Pro:
die ersten 30 Minuten, Idee, gute DVD - Ausstattung
Kontra:
Umsetzung, unfreiwillig komisch, Zooey Deschanel, Charaktere
Empfehlung:
Ja
Tag liebe Leser und Filmfreunde,
M. Night Shyamalan ist einer dieser Regisseure, die man nur sehr schwer in eine bestimmte Schublade stecken kann. So war er einst für den starken und sehr guten Film „The Sixth Sense“ (1999) veantwortlich. Doch seine Filme danach waren weniger gut, teilweise sogar richtig schlecht. Während man bei „Unbreakable“ (2000) noch von einem eventuellen kurzen Ausrutscher reden konnte, waren seinen nachfolgenden Filme auch alles andere als gut und funktionierten stellenweise in keinem einzigen Punkt. Während „Signs“ (2002) noch einigermaßen bei Laune hielt und recht geschickt vorging, verfiel Shyamalan zunehmend der Lächerlichkeit. „The Village“ (2004) wäre so ein Kanditat. Die Idee wirkte zu wenig logisch durchdacht und der Film war deswegen ein großer Fehlschlag. Doch seine Streifen wurde auch nicht besser – im Gegenteil. „Das Mädchen aus dem Wasser“ (2006) war furchtbar schlecht und „Die Legende von Aang“ (2010) war sogar noch schlechter, auch wenn man es nicht glauben will.
Gehen wir ins Jahr 2008 zurück. Hier erschien nämlich auch ein M. Night Shyamalan Film. Mit dem Namen „The Happening“, einem recht guten Trailer und einer interessant wirkenden Story, versuchte sich der Mann erneut im Genre des Mysterie-Thriller. Und der Kritiker hofft noch immer – so ging es mir jedenfalls – die Magie von „The Sixth Sense“ anzutreffen. Doch man sollte sich wohl langsam damit abfinden, dass diese aus Shyamalan verschwunden ist.
„The Happening“ - Die Handlung
In vielen Großstädten der USA gibt es merkwürdige Todesfälle. Ganze Menschengruppen bringen sich ohne einen Grund und ohne Vorwarnung um. Dabei gibt es wohl drei grundlegende Stufen: Verwirrung, Orientierungslosigkeit und die dritte Phase ist tödlich. Dieses mysteriöse Phänomen kann anfangs niemand erklären. Sind es Terroristen oder ist der eigene Staat dafür verantwortlich? Experten vermuten ein neues Giftgas, was uns dazu bringt, Selbstmord zu begehen. Aber scheinbar weiß niemand etwas genaueres über diese heikle Situation.
Da viele Leute Angst vor neuen „Anschlägen“ haben, flüchten sie auf's Land. Darunter ist auch der Lehrer Elliot (Mark Wahlberg), seine Frau Alma (Zooey Deschanel), sein Kollege Julian (John Leguizamo) und Julian seine Tochter Jess (Ashlyn Sanchez). Gemeinsam erwischen sie die letzten Zugtickets und versuchen aus dem Gefahrengebiet zu fliehen. Doch dann hält der Zug mitten in der Einöde an. Der Kontakt zur Außenwelt ist unterbrochen und die Passagiere stellen fest, dass das tödliche „Gas“ - oder was immer es auch ist – auch in eher kleineren, ländlichen Gebieten eingesetzt wird. Ist man überhaupt noch irgendwo sicher? Was steckt wirklich hinter den vielen Selbstmorden?
„The Happening“ - Kritik
Die ganze Handlung hört sich spannender an als sie denn tatsächlich ist. Denn schon recht früh in der Geschichte wird verraten, was vermutlich hinter den Selbstmorden steckt. Shyamalan nimmt so jegliche Spannung aus der Story raus und man fiebert nicht mehr mit. Das Rätsel ist gelöst und die Spannungskurve sinkt immer weiter. Ich selber weiß gar nicht, wo ich eigentlich anfangen soll. Der Film ist so dermaßen lächerlich und unfreiwillig komisch präsentiert, dass ich „The Happening“ teilweise schon wieder fast gut fand.
