Pro:
nette Story, leichte Kost
Kontra:
nichts für Jedermann
Empfehlung:
Ja
Hallo Kinonasen,
als vor neun Jahren der Streifen „My big fat greek wedding“ in die Kinos kam, hat wohl niemand so richtig an den Erfolg des Film geglaubt. Auch meinereiner nicht. Und nun steht das gute Stück auf einer DVD sogar in unserem Schrank. Wer hätte das gedacht? Nun kam also Mitte Oktober der zweite Streich mit dem sinnvollen Namen „My big fat greek summer“ in die Lichtspielhäuser. Tja, und mittlerweile ist der Streifen sogar wieder aus den Kinosälen verbannt worden. Mit letzter Kraft und viel Recherche habe ich es dennoch geschafft, mir das Filmchen anzuschauen. Man glaubt es kaum, wie klein und ungemütlich so manch ein Kino sein kann…
=== „John Corbett ist hier eigentlich der einzige bekannte Name …“ ===
Für alle noch einmal zur Erinnerung:
„My big fat greek wedding“ war die erste erfolgreiche Romanze des Regisseurs Joel Zwick, welcher später mit „Fat Albert“ seinen wesentlich weniger glamourösen zweiten Streifen produzierte. Nicht die nette Story, in dem ein griechisches Mädchen in den USA sich vom hässlichen Entlein zum wunderschönen Schwan verwandelt, bildete das Erfolgsrezept, sondern die mehr oder weniger unbekannten Darsteller, die man dafür engagierte. Angepasst an die Story hat man neben amerikanischen Schauspielern auch griechische Darsteller genommen. Und gar keine Schlechten. So spielt Nia Vardalos die Kellnerin Toula, die im griechischen Lokal ihres Vaters („Dancing Sorbas“) aushilft und sich in den Lehrer Ian Miller (alias John Corbett) verliebt. Doch Toula ist nicht von bemerkenswerter Schönheit, somit wird sie von Ian auch erst bemerkt, als sie gegen den Willen ihres Vaters beschließt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Als ihr Vater Gus (gespielt von Michael Constantine) dann noch mitbekommt, dass statt eines Griechen ein Amerikaner um die Hand seiner Tochter anhält, beginnen die Schwierigkeiten.
John Corbett ist hier eigentlich der einzige bekannte Name in der Besetzungsliste. Man kennt ihn aus Filmen wie „Haus am See“, „The Messengers“ oder „Liebe auf Umwegen“ und er ist auch in „My big fat greek wedding“ die perfekte Besetzung. Auch Nia Vardalos, die übrigens auch am Drehbuch mitgewirkt hat, ist ideal für ihre Rolle. Die kleine schüchterne Griechin, die sich nach und nach der griechischen Tradition den Rücken kehrt.
Und nun also scheint die Fortsetzung des Streifens in die Lichtspielhäuser zu gelangen. Ich ward gespannt.
Wieso auch immer man sich nicht wieder Joel Zwick als Regisseur bedient hat bleibt ein Rätsel. Donald Petrie sitzt im begehrten Aufpasser- Sessel. Muss man den Namen kennen? Na ja, nicht unbedingt. Wer Filmchen mag wie „Zum Glück geküsst“, „Wie werde ich ihn los in zehn Tagen“ oder „Miss Undercover“ kann sich glücklich schätzen, dass nun auch „My big fat greek summer“ zu Petries Repertoire zählt. Auch die Besetzung liest sich wesentlich anders. Lediglich Nia Vardalos spielt auch in der „Fortsetzung“ die gewohnte Hauptrolle. Und wieder steht „nur“ ein bekannter Name auf der Darstellerliste: Richard Dreyfuss. Der gute alte Richard wurde bekannt mit dem „Weißen Hai“, es folgte die Stephen-King-Verfilmung „Stand by me“, „Hallo Mr. President“ oder „Poseidon“, wobei er mit Letzterem wohl sein Comeback feierte.
