Pro:
Figuren, flüssig geschrieben, Spannung
Kontra:
Historischer Hintergrund nicht ganz korrekt
Empfehlung:
Ja
1. Produktdaten
2012, 432 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet
ISBN-13: 9783442379408
8,99 Euro
2. Autor
"Eric Walz wurde 1966 in Königstein im Taunus geboren. Im Jahr 2002 erfüllte er sich den Jugendtraum, Bücher zu schreiben. Eric Walz lebt nach vielen Jahren in Berlin heute als Schriftsteller im Umland von Stuttgart."
3. Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1551 in Trient. Das große Konzil steht kurz bevor, bei dem sich Katholiken und Lutheraner treffen und darüber debattieren werden, ob und wie weit sich die beiden Kirchen annähern und möglicherweise vereinigen werden. Ausgerechnet jetzt geschieht ein brisanter Mord, als der alte Kardinal Bertani von einem unbekannten Mörder erstochen wird.
Den Fall aufklären soll Sandro Carissimi, ein junger Jesuit, der von dieser Aufgabe überrascht ist, denn er wurde nie zuvor mit einem Kriminalfall betraut. Unterstützung erhält Sandro von seinem Freund Luis de Soto, einem scharfsinnigen Redner, den sonst er als Assistent unterstützt.
Der Fall soll möglichst schnell aufgeklärt werden, um keinen Aufruhr zu verursachen. Sandro hat schnell einen Verdacht - den Lutheraner Matthias Hagen, den er aus früheren Zeiten gut kennt und mit dem ihn eine intensive Feindschaft verbindet. Aber Hagen ist offenbar unschuldig und Sandro gerät unter immer stärkeren Druck, zumal ein einen weiteren Mord gibt. Während seiner Ermittlungen trifft Sandro auch auf die junge Glasmalerin Antonia Bender und entwickelt gewisse Gefühle ...
4. Meinung
Ermittelnde Geistliche sind jetzt nicht wirklich etwas Neues in der Literatur, aber ich lese so etwas immer wieder gerne - und Eric Walz ist hier ein toller Auftakt einer historischen Krimireihe gelungen. Sandro Carissimi ist eine swympathische Hauptfigur, aber auch nicht frei von Schwächen und Fehlern. Interessant wird er vor allem, als man erfährt, warum er eigentlich Jesuit wurde, dahinter steckt nämlich weitaus mehr als religiöse Überzeugung. Auch sein Verhältnis zu Matthias Hagen ist reizvoll und natürlich die Entwicklung mit Antonia Bender, die ihn ebenfalls von Anfang an faszinierend findet. Antonia allerdings ist seit ihrer Kindheit wiederum mit Matthias Hagen befreundet und die beiden empfinden etwas füreinander - man ahnt natürlich sofort, dass diese Konstellation einiges an Brisanz bereit hält. Auch Antonia Bender ist eine gelungene sympathische Hauptfigur, eine forsche, künstlerisch talentiuerte Frauk, die aber nicht über alle Maßen modern geraten ist, sodass sie glaubwürdig wirkt - viele selbstbewusste Frauenfiguren in historischen Romanen scheinen mir oft ihrer Zeit allzu weit voraus zu sein und ich finde es dann eher unrealistisch, aber Antonia Bender wirkt durchaus überzeugend.
Der Krimiteil ist spannend und nicht so leicht zu durchschauen. Früh erfährt man, dass die Hure Carlotta plant, den illegetimen Sohn des Papstes umzubringen. Ihren Grund erfährt man aber erst später und ob ihr Vorhaben gelingt, muss man wirklich bis ganz zum Schluss abwarten. Der Reiz ist dabei, dass Carlotta auch eine sympathsiche Figur ist und ihr Mordplan einer tiefen Verzweiflung aus Rache entspringt, die nachvollziehbar ist. Außerdem bleibt lange rätselhaft, wer für die anderen Mordanschläge verantwortlich ist bzw wie sie zusammenhängen. Gut geschrieben ist der Roman außerdem, sehr flüssig, es gibt keine Längen in der Handlung und auch keine holprig formulierten Sätze. Was mir ein bisschen zu kurz kam, war das Lokalkolorit, ich hatte jetzt nicht wirklich speziell Trient vor Augen, es wirkte einfach wie eine recht beliebige italienische Stadt. Auch zu den historischen Umständen gab es nicht ganz so viele Informationen wie erhofft, vor allem hat der Autor da ein bisschen in die Trickkiste gegriffen und die Ereignisse rund um das Konzil, das ja tatsächlich damals stattgefunden hat, an den Roman angepasst. Man sollte sich also nicht wundern, dass hier einiges anders abläuft als es in der Wirklichkeit der Fall war, hier wurde zugunsten der Handlung einfach bewusst ein bisschen zurechtgebogen. Das stört sicher den einen oder anderen Leser, vor allem, wenn er sich mit dem Trienter Konzil auskennen sollte. Für de Punkt gibt es kleine Abzüge, trotzdem ist das Buch insgesamt sehr empfehlenswert.
5. Zusammenfassung
Ich empfehle den Roman indeutig weiter und gebe ihm vier Sterne. Es erwartet den Leser eine spannende Geschichte mit überzeugenden Hauptfiguren, sehr flüssig geschrieben und frei von Längen. Nur der historische Hintergrund wird etwas zugunsten der Handlung zurechtgebogen und gibt nicht ganz authentisch die wirklichen Ereignisse wieder. weiterlesen schließen
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