Pro:
Liam Neeson, unfreiwillig komisch,
Kontra:
der ganze Rest,
Empfehlung:
Nein
Mit großen Namen besetzte Rache-Actioner der zweiten Klasse scheinen in letzter Zeit ziemlich angesagt in Hollywood zu sein. So kommt nach „Wanted“ mit Angelina Jolie und Morgan Freeman sowie „Death Sentence“ mit Kevin Bacon, mit „96 Hours“ der nächste Film dieser Sorte in unserer Kinos, welcher sich herzlich wenig um saubere Moralvorstellungen schert sondern seinen Protagonisten, in diesem Fall von Liam Neeson gespielt, einfach mal so richtig auf die Scheiße hauen lässt. Scheiße scheint aber auch irgendwie das Motto des Filmes zu sein.
Nachdem ihn sein Job bei der CIA nicht nur seine Ehe mit Leonore (Famke Janssen) sondern auch viel Zeit mit seiner Tochter Kim (Maggie Grace) gekostet hat, hat der einstige Agent Bryan Mills (Liam Neeson) seinen Job bei der Bundesbehörde endgültig an den Nagel gehangen, nicht zuletzt um wenigstens nun seiner bereits 17-jährigen Tochter etwas näher zu sein. Als diese ihm von ihren Plan erzählt gemeinsam mit Freundin Amanda (Katie Cassidy) eine Reise nach Europa anzutreten, ist der überbesorgte Bryan alles andere als begeistert, willigt aber dennoch ein unter der Bedingung das sich Kim zu vereinbarten Zeiten telefonisch bei ihren Vater meldet. Nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Paris werden Kim und Amanda von Menschenhändlern gekidnappt, die es auf ausländische Mädchen abgesehen haben,um später verkauft zu werden. Zum Pech der Entführer hat Bryan während des Überfalls alles per Telefon mit angehört und macht sich sofort auf nach Paris um seine Tochter aus den Händen der skrupellosen Menschenhändler zu befreien. Dabei ist ihm jedes Mittel recht...
Nach seinem Debüt „Ghetto Gangz - Die Hölle vor Paris“ von 2004 ist „96 Hours“ erst der zweite Film der unter der Regie des Franzosen Pierre Morel entstanden ist. Wo jedoch sein Erstling „Ghetto Gangz“ vor einigen Jahren mit einer gekonnten Mischung zwischen saftiger Action und knackiger Sozialkritik überzeugen konnte, bleibt sein erster Ausflug ins Maisntream-Kino leider weit hinter den zuvor gestellten Erwartungen zurück. Das Problem das den Film in erster Linie verfolgt ist das er einfach viel zu Banal wirkt, was aufhorchen lassen sollte da Action-Filme ja gut und gerne jegliche Schmerzgrenzen des gesunden Menschenverstandes überwinden dürfen so lange es der Sache (nämlich unterhaltsamer Haudrauf-Szenen) dient. Dies ist im vorliegenden Fall leider, bis auf kleine Ausnahmen, nicht der Fall, zumal der Hauptteil der Actioneinlagen nur aus, immerhin gut choreographierten, Kämpfen besteht, in denen Liam Neeson´s Charakter wie Superman auf Koks alles klein Prügelt, foltert und abknallt was sich ihm in den Weg stellt. B das nun ein albanischer Menschenhändler ist, ein unschuldiger Kellner oder die Frau eines befreundeten Kollegen: Bryan Mills kennt keine Gnade und macht alles um seine Tochter aus den Fängen der Menschenhändler zu befreien.
