Pro:
+ Bonusmaterial sehr solide + Bild & Tonqualität
Kontra:
- Handlungsaufbau / Verläufe - Ende bleibt obskur - was will dieser Film uns sagen ?
Empfehlung:
Ja
... könnte man sagen, wenn man den Film "Revolver" von Madonnas Ex-Mann Guy Ritchie gesehen hat.
Aber warum bloß ? Das Aufgebot an Stars, allen voran Jason Statham und Ray Liotta ist eigentlich vorhanden, der Plot sollte stimmen und die Zeitschriften und Fachjournalien überschlugen sich mit Lob. Warum also kann mich dieser Film dennoch nicht recht überzeugen ? Lest selber...
=== So kam ich zu "Revolver (Special Edition)" ===
Wie sauer Bier wurde vor knapp einem Jahr die Special Edition des Guy-Ritchie Films aus dem Jahr 2005 namens "Revolver" für 8,99 € angeboten - für die aus 2 DVDs bestehende Special Edition ein günstiger Preis - heutzutage sind um die 12-15 € für diese "SE"-Version fällig. Da ich von den Film schon einiges positive gelesen und gehört hatte, (auch vertrauend auf einzelne Fachmagazine) griff ich also zu.
"Actiongeladen und rasant" - das sollte doch was für mich sein ?
Zum Film
Darum geht es in "Revolver"
Der anno 2005 in den Kinos erstmals erschienene Film "Revolver", bei dem der britische Regisseur Guy Ritchie die Regie führte, erzählt vom Leben des Spielers und Ex-Häftlings Jake Green( _ Jason Statham_ ), der - nach sieben Jahren Einzelhaft - endlich wieder auf freiem Fuß nun mit dem Mann abrechnen möchte, dem er seinen Aufenthalt im Knast verdankt, nämlich mit dem mit allen Wassern gewaschenen Casinoboss Dorothy Macha ( _Ray Liotta_ ). Ein Besuch in dessen Casino dient Jake dabei als eine Art "Kampfansage". Umgeben von einer Menge an Bodyguards wagt sich Green also in die Höhle des Löwen, wo er Macha persönlich in einem Pokerspiel auch glatt eine Million Dollar abluchsen kann. Dazu bringt er die Kampfansage "vorbei", dass dies längst nicht alles sei. Macha ist darüber natürlich mehr als besorgt, und so gibt er seinem Handlanger den Auftrag, Jake und sein Team von Bodyguards in einem Hinterhalt zu erschiessen.
Noch beim Verlassen des Casinos verliert Green das Bewusstsein und fällt - im Beisein seiner Bodyguards, die Treppe des Casinos herunter. Im Krankenhaus wacht er später auf und erfährt, dass er an einer seltenen Blutkrankheit leide.
Als er -wieder auf den Beinen - zusammen mit seinen Bodyguards das Krankenhaus verlässt, gerät er schließlich in den von Macha beauftragten Hinterhalt - dabei wird sein gesamtes Team von Bodyguards umgebracht. Da stürmt ein Unbekannter mit einer MP herbei und rettet Green aus der gefährlichen Situation. Der Mann bringt ihn in einen sicheren Unterschlupf.
Wie sich herausstellt, handelt Greens Retter namens Zach ( _Vincent Pastore_ ) nicht alleine. Zusammen mit seinem Kumpel Avi ( _André Benjamin_ ) ist er als sog. "Kredithai" unterwegs und in diesem Geschäft der Mann fürs Grobe. Leuten, die das ihnen geliehene Geld nicht zurück bezahlen können, bekommen von ihm eine grobe Behandlung verpasst. Avi, der wohl der "kluge Kopf" hinter dem Business im Zweimann-Team ist, eröffnet Green bald, warum sie sich eingemischt haben: sie wissen von dessen Erkrankung und haben die Heilung dafür angeblich parat. Auch sonst wissen die Männer scheinbar alles von Green, der nun in der Hand der beiden Männer zu sein scheint. Sie versprechen ihm zudem, ihm bei seiner geplanten Rache zu unterstützen - dafür muss er allerdings sein gesamtes, bereits ergaunertes Geld an die beiden abgeben. Widerwillig lenkt Green nach eigenen Nachforschungen in Bezug auf seine Krankheit ein und so ist er bald fast der 3.te Mann im Gespann der Bande, die bald schon ihre gesamten Fähigkeiten zeigen...
