Pro:
im Mittelteil kommt Indy - Feeling auf, Besetzung, Bonusmaterial auf DVD
Kontra:
Aliens?, Anfang und Ende des Films sind lächerlich
Empfehlung:
Nein
Seit ich mir als Kind in unserer Dorfvideothek mal den Film „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (ja, ich habe mit dem zweiten Teil angefangen) ausgeliehen habe, bin ich ein Fan von dem Mann mit dem Hut und der Peitsche. Die drei Indiana Jones Filme landen mittlerweile regelmäßig in meinem DVD-Player und die PC-Spiele werden auch hin und wieder mal durchgespielt.
Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass ich glücklich war, als ich erfuhr, dass es nach langer Zeit des Wartens endlich einen vierten Teil geben würde und dass Harrison Ford erneut in die Rolle des Archäologen schlüpfen würde.
„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ habe ich natürlich im Kino gesehen und weil ich DVDs sammle, musste ich mir auch die kaufen. Heute habe ich mir den Film nochmal angesehen.
_Darum geht´s
Nachdem Indiana Jones von russischen Agenten gefangengenommen wurde und ihnen helfen musste, einen hochmagnetischen Schädel eines extraterrestrischen Wesens zu finden, wird er von dem ungestümen Mutt Williams engagiert, dessen Ziehvater Dr. Oxley in Peru verschwunden ist.
Ox schrieb der Mutter von Mutt einen Brief, in dem er darüber schreibt, dass er einen Kristallschädel gefunden hat. Ox wollte sich auf den Weg nach Akator mache, um den Kristallschädel zu seinem Tempel zurückzubringen und dessen mystische Kräfte zu erlangen.
Mutts Mutter hat sich auf den Weg gemacht, um Ox zu finden, doch dieser wurde entführt und auch von Mutts Mutter gibt es kein Lebenszeichen mehr. Vorher hat sie ihrem Sohn jedoch einen Brief geschickt, den er Dr. Indiana Jones geben sollte.
Schließlich machen sich Indy und Mutt auf den Weg nach Südamerika, um Mutts Mutter und Ox zu finden, doch der russische Geheimdienst, angeführt von Irina Spalko, ist ihnen stets auf den Fersen, denn der Kristallschädel verheißt die Macht über die Gedanken das Wissen über die gesamte Welt…
_Meine Meinung
So sehr ich mich damals auf den neuen Indiana Jones gefreut habe, so enttäuscht bin ich damals aus dem Kino gekommen, denn größtenteils ist der Film einfach ganz großer Mist.
Der Unmut über den Film fängt bei mir immer schon zu Beginn an, wo ein Erdmännchen gezeigt wird und man eher das Gefühl hat, man würde einen Disney-Film schauen, bei dem das Tierchen jeden Moment anfängt zu singen.
Dann geht es völlig absurd weiter, als Dr. Indiana Jones für die russische Agentin den hochmagnetischen Schädel suchen soll und das mit Hilfe von kleinen Kügelchen schafft, die durch die Anziehungskraft quer durch die Lagerhalle schwirren. Weshalb die ganzen metallischen Waffen, Gürtelschnallen etc. nicht auch von der Magnetkraft angezogen werden, wird leider nicht ausreichend erklärt.
Nachdem ihm die Flucht vor den Russen gelingt, überlebt Indy auch noch amerikanische Atom-Experimente in einem Kühlschrank. Abgedrehter geht es nicht mehr. Im dritten Teil hat Indy doch auch dem heiligen Gral getrunken und das ewige Leben erlangt, da hätte man den Kühlschrank ja eigentlich auch direkt weglassen können. Ehrlich gesagt, hätte ich mich da als Zuschauer mit der Erklärung nicht so veralbert gefühlt.
Glücklicherweise bekommt man in der Mitte des Films endlich den alten Indiana Jones mit seinem unglaublichen Charme zu sehen. Es gibt coole Sprüche und auch dass Indy plötzlich einen Sohn hat, finde ich gar nicht so dumm wie ich anfangs dachte. Das Vater-Sohn-Gespann funktioniert meiner Meinung nach ähnlich gut wie das in „Der letzte Kreuzzug“ als Sean Connery den Vater von Indiana Jones gespielt hat.
Sicher, dass Mutt einen auf Marlon Brando macht, hätte man sich auch sparen können, aber wenigstens passt es in die Zeit, in der der Film spielt und es ist die einfachste und schnellste Methode Mutt zu charakterisieren.
Wie gesagt, hat „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ sehr viel mehr Szenen, über die man sich aufregen kann.
Im Mittelteil gefällt mir der Film aber richtig gut, denn der Film nimmt dort nochmal die typischen „Indiana Jones“-Features wie das über die Landkarte fliegende Flugzeug, die typische Musik, das Treffen fremder Kulturen und die lockeren Sprüche wieder auf und das macht wirklich richtig Spaß.
Alles, was einen an die älteren Film erinnert, ist super und wurde auch sehr gut umgesetzt. Dazu gehört auch, dass Indys Freundin aus dem ersten Teil, Marion Ravenwood, wieder auftaucht und genauso wie bei Harrison Ford scheint die Zeit auch mit Karen Allen gut umgegangen zu sein und ich war froh, dass man auch diese Figur nicht einfach durch eine neue Schauspielerin ersetzt hat oder Indy gar eine junge Geliebte an die Seite stellt.
Auch an den Gegenspielern in „Königreich des Kristallschädels“ habe ich nichts zu bemängeln. Cate Blanchett spielt die russische Agentin sehr überzeugend, wenngleich auch die Figur von ihrem Auftreten her sehr klischeeüberladen ist.
Soweit würde mir der Film gut gefallen und ich hätte durchaus auch über die unrealistischen Szenen zu Beginn hinwegsehen können, hätte man nicht das Ende des Film so komplett verhunzt. Wie konnten Steven Spielberg und George Lucas es nur zulassen, dass man Außerirdische ins Spiel bringt. Ich finde ja, dass von Filmemachern viel zu oft am Ende einfach Außerirdische als Erklärung hinhalten müssen und so empfinde ich es auch bei dem vierten Teil von „Indiana Jones“ einfach nur als Ausweg, weil der Drehbuchautor sich irgendwie verstrickt hat und keine große Lust mehr hat, sich einen anderen Schluss zu überlegen und vielleicht nochmal etwas in christlichen Geschichten und Mythen zu recherchieren.
Außerirdische mit kristallenen Schädeln sind aber längst nicht genug, denn natürlich brauchen die Aliens ja auch noch ein Raumschiff, das sich am Ende des Film gigantisch aufbaut und an eine berühmte Szene in „Independence Day“ erinnert.
Nein, Aliens und Indiana Jones passen einfach nicht zusammen und schon gar nicht, wenn die Effekte dazu so dilettantisch sind und einen nichtmal wegen der herausragenden Special Effect begeistern können.
Das Ende von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist einfach nur lieblos und völlig unrealistisch und an der Tradition von „Indiana Jones“ vorbeigehend.
Schade, dass man für den lang erwarteten vierten Teil keinen besseren Drehbuchautoren verpflichten konnte.
_Allgemeines
"Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels". USA 2008
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: George Lucas, Jeff Nathanson, David Koepp
Darsteller: Harrison Ford, Karen Allen, Shia LaBeouf, Cate Blanchett, John Hurt, Ray Winstone
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
_Die DVD
Sprachen / Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (in Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bild: 16:9
Ländercode 2
_Bonusmaterial
- Die Rückkehr einer Legende (ca. 18 Minuten)
- Vorproduktion-Featurette (ca. 12 Minuten)
Ich finde, das Bonusmaterial entschädigt für einiges, denn hier kommt das totale Indiana Jones Feeling rüber, wenn z.B. Steven Spielberg über seine Arbeit und Beweggründe für den vierten Teil berichtet und man dabei Ausschnitte aus den drei ersten Teilen eingeblendet sieht.
Sehr gut gefallen haben mir dabei auch seine Aussagen über Harrison Ford, der zur Zeit der Planung 55 und zur Zeit des Drehs sogar schon Mitte 60 war, aber immer noch als Idealbesetzung angesehen wird (der Film wäre ja auch noch schlechter geworden, hätte man Indiana Jones anders besetzt).
Auch erfährt man, dass man sich bei der Geschichte von „Independence Day“ beeinflussen ließ und dass Spielberg anfangs gegen eine Geschichte mit Aliens war (völlig zurecht), sich aber von George Lucas zu „interdimensionalen“ Wesen überreden ließ.
Auch wenn die Laufzeit des Bonusmaterials nicht so lang ist, so erfährt man hier doch einiges über den Film und seine Entstehung.
_Mein Fazit
Wer den Film sehen möchte, sollte ungefähr 15 Minuten vor Schluss einfach ausmachen und sich das Ende sparen. Das Bonusmaterial auf der Einzel-DVD entschädigt wenigstens etwas für den leicht verhunzten Film. weiterlesen schließen
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