Pro:
Thematik / Handlung, skandinavischer Autor, teilw . Charaktere, keine Effekthascherei
Kontra:
geringes Spannungspotential, teilw . Charaktere, Schreibstil, Ausschmückungen
Empfehlung:
Ja
Hi meine Lieben,
es gibt wieder Nachschub aus meinem Bücherregal…Schuld sind aber die fleißigen Leseratten hier ;-) Ein wahrer Run ist um die Trilogie von Stieg Larsson entstanden, scheinbar auch generell, denn als ich losgetigert bin, um mir den ersten Band zu kaufen, war dieser ausverkauft, ich griff somit also zu dem zweiten: Verdammnis, und genau um diesen Band soll es Heute bei mir gehen.
Viel Spaß beim Lesen.
Eckdaten Autor
Stieg Larsson wurde 1954 in Umeå Schweden geboren, er war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. Bereits 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarktes. Stieg Larsson galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2006 wurde er posthum mit dem skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens ausgezeichnet. Sein Debütroman Verblendung wurde vom schwedischen Buhhandel zum besten Buch des Jahres 2005 gewählt. Verdammnis ist der zweite Band der Trilogie, die der Autor vor seinem Tod vollendete.
Eckdaten Buch
Originaltitel: Flickan som lekte med Elden (2006 by Norstedts Förlag / Stockholm)
Titel: Verdammnis (2007 by Heyne)
Übersetzer: Winke Kunh aus dem schwedischen
Genre: Roman
Seitenzahl:766 Seiten (inkl. Leseprobe)
ISBN:978-3-453-43317-5
Preis: 9,95€
Pressestimmen
»Selten hat es in skandinavischer Krimiliteratur eine so originelle, widersprüchliche und packende Hauptfigur gegeben wie die gegen den Strich lebende Lisbeth Salander« Hamburger Abendblatt
»Einmal zur Hand genommen, liest man Verdammnis in einem Rutsch durch - andere Dinge werden einfach nebensächlich« Bremer
»Lisbeth Salander überwältigt mit ihrer Unwiderstehlichkeit. Sie gewinnt die Liebe des Lesers im Sturm« Der Spiegel
Na dann…ich habe hohe Erwartungen an einen so hoch gelobten skandinavischen Autor…
Die Story
Dag Svensson, seines Zeichen ein junger und ehrgeiziger Journalist bietet den schwedischen Verlag Millenium eine äußerst brisante Story. Mikael Blomkvist ist schon interessiert, denn die Story ist mehr als nur ein Aufreißer. Es geht um Mädchenhandel im großen Stil, involviert sind hier auch Polizisten sowie Angestellte der Regierung. Junge Mädchen werden aus den russischen Gefilden ins Land geschafft, damit andere ihre perfiden Gelüste an ihnen ausleben können.
Dag Svenssons hat viele Recherchen angestellt, denn er hat es sich zum Ziel gemacht, alle - die auch nur annähernd am Mädchenhandel beteiligt sind - beim Namen zu nennen. Eine wirklich heiße Story, die hier- und stichfest sein muss.
Die Story ist beinah fertig gestellt und soll dann auch bald in den Druck gehen, als ein Doppelmord geschieht: Dag Svenssons und seine Lebensgefährtin Mia Bergmann - welche gerade ihre Doktorarbeit zum Thema Mädchenhandel geschrieben hat - werden in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Durch gekonnte und brutale Schüsse nieder gestreckt. ©Jansdarling2002
Entsetzten macht sich breit bei der Belegschaft von Millenium, was geschieht nun mit der Story und vor allem wer hat dieses Verbrechen getan? Fühlte sich jemand seiner Persönlichkeit angegriffen?
Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf und findet schnell eine Verdächtige: Lisbeth Salander, welche auf zwei verschiedene Arten von Freunden und Freunden beschrieben wird. Die Freunde bezeichnen sie Lisbeth als kompetent und verlässlich, unfähig jemanden zu ermorden, die Betreuer hingegen bezeichnen Lisbeth als psychisch gestört und geschäftsunfähig aufgrund einer traumatischen Kindheit, somit auch durchaus in der Lage einem Menschen unrechtes an zu tun.
Jede Partei - ob Freunde oder Betreuer wird mit den Aussagen der anderen Seite konfrontiert aber keiner kann sich mit der jeweiligen Aussage anfreunden, am wenigsten Mikael Blomkvist, welcher aus einem früheren Fall in Lisbeths Schuld steht. Mikael fängt auf eigene Faust an zu ermitteln.