Und genau hier liegt ein weiterer Knackpunkt des Filmes, denn „96 Hours“ ist teilweise so political incorrect das es für den Zuschauer schon beinahe Unangenehm wird wenn sich Bryan durch die halbe Unterwelt von Paris durch kämpft. Die Motivation hinter Bryan´s Handeln mag zwar nachvollziehbar sein, das das ganze jedoch ohne irgendwelche Konsequenzen für den ehemaligen Agenten bleibt zieht einen bitteren Nachgeschmack mit sich, sodass man den Machern fast schon böswillig unterstellen will das ihr Film im Prinzip nur ein 90-minütiges Plädoyer für Selbstjustiz ist. Andererseits sind viele Szenen des Filmes schon wieder so abstrus das sie Stellenweise in die absolute Lächerlichkeit abrutschen und einfach nur noch Trashig wirken, so etwa als Bryan einer Sängerin, welche er natürlich ausgerechnet am ersten Abend als ihr Bodyguard vor einen Messerangriff schützt, erzählt das seine Tochter auch Sängerin werden will und diese sich daraufhin für Bryan´s Dienste bedankt indem sie ihm die Karte eines Produzenten gibt. Die 17-jährige Tochter freut sich indes so sehr darüber das ihr Vater ihr die Reiseerlaubnis gibt das sie wie ein fünfjähriges Kind durch die Wohnung hüpft das zum ersten mal Cola getrunken hat. Am Besten ist man eigentlich damit bedient das man den Film nicht mehr ernst nimmt, so kann man sich wenigsten über die unfreiwillige Komik erfreuen.
Das der Film überhaupt noch positiv Erwähnenswert ist verdankt er alleine Liam Neeson („Schindlers Liste“, „Kinsey“), der hier eine einzige One-Man-Show abliefert. Zugegeben, sein Charakter ist ziemlich Eindimensional aufgebaut und verhindert eine wirkliche Bindung zum Zuschauer da er nicht wirklich sehr Sympathisch in seinem Rachefeldzug wirkt allerdings bringt er die Härte und Unberechenbarkeit von Bryan Mills sehr gut rüber. Trotzdem wäre es sicherlich Interessanter gewesen hätte man Neeson erlaubt seiner Figur mehr Gewicht zu verleihen und ihn hier und da mit menschlichen Gefühlen ausgestattet, als ihn auf eine Ein-Mann Armee Mission ohne Gnade zu schicken. Der restliche Cast schmiert so oder so ziemlich ab, egal ob Maggie Grace („The Fog“, „Lost“) den Zuschauer als Kim penetrant nervt, Famke Janssen („X-Men“, „100 Feet“) als Bryan´s Exfrau rumzickt oder die vornehmlich von französischen Darstellern gespielten Gangster (Radivoje Bukvic, Olivier Rabourdin) kein wirkliches Gegengewicht zu Liam Neeson darstellen können: schnell wird klar das dieser Film einzig und allein um Neeson aufgebaut ist, ohne ihn würde er wohl ganz absaufen.
Daten zum Film ////
Original Filmtitel:
Taken (2008)
Länge des Filmes:
Ca. 93 Minuten
Darsteller:
Liam Neeson...Bryan Mills
Maggie Grace...Kim
Famke Janssen...Lenore
Xander Berkeley...Stuart
Leland Orser... Sam
Radivoje Bukvic...Anton (as Rasha Bukvic)
Olivier Rabourdin...Jean-Claude
Katie Cassidy...Amanda
...
Regisseur:
Pierre Morel
FSK:
Ab 16 Jahren
Fazit ////
Man darf darüber streiten ob es nun die Intention der Macher war das „96 Hours“ diesen gewissen Charme eines Videotheken-Actioner´s versprühen sollte. So oder so hat mich der Film jedoch kaum überzeugt, der einzige Grund warum er überhaupt noch ertragbar ist ist die grundsolide Darstellung von Liam Neeson, wobei man sich trotz alledem die Frage stellt wie weit es gekommen ist das dieser großartige Charakterdarsteller sich jetzt schon für solch einen billigen Schund, wie er „96 Hours“ nun mal ist, hergeben muss. Als kleine Nebenkost für einen langen DVD-Abend mag das ganze ja noch seine Berechtigung haben, das Geld für ein Kinoticket ist allerdings Angesicht der momentan sehr starken Konkurrenz in diesen sehr viel besser angelegt.
3/10 Punkte für den Film "96 Hours" und somit zwei Sterne als Wertung. weiterlesen schließen
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