Pro:
großartige Bilder
Kontra:
holprige und sprunghafte Erzählweise
Empfehlung:
Ja
Hallo Zielgruppe!
Jedes Jahr kommen neue Verfilmungen diverser Comic-Vorlagen oder „graphic novels“ (wie die anspruchsvolleren Exemplare jener Gattung Printerzeugnisse auch gerne genannt werden) auf die Leinwände der Kinos. Mal kommen dabei faszinierende Werke wie „Batman – The dark knight“ oder „Sin City“ bei heraus, mal dumpfer Action-Mumpf wie bei „Der unglaubliche Hulk“ oder „300“, hin und wieder auch mal stark fantasy-betonte Unterhaltung wie „Hellboy – die goldene Armee“. In welcher Kategorie nun „The Spirit“ sich am ehesten einordnen lässt, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ zuerst die „MissVega kennt nur schwarz und weiß“ - Kurzversion ~~~
Der junge Cop Denny Colt darf nach seinem Tod als „The Spirit“ Wiederauferstehung feiern und kämpft fortan als quasi unverwundbarer Superheld gegen die Schurken von Central City. Sein Erzfeind ist der Superschurke „Octopus“, der in seinem Größenwahn nach der Weltherrschaft strebt. Zu diesem Zweck benötigt er ein Elixier, das aus dem Blut des antiken griechischen Superhelden Herakles gewonnen wurde. Das Zeug aufzutreiben war für Octopus relativ unproblematisch, allerdings gelingt es ihm nicht, sich den Besitz daran zu verschaffen, da ihm immer wieder die schöne Juwelendiebin Sand Saref dazwischenfunkt. Mittendrin im Getümmel befindet sich The Spirit, der natürlich versucht, beide dingfest zu machen. Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan...
~~~ und nun die „Dr.Ed's erstaunlicher Technicolor-Traummantel“ - Langversion ~~~
Der junge Cop Denny Colt (Gabriel Macht) kommt bei einem seiner Einsätze ums Leben. Kurz danach darf er aber als fast unverwundbarer Superheld „The Spirit“ Wiederauferstehung feiern. Fortan kämpft er an vorderster Front gegen das Verbrechen und die Schurken von Central City. Sein erbittertster Widersacher ist dabei der Superschurke „Octopus“ (Samuel L. Jackson) mit seiner Assistentin Silken Floss (Scarlett Johansson). Zusammen mit ihr strebt Octopus nach nichts geringerem als der Weltherrschaft. Diese will er erreichen mittels eines Elixiers aus dem Blut des antiken griechischen Superhelden Herakles. Als Octopus eines Nachts im Hafengebiet von Central City die Kiste bergen will mit der Amphore, in der dieses Elixier aufbewahrt ist, funkt ihm die schöne Juwelendiebin Sand Saref (Eva Mendes) dazwischen. Sie ist ebenfalls auf der Suche nach einer Kiste, in der das goldene Vlies drin sein soll.
Da die Bergungsaktion auf beiden Seiten sehr turbulent verläuft, weil „The Spirit“ sich mit Octopus einen Kampf auf Biegen und Brechen liefert, gelangen Octopus bzw. Silken Floss und Sand Saref jeweils in Besitz der für sie falschen Kiste. Sand Saref hat die Kiste mit der Amphore und Octopus die Kiste mit dem Vlies. Bei dem Kampf lädieren sich Octopus und The Spirit gegenseitig ziemlich heftig, so dass „The Spirit“ sich erstmal zu Dr. Ellen Dolan (Sarah Paulson) begibt, von der er sich behandeln lässt. Obwohl er bei dem Kampf einiges hat einstecken müssen, regeneriert sich sein Körper außergewöhnlich schnell. Derweil macht sich ihr Vater Commissioner Dolan (Dan Lauria) große Sorgen, da er aus Unterweltkreisen erfahren hat, dass Octopus und Sand Saref jeweils ein ganz großes Ding drehen wollen. Was genau, weiß er allerdings auch nicht.
Beim Namen Sand Saref schlägt das Herz von „The Spirit“ höher, denn in ihrer Jugend waren die beiden unzertrennlich, bevor eine Tragödie die beiden auseinandertrieb. Während „The Spirit“ versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen, gerät er immer wieder in höchst brenzlige Situationen. Jedesmal, wenn er vermeintlich tödlich verletzt ist, hört er die Stimme der Sirene Lorelei (Jaime King). Zwischenzeitlich wird er auch von Octopus gefangengenommen und erfährt nebenbei, warum er seine Verletzungen immer so schnell verheilen: Octopus hat nach Dennys Tod seinen Körper für ein Experiment für die Unsterblichkeit missbraucht und war dabei offensichtlich recht erfolgreich. Nun jedoch soll The Spirit endgültig den Tod finden. Die ausnehmend attraktive Tänzerin Plaster de Paris (Paz Vega), die dieses Werk vollziehen soll, entscheidet sich jedoch anders und befreit The Spirit aus seiner misslichen Situation.
