Pro:
- Austattung
- Festplattenkapazität
- DVB-T Receiver
- intuitive Bedienung
- Full HD
- Leise
Kontra:
- Umständliche Schnitt- bzw. Editierfunktionen
- Kleinere Unzulänglichkeiten in der Bedienung
Empfehlung:
Ja
Schon lange brüteten die beiden Elterntiere des pharaonischen Haushalts über den Erwerb eines Festplatten- respektive DVD-Recorders, denn wenn die kleine Thronfolgerin endlich im Kurzzeitsarkophag zur Ruhe liegt, ist es noch lange keine Garantie, dass sie dort auch friedlich verbleibt. Natürlich genau dann nicht, wenn die beiden Alt-Mumien vor der Glotze Kuschelposition für einen gemeinsamen "Tatort"-Abend bezogen haben. Doch selbst wenn der Milchzahn-Terrorist ein Herz für seine geplagten Erzeuger beweist und darob selig durchschnorchelt, vermag es vor allem die oft grausame Wechselschicht von Papa Pharao jegliche sorgsam gehegten Fernseh-Ambitionen wirkungsvoll zu verhindern. Irgendwer muss ja die Staatskasse ja füllen.
Damit größere Ausgaben - wie der Kauf eines Recorders, welcher bei akzeptabler Qualität derzeit mindestens um die 300 Euro kostet, in eben jenen Haushalts-Etat kein allzu großes Loch reißen, empfiehlt es sich generell einmal ruhig Blut zu bewahren und die Preise im Auge zu behalten. Auf dass man keine spontane Fehlinvestition tätigt, ist es ratsam eine Liste mit Eigenschaften zu erstellen, welche man wirklich benötigt. Die Vorgaben an einen Recorder waren hier schnell ausgearbeitet: Timeshift (zeitversetztes Fernsehen), große (und leise) Festplatte, Full-HD/Upscaling (Zukuntfssicherheit, falls die Pharaonin wider Erwarten irgendwann doch noch einen entsprechenden Flachbildfernseher genehmigt), Multinorm-Brenner, USB/DV-Connectivity und last but not least: Ein eingebauter DVB-T Tuner.
Genau dieses Feature trennt oft die Spreu vom Weizen und macht Markengeräte teuer bzw. engt die Auswahl potentieller Hersteller stark ein. Entsprechende ausgestattete Geräte mit guter Qualität haben fast nur Panasonic und Philips im Programm. Und Medion - den meisten wohlbekannt als exklusiver Aldi-Ausstatter, was aber nur der halben Wahrheit entspricht. Nach einigen Vergleichen bekam der Medion LIFE X70002/MD85500 Player in Silber den Zuschlag. Bestellt wurde über Medions Internet-Shop für 299.- Netto zuzüglich 6,65 Euro Versand. Drei Tage später klingelte dann auch der freundliche DHL-Bote mit dem entsprechenden Karton unterm Arm. Der enthält neben besagten Gerät, mitsamt Universal-Fernbedienung, auch noch ein SCART- sowie AV-Kabel und einen DVD-R Rohling. Wer ein HDMI-Kabel benötigt, muss dieses anderweitig besorgen.
Das Eckige muss an das Eckige
Inwieweit welche Verkabelungen vorgenommen werden müssen hängt dabei natürlich stark vom Betriebsumfeld ab. Ein Röhrenfernseher wird beispielsweise über ein Standard AV-Kabel oder öfter noch via SCART angeschlossen, während Flachbildschirme entsprechend ihrer Fähigkeiten meist über HDMI angesprochen werden dürften. Beim Ton stehen ebenfalls zwei Varianten zur Verfügung einen AV-Receiver zu verbinden: Cinch oder TOS Link. Das Vorhandensein von Letzterem war übrigens auch ein unbedingtes Entscheidungskriterium für den letztendlichen Kauf.
Nicht wundern wenn es nach dem Einschalten scheint als passiere nichts - Die Festplatte braucht rund 10 Sekunden zum Hochfahren und erst dann erwacht der Medion aus seinem Dornrösschenschlaf. Im Prinzip macht das Gerät (fast) alles von selbst, sobald es einmal komplett angeschlossen und zum ersten Mal zum Leben erweckt wurde. Die meist unumgängliche Erstprogrammierung der Sender und Grundeinstellungen sind locker innerhalb einer halben Stunde erledigt. Das Feintuning an kleineren Baustellen zwecks Anpassung an eigene Bedürfnisse geht später dank intuitiver OSD-Menüs recht entspannt vonstatten - selbst wenn man keine große Ahnung hat.