Und Lisbeth? Die hat ihre Quellen um zu erfahren, was los ist und ist erstmal untergetaucht, während die Polizei fieberhaft nach ihr fahndet.
Leseprobe (S.116)
[…] Als sie sie am Abend zu Hause anzog, kam sie sich unglaublich dämlich vor. Was sie da im Spiegel sah, war ein mageres, tätowiertes Mädchen in völlig grotesker Aufmachung. Sie zig alles wieder aus und warf es auf den Müll.
Bei Din Sko besorgte sie sch solide Winterschuhe und zwei Paar Hausschuhe. Einem jähem Impuls folgend, nahm sie auch noch ein paar schwarze Stiefel mit hohem Absatz, die sei einige Zentimeter größer machten. Zu guter Letzt kaufte sie sich noch eine anständige Winterjacke aus braunem Wildleser.
Dann brachte sie ihre Einkäufe nach Hause, kochte sich Kaffee und machte sich belegte Brote, bevor sie den Mietwagen wieder zurück brachte. Sie ging zu Fuß nach Hause, saß den Rest des Abends im Dunkeln auf dem Fenstersturz und blickte auf das Wasser des Saltsjön hinab. […] (man kann hier schon die Liebe zum Detail des Autors erkennen)
Meinung / Kritik
Zahlreiche Rezensionen hier und auf anderen Seiten im Netz haben mich neugierig gemacht, und ich schätze skandinavische Autoren, da Sie ein Inbegriff von guter Schreibart und auch ausgeklügelten Handlungen ohne ein Quäntchen Langeweile oder Effekthascherei sind. Und so habe ich mich vielleicht anstecken lassen, von dem Larsson - Fieber?
Da dieses Werk doch recht umfangreich ist, werde ich meine Meinung / Kritik ein wenig anders gestalten als sonst gewohnt.
nach ca. 250 gelesenen Seiten
Anfangs begleiten wir Lisbeth Salander auf Reisen, mit bei ihr ist ihr Mathebuch voller Formeln, welche ihr aber kaum Schwierigkeiten bereiten, bis auf eine, an welcher sie sich nun die Zähne ausbeißt. Neben diesen Formelspielereien beobachtet sie Leute und kümmert sich einen Dreck um ihre Heimat und ihre Betreuer. So kann man mit wenigen Worten ausdrücken, was der Autor auf 250 Seiten untergebracht hat. Ok, eine ziemlich kurze Fassung, aber immerhin konnte man sich so an den enorm ausschweifenden Schreibstil gewöhnen, welcher aufgrund der zahlreichen Wortschöpfungen aber auch Anglizismen nicht unbedingt für Spannung sorgt. Was mir auch gleich noch aufgefallen ist, der Schreibstil wirkt irgendwie kalt und emotionslos , was man von den skandinavischen Autoren nun gar nicht gewohnt ist. Gerade bei diesem prekären Thema hätte ich mir doch mehr Einfühlungsvermögen gewünscht.
Hinzu kommt für mich schon in diesem ersten Abschnitt, dass massig Charaktere auftauchen, welche man nun sortieren darf, um einigermaßen den Überblick zu behalten, sofern man die Charaktere und ihre Zugehörigkeit den erkennt. Viele der bisher auftauchenden Charaktere sind mehr als blass und sogar recht unglaubwürdig dargestellt. Unter ihnen - neben einigen unbedeutenden - auch Lisbeth Salander, welche allerdings mit einer der Hauptcharaktere darstellt. Der Autor hat es leider versäumt in dieser Anfangssequenz mehr auf Lisbeth einzugehen, so erfährt man von ihr nur, dass sie massig Kohle hat und gerne für sich allein ist, gut mit Computerprogrammen umgehen kann und ein Faible für mathematische Formeln hat. Und genau dieses mathematische Gefasel kann einem gewaltig auf die Nerven gehen, hier und da mal eine Erwähnung hätte gereicht, aber dann mehrere halbe Seiten füllen, tut nicht Not, das haut die eh nur wenig vorhandene Spannung ganz gen Null. [Momentaner Bewertungsstand: knappe 2,5 von 5 Sternen]
ca. 550 Seiten gelesen
Nun bin ich schon ein ganze Stück weiter, aber entzückter bin ich nicht. Ein weiterer Schwung Charaktere tauchte auf, auch diese haben durch den Autor kein wirkliches Aussehen erhalten… Und seit mehr als 180 Seiten dreht sich immer noch alles um die Ermittlungen des Mordes an Dag Svenssons und Mia Bergmann, an Ausführlichkeit nicht zu überbieten, taucht ein neuer Charakter in Form eines Experten oder Ermittler auf, wird der ganze Sermon noch mal wiederholt. Uff, wenn denn wirklich mal ein Tick Spannung aufgekommen ist, dann ist dieser nun ganz auf Null gesunken, ein müdes dahin dümpeln der Story, die durchaus ansprechend und nicht uninteressant ist, aber doch mehr Elan verdient hätte, ohne aufschneiderisch zu wirken.
