Schmetterling und Taucherglocke (DVD) Testberichte




Auf yopi.de gelistet seit 03/2010
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Pro & Kontra
Vorteile
- Wunderschöner und nachdenklicher Film
Nachteile / Kritik
- Manchmal zu detaillierte Darstellung
Tests und Erfahrungsberichte
-
Bevor es Nacht wird …
Pro:
Siehe Bericht
Kontra:
Nichts
Empfehlung:
Ja
„Heute kommt es mir so vor, als wäre
meine ganze Existenz nichts anders gewesen
als eine Kette verpasster Gelegenheiten.
Die Frauen, die man nicht lieben konnte;
die Chancen, die man nicht ergreifen
wollte; die Glücksmomente, die man sich
entgehen ließ. Ein Rennen, dessen Ergebnis
man kennt, aber bei dem man sich nicht
in der Lage fühlt, den Gewinn zu kassieren.
War ich blind und taub zugleich oder
brauchte ich erst ein Unglück, um mir über
meine wahre Natur klar zu
(Jean-Do Bauby)
Verschwommene Stimmen, dumpf, kaum verständlich, dringen in sein Ohr. Das Licht fällt schwach in sein linkes Auge. Irgendein „Alles wird gut“ dringt in sein Ohr. Und dass er seit drei Wochen im Koma lag. Ein Dr. Cocheton macht Versprechungen. Es wird heller. Er glaubt sprechen zu können; doch was er hört, ist nur seine innere Stimme, die ihm ins Bewusstsein dringt. Erst nach und nach, ganz allmählich, merkt er, dass er sich nicht bewegen kann. Ein anderer Arzt näht ihm das rechte Auge zu – wegen Entzündungsgefahr. Er ist entsetzt und kann sich nicht wehren. Er kann nicht sprechen, sich nicht bewegen, nur sein linkes Auge funktioniert noch. Und er kann hören.
Jean-Dominique Bauby, genannt Jean-Do, Chefredakteur von „Elle“, 42 Jahre alt, ist nach einem Schlaganfall gelähmt. Er leidet an dem seltenen Locked-in-Syndrom, einer fast vollständigen Lähmung, bei der jemand zwar bei Bewusstsein ist, sich aber nicht sprachlich oder durch Zeichen verständigen kann.
Julian Schnabel („Bevor es Nacht wird“, 2000) inszenierte die Geschichte dieses Mannes, der am 8.12.1995 einen Schlaganfall mit derartigen Folgen erlitt, im Krankenhaus von Berck-sur-mer drei Wochen im Koma lag, danach ein Buch schrieb (wie, dazu weiter unten) und nur drei Tage nach Veröffentlichung des Buches am 9.3.1997 an Herzversagen starb.
Schnabel inszenierte seinen Film wie eine Art Tagebuch von Jean-Do, zunächst – die ersten 40 Minuten des Films – rein aus der Perspektive Baubys. Man hört Jean-Do, wie er die Aufmunterungsversuche insbesondere der Ärzte mit leicht sarkastischen „Worten“ kommentiert, wie er in Kontakt mit der Logopädin Henriette und der Physiotherapeutin Marie tritt, in dem er sein linkes Auge (zunächst) nur für „Ja“- (einmal zwinkern) und „Nein“-Antworten (zweimal zwinkern) benutzt.
Seine von ihm getrennt lebende Frau Céline besucht ihn, sein Freund Laurent, später auch seine Kinder. Obwohl er zunächst angesichts seiner hoffnungslosen Situation sterben will, bringen ihn vor allem Marie und Henriette dazu, an etwas ganz anderes zu denken: an den Aufbau einer einfachen, aber wirksamen Kommunikationsstruktur: Sie sortieren das Alphabet nach den am häufigsten vorkommenden Buchstaben in der französischen Sprache und sagen sie immer in derselben Reihenfolge auf, jeweils bis Jean-Do zwinkert. Nach einer Weile können sie auf diese Weise die Worte teilweise raten, die Jean-Do meint. Dieses Verfahren ist zwar zeitaufwändig, aber derart effektiv, dass Bauby später sein Buch „Schmetterling und Taucherglocke“ diktiert, in dem er sein Leben nach dem Schlaganfall erzählt, aber eben vor allem auch seine Erinnerungen und seine Gefühle preisgibt, die er in den letzten Monaten seines Lebens hatte.