Charaktere und Darsteller
Tja, das ganze Konzept des Filmes von Guy Ritchie ist darauf ausgelegt, dem Zuschauer möglichst lange im "Trüben" fischen zu lassen. Deshalb ist die Charakterisierung einzelner Figuren in diesem Film schon ein wenig schwierig. Der von Jason Statham eigentlich eher introvertiert-denkend dargestellte Jake Green jedenfalls scheint zu Beginn des Films ein recht ruhiger und dabei intelligent vorgehender Mann auf Rache sinnend zu sein. Tatsächlich erklärt er seinen beiden Helfern (die ihn gleichzeitig erpressen), was ihm im Gefängnis so passiert ist - dabei ist besonders der Aspekt wichtig, dass seine Einzelzelle direkt zwischen den Zeilen zweier "Genies" im Verbrecherbusiness gelegen war, die er persönlich nie während des Gefängnisaufenthaltes gesehen hat. Nur die Bücher über Quantenphysik und höhere Mathematik, die diese beiden blitzgescheiten Mitinsassen sich ausgeliehen hatten und in denen sie ihre durchaus bemerkenswerten Thesen über das perfekte Verbrechen verfasst hatten, bekam er immer wieder zu lesen. So konnte er während der sieben Jahre Einzelhaft viel von den beiden Männern lernen, die sich - anders, als abgesprochen - eines Nachts einfach ohne Green erfolgreich aus dem Gefängnis flohen. Tatsächlich wähnt Jake sich durch diese Lehren selber als eine Art von Genie und in der Tat ist er schon schnell wieder zu Reichtum gekommen, nachdem er seine Strafe abgesessen hatte. Ray Liotta spielt die Rolle des Casinobosses Macha da schon eher so, wie man sich einen typischen Gangsterboss so vorstellt. Er geht recht schnell an die Decke, wenn etwas schief läuft und heizt dann seinen Untergebenen entsprechend ein. Als ein Deal mit dem chinesischen Drogenhändler platzt (der Zuschauer weiß, warum...), riskiert er sogar einen Bandenkrieg. Jedoch ist auch der Charakter des Dorothy Macha (warum der Frauenname, tja) nicht so gefestigt, wie es zunächst scheint - auch er macht , wie Green, bald eine Wandlung durch...
Action & Gewalt
Trotz des hohen Anspruchs, den Guy Ritchie ganz offen - auch stilistisch demonstrierend - an seinen Film hat, gibt es durchaus sehr viele, auch gelungene, Actionsequenzen in diesem Film zu sehen. Das Shootout der Bodyguards von Green mit den Männern von Macha ist schonmal eine solche Szene. Dazu kommt die Folterszene und der "allein gegen Alle" - Lauf des Machas abtrünnig gewordenen Profikillers Sorter, der fast dessen gesamte Bande in einer Szene ausschalten kann. Diese Szenen können leider nichts an dem ,aus meiner Sicht, misslungenem Gesamtkonzept des Filmes seitens Regisseur Guy Ritchie retten, wie ich gleich erläutern werde.
Meine Einschätzung zum Film
Der Film an sich ist zunächst einmal rein handwerklich wirklich gut geworden. Viel Arbeit wurde in die Kameraführung und den Bildaufbau gesteckt, besonders die - recht weit am Ende des Filmes - eingeschnittene Sequenz mit Profikiller Sorter ist wirklich visuell und kameraführungstechnisch klasse geworden. Auch die Schauspieler, die in diesem Film auftreten, machen ihre Sache wirklich gut. Das mir der Film dennoch nicht richtig gefallen kann, hat im Wesentlichen folgende 3 Gründe. die ich unter "Die großen Mankos des Films" nachfolgend aufführen möchte.
Die großen Manko des Films
1. Nichts ist einfach mal erklärt
Die vorangegangene, scheinbar "runde" Geschichte wird leider im weiteren Verlauf immer undurchsichtiger, anfängliche Erklärungen und Windungen der Geschichte erweisen sich nach und nach als falsch und manche Handlungsweisen, die es im weiteren Verlauf zu sehen gibt, erklären sich dem Zuschauer leider erst nach sehr viel nachdenken (ich bin selber bislang auch zu keinem runden Schluß gekommen) und wirklich höchst konzentriertem Zuschauen.
Irgendwo versandet der anfänglich m.E. noch recht interessante und solide Gangsterfilm im letzten Drittel zu einer für den Zuschauer doch sehr verwirrenden und undurchsichtigen Angelegenheit. Guy Ritchie hat in diesem Film wirklich alles getan, um quasi "mit der Dampframme" zu verhindern, dass der Zuschauer ein klares Bild der Geschichte am Ende erhält.