Schließlich wollen Sand Saref und Octopus ihre Kisten austauschen und dabei kommt es dann zum erwarteten Showdown zwischen den beiden und der Polizei. Auf Seiten der Polizei fällt eine entscheidende Rolle der ebenso gutaussehenden wie ambitionierten Polizistin Morgenstern (Stana Katic) zu...
### HINTERGRUNDINFOS ###
Bevor ich zu meiner eigentlichen Meinung komme, ein paar Hintergrundinfos: Dieser Film repräsentiert so etwas wie eine Art Gipfeltreffen zweier Comic-Genies. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts war es Will Eisner, der als Herausgeber zahlreicher Comicserien entscheidenden Anteil daran hatte, dass sich aus den Comic-Strips in den Zeitungen eigenständige Comichefte entwickelten. Dabei war „The Spirit“ ein absolutes Kultprodukt und wurde von Will Eisner ab 1940 in wöchentlichen Ausgaben 12 Jahre lang betreut. Seither gilt Will Eisner als geistiger Vater vieler Superhelden-Serien. In den ausgehenden 70ern und frühen 80ern gerieten diese ganzen Superhelden-Serien immer tiefer in die Krise, erlitten massive Auflageneinbrüche und wurden teilweise sogar völlig eingestellt.
In den frühen 90ern hat es Frank Miller dann geschafft, viele Titel aus der Krise herauszuführen und mit neuem Glanz aufzupolieren. Er restrukturierte diverse abgehalfterte Serien und Titel der großen Verlage DC und Marvel, führte innovative Relaunchs durch oder steuerte absolute Höhepunkte für die Serien aus eigener Feder bei. Als seine maßgeblichen Werke gelten unter anderem „Elektra“, „Born again“ oder „Die Rückkehr des dunklen Ritters“. Sie bildeten dann auch den Ausgangspunkt diverser Comicverfilmungen seit Ende der 90er Jahre wie z.B. Tim Burtons „Batman und Joker“ oder Christopher Nolans „The dark knight“ (beide ausgehend von „Der dunkle Ritter“) und „Batman begins“ (Batman: Year One). Aber auch „Sin City“ und „300“ basieren ebenfalls auf Comicvorlagen von Frank Miller und entstanden als Filme unter seiner engen Zusammenarbeit.
### MEINE MEINUNG ###
Für „The Spirit“ hat Miller nun höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz genommen und das Ergebnis, was dabei herausgekommen ist, kann sich durchaus sehen lassen. Miller serviert uns eine bildgewaltige Collage aus Realfilm, sowie CGI-Animationen und knüpft damit von der Optik her nahtlos an „Sin City“ an. Teilweise kommt es einem sogar so vor, als würde man hier eine Fortsetzung sehen. Dabei verschwimmen hier die Grenzen zwischen Realfilm und CGI noch stärker, als in dem Werk von Roberto Rodriguez. Man merkt Miller in fast jeder Bildsequenz an, dass er hier eine elegante Verbeugung vor seinem großen Vorbild Eisner versucht, was auch meist gelingt. Allerdings weicht Miller – nach dem, was ich so im Internet recherchiert habe – in Teilen auch von seiner Vorlage ab.
Im Original ist „The Spirit“ nicht verstorben, sondern lässt die Menschen nur im Glauben er sei tot und nutzt diesen Glauben anschließend für seine Zwecke aus. Dementsprechend ist er dadurch auch wesentlich verwundbarer als im Film, was dann dafür die Liebesgeschichte zwischen ihm und der Tochter des Commissioners glaubwürdiger erscheinen lässt. Außerdem wird ein irrer Gehilfe des Octopus ganz weggelassen, wodurch die Geschichte sich ganz auf das Duell zwischen „The Spirit“ und „Octopus“ konzentrieren kann, wodurch die absurde gegenseitige Abhängigkeit zwischen den beiden herausgearbeitet wird – vergleichbar mit Batman und dem Joker. Darüber hinaus nutzen „The Spirit“ und „Octopus“ diverse technische Errungenschaften, die es in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch nicht gab, gewissermaßen als Reminiszenz an den Zeitgeist. Dennoch bemüht sich Miller darum, den Zeitkolorit und das Ambiente von damals zu bewahren, was sich vor allem in der Architektur der Gebäude und dem Design der Fahrzeuge widerspiegelt.