„La mer
Qu'on voit danser le long des golfes clairs
A des reflets d'argent
La mer
Des reflets changeants
Sous la pluie
La mer
Au ciel d'été confond
Ses blancs moutons
Avec les anges si purs
La mer bergère d'azur
Infinie“
(Charles Trenet, 1946)(1)
Schnabel gelang etwas Wundervolles. Ohne die Spur von Rührseligkeit zeigt er in der ersten Hälfte des Films einen Mann, der am Leben hängt. Nur durch die Erinnerung und die Phantasie kann er, so Bauby selbst, seiner „Taucherglocke“ entkommen und wie ein Schmetterling eine eigene, neue Welt kreieren. Die zweite Hälfte des Films zeigt uns Bauby aus unserer Perspektive, und dieser Perspektivwechsel ist selbstverständlich gewollt. Dieser Wechsel erscheint mir so natürlich und klar und überzeugend wie der Film insgesamt.
Mathieu Amalric („James Bond 007 - Ein Quantum Trost“, 2008; „La Vénus à la fourrure“, 2013) präsentiert uns „seinen“ Jean-Do plausibel. Auch wenn wir in dessen Erinnerung Bauby gesund sehen, ist die Darstellung des gelähmten Bauby, in der auch Amalric ja nur das linke Auge bewegen kann, eindrucksvoll. Es ist überhaupt erstaunlich, dass man einem Menschen in diesem Zustand noch ansehen kann (jedenfalls in mehreren Situationen im Film), was er empfindet. Und Amalric gelingt dies.
Die Gedanken Baubys – dem Buch entnommen – „sitzen“ in jeder Szene des Films. Als ihn seine Kinder besuchen, hören wir ihn denken: „Selbst ein Stückchen von einem Papa ist wohl noch ein Papa.“ Auch seine sarkastischen, aber wirklich nie bösartigen gedanklichen Kommentare zu Vergangenem oder den Äußerungen seiner Besucher sind vortrefflich. Bauby hat sein Schicksal irgendwann in diesen letzten Monaten seines Lebens jedenfalls soweit akzeptiert, dass er damit leben kann.
Schnabel zeigt Bauby in seinem vergangenen Leben, das was für ihn wichtig war, u.a. auch seinen Vater, gespielt von dem großartigen Max von Sydow, der einen über 90jährigen Mann spielt, den das Schicksal seines Sohnes in einer Weise betrübt, die man kaum beschreiben kann.
Neben von Sydow (in zwei Szenen) überzeugen auch Emmanuelle Seigner, Marie-Josée Croze, Anne Consigny und Olatz López Garmendia.
Die Traurigkeit, diese schier unendliche Hilfslosigkeit und das vollständige Ausgeliefertsein an andere zeigt Schnabel nur als die eine Seite dieser Geschichte. „Schmetterling und Taucherglocke“ ist auf der anderen Seite und vor allem anderen eine Hommage an das Leben, eine uneingeschränkte Liebeserklärung im Angesicht des Todes. Und es ist gerade die wunderbar „hineinkomponierte“ Musik – etwa „La Mer“ von Charles Trenet, „All The World Is Green“ und „Green Grass“ von Tom Waits, „Pale Blue Eyes“ von Lou Reed oder auch „Don't Kiss Me Goodbye“ von Ultra Orange & Emmanuelle –, die dieser Hommage die entsprechende Stimmung verleiht.
Dieser Film ist einer der seltenen seiner Art, der die Tragik einer solchen Lebensgeschichte in einer ganz und gar nicht kitschigen oder rührseligen Art direkt in die Herzen des Betrachters transportiert. „Der Mond ist gelbes Silber, all die Dinge, die der Sommer bringt, es ist eine Liebe, für die man töten würde. Und die ganze Welt ist grün, er balanciert einen Diamanten auf einem Grashalm. Der Tau wird sich auf unserem Grab niederlassen, wenn die ganze Welt grün ist“ (Tom Waits).DVD
Erscheinungstermin: 09.10.2008
Studio: Prokino
Entstehungszeitraum: 2007
Vertrieb: EuroVideo
EAN-Code: 4260170490025
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch (DTS / DD 5.1), Französisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar Julian Schnabel (Regie), Making Of, Interview Julian Schnabel, Featurette über die Kameraarbeit
Tonsystem: DTS / Dolby Digital
Regionalcode: Regionalcode 2
Dem Audiokommentar des Regisseurs und auch dem Interview mit ihm auf der DVD merkt man an, wie wichtig ihm dieser Film war. Mit aller Leidenschaft berichtet er über das Zustandekommen des Films. Neben dem kurzen Making Of findet man dann noch ein durchaus interessantes Featurette über die Arbeit von Janusz Kaminski – der etliche Filme von Steven Spielberg fotografiert hat und der gerade bei diesem Film besondere Aufgaben übernehmen musste.
