Pro:
Der Soundtrack und die gute Laune, die er verbreitet
Kontra:
die deutsche Synchronisation
Empfehlung:
Ja
Hallo Zielgruppe!
Rückblende: Es ist 1982 und ein gewisser Thomas Gottschalk, sowie ein gewisser Mike Krüger lassen in Deutschland die Kinokassen klingeln mit einer Schmonzette, die sich „Piratensender Powerplay“ nannte. Die Witze waren so flach, dass sie unterm Teppich Drachensteigen konnten, der Soundtrack war auch nicht so der Brüller und auch sonst hatte der Film nicht allzuviel Substanz und schon gar keinen Bezug zur Realität. Gehen wir mal weitere 16 Jahre zurück ins Jahr 1966 nach England. Die gute alte BBC verweigert sich jeglichen musikalischen Trends und spielt im Schnitt gerade mal 45 Minuten Pop- und Rockmusik am Tag. Abhilfe für alle, denen es nach fetziger Musik gelüstete, schaffen diverse Piratensender, die auf Schiffen in internationalen Gewässern draußen auf der rauen Nordsee ihr Unwesen treiben. Und genau hier setzen die Macher von Filmen wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“, „Bridget Jones“ oder „Tatsächlich...Liebe“ an. Ob da jetzt eine einfache Schmonzette oder eine romantische Komödie oder wasauchimmer rausgekommen ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ wie immer zuerst die „MissVega fegt wie ein Hurrikan über alles hinweg'“ - Kurzversion ~~~
Carl ist gerade wegen Drogenmissbrauchs von seiner Schule geflogen. Daraufhin schickt ihn seine Mutter zu seinem Patenonkel Quentin, der draußen auf der Nordsee einen Piratensender betreibt. Auf diese Weise soll Carl mal etwas vom wahren Leben mitbekommen, denn auf dem Schiff ist ein kunterbuntes Sammelsurium wilder Rock'n-Roll-DJs versammelt. Das Leben auf der Nordsee ist von vielen skurrilen Ereignissen geprägt und Carl bekommt das pralle Leben frei Haus mit. Aber auf dem Festland braut sich Unheil zusammen. Regierungsminister Dormandy ist der Piratensender natürlich ein Dorn im Auge, da er einen schlechten Einfluss auf die Jugend des Landes befürchtet. Also sinnt er nach Mitteln und Wegen, um dem Sender quasi das Wasser abzugraben...
~~~ und nun die „Dr.Ed hat Frühlingsgefühle“ - Langversion ~~~
Es ist 1966 und der 17-jährige Carl (Tom Sturridge) ist gerade von seiner teuren Privatschule geflogen, weil er beim Marihuana-Rauchen erwischt wurde. Daraufhin schickt ihn seine Mutter (Emma Thompson) zu seinem Patenonkel Quentin (Bill Nighy), der draußen auf der Nordsee ein Schiff mit einem Piratensender betreibt. Carl soll dort mal den Ernst des Lebens und ganz nebenbei auch noch seinen Vater kennenlernen. Zunächst lernt Carl jedoch einen Haufen verrückter und verschrobener Typen kennen, die den Laden am Laufen halten. Da ist zunächst einmal der Amerikaner, den alle nur „The Count“ (Philip Seymour Hoffman) nennen, der den Plan hat, als erster DJ das schmutzige F-Wort über den Radioäther zu bringen. Dann gibt es da Dave (Nick Frost), der mit Intelligenz, Humor, einer bitterbösen Ironie und einem eher fettleibigen Körper gesegnet ist. Desweiteren gibt es da noch Simon (Chris O'Dowd), ein unheimlich liebenswürdiger Zeitgenosse, der auf der Suche nach der wahren Liebe ist.
Weiterhin gibt es da noch Midnight Mark (Tom Wisdom), der zwar verdammt gut aussieht und ein echter Frauentyp ist, aber irgendwie nur selten redet. Außerdem gibt es da noch Wee Small Hours Bob (Ralph Brown), der Late-Night-DJ, dessen Leidenschaften Drogenexperimente und Folkmusik sind. Daneben befinden sich noch Thick-Kevin (Tom Brooke), ein Typ, der mehr um die Ecke als geradeaus denkt, Angus (Rhys Darby), der nervigste Mann, den man sich vorstellen kann, den Soul-DJ Harold (Ike Hamilton) und On-the-hour-John (Will Adamsdale) der Nachrichtenmann an Bord. Für das leibliche Wohl sorgt die bekennende Lesbe Felicity (Katherine Parkinson). Erste Turbulenzen an Bord ergeben sich, als Star-DJ Gavin (Rhys Ifans) von einem Drogentrip nach Amerika zurückkehrt. Als er Simon seine attraktive Ehefrau Elenore (January Jones) ausspannt, leidet die Stimmung an Bord merklich darunter.