Zur Not heißts eben RTFM, dann muss das Handbuch herhalten. Insbesondere dann, wenn die mitgelieferte 5 in 1 Universal-Fernbedienung auf vorhandene Geräte einstellen will, ist ein Blick in die entsprechenden Code-Tabellen des Manuals beinahe unvermeidlich. Es ginge auch ohne, nämlich mit einem Trial-and-Error Suchlauf, doch so ist man schneller und stressfreier am Ziel. Kaputtmachen kann man selbst bei wiederholt fehlgeschlagener Codierung übrigens nix. Verstärker und TV sind hier von Thomson und reagieren nach nur drei Versuchen einwandfrei auf die neue FB. Lediglich die Tastenbelegung/-beschriftung differiert natürlich vom Original - damit kann man aber aber leben.
Ich glotz' TV... (Nina Hagen)
Schon kurz nachdem der DVB-T Tuner die derzeit hier verfügbaren 42 Sender aus dem Äther gefischt hat, offenbart sich eine kleine Schwäche im System. Es ist zwar möglich die Sender zu editieren, doch nur analoge Sender, lassen sich verschieben und umbenennen. Bei DVB-T ist lediglich ein Löschen möglich, eine Änderung der Reihenfolge jedoch nicht. Das mutet etwas seltsam an, lässt sich aber halbwegs umgehen, wenn man die Favoriten-Funktion benutzt. Hier landen die Sender nämlich in der Reihenfolge ihrer Auswahl in der gesonderten Liste, welche sich per Tastendruck einblenden lässt. Das ist ein wenig befremdlich, man gewöhnt sich aber an diese Schrulle. Eine weitere Macke tat sich wenig später auf: Die (wahlweise) automatische Kapitelisierung von Aufnahmen, funktioniert zwar im DVD-Modus, jedoch nicht während HDD-Aufzeichnungen.
Der empfangsstarke DVB-T Empfänger arbeitet sauber, gönnt sich aber beim Programmwechsel ein kleines, merkliches Päuschen. Das gleichzeitige Aufnehmen eines Programmes und das Anschauen einer DVD oder einer HDD-Aufzeichnung ist kein Problem. Der Senderwechsel auf einen anderen Kanal (als der grade aufzuzeichnende) aber genauso unmöglich, wie ein Schreibzugriff auf die Harddisk (sprich: Editieren wie z.B. Löschen, Umbennenen oder Verschieben eines breits vorhandenen Titels). Das Fernsehprogramm kann auf verschiedene Wege auf die Platte gelangen. Zur Auswahl steht der Timer, die Direktaufnahme per Tastendruck, das Markieren der gewünschten Sendung im EPG (Electronic Program Guide - leider gänzlich ohne VPS und Showview) oder mittels der super praktischen Time-Shift-Funktion (zeitversetztes Fernsehen).
Geschnitten oder am Stück?
Der X70002 bringt rudimentäre Schnittfunktionen mit. Leider ist keine automatische Werbeblockerkennung an Bord. Werbung muss also per manuellem Suchlauf aufgespürt, und kann dann vergleichsweise umständlich herausgetrennt/gelöscht werden. Ähnliches gilt beim Einkürzen aufgenommener Sendungen, welche man sicherheitshalber mit einem breiteren Timer-Zeitfenster (oder bei Sendezeitverschiebungen, bei Aufnahme direkt via EPG) programmiert hat. Hier sind vorne und hinten grundsätzlich eigentlich immer ein paar Minuten zuviel mit aufgezeichnet. Die kann man aus ästhetischen sowie platzsparenden Aspekten wegschnibbeln, bevor man die Film-Datei (auf DVD) archiviert. Der entsprechende Schreibvorgang zwischen HDD und DVD geht übrigens flott, da die volldigitale Übertragung selbstverständlich nicht mit Playback-Geschwindigkeit läuft, sondern mit dem was der Brenner maximal hergibt.
Und wieder gibt es etwas zu mäkeln: Wer hofft, dass Daten via USB vom Recorder auf PC/Laptop oder externe Festplatten transferiert werden können, muss sich damit abfinden, dass diese hierüber nur eine Richtung kennen: nämlich zum Recorder. Nebenher bemerkt, ist der - pardon - lahmarschige USB 1.1 auch nicht grade eine 3-spurige Datenautobahn über die man größere Mengen an Bytes transportiert. Zum Abspielen kleinerer Video-Clips (AVI, MPG, DivX / Xvid) oder MP3 und Bild-Dateien reichts vollkommen aus und erweist sich als praktische Spielerei für Musik und Fotos (das kann pfiffigerweise sogar simultan erfolgen, quasi eine musikunterlegte Diashow). Die entsprechenden Dateien auf externen Medien (USB oder DVD) dürfen in verschachtelten Ordnern sortiert sein sowie einen Dateinamen von maximal 32 ASCII-Zeichen aufweisen. Logischerweise lassen sich sich auch auf die HDD kopieren.
