Pro:
Gute Ausdrucke, schöne Farben, schnell, Drucker günstig
Kontra:
Preis der Patronen, scheinheilige Chips auf den Patronen, die Nachfüllen immer ausgeklügelter verhindern sollen
Empfehlung:
Ja
::: Einführung in das Ärgernis :::
Heute gibt es von mir einen Bericht über eine Sache, die mich schon mehrere Male fast auf die Palme gebracht hat. Es geht um die Preis- und Produktpolitik der Druckerhersteller. Diese bieten zumeist ihre Geräte mit vielen wirklich tollen Funktionen, immer besserem Druckbild und einem ganzen Haufen Zubehör zu Preisen an, die man wirklich als gut bezeichnen kann. Das man dann hinterher bei den laufenden Kosten, sprich neben dem Druckerpapier und hauptsächlich den Druckerpatronen ordentlich draufzahlen kann, ja, daran hat sich eigentlich schon jeder gewöhnt. Darum geht es mir im Grunde auch gar nicht, es ist jedem Anbieter selbst überlassen, wieviel er für seine Tintenpatronen verlangt, in einem funktionierenden Wettbewerb würde sich dann einfach der Anbieter mit dem attraktivsten Preis-/Leistungsverhältnis durchsetzen. Doch der Wettbewerb im Bereich der Druckertinten ist meines Erachtens durch ein Oligopol geprägt. Einige wenige Anbieter bieten Ihre Tintenpatronen, die natürlich jeweils nur zu den eigenen Modellen passen (meist auch nur zu bestimmten!), fallen alle durch ähnlich überhöhte Preise auf. Mein Bericht wird sich daher heute mal nicht so sehr auf die technischen Details des Druckers konzentrieren, sondern vielmehr auf die Entwicklung hin zu mehr Kundenunfreundlichkeit, was meines Erachtens die viel wichtigere Information ist, will man einen neuen Drucker kaufen.
::: Hohe Druckkosten senken - Vergangenheit? :::
Soweit so gut. Es gibt ja für viele Hersteller, so auch für Canon, gute Alternativen. Oder besser: es gab sie.
Mit meinem letzten Drucker, ein Canon Pixma IP4200, war es ohne weiteres möglich, eigene Fremdtinte mit einer in jeder Apotheke erhältlichen Spritze mit 70mm Kanüle in jede der 5 Patronen (also 2x schwarz, cyan, gelb und magenta) zu füllen. Und nicht nur das: sogar die Tintenstandsanzeige ließ sich mit einem Resetter problemlos zurücksetzen. Ganz früher gab es noch nichmal einen Chip in jeder Patrone, der bei leeren Patronen gemeckert hätte und das Drucken verweitert hätte. Bis zu einem gewissen Grade habe ich das ja akzeptiert. Aber nun, bei meinem neuen All-in-One Drucker, dem MP540, ebenfalls von der Marke Canon (man merkt, eigentlich bin ich ein treuer Kunde, wenn ich mit Produkten zufrieden bin) hat Canon sich gedacht: so viele Kunden füllen Ihre Tinten selber nach und mit einer richtig guten Tinte vom Fremdherstellern und dem Chipresetter (übrigens REDSETTER genannt), da müssen wir doch mal ein bisschen die Kunden ärgern. Gesagt, getan. Es wurde just eine neue Patronenreihe für fast die selben Drucker eingeführt (wer Canon-Drucker kennt, der weiß, dass sich in regelmäßigen nur die Modellnummern und Gehäuse verändern, am eigentlichen Druckwerk ändert sich meines Erachtens nicht sehr viel). Diese Patrone braucht natürlich einen neuen Chip, damit sämtliche Resetter nicht mehr funktionieren und die Kunden, welche eine vollständig funktionsfähige Patrone wünschen, gezwungen sind eine Originale zu kaufen. Das ist nichts anderes als pure Schikane. Nur zum Verständnis, die Patronen lassen sich auch weiterhin wiederbefüllen, aber die Tintenstandsanzeige funktioniert dann nicht mehr und der Drucker meckert, die Patrone sei leer. Er druckt dann aber trotzdem. Nur für unerfahrene Nutzer, die nicht merken, wenn die Patronen so leer sind, dass sie beinahe austrocknen und somit den Druckkopf (Kostenpunkt: 60-70 Euro) ernsthaft gefährden, ist das keine echte Alternative.
