Pro:
zuverlässig, stabil, langlebig, günstig auf dem Gebrauchtmarkt, keine Schwächen
Kontra:
schwer, Rauschverhalten
Empfehlung:
Ja
Wer meine Berichte über verschiedene Cameras gelesen hat, der weiß, dass ich früher begeisterter „Analogfotograf“ war, der insbesondere unter schwierigen Bedingungen (Kälte, Schnee, Sturm, unter Wasser usw.) sein Hobby gepflegt hat. Durch familiäre Entwicklungen sind einige Hobbies dann in den Hintergrund gerückt und drängen nun wieder stark in meinen Fokus. Aufgrund der sportlichen Aktivitäten meiner Kinder habe ich auf der Suche nach einer geeigneten Camera diverse Canons getestet. Nur Canon kommt für mich in Frage, da ich noch eine ansehnliche Objektivpalette im Schrank liegen habe.
Als Nachfolgerin für meine EOS 350 D wäre die 7 D natürlich das richtige Teil für die von mir favorisierten Sportaufnahmen. Allein der Preis von knapp 1300 € ist für einen Familienvater von 3 Kindern nur schwer auf die Seite zu bringen. Billigere Alternative könnte die EOS 60 D sein. In einem Testbericht könnt Ihr meine Erfahrungen nachlesen. Sie ist zum Preis von 850 € aus meiner Sicht einfach nicht der passende Kompromiss.
Mein Nachbar ist aktiver Wettbewerbsfotograf und freut sich über meine wiedererwachte Leidenschaft. Zu meiner Freude bot er mir seine 50 D zum Test an um ggf. dann in Verkaufsverhandlungen mit mir einzutreten.
Auf den ersten Eindruck erscheint die Canon EOS 50 D richtig schwer. Im Vergleich zu meiner in den letzten Jahren verwendeten EOS 350 D ist sie auch riesig. Sie erscheint sehr stabil, das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung und wenn ich an meine alten Nikons F2 und F3 zurückdenke, dann erweckt sie auch einen Vertrauens erweckenden oder wie man heute lieber sagt – wertigen Eindruck. Stabil ist aber auch schwer. 750 Gramm ohne Objektiv verbunden mit einer gewissen Größe liegen mir aber bei Handschuhgröße 12 ½ gut in der Hand. Ja nach verwendeter Optik ist man mit der 50 D schnell mal bei 1500 oder 2000g.
Wenn ich bei einem Handballspiel das Gewicht des Gehäuses, zusammen mit dem Sigma 2,8/50-150 HSM und evtl. noch einem Blitzgerät für knapp 120 Minuten lang mit angewinkelten Armen vor dem Auge halte sind Fitnessqualitäten im Bizeps gefragt. Abhilfe kann hier der Einsatz eines Einbeinstativs bringen, das das Gewicht abfängt, einer ruhigere Camerahaltung ermöglicht und die Reaktionsschnelligkeit nicht wirklich einschränkt. Sollte man jedoch zu einer Veranstaltung weiter zu Fuss gehen müssen kommt zum hohen Gewicht der Ausrüstung auch noch das Stativgewicht. Im Grunde ist das wohl der Preis dafür, dass Canon die EOS 50D als Semi-Profi-Gerät konstruiert hat und auch so vermarktet. Für die anvisierte Nutzergruppe spielten eben Stabilität, Gestaltungsfreiheit, Zuverlässigkeit und Abbildungsqualität eine größere Rolle als geringes Gewicht.
Dafür wartet die 50 D mit einem sehr guten Handling auf. Rutschfeste Griffflächen durch eine angenehm anfühlende Gummibeschichtung ermöglichen einen sicheren Griff auch mit nur einer Hand. Ich bevorzuge etwas größere und auch nicht so ganz leichte Gehäuse. Alle Bedienelemente sind da, wo sie hingehören und gut erreichbar sind.
Zentrales Bedienelement ist das Daumenwählrad auf der Rückwand, ergänzt durch das Einstellrad neben dem Auslöser. Der Fotograf kann damit die wesentlichen Einstellungen vornehmen. Mit 2 Fingern hat man nach etwas Übung praktisch alle wichtigen Einstellungen (Blende, Zeit, Shifting) unter Kontrolle. Gut finde ich dass man alle Einstellungen auf dem großen Display ablesen kann. Damit ist es kinderleicht diese zu überwachen und ggf. anzupassen. Natürlich erfordert das gewisse fotografische Mindestkenntnisse über die Wirkungen und Zusammenhänge der der einzelnen Parameter. In aller Regel werden aber wohl die verschiedenen angebotenen Automatiken mit den zusätzlichen Eingriffsmöglichkeiten genutzt. Heutzutage muss man beim C nicht mehr diskutieren ob die Zeit- oder die Blendenautomatik die bessere Wahl ist. eine moderne SLR bietet die Wahl in einem Gehäuse und dazu noch viele kreative Einflussmöglichkeiten. Die Motiv-Modi sind ja vor allen Dingen von den Einsteigercameras bekannt. Ich spare mir die vielen Möglichkeiten hier aufzuzählen, zumal das Datenblatt hier Auskunft geben kann. Ich will auch nicht verhehlen, dass ich nicht alle Möglichkeiten ausprobiert habe. Besonders erwähnenswert finde ich die Möglichkeit zur Speicherung von 2 frei belegbare Einstellungen. So stehen häufig benutzte Parameter schneller wieder zur Verfügung.