2. Nichts ist offensichtlich - aus purer Willkür !
Es wurde hierbei viele erzählerische Aspekte schlicht zugunsten einer gehörigen Prise an Undurchsichtigkeit und beabsichtigter Unklarheit außer Acht gelassen. Die anfänglich erträglichen "Selbstdialoge" von Jake Green, die zu Beginn des Filmes für mich noch hinnehmbar waren, sollen wohl später dazu dienen,dass der Zuschauer wenigstens ansatzweise versteht, was gerade abläuft, aber irgendwie werden alle Aspekte eines Gangsterfilms mit dem eines mit einfach in der Machart und von seinem Stil her nur als "abgehoben" zu bezeichnenden Psychogramm des Seelenlebens eines Menschen miteinander verwoben. Nur ein Beispiel: eines Nachts taucht -völlig vom Zuschauer unerwartet - Jake Green vor dem in seinem Bett schlafenden Macha auf. In einer Art Demutsgeste gibt Green zu, dass Macha gewonnen habe. In Machas Namen habe er zwei Millionen Dollar an eine Stiftung gespendet. Danach steigt Green in einen Fahrstuhl ein (was bemerkenswert ist, da er eigentlich an Klaustrophobie leidet) und setzt sich im Fahrstuhl mit seinem "Ego" auseinander. Nach dieser, im Film knapp 10 min. dauernden Szene, hat sich nun Macha - halb nackt, aus seinem Bett erhoben und bedroht Green mit einer Pistole - kann ihn aber nicht erschießen.
3. Vieles ist verquer - besonders das Ende
Danach wird die ganze Sache noch unverstehbarer und hier wollte ich eigentlich schon den "Aus"-Knopf drücken. Irgendwie hat Ritchie mit seinem (in der Kommentarspur nur kurz und im Bonusmaterial auf DVD2 ausführlicher) vorgestelltem Konzept einen eigentlich von der filmerischen und darstellerischen Umsetzung zunächst einmal als "gelungen" zu bezeichnenden Gangsterfilm der klassisch.-guten Weise einen nicht ganz viel Sinn machenden, hochintellektuellen Film über das menschliche Ego gemacht. Das Ganze verband er zudem mitt einer künstlerisch bestimmt wertvollen, aber für "Otto Normalo" gewiss verwirrenden Handlung mit einem noch verwirrenderen Ende. Zudem wird die ganze Zeit von einem Supergangster namens "Mr. Gold" erzählt, der von Macha die Lieferung von einer großen Menge an Kokain verlangt, zu Gesicht bekommt man allerdings immer nur dessen Vermittlerin Lily Walker, die, ebenso eigentümlich, immer mit einem Gespann an jungen Damen auftritt. Was das soll bleibt ebenso mysteriös - ob das intelligente Gaunerduo aus Avi und Zach dahinter steckt (vor dem angeblich sogar Gold Angst haben soll), das könnte sein, wird aber nie aufgedeckt.
Auch sonst wird der Zuschauer recht ahnungslos am Ende des Filmes einfach zurück gelassen, die mit deutschen Untertitel versehenen Fachkommentare von Psychoanalysten, die sich zum Thema "Der Mensch und sein Ego" äußern, bringen nicht wirklich eine Erhellung in diesen doch eher schwachen, weil unterm Strich einfach nur verwirrenden Film .
Zu den DVDs
Bonusmaterial
Während auf der den eigentlichen Film enthaltenen DVD 1 sich in Bezug auf Bonusmaterialien nur zwei Trailer vorfinden sowie eine Kommentarspur von Regisseur Guy Ritchie, den ich während des laufenden Filmes hinzu schalten kann, ist auf der eigentlichen Bonus DVD 2 schon eine ganze Menge mehr an Boni vertreten.
Besonders aufschlußreich fand ich dabei das Feature
Entfernte und erweiterte Szenen mit Kommentar
Hier ist es besonders das "alternative Ende" des Filmes, welches mich doch ein wenig angefressen hat. Es ist gut und richtig, dass dieses Ende nicht genommen wurde, weil es - kurz gesagt - einfach nur verstörend ist. Dieses Ende besteht aus einer Aneinanderreihung von Tatortfotos,auf denen die Aufnahmen von Selbstmördern zu sehen sind. Darunter sind Kommentare u.a. von Adolf Hitler gelegt (bekanntlich selber ein Selbstmörder), die hier einfach das Maß übersteigen und auch dem Film in keinster Weise gerecht werden. Dabei muss ich sagen, dass ich die Fotos schrecklicher fand als die Sprüche. Gut, dass man sich hier auf die Lösung mit den Psychoanalysten besonnen hat.
