 300 Jahren eine kleine Kapelle. Aufgrund des Brandes gibt es leider nicht sonderlich viel zu sehen. Ein Stadttor halt, dessen Bregrenzung keine interessanten alten Häuser mehr sind - denn die sind alle abgebrannt. Schade.)
6. Lotrscak-Turm (ein rechteckiger Turm ,angeblich aus dem 12. Jahrhundert, der wirklich nicht sonderlich ansehnlich ist. Leider Jeden Tag um 12 Uhr gibt es einen Kanonenschuss, aber das ist ungefähr so aufregend wie die Ziegenböcke auf dem Poznaner Rathaus, die jeden Tag um 12 Uhr die Hörner stoßen. ...Was mich aber mal interessieren würde, ist, wo diese Kanonenkugel eigentlich landet!?)
7. Markuskirche (Als wir dort waren, wurde sie gerade restauriert und daher konnten wir nicht rein. Aber von außen schön anzusehen. Sie steht zentral auf einem Platz in der Oberen Stadt nahe dem Steinernden Tor... Aber alles ist nahe in Zagreb. Auf ihrem Dach befinden sich zwei Wappen aus dem Jahr 1880. Eines repräsentiert das heutige Wappen Zagrebs und das andere das historische Wappen des Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien.)
8. Denkmal von König Tomislav (ein Reiterstandbild in direkter Nähe zum Bahnhof. Tomislav war König Kroatiens im 10. Jahrhundert.)
9. Ban Palast (Ein Palast aus dem 17. Jahrhundert, den man glatt uebersehen könnte. Er ist auf demselben Platz, auf dem auch die Markuskirche steht und fällt gar nicht auf. Wenn man nicht wüßte, dass hier mal der Vizekönig Kroatiens lebte, würde man es ignorieren. Rein kann man auch nicht.)
10. Stefansdom (Ein wirklich beeindruckender Dom. In seiner Größe (100 Meter hoch) genauso wie vom Innenleben her. Wenn man schon in Zagreb ist sollte man sich dieses ins 14. Jahrhundert datierete Gebäude mal anschauen.)
11. Marktplatz (Wie immer auf Marktplätzen gibt es viele Leckereien. Aber man muss beim Preis richtig aufpassen. In Ljubljana hatten wir keine Probleme mit Abzockern, aber in Zagreb um so mehr. Und wenn man zu handeln versucht wird man ganz böse angeguckt. Handeln am besten in ganz Kroatien unterlassen, hab ich gelernt. So vielfältig ist der Markt allerdings gar nicht, halt ein Obst- und Gemüsemarkt, aber dafür, dass er angekündigt wird, hätte ich mir mehr erhofft.)
12. Maksimir-Park mit dem Zoo (da waren wir auch nicht, soll aber toll sein für Kinder. Eintritt ist allerdings nicht ganz billig hab ich mir sagen lassen.)
13. Archäologische Museum (Das Museum an sich unterscheidet sich in seinen Ausstellungsstücken jetzt nicht sonderlich von dergleichen Museen in anderen Städten, aber es hat ein tolles Outdoorcafe, direkt beim Eingang unter Arkaden. Meine Freundin hat dort auf mich gewartet, solange ich den "English Bookstore" in der Nähe erkunden wollte (auch für Touris angekündigt, aber völlig überteuert). Genau in der Zeit als ich im bookstore war und meine Freundin unter einem Sonnenschirm, ging ein riesiger Wolkenbruch über uns hernieder. Naja, ueber sie und weil ich mir Sorgen machte noch viel mehr dann über mich, weil ich im strömenden Regen durch die Stadt rannte (5 Minuten im Rennen). Ich war nasser als sie. Naja, Schutz bieten die Arkaden also doch etwas!!)
14.Drahtseilbahn (seit 1888 gibt es diese, die die Unter- mit der Oberstadt verbindet. Kann man theoretisch auch in 3 Minuten über ne Treppe hoch- oder runterlaufen, aber weil es sonst ja nicht so viel gab, mit dem man sich die Zeit vertreiben konnte, sind wir eben 30 Sekunden Drahtseilbahn gefahren - für ca. 50 Cent.)
15. Moschee (die fand ich ziemlich spektakulär. Von außen ist sie nichts Besonderes, aber im Inneren befinden sich Mosaike im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Wir haben eine Führung bekommen und ich fand der Führer sehr freundlich, denn wir zwei Frauen mit einem männlichen kroatischen Freund haben eine wunderbar freundliche Bahndlung erfahren und im Studiersaal die Bibliotek bewundert, im Gebetssaal gebetet und die Konferenzsääle begutachtet.)
Warum bin ich dennoch kein Fan von Zagreb geworden?
Das was die Stadt hat, ist schick. Und es ist eine historische Stadt. Aber das war's auch schon. Die Stadt hat nichts zu bieten. Die Leute sind nett, aber organisieren nichts. keine öffentlichen Parties oder coole Touren wie in Ljubljana. Meine zurückhaltende Begeisterung kann allerdings auch daran liegen, dass ich eine Woche dort war und das ist definitiv zu lang.
Wer mal ein Wochenende weg will, sollte Zagreb wählen. Das ist eine ziemlich gute Entscheidung. An einem Wochenende schafft man es alles zu sehen und eine richtig gute Zeit zu haben. Alles darüber hinaus wird zu Langeweile führen. So wie bei uns. Obgleich wir die ersten beiden Tage relaxt angegangen sind, waren unsere Sehenswürdigkeiten nach 2,5 Tagen erschöpft. Dass wir bei einigen der Sehenswürdigkeiten nicht waren, lag entweder am Wetter, an unserer Gesundheit oder daran, dass einer von uns da nicht hinwollte. Aber bestimmt nicht an der Zeit oder der Entfernung oder den Möglichkeiten.
Ich empfehle Zagreb also für einen Kurztrip und spreche keine Empfehlung für einen Aufenthalt länger als drei Tage aus. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben