Pro:
spannend und fließend zu lesen
Kontra:
zu modern für das 12. jahrhundert
Empfehlung:
Ja
Zum Buch:
Ariana Franklin schrieb das Buch "Die Totenleserin". Zum Preis von 19,90 € ist es im Handel erhältlich. Es erschien am 11. Februar 2007 unter der ISBN-Nr.: 3-426-19739-1.
Ich habe die gebundene Ausgabe, die ich im Folgenden beschreibe. Die Größe des Werkes beträgt 22 cm, erschien im Droemer/Knaur-Verlag, hat 480 Seiten und wiegt 679 g.
Cover:
Ein schwarzer Rabe, der seinen Kopf mitsamt dem Schnabel nach rechts dreht, steht auf einem Felsbrocken, hinter dem das weiße Skelett eines verendeten Fisches zu erkennen ist. Der Hintergrund bzw. der Buchdeckel leuchtet in einem tiefen Rot.
Zur Autorin:
Ariana Franklin arbeitete einst als Journalistin, bevor sie sich dazu entschied, sich der Schriftstellerei zu widmen. Mittlerweile ist sie verheiratet und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von London.
Inhaltsangabe:
Cambridge 1170: Um entsetzliche Kindermorde aufzuklären, wird aus Salerno ein Totenarzt gerufen - auch wenn diese Kunst alles andere als gottgefällig ist. Keiner ahnt, dass es sich dabei um eine junge Frau handelt, die Beste ihres Fachs. Mit ihrer direkten Art, Aberglauben und Vorurteilen entgegenzutreten, irritiert sie die Mächtigen der Stadt. Der Steuereintreiber des Königs dagegen hat andere Gründe, auf Adelia aufmerksam zu werden ...
Ein kleiner Junge wird tot aufgefunden, angeblich von den Juden gekreuzigt. Als drei weitere Kinder sterben, droht in Cambridge ein Aufruhr. Heinrich II., König von England, muss den wahren Mörder finden und sendet nach einem Totenarzt.
Ausgebildet an der berühmten Hochschule von Salerno ist Adelia eine der wenigen Medizinerinnen ihrer Zeit - von ihrem Vater hat sie im Verborgenen sogar das Handwerk der Pathologie gelernt. Doch um als Frau überhaupt ermitteln zu können, muss sie im kalten, barbarischen England ihre wahre Identität verbergen. Undurchsichtige Stadtväter versuchen die Aufklärung der Morde zu vereiteln, das nahe gelegene Kloster ist nur am schwunghaften Reliquienhandel mit den Gebeinen des toten Jungen interessiert - und auch Sir Roland, der Steuereintreiber des Königs, scheint verdächtige Ziel zu verfolgen. Zugleich weckt er in Adelia Gefühle, die sie vollkommen verwirren. Wem kann sie vertrauen?
Inhalt:
Während der Regierungszeit Henry II geschehen grausame Kindermorde. Nicht nur ein Kind wird gekreuzigt aufgefunden, sondern mehrere. Man schreibt das Jahr 1171. Niemand weiss so recht, wer die Morde begangen hat und man tappt im Dunklen.
In Salermo jedoch gibt es eine Frau mit Namen Adelia. Sie gilt als die beste Ärztin und wird nach Cambridge gerufen. Da niemand von den Aufklärungen der Mordereignisse erfahren soll, muss Adelia verdeckt ermitteln. Auf dem langen und weiten Weg von Italien nach England nimmt sie Begleitung mit. Mansur und Simon stammen aus Neapel und weichen nicht von der Seite der jungen Frau, bis sie ihr Ziel erreicht hat. In England angekommen, findet die Beerdigung des kleinen St. Peter statt, das erste ermordete Kind. Adelia und ihre Begleitpersonen nehmen an dieser Beerdigung teil.
In einer Prozession findet das traurige Geschehen statt. Goeffrey, ein Prior bekommt Krämpfe. Zuerst leichte, später wesentlich schlimmere Schmerzen im Magen. Um herauszufinden, was mit dem Prior los ist, fasst die Italienerin den Entschluss, ihn zu operieren. Sie hörte durch Erzählungen von einer entsprechenden Methode. Für den Kranken springt eine Priorin ein, die die Prozession anführt. Sie ist Leiterin des Nonnenklosters St. Radegund und treibt zusammen mit ihren Nonnen das notwendige Geld fürs Kloster durch den Verkauf von Reliquien ein.
In Cambridge mittlerweile, wurden Juden der Morde verdächtigt und in die Burg von Henry II eingekerkert. Adelia, unterstützt von ihren Begleitern, machen sich an die Aufklärung der Kindermorde und auch daran, die Juden, die sie nicht verdächtigen, zu entlasten. Ihr nächster Schritt führt dazu, die toten Körper der Kinder zu untersuchen. In dieser Zeit verhält sich Sir Roland, seines Zeichens der Eintreiber der Steuern für den König, sehr seltsam. Adelia ist durch sein Verhalten durcheinander geraten, vergisst dabei jedoch ihre Arbeit zu keiner Zeit. Sie versucht, an Informationen zu gelangen, die Aufklärung voranzutreiben, wird von den Leuten als Schnüfflerin bezeichnet und später als Hexe verschrieen und auch beschuldigt.
Leseprobe:
In Dover wurde ein alter Mann hastig durch eine Burg geführt, schneller, als es sein Rheuma erlaubte. Es war eine riesige Burg, sehr kalt, und in ihren Mauern hallten wilde Geräusche. Trotz seiner raschen Schritte blieb dem alten Mann kalt - denn er hatte Angst. Der Hofmeister brachte ihn zu einem Mann, der allen Angst machte.
Sie gingen über lange, steinerne Korridore, mitunter an offenen Türen vorbei, aus denen Licht und Wärme, Stimmengewirr und die Klänge einer Gambe drangen, und an anderen, die geschlossen waren und hinter denen nach der Vorstellung des alten Mannes gottlose Dinge geschahen.
Schreibstil:
Sehr genau und detailliert beschreibt Ariane Personen und Handlungen, genauso wie die Orte. In flüssig zu lesender Weise präsentiert sie ihren geschickt ausgetüftelten Roman. Manche Stellen sind in ironischer Form beschrieben. Alles wirkt frisch, leicht zu lesen und sehr anschaulich.
Meinung:
Der Roman "Die Totenleserin" von Ariana Franklin finde ich selbst großartig, sehr prächtig im Wortstil gestaltet, unglaublich spannungsgeladen vom Anfang bis zum Schluss, historisch sehr interessant mit dichter Atmosphäre, die knistert und prickelt.
Besonderes Vergnügen während meiner Lesereise bereitete mir, dass Ariana Franklin die Hauptpersonen ihres Werkes sehr präzise wiedergab mit der Kriminalgeschichte, die sie antreibt. Ihre Darsteller beschreibt die Autorin in liebevoller Weise und mit aller Sorgfalt.
Die Kulisse und ihre Szenen aus dem Mittelalter werden sehr farbenprächtig beschrieben. Dadurch wirkt der Roman lebendig und kurzweilig.
Was mir auch noch erwähnenswert erscheint, ist dies: Ariana Franklin legt während ihrer Kriminalgeschichte für den Leser immer wieder Spuren, die nicht zum Ziel führen, hält so die Spannung aufrecht, und erst am Ende wird alles aufgeklärt.
Gegenargumente, die für mich dazu führen, dem Inhalt des Buches 1 Stern abzuziehen:
Mir erschienen während des Lesens die folgend aufgeführten Fakten und Hinweise für jene Zeit zu sehr aus der Gegenwart und der modernen Zeit geholt:
Eine neue Gesetzesregelung ließ König Henry - und das im 12. Jahrhundert - verschlüsselt, einführen.
Frauen als Ärztinnen???? Als Kräuter- und Heilkundige ja, aber nicht als Ärztinnen und Ermittler in Sachen Tod. Hier scheint die Emanzipation der Frau gegenüber dem Mann eine wichtige Rolle zu spielen, die es zu jener Zeit nicht gab, wie ich aus anderen historischen Romanen weiß.
Adelia sezierte Leichen - gab es zu jener Zeit bereits Obduktionen???? Aus dem Buch "Der Medicus" von Noah Gordon ist mir bekannt, dass kein einziger Mensch obduziert werden durfte. Dies stand unter Todesstrafe. Heimlich, nur versteckt und im Dunklen hatte die Hauptfigur des Medicus einmal einen Menschen aufgeschnitten, um herauszufinden, was es mit der Seitenkrankheit auf sich hat. Heute nennt man diese Krankheit Blinddarm. Was als einziges Mittel erlaubt war, war Tiere aufzuschneiden und sich das Innere von Schweinen anzuschauen, weil die Menschen dachten, dass diese Tiere den Menschen am ähnlichsten seien.
Außerdem trug Adelia Augenschutz und Gazemasken - gab es die denn schon - und wenn, wie sahen diese aus? Wurden Stoffe zerrissen und dazu verwendet oder wie lief das ab?????
Auch beobachtete die Ärztin sehr viel, ließ dies alles aufschreiben oder diktierte das und wertete es danach alles aus - gab es diese Möglichkeiten überhaupt schon alle?????
Dann fiel mir noch auf, dass der Tag und der Zeitpunkt eines Mordes und des Tatortes festgelegt werden Konnten - ich denke eher, daß diese Bestimmungen für das 12. Jahrhundert eher unwahrscheinlich sind.
Jetzt noch zur Charakterbeschreibung der Adelia:
Als Figur dieses Romans ist die junge Frau sehr modern, setzt sich durch, lernt in Salerno die Wissenschaft der Medizin und Heilkunst. Sie spezialisiert sich auf die Untersuchungen von Toten. Deshalb auch ihr Einsatz in England. Sie ist zwar sehr belastbar, doch während ihrer Ermittlungen und Recherchen über die verübten Morde stößt sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, ernennt sich selbst zur Sprecherin für die Kinder. Damit will sie erreichen, die Rechte der Kinder, die nicht gewahrt wurden, aufzudecken, ihren Tod der Gerechtigkeit zuzuführen und den Mörder aufzutreiben. Als starke Frau mit Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit tritt sie immer wieder in diesem Buch in Erscheinung, ist damit sehr außergewöhnlich, aber auch professionell, hat Intelligenz, überzeugt, leistet ständig unter den größten und extremsten Belastungen Hilfe und findet viele Freunde.
Auch ich wurde ihr Freund im Laufe des Lesevergnügens, möchte euch das Buch empfehlen, auch wenn es stellenweise für das 12. Jahrhundert, wie bereits erwähnt, zu modern aufgebaut ist. weiterlesen schließen
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