Diese gebietet über satte 500 GB, welche selbstredend (und hauptsächlich) via eingebauten DVB-T/Analog Tuner, und dem MultiNorm DVD-Laufwerk, gefüllt werden darf. Hierfür sind mehrere Modi wählbar, mit aktivierter SP-Option (Standard-Play), reicht die Harddisk für rund 255 Stunden, im qualitativ besseren XP-Modus schon nur noch die Hälfte davon. Wer noch mehr Zeit schinden will kann aus zwei Long-Play Varianten (LP und EP) wählen. Das schraubt die Laufzeit auf bis zu maximal 700 Stunden hoch - theoretisch. Das einfache Fernsehprogramm mit SP übrigens absolut ausreichend abgedeckt, die höhere XP-Qualität eignet sich besonders für den Mitschnitt von Kinofilmen. Long-Play hingegen macht nur sehr selten wirklich Sinn. Beim direkten Schreiben auf DVD vielleicht noch am ehesten. Eine Dual Layer Disk packt über den Daumen rund anderthalb Stunden Film im SP-Modus. Um mal eine Hausnummer zu nennen.
Mini Playback Show
Was nutzt die ganze Theorie über die Aufzeichnerei, wenn die Wiedergabe nix taugt? Wenig. Allerdings kann man hier Entwarnung geben. Der Medion-Nutzer braucht ihn nicht verschämt im Schrank zu vergraben, wenn sich Besuch zu einem Videoabend angemeldet hat. Unabhängig von den intern vorhandenen Quellen zeigt sich das Gerät als souveränes Stück Unterhaltungselektronik. Nicht nur vom modernen Design her. Selbst auf unserem wirklich besch... eidenen Röhrenfernseher macht er noch eine gute Figur und kann beispielsweise - nicht zuletzt dank Progressive Scan - selbst bei sonst als recht heiklen DVDs noch ein Quentchen mehr Qualität herauskitzeln, als es unser früherer, schon bestimmt nicht schlechter, Panasonic S-31 vermochte. Dabei ist das DVD-Laufwerk leise, schnell und auch vergleichsweise fehlertolerant. Lesen (und auch das Schreiben / inkl. Finalisierung) klappten bislang immer zur vollkommenen Zufriedenheit.
In Sachen Audio gibt sich Medions derzeitiges Recorder-Flaggschiff ebenfalls keine Blösse, der bisher sehr positive Eindruck setzt sich auch tonal fort. CD-Audio, MP3, DTS / DD gelangen entweder via TV-Gerät oder - und natürlich wesentlich empfehlenswerter - externerm Verstärker bzw. AV-Receiver ans Ohr. Hierfür stehen den Signalen Cinch und ein SPDIF-Ausgang zur Verfügung. Über letzteren erfolgt hier die Anbindung - via Lichtleiterkabel. Dabei ist zu beachten, dass man im Audio-Menü sicherstellt, dass die Decodierung insbesondere für Surround (DD, DTS) auch korrekt angegeben ist, das ist in der Werkseinstellung leider nicht so. Der AV-Receiver erkannte etwa das vom Recorder bereitgestellte DD 5.1 partout nicht, da er zu Beginn auf PCM getrimmt war. Eine Änderung dieser Option in "Bitstream" erlöste dann auch Center- und Surround-Speaker aus ihrer kurzen, unfreiwilligen Arbeitslosigkeit. Bemerkenswert ist ebefalls, dass der Recorder über keine eigene Lautstärkeregelung verfügt - das muss man über die entsprechenden Endgeräte erledigen.
Fazit
Günstig - nicht billig. Medions momentanes Top-Modell ist ein recht komplett ausgestatteter, unkompliziert zu bedienender Allrounder. Mehr brauchts im Prinzip nicht, wenn es um den ganz normalen Unterhaltungswahnsinn geht. Wer noch mehr Spielereien benötigt, muss zur Premium-Konkurrenz gehen, dann aber auch wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Große Pluspunkte sind hier die üppige 500 GB-Festplattenbestückung und der sehr brauchbare DVB-T Tuner - und natürlich das Preis-Leistungsverhältnis insgesamt. Die Verarbeitung erwies sich bis jetzt übrigens als tadellos. Da verzeiht man dem ansonsten überaus funktionellen Teil auch gern ein paar minimale Schrullen wie die ziemlich witzlose "Energiesparfunktion", wobei sich der Energieverbrauch per se in durchaus akzeptablen Grenzen hält, oder die etwas umständlich geratenen Schneide- bzw. Editierfunktionen. Alles in allem ist der Medion LIFE X70002 ganz bestimmt keine schlechte Wahl - egal ob in gediegenem Silber oder mit trendig-schwarzem Klavierlack-Finish. weiterlesen schließen
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