Die erste halbe Stunde des Films ist wirklich nicht schlecht. Sie ist gut gefilmt, mysteriös gestaltet und die ganze Atmosphäre wird dicht auf den Zuschauer transportiert und dieser fühlt sich dadurch automatisch im Geschehen. Man selber rätselt mit, wer denn hinter den Anschlägen stecken könnte und die ganzen Selbstmorde werden gut inszeniert und entsprechend gut präsentiert. Auch wenn einige von ihnen eher Unterhaltungswert haben und nicht wirklich beängstigend auf den Zuschauer wirken.
Doch als Shyamalan dann das Geheimnis gelüftet hat, war ich gleich zweimal sauer auf ihn. Zum einen, weil er – wie bereits oben beschrieben – somit die bedrohliche und unheimliche Atmosphäre zerstörte und zum anderen war die Auflösung derart misslungen, dass ich fast unfreiwillig lachen musste.
Solch eine konstruierte und merkwürdige Handlung gibt’s selten zu sehen und macht „The Happening“ vielleicht deswegen sogar sehenswert. Ich bin mir fast sicher, dass Shyamalan hier eine gute Botschaft platzieren wollte, aber dies ist ihm gründlich misslungen. Warum? Kann ich euch mit einer Auflistung der Probleme sagen:
1) Es ist einfach alles zu schnell gefilmt und ganze Handlungsabläufe werden übersprungen. Der Film hätte locker zwei Stunden unterhalten können, wenn man ihn passend entworfen und nicht so schnell des Rätsels Lösung verraten hätte. So wirkt „The Happening“ mit seinen mageren 80 Minuten Laufzeit – wenn man Vorspann und Abspann abzieht – viel zu kurz und man hat das Geschehen eigentlich noch gar nicht recht verstanden. Der Regisseur lässt den Zuschauer hier quasi mit Fragen über Fragen zurück und lässt alles abrupt enden.Vielleicht hatte er selber keine vernünftigen Antworten für den Schwachsinn, den er da entworfen hat. Meine Frage nach dem Film wäre gewesen: „Was war das denn bitte für ein Blödsinn, Herr Shyamalan?“
2) Die Dialoge sind so schlecht geschrieben, dass man den Ton am liebsten ausschalten würde. Das ist dann Zuhause – zum Glück – kein Problem mehr – im Kino schon. Da wird stellenweise solch ein dummes Zeug gequatscht, was gar nicht zu dem Film und dem Geschehen passt. Auch ansonsten ist alles ganz schrecklich geschrieben und einige Charaktere – wie etwa Alma - kommen einen blöder vor als sie vielleicht sind. Shyamalan sollte sich das nächste Mal unbedingt einen Drehbuchautoren besorgen. Denn er selbst kann es anscheinend nicht – hat er hier erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
3) Die Charaktere sind dämlich und auch hier unfreiwillig komisch geraten. Besonders amüsant fand ich das Auftreten Dutzender Nebendarsteller, nur damit sie nach zwei Minuten wieder draufgehen. Demnach war mir ihr Tod auch vollkommen egal, da ich in keinster Weise eine Beziehung zu diesen Personen aufbauen konnte. Das liegt jetzt aber nicht alleine am Drehbuch, sondern auch an den ganz miesen Leistungen der Darsteller.
Besonders auch Hauptdarstellerin Zooey Deschanel hat den Ausdruck einer überfahrenen Kröte. Wie kann man solch eine Frau als Schauspielerin verpflichten? Ich habe im Film gehofft, dass die Frau bald Selbstmord begeht – war leider nicht so. In diesem Punkt kann man wieder stolz darauf sein, dass der Film nur um die 80 Minuten geht.