Auch Carl's Gefühlsleben fährt Achterbahn: Als ihm Patenonkel Quentin seine Nichte Marianne (Talulah Riley) vorstellt, ist Carl völlig hin und weg und sofort von ihr in den Bann gezogen. Allerdings ist das Zusammenkommen schwieriger, als Carl es sich vorgestellt hat. Aber auch auf dem Festland braut sich Unheil zusammen. Dem Premierminister (Stephen Moore) sind die Piratensender ein Dorn im Auge, denn sie drohen nach seiner Ansicht die Sitten und Moral der Jugend zu verderben. Also soll der zuständige Minister Dormandy (Kenneth Branagh) diesen Sumpf trockenlegen. Dabei soll ihm der Ministerialrat Twatt (Jack Davenport) behilflich sein. Und wenn die Gesetzeslage nicht passt, wird sie halt passend gemacht...
### MEINE MEINUNG ###
Regisseur Richard Curtis hatte ja bislang mehr durch romantische Komödien auf sich aufmerksam gemacht. Schrieb er doch die Drehbücher zu „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Bridget Jones“ und führte bei „Tatsächlich... Liebe“ dann auch zum ersten Mal selber Regie. Auch diesmal findet das Thema Liebe in dem Film ausreichend Gelegenheit, in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken, aber in erster Linie ist dieser Film eine Liebeserklärung an die Musik der ausgehenden 60er Jahre. Allerdings weist „Radio Rock Revolution“ kaum Parallelitäten zu seinem vermeintlichen Pendant „Piratensender Powerplay“. Es gibt hier zwar auch einige klamaukige und klamottige Szenen, aber es hat immer noch einen gewissen zeitgeschichtlichen Bezug und zum Teil sogar einen ganz realen Hintergrund, denn es gibt für das Schiff sogar ein reales Vorbild: Von 1964 bis 1990 gab es den britischen Piratensender „Radio Caroline“, der auch von einem Schiff in der Nordsee sendete.
Zwar ist Richard Curtis mit seinem aktuellen Film auch wieder in eher seichten Gewässern unterwegs, aber es gelingt ihm auch diesmal wieder, eine massentaugliche Komödie auf die Beine zu stellen, die zwar immer ein wenig anzüglich ist, aber so gut wie immer jugendfrei bleibt. Die Figuren wandeln zwar auch immer hart am Klischee, aber sie wirken immer noch realistisch genug, um keinen völlig überzogenen Eindruck zu hinterlassen. Das Tempo ist moderat genug, um das Publikum nicht zu überfordern, aber flott genung, um trotz einer Länge von 135 Minuten nicht zu langweilen. Besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, der etliche Klassiker wieder aufleben lässt und der nochmal in besonderer Weise das Zeit- und Lebensgefühl widerspiegelt. Die darstellerischen Leistungen sind ebenfalls über jegliche Zweifel erhaben und ich möchte da auch niemanden hervorheben, weil sie alle ihre Sache sehr gut machen, ohne dabei jedoch zu brillieren.
### FAZIT ###
Auch wenn hier die Komödie und überhaupt das Genre nicht neu erfunden werden, insgesamt stimmt das Timing der Pointen und der Dialoge und selbst wenn manchmal etwas dick aufgetragen wird, verzeiht man es dem Film gerne, denn er macht einfach gute Laune! Einziger Wermutstropfen ist die unsägliche deutsche Synchronisation, die den schnoddrigen Wortwitz des Originals an einigen Stellen regelrecht untergehen lässt. Am ehesten lässt sich der Film mit der Koreakriegs-Satire „M*A*S*H*“ vergleichen, wo es doch einige verblüffende Parallelitäten in der Dramaturgie gab.
### ABSPANN ###
Spielfilm GB 2009, 135 Min., FSK 12
Regie: Richard Curtis
Buch: Richard Curtis
Kamera: Danny Cohen
~ Quentin – Bill Nighy
~ Carl – Tom Sturridge
~ The Count – Philip Seymour Hoffman
~ Gavin Keviner – Rhys Ifans
~ Simon – Chris O'Dowd
~ Dave – Nick Frost
~ Wee Small Hours Bob – Ralph Brown
~ Mark – Tom Wisdom
~ Angus – Rhys Darby
~ Kevin – Tom Brooke
~ Harold – Ike Hamilton
~ On-the-hour-John – Will Adamsdale
~ Felicity – Katherine Parkinson
~ Prime Minister – Stephen Moore
~ Minister Dormandy – Kenneth Branagh
~ Ministerialrat Twatt – Jack Davenport
~ Marianne – Talulah Riley
~ Carl's Mutter – Emma Thompson
~ Desiree – Gemma Arterton
~ Elenore – January Jones
u.v.a. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben