Pro:
tolle Darsteller - gut umgesetzt
Kontra:
nur in Ergänzung mit mit dem Buch umfassend
Empfehlung:
Ja
Heute möchte ich euch schon wieder einen Film vorstellen, den ich gestern endlich auf DVD angesehen habe. Gucken wollte ich ihn schon lange mal – irgendwie bin ich aber nie so recht dazu gekommen.
*** WÜSTENBLUME ***
Ich denke mal, die meisten werden schon von diesem Film, oder zumindest von dem gleichnamigen Buch, gehört haben. Die Geschichte des Models Waris Dirie war schließlich lange zeit in aller Munde. Und genau davon berichtet dieser Film.
***VORGESCHICHTE ***
Waris ist Nomadenkind in Somalia. Sie wächst auf in völliger „Wildheit“ - unterworfen den Riten die in diesen Regionen immer noch herrschen. Eine davon besagt: ein unbeschnittenes Mädchen ist nichts wert. Sie wird nicht verheiratet sondern vom Stamm verstoßen und gilt fortan als Prostituierte, auch wenn sie noch niemals mit einem Mann Kontakt hatte.
So wird auch Waris im Alter von drei Jahren von ihrer Mutter zum beschneiden gebracht – dabei werden ihr die inneren und äußeren Schamlippen entfernt und sie wird so eng zusammen genäht, dass nur eine streichholzgroße Öffnung bleibt. Waris bekommt nach dem Eingriff hohes Fieber, aber ihr Überlebenswille ist stark …
*** INHALT DES FILMS ***
Von dieser Geschichte berichtet der Film nur kurz in einer Rückblende – trotzdem bestimmt sie den ganzen Film, denn sie bestimmt Waris Leben.
Der Film setzt ein, als sich Waris allein und hilflos in London wiederfindet, nachdem aufgrund der Kriegswirren in Somalia die somalische Botschaft in London, in der Waris jahrelang gearbeitet hatte, aufgelöst wurde. Aus Angst zurückgeschickt zu werden, flieht sie.
Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben. In Rückblenden erfährt der Zuschauer von ihrer Vergangenheit Als sie in Somalia mit einem viel älteren Mann verheiratet werden soll, ergreift sie die Flucht nach Mogadischu zu ihrer Großmutter. Aber hier kann sie nicht lange bleiben, sie muss das Land verlassen um in Sicherheit zu sein. So kommt sie nach London und findet Unterschlupf in der somalischen Botschaft.
Wo sie beinahe wie eine Sklavin gehalten wird – viel Arbeit – wenig Geld – keine Freizeit Als sie die Botschaft nach über sechs Jahren verlässt, besitzt sie nichts anderes als ihre (somalische) Kleidung, die sie am Leib trägt und beherrscht nur Bruchstücke der englischen Sprache. Nicht genug, um überleben zu können …
… wenn sie nicht zufällig Marilyn kennen lernen würde – ein junges Mädchen das versucht in London ihre Träume als angehende Ballettänzerin auszulesen. Nach anfänglichen Problemen freunden sich beide miteinander an – sie gibt Waris eine Unterkunft, besorgt ihr eine Stellung, bringt ihr die englische Sprache bei.
Eines Tages ändert sich Waris Leben: als sie in dem Imbiss, in dem sie arbeitet auf den Starfotographen Terence Donavon kennenlernt. Der erkennt ihr Potential sehr schnell …
Aber der Weg zum Topmodel ist nicht einfach – es gibt noch andere Steine, die sich in Waris' Weg legen …
*** MEINE MEINUNG ZUM FILM ***
Was mir sofort aufgefallen ist: die Atmosphäre im Film ist sehr stimmig. Der Film startet mit Waris, die mehr oder weniger hilflos doch London stolpert und dabei auf Marilyn trifft, die sich zunächst für eine Ladendiebin und später für eine Stalkerin hält. Und trotzdem kann sie sich – genau wie der Zuschauer des Filmes – der naiven Unschuld von Waris nicht entziehen.