Auch Mark Wahlberg wirkt erschreckend ausdrucksarm und ist sichtlich unterfordert. Er versucht wirklich sein Können mit einzubringen, aber seine Rolle erlaubt es ihm einfach nicht. Es bietet sich einfach zu wenig Spielraum für ihn. Wahlberg hatte für mich hier auch den lächerlichsten Auftritt seiner Karriere und zwar – Vorsicht, eventuelle Spoilergefahr – als er mit einen Plastikpflanze redete – das war wirklich der Untergang des guten Kinos.
Die anderen Darsteller sind dann kaum der Rede wert, da sie entweder gleich sterben oder aber kaum Text und Dialoge haben. Noch am meisten hat mir davon Betty Buckley als Mrs. Jones gefallen, die in den letzten 25 Minuten der Story auftritt und einen wirklich guten Auftritt hinlegt. Sie kann sich aber bei ihrer Rolle auch recht gut entfalten.
4) Die Geschichte dreht sich zusätzlich um eine - mir nicht wirklich verständliche - Liebesbeziehung. Scheinbar können sich Alma und Elliot überhaupt nicht mehr leiden und scheinen schwierige Probleme miteinander zu haben. Leider wird dem Zuschauer nie wirklich der Grund erklärt und auch im Allgemeinen ist das eine sehr, sehr merkwürdige Beziehung. Mal ganz davon abgesehen, dass die Chemie zwischen Mark und Zooey überhaupt nicht stimmt und sie ein schreckliches Paar abgeben.
5) Der Soundtrack ist mindestens so merkwürdig wie der Film selbst. Die Klänge passen so überhaupt nicht zum Geschehen und verursachen auch hier Kopfschütteln oder einen herzlichen Lachanfall – bleibt jedem selbst überlassen.
Durch diese fünf Punkte wirkt die Handlung und das tatsächliche Ereignis noch dämlicher als es überhaupt schon ist.
Zu loben sind bei „The Happening“ nur die erste halbe Stunde und die Selbstmorde, die recht innovativ und auf ihre Weise angenehm lustig sind – war vermutlich nicht die Absicht, aber was soll's.
Ist „The Happening“ nun der endgültige Untergang einer Regisseurkarriere?
In meinen Augen war sie schon vorher zu Ende, aber mit dem Film hat es M. Night Shyamalan endgültig geschafft. Und das seine Filme noch schlimmer werden können, bewies er mit „Die Legende von Aang“ eindrucksvoll. Mein Tipp für ihn wäre, dass er sich einfach mal ein paar Jahre eine Auszeit nimmt und vernünftige Ideen sammelt. Und dann auch mal ein ordentliches Drehbuch schreibt. Den Schrott kann man wirklich niemanden antun und der Mann sollte sich eigentlich selbst schämen, dass er solch einen Dreck produziert. „The Happening“ ist schlicht eine Katastrophe und beeindruckt nur durch seine Lächerlichkeit.
„The Happening“ - Die DVD
Bild- und Tonqualität
Hier kann der Film in jeder Hinsicht punkten. Das Bild ist scharf und hat in keinem Moment Einbrüche oder sonstige Probleme zu verzeichnen. Auch die Sprache ist deutlich verständlich und der Film wurde auch entsprechend deutsch synchronisiert. An dieser Stelle empfehle ich aber einmal wieder die Originalsprache, denn hier wirkt der Film – wenn man das bei der Qualität von „The Happening“ überhaupt noch sagen kann – um einiges atmosphärischer.
Bonusmaterial
Die Sonderausstattung der DVD kann sich auch wirklich sehen lassen und ist enorm umfangreich. Hier gibt es unheimlich viele Punkte, die man abspielen kann und man erfährt viel über den Hintergrund des Filmes. Hier die einzelnen Auswahlkategorien:
Entfallene Szenen:
Hier kann man sich insgesamt vier nicht verwendete Szenen anschauen. Wenn man möchte, kann man auch die Kommentare von M. Night Shyamalan aktivieren und sich diese anhören. Er erzählt hier symapthisch, warum man diese Szenen nicht in den endgültigen Film gebracht hat. Fand ich persönlich sehr interessant und da waren auch paar ganz nette Ausschnitte dabei.
