Pro:
-interessante, neue Rennmodi: Highway-Battle und Outrun
-gute Grafik
Kontra:
-lahme Story
-eine zu große, leere Welt
-oft zu einfach
-es treten Grafikfehler und Abstürze auf
Empfehlung:
Nein
Die Need for Speed – Reihe von Electronic Arts (EA) ist wohl jedem ein Begriff. Fast jedes Jahr wartet der Publisher mit einem neuen Teil der Rennspielserie auf. Der aktuelle zwölfte Teil Need for Speed Undercover sollte seinen Vorgänger NFS Pro Street, welcher mit langweiligen Strecken, einem eintönigen Spielverlauf und wenig Innovation bis dato der schwächste Teil der Serie war, vergessen machen . Deshalb wurde dieses Mal wieder mehr Wert auf coole Spielmodi, Story und Polizeiverfolgungsjagden gelegt. Kurz alles, was Need for Speed berühmt machte und wovon sich die Entwickler mit Pro Street entfernt hatten.
Story:
In Undercover werden Sie als verdeckter Ermittler in den Untergrund der fiktiven Großstadt Tri City eingeschleust, um einen Schmugglerring auffliegen zu lassen. Aufträge erhalten Sie von Ihrer Vorgesetzten Chase Linh. Zu allererst müssen Sie einige Rennen gewinnen, um sich ersten Respekt zu verdienen und in eine der Gangs aufgenommen zu werden. Dann infiltrieren Sie diese, indem Sie diverse Jobs für die Bosse erledigen und erlangen so nach und nach Beweise, welche die Gang überführen. Hat Ihre Auftraggeberin von der Polizei genügend Beweise erhalten, so trägt sie Ihnen auf die ganze Bande auszuschalten. Dies geschieht in Rennen, in denen es Ihr Ziel ist, Ihre Gegner fahrunfähig zu machen. Durch einfaches Rammen kann dies erreicht werden. Ist eine Gang ausgeschaltet, werden Sie in den nächsten Abschnitt der Stadt geordert, wo sich das Spielchen wiederholt.
Man befindet sich also in einer spannenden und, im Racing-Genre, neuen Situation, aus der Story hätte EA meiner Meinung nach jedoch viel mehr herausholen können. Aus Under-covers Leitsatz („Bist du undercover, bist du allein.“) wird nichts, denn an keiner Stelle des Spiels hat man das Gefühl allein auf sich gestellt zu sein. Ständig hat man Kontakt zu Chase, die einen die ganze Zeit bei der Hand nimmt und mit ihren Anweisungen durch die gesamte Story führt. Nirgendwo hat man die Möglichkeit die Geschichte zu verändern (was inzwischen in nicht wenigen Spielen erfolgreich eingesetzt wird), aber das ist ja bei allen NFS-Teilen so. Erzählt wird die Story von mehreren kleinen Videos, die sehr aufwendig von EA produziert wurden. Zu sehen sind unter anderem auch bekannte Schauspieler wie Maggie Q (Stirb Langsam 4.0, Mission Impossible 3) und Christina Milian (Be Cool). Maggie Q übernimmt den Part der Chase Linh, unserer Vorgesetzen beim Tri City Police Department Aufgrund der jedoch schwachen schauspielerischen Leistungen einiger Darsteller, der Story und der Wende gegen Schluss wirken diese Zwischensequenzen eher wie eine mäßig gute Seifenoper. Das Geld für die Dreharbeiten hätte lieber in die Entwicklung gesteckt werden sollen…
Gameplay:
An der Spielweise von Need for Speed hat sich noch nie viel geändert: Rennen gewinnen, sich einen Namen machen, neue Autos kaufen und diese dann auf Leistung und Optik hin tunen. Dieses Prinzip klappt schon seit Need for Speed 7 (Underground) ganz gut. In NFS Undercover kommen zu den bekannten Rennmodi Rundkurs, Sprint (von A nach B) und Zeitfahren noch einige an neuen Modi dazu. Darunter ist das Highway-Battle: Hier geht es darum einen Gegner auf der dicht befahrenen Autobahn abzuhängen. Dieser Modus macht am meisten Spaß, weil er der bei Weitem Schwierigste ist und man höllisch aufpassen muss, dass man bei 300 km/h nicht in den Gegenverkehr schlittert und seinen Wagen zerlegt. Es sind die spannendsten Momente von Undercover, wenn man sich zwischen zwei Lastwagen hindurchzwängt, Millisekunden später scharf nach rechts ausweichen muss, da man eine Baustelle auf der linken Fahrbahn übersehen hat und gleichzeitig seinen Kontrahenten überholt, der gerade einen Unfall gebaut hat. Ein weiterer neuer Modus ist der sogenannte Outrun, welcher Fans der Serie noch aus NFS Underground 