Damit ist der Grundstein eigentlich schon gelegt. Mir als Zuschauer bleibt fast gar nichts anderes übrig als vor dem Bildschirm kleben zu bleiben und Waris weiteren (oder auch in Rückblenden erzählt ihren früheren) Lebensweg zu folgen.
Obwohl der Film nicht immer chronologisch bleibt und viele zeitliche Sprünge enthält ist es dennoch recht einfach ihm zu folgen. Allein schon die unterschiedlichen Welten in denen er spielt: einmal das moderne London – auf der anderen Seite die Wüste von Somalia, wo Waris in ärmlichen Verhältnissen – aber keinesfalls unglücklich – aufwächst. Sie kennt halt nichts anderes als Armut und schwere Arbeit, trotzdem hat sie sich eine unbeschwerte Fröhlichkeit bewahrt. Bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter beschließt, das es zeit wird sie beschneiden zu lassen.
Diese Szenen im Film sind sehr eindringlich dargestellt, obwohl sie eigentlich nur sehr wenig zeigen. Aber das angedeutete Leid ist genug, mehr könnte man als Zuschauer auch kaum ertragen.
Die „modernen“ Szenen im Film sind recht bunt und lebhaft dargestellt. Obwohl das Schicksal es nicht immer gut mit Waris meint, behält sie doch ihren Optimismus und ihren Kampfgeist. Ihre Naivität gibt oft genug Anlass zum Schmunzeln – aber es ist kein Auslachen, das sich dahinter verbirgt, denn man merkt schon, welcher Ernst sich für sie dahinter versteckt. Trotzdem verleiht es dem Film trotz des sehr ernsten Themas eine Leichtigkeit, die das Ansehen zum Vergnügen werden lässt.
Ich glaube, diese Mischung ist es, die mir an dem Film so gut gefallen hat: ein ernstes Thema, eine interessante Lebensgeschichte, vermischt mit einer gewissen Leichtigkeit und recht viel Humor. Der Film bringt zum nachdenken, er macht stellenweise wirklich betroffen und traurig – andererseits hat er aber auch einen recht hohen Unterhaltungswert. Ich kann ihn während des Ansehens genießen – die wirklich ernsthaften Gedanken darum mache ich mir eher im nach herein
*** VERGLEICH BUCH – FILM ***
Da der Film auf dem gleichnamigen Buch beruht, das einerseits sehr von sich reden gemacht hat und durch den Film erneut in die Schlagzeilen geraten ist, kommt man um einen Vergleich Buch - Film gar nicht vorbei.
Ich habe das Buch sehr viel früher gelesen als der Film in die Kinos kam. Ich habe auch den nachfolgen Roman gelesen – den ich allerdings nicht ansatzweise so überzeugend fand. Ich fand dieses Buch sehr gut geschrieben. Informativ – aufrüttelnd – eine bewegende Lebensgeschichte, die hier zu Papier gebracht wurde, wobei hier der Tenor doch sehr viel stärker als die Kindheit von Waris liegt als es im Film der Fall ist. Wie schwer (nicht aber unglücklich!) ihre Kindheit wirklich gewesen sein mag kommt im Buch viel mehr rüber als im Film, der das alles doch mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt. Ich denke, die wesentliche Punkte werden zwar auch im Film angesprochen, aber sie bleiben doch mehr an der Oberfläche als im Buch, das hier viel weiter in die Tiefe geht.
Der Film berichtet intensiver von ihren Jahren in der „modernen Welt“ - von ihrem Aufstieg zum Topmodel. Hier wiederum fasst sich das Buch in meinen Augen etwas knapper.
Ich würde mich nicht entscheiden wollen, ob ich dem Buch oder dem Film den Vorzug gebe. Sie erzählen beide dieselbe Geschichte – die Schwerpunkte liegen aber etwas anders. Wenn man sich wirklich für die Geschichte von Waris Dirie interessiert, kann ich nur empfehlen beides zu tun: das Buch zu lesen und den Film zu sehen. Es ist beinahe so, als ergänzt sich beides perfekt zu einem Ganzen.
Jetzt noch ein paar Worte zu den
*** SCHAUSPIELERN ***
Hier muss ich sagen, die Besetzung ist rundherum sehr gut gelungen, aber das allerbeste, was diesem Film und der Geschichte passieren konnte war Liya Kebede in der Hauptrolle als Waris Dirie. Nicht nur, das sie ihr rein äußerlich ziemlich ähnlich ist. Sie erweckt diese Rolle für den Zuschauer zum Leben. Sie ist es, die Waris zu einer sympathischen, starken, jungen Frau macht die trotz aller widrigen Umstände schließlich ihren Weg findet.
Liya Kebede ist nicht nur Schauspielerin sondern wie Waris auch ein recht erfolgreiches Model, wenn sie es auch niemals bis in die Oberklasse geschafft hat. Trotzdem hat sie genug Erfahrung um zu verstehen, was in Waris vorgegangen sein mag und es auf der Leinwand überzeugend rüber zubringen.
Waris Freundin Marilyn wird gespielt von Sally HawkinsEbenso eine perfekte Besetzung für das junge Mädchen, das nie auf den Mund gefallen ist und das ziemlich genau weiß was es will. Marilyn ist einfach eine sehr sympathische Rolle, auf den ersten Blick total anders als Waris, letztlich auf ihre Weise aber genauso zielstrebig. Ich glaube, ihr Charakter ist mir neben Waris der liebste in diesem Film.
Was nicht heißen soll, dass die anderen Charaktere schlecht besetzt wären. Sie sind einfach nur nicht so wichtig für den ganzen Film. Sie spielen eine Rolle, aber erreichen keine wirkliche Tiefe. Trotzdem sind mir Rollen wie der Photograph Donaldson, gespielt von Timothy Spell, Waris erste Agentin Lucinda ( Juliet Stevenson) oder auch Waris Ehemann (auch wenn es nur eine Scheinehe ist, die sie eingehen muss um ein Visum zu bekommen) gespielt von Craig Parkinson durchaus im Gedächtnis geblieben, obwohl mir die Namen an sich eher unbekannt sind. Was ja durchaus dafür spricht, das auch sie ihre Sache gut bis sehr gut gemacht haben.
Zum Schluss wie üblich in meinen Filmberichten
*** FAKTEN ZUM FILM UND ZUR DVD ***
Wüstenblume
OT. Desert Flower
nach der gleichnamigen Autobiographie von Waris Dirie
gedreht 2009 / Deutschland – Frankreich – Östereich
Lauflänge: 121 Minuten
FSK: 12 Jahre
DVD Veröffentlichung: 2010
es gibt eine normale und eine 2-er Edition DVD Ausgabe, meine Angaben beziehen sich auf die Einzelversion
Sprachen: Deutsch, Englisch ( beides Dolby Digital 5.1) – teilweise in Somali, mit Untertiteln
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Ton und Bild entsprechen einem aktuellen Film der neu auf DVD erscheint, sind also im oberen Bereich anzuordnen.
Preis der Einzelversion: ca. 10,-- Euro Neupreis
Preis der Doppelversion: ca. 20,-- Euro Neupreis
Preis der Blue ray: ca. 20,-- Euro Neupreis
Extras:
Hier ist die Einzelversion mal wieder sehr geizig, aber das war auch nicht anders zu erwarten. Wer hier mehr über Waris Geschichte und die Geschichte der Entstehung des Films wissen will sollte unbedingt zu der 2er Edition greifen. Hier findet man neben diversen Extras auch noch einen Dokumentarfilm „Nicht mit meiner Tochter“ und eine Autogrammkarten von Waris Dirie.
*** MEIN FAZIT ***
Ein sehr gut umgesetzter Film und wirklich überzeugenden Darstellern Aber wenn man die ganze Geschichte der Waris Dirie verstehen möchte sollte man es nicht bei beim Film allein belassen sondern sich auch noch das Buch kaufen auf dem dieser Film beruht.
Darum eine Empfehlung, aber mit kleinen Einschränkungen.
@ Prisca – November 2010 weiterlesen schließen
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