Wertung: 10 von 10 Punkten.
Zuerst veröffentlicht unter:
www.follow-me-now.de
© Ulrich Behrens 2013
(1) Übersetzung:
„Das Meer
Man sieht es tanzen entlang klarer Golfküsten
In silbernem Glanz
Das Meer
Schillernde Lichtreflexe
Bei Regen
Das Meer
Bei Sommerhimmel vermischt es
Seine weißen schäfchengleichen Schaumkronen
Mit den Engeln so rein
Das Meer, azurblaue Schäferin,
Endlose“
Schmetterling und Taucherglocke
(Le scaphandre et le papillon)
Frankreich, USA 2007, 112 Minuten
Regie: Julian Schnabel
Drehbuch: Ronald Harwood, nach dem Buch von Jean-Dominique Bauby
Musik: Paul Cantelon
Director of Photography: Janusz Kaminski
Montage: Juliette Welfling
Produktionsdesign: Michel Eric, Laurent Ott
Darsteller: Mathieu Amalric (Jean-Do); Emmanuelle Seigner (Céline); Marie-Josée Croze (Henriette Roi); Anne Consigny (Claude); Patrick Chesnais (Dr. Lepage); Niels Arestrup (Roussin); Olatz López Garmendia (Marie Lopez); Jean-Pierre Cassel (Vater Lucien und Verkäufer in Lourdes); Marina Hands (Joséphine); Max von Sydow (Papinou)Kommentare & Bewertungen
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Die Gedanken sind frei
Pro:
siehe Bericht
Kontra:
siehe Bericht
Empfehlung:
Ja
Hallo Zielgruppe!
Es ist ja in der Filmbranche nichts ungewöhnliches, dass das Leben bedeutender Persönlichkeiten oder herausragende Schicksale vergleichsweise unbekannter Personen verfilmt werden. In diesem Film werden quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn hier geht es um ein herausragendes Schicksal einer relativ bekannten Persönlichkeit. Trotzdem ist dieser Film keine gewöhnliche Biographie oder kein banaler Schicksalsbericht geworden. Wieso, dazu mehr in diesem Bericht!
### DIE GESCHICHTE ###
~~~ Wie immer zuerst die "Gemeinwesen holt einmal tief Luft"-Kurzversion ~~~
Jean-Dominique Bauby hat in seinem 42-jährigen Leben schon vielesKommentare & Bewertungen
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Mondlicht1957, 27.07.2009, 15:27 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Sehr hilfreich und liebe Grüsse: PS aktualisierte Berichte kann man nicht mehr hochholen, bitte auch mal auf Seite 2-6 lesen - Danke
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christianpirker, 27.07.2009, 13:24 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Sehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian
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anonym, 25.07.2009, 03:01 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
nö nicht meins, der Bericht aber schon
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eingesperrt im eigenen körper
Pro:
genialer film geniale bilder
Kontra:
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Empfehlung:
Ja
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Schmetterling und Taucherglocke
DVD ~ Mathieu Amalric
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Vor Weihnachten habe ich eine Freundin besucht. Die hat mir von einem Film erzählt, der zur Zeit seiner Kinolaufbahn ( und das war heuer) trotz vieler Oskar Nominierungen und Golden Globs, irgendwie spurlos an mir vorbeigehuscht ist,.dabei handelt es sich doch um ein Thema, das mich rein beruflich gesehn interessiert. Ein Patient mit Locked In Syndrom nach Schlaganfall lernt mithilfe seiner Logopädin eine Art Komunikation und schreibt ein Buch, obwohl er gelähmt, sprachlos und ein Auge zugenäht wird
.Produktfotos & Videos
die logopädin und ihr schild von angela1968
am 26.12.2008die dvd von außen gesehn.... von angela1968
am 26.12.2008Kommentare & Bewertungen
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Dr_Ed, 16.07.2009, 22:11 Uhr
Bewertung: besonders wertvoll
Also ich fand den Film damals im Kino auch sehr bewegend!
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MasterSirTobi, 30.12.2008, 02:39 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Ein Reporter in spe^^. LG MasterSirTobi
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