Und es kommt noch dicker. Ich bleibe beim Beispiel der Magenta-Patrone. Ein Vergleich der neuen CLI-521M zu meinem alten Drucker mit dem Patronenmodell CLI-8M hat sich die Tintenmenge von 13ml auf 9ml verringert, der Preis hingegen nur von ca. 14 Euro auf jetzt 11 Euro. Die Reichweite der neuen Patronen liegt nach ISO 24711 nur noch bei schlappen 471 Seiten (Magenta), das sind pro Seite 2,33 Cent. Die Berechnung der Druckkosten ergibt im Schnitt 24 Prozent höhere Preise bei den neuen Patronen (Quelle: druckerchannel.de). Ohne mir ersichtlichen Mehrwert. Im Gegenteil. Die Umwelt wird durch die kleineren Patronen mit weniger Inhalt stärker belastet als mit den alten größeren Patronen. Das nenne ich mal fortschrittlich. Bravo, Canon.
::: Die Erfahrungen mit dem Drucker und den Patronen :::
Nun noch zu meinen Erfahrungen mit der neuen Patrone im neuen Drucker. Ich habe mehrere Ausdrucke sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Drucker nebeneinandergelegt, beide auf dem selben Standard-Papier gedruckt. Ergebnis: keinerlei unterschied ersichtlich, weder bei simplen Grafiken noch bei Photos (letztere auf Photo-Papier), zumindest nicht mit bloßem Auge. Dafür habe ich aber eine andere Überraschung erlebt. Der Chip in der Magenta-Patrone ging nämlich nach nur 2 Wochen kaputt, die Patrone wird im Drucker nicht mehr erkannt. Die Reklamationsanfrage bei Canon ergab: ich habe keinerlei Ansprüche, solle mich doch an der Händler wenden, die Patrone lag ja dem Drucker bei und der Drucker funktioniert an sich schließlich noch. Bei meinem alten Drucker war schonmal genau dasselbe Problem, wohlgemerkt mit Originaltinte! Keinerlei Support auf den Defekt, der nur dadurch ausgelöst wurde, dass Canon verhindern will, dass ich Billigtinte benutze. Das ist doch grotesk!
Im Vergleich zu den Fremdtinten, welche ich im älteren Drucker benutze, erscheinen mir die Originaltinten einen tick besser zu sein. Bei den Fremdtinten (auch eine Marke, keine Billigtinte) war teilweise doch eine leichte rotstichigkeit festzustellen, aber mal im Ernst: das nehme ich in Kauf, wenn der Preis dafür um über 70 Prozent billiger ist. Der Farbstich fällt auch nur bei direktem Vergleich auf.
Die Geschwindigkeit der beiden Drucker ist ebenfalls fast gleich, beide drucken vor Allem Texte wirklich flott, Bilder immerhin noch mit einem recht annehmbaren Tempo. Vom Design her gefällt mir der neue MP540 etwas besser als der IP4200, das silber sieht edler und in Kombination mit dem schwarz moderner aus. Die Scan-Funktion ist zudem überaus praktisch und die Qualität der Scan-Einheit gar nicht mal schlecht. Auch Kopien sind spielend leicht gemacht. Auch sehr positiv: der Drucker MP540 verbraucht im Standby-Modus nur 1 Watt, übrigens der IP4200 auch nur 2 Watt. Das kleine Display beim MP540 ermöglicht schnellen Zugriff auf fast alle Funktionen des Druckers, was teilweise dazu führt, dass man den PC gar nicht mehr anschalten muss, z.B. wenn man Bilder über PictBridge direkt von der Digicam drucken will. CDs lassen sich leider beim MP540 nicht mehr bedrucken, das ging beim IP4200 noch mit einem speziellen Einsatz. Der MP540 ist mit ca. 80-90 Euro recht billig zu haben... aber wie gesagt... die Patronen hauen dann rein.
::: Fazit :::
Canon, leider habt ihr es euch mit mir verscherzt, ich habe eure Drucker immer aufgrund der nachfüllbaren Patronen weiterempfohlen und selbst gekauft, aber wenn ihr eure Kunden immer nur gängeln müsst, dann ist eben irgendwann Schluss! Ich für meinen Teil werde mich bei meinem nächsten Drucker nach Alternativen umsehen, was zwar auch schwierig wird, aber hoffentlich nicht unmöglich. Ich plädiere zuletzt für mehr wirklichen Wettbewerb im Druckerpatronenmarkt und verweigere bei diesen Patronen und damit auch den neuen Druckermodellen eine Weiterempfehlung. Die Druckqualität ist gut, daher gibt es immerhin noch 2 Sterne.
Als letztes sei noch angemerkt, dass es inzwischen erste Meldungen gibt, dass auch die neuen Chips auf den Canon-Patronen geknackt seien. Immerhin... weiterlesen schließen
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