Selbst Oma und Opa können mit der 50 D ggf. nichts falsch machen, denn die „Motivklingelautomatik“ der Einsteigergehäuse (alles auf grün) gibt es auch bei der Semiprofessionellen. Für Anfänger und Umsteiger aus dem Compactcamerasektor gibt es ein spezielles (Lern-) Programm um die Zusammenhänge der einzelnen Einstellungen besser zu erkennen. Ich halte diese Einstellmöglichkeit für eine überflüssige Spielerei.
Das Herzstück der Canon EOS 50D ist der APS-C Sensor der Digic IV – Reihe mit 15,1 Megapixel. Theoretisch stehen Empfindlichkeiten bis zum ISO-Wert von 12800 zur Verfügung. Seit Markteinführung der digitalen Fotografie ist ein zentrales Thema zur Bewertung der Bildqualität das Rauschverhalten. Diese hängt von verschiedenen Faktoren ab, nimmt aber mit Erhöhung der Filmempfindlichkeit und steigender Pixelzahl ohne Vergrößerung des Sensors grundsätzlich zu. Speziell in Sporthallen fehlt üblicher Weise das Licht für die fotografische Darstellung von schnellen Bewegungen.
Mit 15,1 MP ist die 50 D etwas schwächer bestückt als die Nachfolgerin 60 D und das Spitzenmodell 7 D, was sich aber im Rauschverhalten nicht signifikant positiv auswirkt. Realistisch sollten Empfindlichkeiten über ISO 1600 nach Möglichkeit nicht verwendet werden, Bilder bei ISO 3200 sind aber trotzdem noch besser als die meiner 350 D bei ISO 1600. In wie weit Nachbearbeitungen das Rauschen wieder unter Kontrolle bringen können habe ich bisher noch nicht ausprobieren können.
Die erzielbare Schärfe hängt natürlich in großem Maße von den verwendeten Objektiven ab. Da ich keine Messeinrichtung habe sondern als Maßstab nur meine Augen nutzen kann konnte ich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Modellen 50 D, 60 D und 7 D erkennen. Alle Cameras zeigen brilliant scharfe Fotos und knackige Farben. Wo der Dynamikumfang nicht ausreicht hätte die 50 D noch eine Einstellung zur Verbesserung der Dynamik wenn im RAW-Format gespeichert wurde. Auch diese Möglichkeit zeigt, dass in wenigen Tagen der gesamte technische Umfang einer modernen Camera kaum zu erfassen ist. Es gibt z.B. so umfangreiche Einstellmöglichkeiten bei den sogenannten Customfunktionen dass mich deren Anwendung nach 2 Seiten in der Bedienungsanleitung eher abgeschreckt hat. Vielleicht spiele ich mal damit falls ich das Teil wirklich kaufen sollte.
Aber zurück zu den Esseentials:
Die EOS 50D kann zwei verschiedene Bildformate (JPEG oder RAW) speichern. Der Anwender kann zudem einstellen, dass beide Formate zugleich gespeichert werden. Ich habe mich bisher meist für JPEG-Dateien entschieden, da diese mit den meisten Grafikprogrammen verwendet werden können. Einen gewissen Verlust an Qualität habe ich dafür bisher in Kauf genommen.
Die Wahl des Speicherformats beeinflusst natürlich auch die Geschwindigkeit der Bilddatenspeicherung da RAW-Dateien deeutlich größer sind als die komprimierten JPEGs. Dies soll bei Reihenaufnahmen spürbar sein. Trotz der hohen Bildfrequenz von 6,3 Bilder/sec habe ich bei meinen Tests diese Grenze nicht erreicht, da ich selten mehr als 6 JPEGs am Stück gemacht habe ohne zwischendurch den Finger wieder ein wenig zu haben. Dabei ist die Trefferquote (Schärfe und Belichtung) bei bewegten Motiven relativ hoch, kommt aber nicht an die moderneren Canons 60 D und schon gar nicht an die 7 D, heran.
Bezüglich des Displays, das ja nur 920000 Bildpunkte bietet finde ich den Unterschied zur Nachfolgerin nicht besonders auffällig. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich kein Freund von Filmaufnahmen oder dem Live-View-Modus bin. Um die Schärfe auf dem Display zu beurteilen reicht die Qualität jedenfalls aus. Live-View ist für Natur-, Makro- oder Tabletop-Fotografie vielleicht interessant. Bei Sportaufnahmen oder anderen bewegten Motiven halte ich diesen Modus für nicht sinnvoll.
Fazit:
Die EOS 50 D wurde als Arbeitsgerät für semiprofessionelle Anwendungen beworben. Vor diesem Hintergrund ist mir die Ausstattung mit Kompaktkamera-Features zu üppig. Canon hätte statt deren lieber in ein besseres Rauschverhalten bei hohen Empfindlichkeiten investiert. Leider gibt es im mittleren Preissegment kaum noch – oder besser keine Kamera mehr, die sich auf das Wesentliche beschränkt und deren oberste Priorität es ist Bildqualität zu generieren. Die EOS 50 D ist eine qualitativ hochwertige Kamera für die unterschiedlichsten Anwendungen. Das wäre sie auch mit erheblich weniger Funktionen und Ausstattungsmerkmalen. weiterlesen schließen
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