Der harte Filmschnitt:
Hier zeigt man den Dreh einer wirklich harten und brutalen Szene im Film. Dabei wird auch dies wieder genau erklärt und man fühlt sich gerade mitten in den Dreharbeiten des Films. Wirklich sehr interessanter Einblick.
Ich höre, wie ihr flüstert:
In diesem Punkt dreht sich alles um Mrs. Jones, die in den letzten Minuten von „The Happening“ auftritt. Auch dieses Extra ist nett kommentiert und hat eine gute Aufmachung.
Ein Tag mit Night Shyamalan:
Man bekommt Einblicke in einen Drehtag von M. Night Shyamalan. Hier werden dem Zuschauer seine Aufgaben näher gebracht und er ist – so kann ich es danach beurteilen – ein echt sympathischer Typ.
Die Entstehung einer Szenen:
Hier wird dem Zuschauer eine bekannte Szene aus dem Film vorgeführt und man bekommt Einblicke in die Dreharbeiten dieses Abschnitts. Hat mir persönlich auch sehr gefallen, da auch hier ausführlich und niemals langweilig oder zäh, die Arbeiten an „The Happening“ gezeigt werden.
Unsichtbare Kräfte:
Bei diesem Punkt wird das „Geheimnis“ und die „Gefahr“ in dem Film näher beleuchtet. Will ich jetzt nicht zu viel verraten, sonst würde ich euch nur unnötig spoilern.
Spaß am Set:
Erscheint in meinen Augen unnötig, da hier nicht wirklich gezeigt wird, warum die entsprechende Person gerade lacht. Man zeigt hier lediglich ein paar Schauspieler, die sich gerade herzlich freuen – mehr nicht.
Etwas enttäuscht war ich über die wenigen Auftritte von Mark Wahlberg in den Extras. Der hatte vermutlich keine Lust weiter in dem miesen Film aufzutreten und hat sich deswegen im Bonusmaterial rausschneiden lassen. Wirklich schade, denn die kurzen Auftritte, die er hier hatte, waren wirklich sehr stimmig und lustig.
„The Happening“ - Die Daten
Originaltitel: The Happening
Deutscher Titel: The Happening
Entstehungsland: USA
Entstehungsland: 2008
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Regisseur: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Produzenten: M. Night Shyamalan, Sam Mercer, Barry Mendel
Kamera: Tak Fujimoto
Schnitt: Conrad Buff IV
Elliot Moore: Mark Wahlberg
Alma Moore: Zoey Deschanel
Julian: John Leguizamo
Jess: Ashlyn Sanchez
Mrs. Jones: Betty Buckley
„The Happening“ - Fazit
Dieser Film ist schlicht eine ganz große Katastrophe. Eine nicht so schlechte Ausgangslage wird dermaßen schlecht dargestellt und erklärt, dass man während des Filmes nur noch eines möchte: Schreien! Die Dialoge sind hohl, die Charaktere oftmals überzogen lächerlich, die Darsteller bleiben unter ihrem Niveau und .... Ach, der ganze Film ist einfach ein Problem.
Wenn ihr euch das gute Stück antun wollt, dann tut es nur mit wenigen Erwartungen oder mit viel Alkohol. Ich würde ja beides empfehlen. So bleibt euch wenigstens der Spaß an den schwachsinnigen, aber unterhaltenden Selbstmorden und ihr könnt herzlich über die zweite Hälfte des Filmes lachen.
Am Ende gibt's von mir trotzdem 3 von 10 Punkten (2 Sterne). Einfach aus dem Grund, weil die ersten 30 Minuten spannend waren, die Selbstmorde unterhalten UND - das fließt hier ein bisschen mit ein - das Bonusmaterial zum großen Teil überzeugen kann. Ansonsten ist hier aber nicht viel zu holen.
Das war es wohl, Herr Shyamalan.
W.O. - Feb. 2011 - Dieser Bericht wurde bereits von mir auf ciao.de veröffentlicht weiterlesen schließen
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