Das Konzept: Interview mit Guy Ritchie und James Herbert
Weiterhin einigermassen erkenntnisreich finde ich das Feature, in dem der Regisseur über sein Konzept Auskunft gibt. Zwar klärt Guy Ritchie auch hier nicht alle meine Fragen und Unklarheiten, die bei mir nach Anschauen des Filmes zurückblieben (was ich schon schlimm genug finde, bei sovielen Fragezeichen, die sich da bei mir auftaten), aber ein wenig deutlicher, warzm dieser Film so wurde, wie er wurde, wird es dank dieses Features schon: Ritchie hat nämlich gleich zwei Cutter ans Werk gesetzt, die - unabhängig voneinander -. die Szenen des Filmes schnitten. Dabei sagt sogar der Meister persönlich, dass die Cutter selber Schwierigkeiten hatten, sein Konzept zu verstehen, welches für ihn und seinem Co-Autoren James Herbert "natürlich" glasklar und - für ihn sogar - "zu offensichtlich" gewesen sei. Laut Ritchies Worten habe er sogar lange mit Herbert diskutiert, ob der Film nicht zu eindeutig sei ! Meine spontane Reaktion war ein fast hörbares "Häh?". Unglaublich, in welchen Sphären der eigentlich einen ganz patenten Eindruck machende Ritchie da so zu schweben scheint !
Weiteres...
Ferner gibt es noch ein mich eher weniger interessierendes "Making Of" sowie ein paar Outtakes zu sehen, die ich persönlich aber für weniger spannend halte - gut, dass es drauf ist, aber nichts Außergewöhnliches eben... Immerhin: mit knapp einer Stunde an Bonusmaterial insgesamt wird die "Special"-DVD 2 ihrem Ruf schon gerecht und bietet insgesamt einen guten Mehrwert...
Bild- & Tonqualität
Das Bild liegt in guter PAL-Qualität vor. Da der Film im Breitbildformat 2,4:1 (21:9) gedreht wurde, sind auch auf einem 16:9 TV schwarze Seitenränder oben und unten vorhanden. Kontraste und Farben kommen auch in dunklen Filmszenen ohne Artefaktbildung jederzeit sauber auf den Bildschirm. Der Ton ist in der deutschen Tonspur mit einem ganz guten Raumklangeffekt ausgestattet. Besonders in den Actionszenen kommen diese Effekte doch recht gut heraus. Freilich wird in den "künstlerisch anspruchsvollen" Szenen dieses Filmes eher wenig Gebrauch davon gemacht.
Auf einen Blick
Allgemein:
* Titel: Revolver - Special Edition (2 DVD Edition)
* Genre: Thriller & Krimi / Produktionsjahr: 2005
* Verpackung: Schuber (Digipack)
* FSK: ab 16 Jahren / Laufzeit: 110 Min.
* Bildformat: 16:9; 2,35:1 / Tonformat: DD 5.1: Deutsch, Englisch; DTS 5.1: Deutsch, Englisch
* Darsteller: Jason Statham, Ray Liotta, Vincent Pastore, Andre Benjamin, Terence Maynfard, Andrew Howard, Mark Strong, Francesca Annis, Anjela Lauren Smith, Elana Binysh
*Regie: Guy Ritchie
Bonusmaterial :
* DVD 1: Audiokommentar des Regisseurs/ Originaltrailer/Trailershow
* DVD 2: Entfernte und erweiterte Szenen mit Kommentar / Making Of Music/ Videoclips/ Das Konzept: Interview mit Guy Ritchie und James Herbert / Making Of / Outtakes / Trailershow
FAZIT
"Revolver" - der Titel hat nun nichts mit dem klassischen Colt oder einer Waffe etwas zu tun (obwohl auf dem DVD-Menu gleich zwei Pistolen in groß (das sind aber nunmal keine Revolver)) zu sehen sind. Hier wird einfach auf die Bedeutung des englischen Wortes "revolve"abgezielt, was soviel bedeutet wie "sich um sich selber drehen". Insofern passt der Titel natürlich schon irgendwie zu diesem Film, der mich eigentlich leider über eine große Strecke im mittleren bis letzten Teil doch schon ziemlich ratlos gelassen und, was viel schlimmer ist, mich sogar ein wenig gelangweilt hat. Dieser Film ist nichts für Freunde der klassischen Gangsterfilme, in denen schonmal gerne viel Action herrscht und, wie ich finde, auch nichts für diejenigen, die einen "intelligenten" Gangsterfilm erwarten. Der Film weiß m.E. selber gar nicht, was er denn nun sein möchte. Er enthält ziemlich verquere Handlungsstränge, die sich teilweise ohne Vorankündigung einfach spontan "erzwungen" so abspielen. Eine Erzählstruktur, die anfangs in gewisser Weise vorhanden war, macht später Platz einer unaufgeräumten und teils abgefahrenen Aneinanderreihung von teilweise nicht bis schwer nachzuvollziehenden Handlungen. Die Special Edition ist durch eine wirklich schöne Digipack-Pappschuberbox äußerlich hübsch aufgemacht und von der Ausstattung her schon solide zu nennen, die Bild- und Tonqualität stimmt auch, daran liegt es also nicht, dass ich gerade einmal zwei Sternchen für dieses doch eher misslungene Werk vergebe. Ich empfehle diesen Film dieses Mal NICHT weiter... weiterlesen schließen
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