2 ein Begriff seien sollte. Ähnlich wie beim Highway-Battle treten Sie wieder nur gegen einen Gegner an und müssen versuchen, eine bestimmte Zeit lang vor ihm zu bleiben. Dabei kann die gesamte frei befahrbare Welt von Undercover benutzt werden, die in anderen Rennen von Barrieren begrenzt ist. Zu diesen beiden neuen Modi gesellen sich noch weitere Renntypen, welche jedoch kein Geld einbringen und lediglich das Vertrauen der Gangster in Sie erhöht. Dieses steigt nämlich, genau wie Ihr Ruf, wenn Sie Verkehrsregeln nicht beachten, einen großen Sachschaden verursachen während Sie einer Verfolgung entkommen oder Polizeiwagen demolieren. Diese Spielmodi machen keinen Spaß, obwohl das Entkommen aus einer Polizeiverfolgung schwierig und spannend sein kann. Es fehlt einfach die Motivation dazu diese Extra-Rennen zu beginnen, weil man einfach nie das Vertrauen der Bandenmitglieder verlieren oder als Polizist enttarnt werden kann. Ein Problem, welches Undercover einen großen Teil seiner Glaubwürdigkeit kostet.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die frei befahrbare Welt von Undercover. Diese ist zwar riesig und wahrscheinlich die Größte der gesamten Reihe, aber leider ist sie wie leer gefegt. Es gibt einfach zu wenige Gegenstände und Details, sei es am Straßenrand oder auf der Straße. Ab und zu fährt man an einer Mülltonne oder einer Bushaltestelle vorbei, da es jedoch keine Müllabfuhr bzw. Busse gibt, verlieren diese Stellen schnell ihren Sinn.
Ich verlange ja keine, vor Details platzende Metropole wie beispielsweise GTA 4 sie bietet, sondern lediglich ein paar Anhaltspunkte, die mir sagen, dass ich mich nicht auf einer Rennstrecke befinde, sondern mitten in einer Großstadt. Wirklich schlimm jedoch ist, dass man den Freie-Fahrt-Modus nicht einmal benutzen muss, um das Spiel zu spielen. Einfach nach einem Rennen die TAB-Taste drücken und schon startet das nächste Rennen oder der nächste Auftrag. Damit ist Undercover wieder nur eine Aneinanderreihung von Rennen ( mit der „Möglichkeit“ in einer öder, leeren Stadt herum zu kurven, in der es nichts weiter zu entdecken gibt als Straßen ) wie es NFS Pro Street war, wo es keine Freie-Fahrt gab.
Präsentation:
Im Vergleich zu den Vorgängern macht NFS Undercover grafisch eine noch bessere Figur. Die Wagenmodelle sehen äußerst realistisch aus, genau wie die Reflexionen auf der Straße und die Umgebung. Vor allem die Raucheffekte, wenn man Burnouts o.Ä. macht, überzeugen. Was mich stört ist, dass die Rennen immer entweder früh morgens oder in der Abenddämmerung stattfinden, sodass man bei ausschließlich jedem Rennen von der Sonne geblendet wird und so die Übersicht verliert. Außerdem produziert Undercovers Grafikengine oftmals kleinere Grafikfehler ( seltsame Schlieren auf benachbarten Bergen oder zu spät auftauchende Texturen ), die, genau wie gelegentliche Abstürze, den Spielablauf stören. Auch das Schadensmodell der Fahrzeuge enttäuscht ein wenig, denn die Wagen werden bei Crashes nicht nach und nach in alle Teile zerlegt, sondern einfach irgendwie zusammengepresst. Das haben andere Titel ( Race Driver: Grid, CMR Dirt ) schon besser hinbekommen. Der Sound hingegen ist durchweg gut gelungen. Besonders der Soundtrack, welcher einfach gut zu den einzelnen Rennen passt, kommt bei mir gut an. Auch die deutschen Synchronsprecher sind gut gewählt und tragen zur Gangster-Atmosphäre bei. Die Fahrzeuge sind ja bekanntermaßen das, was ein Rennspiel ausmacht. In Undercover ist man in der Lage 53 verschiedene Autos zu kaufen und sie dann technisch sowie optisch zu verändern. Darunter sind auch einige Leckerbissen wie z.B. der noch unveröffentlichte Nissan 370Z, der Bugatti Veyron 16.4 mit 1001 PS oder der neue Scirocco von Volkswagen. Es macht wirklich eine Menge Spaß realistisch aussehenden Sportwagen neue Karosserien zu verpassen oder sie neu zu lackieren, jedoch ist die Menüsteuerung sehr nervig und konsolenlastig. Deswegen überging ich häufig im Spiel das Tuning und fuhr meine Gegner mit Serienautos in Grund und Boden.