Auch die Charaktere haben sich in meinen Augen nicht weiterentwickelt, wenn ich jetzt mal nur die Hauptsächlichen betrachte, auch wenn selbst die Nebensächlichen Charaktere den Eindruck hinterlassen, dass sie etwas besonderes sind, aber das Besondere will durch die magere Skizierung nicht hervorstechen. Manche wirken dann auch zeitweili8g ein wenig boniert und aufgeblasen.
Was sich des Weiteren heraus kristallisiert, ist soziale Kritik - in meinen Augen unberechtigterweise - gegenüber Frauen die Frauen lieben. Für skandinavische Autoren sind soziale Kritiken nichts ungewöhnliches, wenn auch nicht so in dieser Form, sondern eher in die andere Richtung gehend. Hier wirkt die Kritik aufgrund des anhaltenden ausschmückenden Schreibstils und der permanenten Wiederholungen arg deplaziert.
[Momentaner Bewertungsstand : 2,5 von 5 Sternen]
Ausgelesen
Endlich…ich gestehe, ich habe Verdammnis mehrmals aus der Hand gelegt, weil es mir einfach zu langweilig war und mir auch der exorbitant ausgedehnte Schreibstil auf die Nerven ging. War es vielleicht langweilig weil ich nicht den Bezug zum Vorgängerteil hatte? Nein fand ich nicht, mir fehlte noch nicht mal etwas, denn so ziemlich alles, was wohl im ersten Band passiert ist bzw. war, ist hier noch mal ausführlich durchgekaut worden, somit hatte ich nicht das Gefühl, das mir hier irgendetwas fehlte.
Spannungstechnisch hat sich nicht mehr all zu viel getan, bis auf eine Passage zum Ende des umfangreichen zweiten Bandes, dieser Spannungskick hätte viel viel eher kommen müssen !
Auch wenn Ihr mich nun wahrscheinlich lynchen wollt, aber ich bin ehrlich, mir hat Verdammnis entgegen der zahlreichen hoch lobenden Empfehlungen nicht wirklich gefallen, klar war das eine ansprechende Thematik, aber die Umsetzung derselben war doch recht unpassend. Zugute kommen lassen muss man dem Autor, dass er auf Effekthascherei verzichtet hat, wie es zahlreiche andere u.a. amerikanische und auch deutsche Autoren können, aber einen klaren und neutralen Schreibstil konnte ich hier nicht finden, schade dabei hätte die Hauptthematik dieses verdient. So manchen Charakter hätte man getrost weglassen können sowie manch erneutes durchkauen der Ereignisse, denn wer ein aufmerksamer Leser ist, vergisst nicht so schnell, wie weit der Ermittlungsstand ist.
Mein Gesamteindruck
Schade, ich bin echt ein wenig enttäuscht, so hatte ich einen flüssigen Roman erwartet, der mich das Buch - wie in den Pressestimmen angepriesen - nicht aus der Hand legen lässt. Ich glaube, ich bleibe bei meinem Stamm an skandinavischen Autoren wie Letholainen, Egholm und Mankell. Auch wenn man diese Autoren nicht miteinander vergleichen kann, aber bei deren Werken habe ich genau die Spannung und das Feingefühl zur Thematik.
Bleibt mir nur noch eines, nämlich die Verteilung der Sterne im Gesamten: dadurch das am Ende noch mal eine kleine wirklich spannende Passage auftauchte, komme ich hier alles in allem nach meinem Empfinden auf gute 3 Sterne mit einer bedingten Empfehlung.
Oh, irgendwie ist das doch ein leichter Verriss geworden, aber wie heißt es so schön? Die Geschmäcker sind verschieden.
Wie immer bedanke ich mich für das Lesen, Bewerten und Kommentieren, Eure Chrissy
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