Die Art und Weise der Erzählung weist deutliche Parallelen zu den Krimis der schwarzen Serie auf. Es werden Themen wie Tod, Untod, Leben und Leiden, sowie Liebe und Sex angesprochen. „The Spirit“ ist der teilweise einsame und rastlose Held, der von allen Frauen umschwärmt wird, weil er sich ihnen gegenüber stets wie ein Gentleman verhält, was ihn andererseits aber auch anfällig für die Waffen der Frauen macht und ihnen wenig entgegenzusetzen hat, wenn sie ihrerseits ihren Charme spielen lassen. Das wissen Sand Saref und Silken Floss gleichermaßen für sich zu nutzen und dadurch bringt sich „The Spirit“ einerseits immer wieder selber unnötig in Schwierigkeiten, andererseits kann er sich dann aber auch wieder mit weiblicher Hilfe aus diesen Situationen wieder rauslavieren.
Auch optisch versucht Miller schon zu Beginn deutlich zu machen, dass er mehr als nur eine „einfache“ Comicverfilmung auf die Beine stellen will. Es wird sehr schnell klar, dass er seinem Vorbild Eisner ein Denkmal setzen will und damit gleichzeitig eine Hommage an die schwarze Serie verwirklichen möchte. Allerdings schießt er dabei an manchen Stellen über sein Ziel hinaus und es kümmert in offenbar nicht, dass sich manche Wendung der Geschichte und manches Bild dem Publikum nicht gleich erschließt. So ist zum Beispiel wirkt die Situation, in der „The Spirit“ gefesselt im Zahnarztstuhl sitzt und „Octopus“ unter Assistenz von Silken Floss – beide in Naziuniform – ihm von seinen Plänen erzählt, die Herrschaft über Central City und den Rest der Welt zu erringen, eher wie eine überdrehte Persiflage auf den „Marathonmann“ mit Dustin Hoffman. Auch die Szenen in denen die Sirene Lorelei mit Sehnsucht auf das endgültige Ableben von „The Spirit“ wartet, wirken wie eine absurde Neuinterpretation griechischer Sagen und haben zum Teil eher etwas irritierendes, als dass sie wirklich was zur Erzählung beitragen.
Nichtsdestotrotz wird während des Films ein weiter Bogen gespannt von Action, Thriller, über Drama und Tragödie, bis hin zur Komödie. Durchsetzt ist das Ganze mit diversen Anspielungen auf die jüngere Filmgeschichte (u.a. „Terminator“ und „Pulp Fiction“) und einigen Persiflagen auf die ältere Filmgeschichte (u.a. diverse Bogart-Filme). Diese Querverweise haben mitunter den Nachteil, dass die Erzählung an manchen Stellen etwas holprig und unrund wirkt. Verstärkt wird das auch durch einige technische Fehler und Fehlern bei der Continuity, die einen dann stutzen lassen. Dafür sind die meisten Dialoge kurz und knackig, wie man es von einer Comicverfilmung erwarten darf. Schauspielerisch leisten alle Beteiligten ganze Arbeit. Samuel L. Jackson als durchgeknallter Bösewicht wirkt ebenso überzeugend wie Gabriel Macht als charmanter Held und Retter. Eva Mendes als verführerische Diebin ist ein echter Hingucker, ebenso wie Paz Vega als erotische Tänzerin und für Scarlett Johansson als ebenso unterkühlte wie pragmatische Helferin des Schurken gilt dasselbe. Sarah Paulson hinterlässt in ihrer Rolle ebenfalls einen sehr passenden Eindruck und Stana Katic nimmt man die toughe und smarte Polizistin jederzeit ab.
### FAZIT ###
Auch wenn der Film sich insgesamt ein paar kleinere Schwächen leistet und an manchen Stellen etwas überdreht wirkt, so kann er letztlich doch mit Werken wie „Sin City“ mithalten, während er an „Batman – The dark knight“ nicht ganz herankommt. Trotzdem hat er einen hohen Unterhaltungswert, so dass sich ein Kinobesuch für Fans von Comicverfilmungen in jedem Fall lohnt, zumal der Film auf der Kinoleinwand sicherlich um einiges beeidruckender herüberkommen dürfte als auf dem heimischen Bildschirm.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2008, 102 Min., FSK 16
Regie: Frank Miller
Buch: Frank Miller nach einer Vorlage von Will Eisner
~ Denny Colt/ „The Spirit“ - Gabriel Macht
~ „The Octopus“ - Samuel L. Jackson
~ Sand Saref – Eva Mendes
~ Silken Floss – Scarlett Johansson
~ Dr. Ellen Dolan – Sarah Paulson
~ Commissioner Dolan – Dan Lauria
~ Plaster de Paris – Paz Vega
~ Lorelei – Jaime King
~ Morgenstern – Stana Katic
u.v.a. weiterlesen schließen
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