Leistungstuning ist ebenso unnötig, wie der Fahrzeugkauf im Spiel. Ständig bekommt man von den Bandenbossen neue Wagen geschenkt, die einen gut durch die anstehenden Rennen bringen. Am Anfang brauchte ich sie nicht einmal zu tunen, da die Rennen viel zu einfach waren. Bis zur Hälfte des Spiels hatte ich noch kein Rennen neu starten müssen, da ich immer mit einigem Abstand ins Ziel gekommen bin. Einzige Ausnahme sind hier die Highway-Battles, wo der Schwierigkeitsgrad schon am Anfang sehr hoch war, allerdings hängt hierbei auch viel vom Glück ab.
Technik und Systemanforderungen:
Die Grafikengine produziert, wie gesagt, einige Grafikfehler und das Spiel stürzte bei mir mehrere Male ab. Dies geschah jedoch immer im Menü, sodass niemals ein Spielstand verloren ging. Die folgenden Systemvoraussetzungen sind auf der Rückseite der Spielverpackung angegeben:
• Benötigt: Internetverbindung ( zur Online-Aktivierung )
• Windows XP (SP.2) / Vista
• Prozessor: XP: 3.0 GHz und schneller Vista: 3.2 GHz und schneller
• RAM: 512 MB (XP) / 1 GB (Vista)
• Festplatte: 6.26 GB
• DVD-ROM: 8-Fach
• Grafikkarte: 128 MB (nVidia GF 6600 / ATI Radeon 9500 oder höher)
Die Online-Aktivierung, für die eine Internetverbindung benötigt wird, ist Teil des Kopierschutzes ( SecuRom ). Dieser Kopierschutz sorgt dafür, dass das Spiel nur fünfmal installiert werden kann, danach ist ein Anruf beim EA-Kundenservice erforderlich, um das Spiel erneut zu aktivieren. SecuRom ist viel Kritik ausgesetzt, da es sich tief in die Systemdateien rein installiert, ich habe jedoch noch nie negative Erfahrungen mit diesem Schutz gemacht.
Fazit:
NFS Undercover versprach, ein gutes Rennspiel zu werden: innovative, neue Modi, unterhaltsame, spannende Geschichte und eine Grafik, die andere Rennspiele vor Neid erblassen lassen sollte. Insgesamt ist es jedoch nur ein mittelmäßiges Spiel für zwischendurch geworden: Der einzige neue Modus, der tatsächlich spaßförderlich ist, ist sehr schnell wieder vorbei und, wie schon gesagt, der EINZIGE. Auch die Story plätschert nur vor sich hin und wird lediglich zum Schluss hin interessant. Die Grafik hat sich zwar verbessert, doch insgesamt sieht das Spiel wenig durchdacht aus, so als hätte man sich bei Electronic Arts zusammen gesetzt und alle Elemente, die in NFS einmal erfolgreich waren, einfach mal in einen Topf mit der Story eines Undercover-Polizisten hinein geworfen und heraus kam Need for Speed 12. Dennoch gibt es eine kleine Kaufempfehlung von mir, nämlich für diejenigen ( wenigen ), die NFS noch nie gespielt haben, denn für Neueinsteiger ist Undercover genau das Richtige. Für den Rest, der keine Sonnenbrille zum Spielen aufsetzten will, gibt es bessere Alternativen: Race Driver: GRID, Midnight Club LA ( allerdings nicht für den PC ) oder Test Drive Unlimited, mein persönliches Lieblingsspiel.
Ich freue mich auf Lesungen und Bewertungen
Lukas Bielefeld weiterlesen schließen
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