Alle weiteren Darsteller sind eher in die unbekannte Riege einsortierbar. Oder gibt es unter uns Lesern jemanden, der sich an Namen wie Rachel Drach („King of Queens“, Season 6), Harland Williams („Winn-Dixie – Mein zotteliger Freund“), Caroline Godall („Herr der Diebe“) oder Sophie Stuckey („The Dark“) erinnert? Diese US-Sternchen haben zwar in teilweise bekannten Serien oder Filmen mitgewirkt, es blieb allerdings bei belanglosen Nebenrollen. Geschweige von Namen wie Ian Olgivy, Alexis Georgoulis oder Alistair McGowan. Vorteil: Ähnlich wie beim Bully-Highlight „Wickie und die starken Männer“ setzt der Zuschauer die Maßstäbe nicht ganz so hoch wie bei einem Film mit Starbesetzung.
=== „Eine Reise die ist halt lustig…“ ===
Um was geht es in „My big far greek summer“?
Die Story ist schnell und unkompliziert. Griechenland 2009. Georgia ist Griechin und unterrichtet in den USA als Professorin griechische Geschichte. Doch nicht jeder Job ist krisenfest und so muss die Gute wohl oder übel zurück nach Griechenland. Um sich über Wasser zu halten nimmt sie einen Job als Fremdenführerin in einem Reisebüro an. Selbiges gehört ihrer Tante, eine nagelfeilende Frau, die mehr auf das hereinkommende Geld achtet, als auf die freundliche Behandlung ihrer Kundschaft. Sie ist die Veranstalterin von Rundfahrten, die mit zwei internen Reiseleitern vollzogen wird. Zum einen ist es Georgia und zum anderen der Schönling Nico. Nico ist ihr Liebling und bekommt die Kanadischen Touristen, die als mäkellose Reisende gelten. Mit einem niegelnagelneuen Reisebus und einer internen Klimaanlage braucht es nicht viel, seine Touristen glücklich zu machen.
Etwas schwerer dagegen ist das Reiseleben von Georgia. Sie muss sich mit Biersaufenden Australiern, lauffaulen Rentnern, einem Spaßvogel, reichen, nörgelnden Amerikanern und geschiedenen, frustrierten Frauen herumschlagen. Zudem kommt noch der Uraltbus (natürlich ohne Klimaanlage) und ein bärtiger, zugewachsener, störischer Busfahrer – Die Katastrophe ist so gut wie vorprogrammiert. Doch Georgia nimmt es gelassen. Zu sehr ähneln sich die Passagiere den Vorgängertruppen, so dass sie sturerweise ihren Rundtour vollzieht.
Die Tour beginnt auch wie gewohnt. Während die verwöhnte Nico-Gruppe im hochmodernsten Hotel Athens verweilen darf, wohnt Georgias Truppe in einer Absteige. Der Fahrstuhl ist kaputt, die Zimmertüren brüchig, die Wände dünn, die Klospülung defekt und an ein funktionierendes Telefon ist auch nicht zu denken. Man nimmt es mit Geduld, Klagen gibt es vorerst keine. Offenbar nervt die Touristen mehr die defekte Klimaanlage des Reisebusses als die Hotel-Ruine.
Kann es noch schlimmer kommen?
Georgia gibt sich soweit ihrer Zukunft hin und zieht die Tour durch. Man ersteigt Denkmäler, Statuen und erfährt etwas über griechische Geschichte. Doch möchte man dies wirklich? Nein, nicht wirklich. Dank der immer wieder auftauchenden Gruppe von Nico sieht man, dass Rundtouren auch durch Shopping erst schön sein kann. Unverständlich für Georgia, toll für ihre Gruppe.
Erst als Irv (Richard Dreyfuss), der unendliche Spaßvogel sich ein wenig ihrer annimmt bemerkt sie, dass sie sich ändern kann und vielleicht ein wenig mehr Freude in Sachen Reiseführung bringen kann. Doch aller Anfang ist schwer. Immer und immer wieder dringt wieder die Langeweile durch. Doch bald hat Georgia den Dreh raus, griechische Kultur mit moderner Geschichte zu verbinden. Auch in Sachen Liebe tut sich nun etwas. Auch wenn sie es nicht versteht, wieso ein Mensch Stundenlang über Sirupe schwafeln kann, erkennt sie ihre große Liebe. Oder doch nicht? Wieder ist es Irv der sie an die Hand nimmt und sie in die richtige Richtung führt.
So ändert sich ihre Reisegruppe. Vom öden, ewig nörgelndem Touristen-Volk zum interessierten Zusammenhalt. Mit viel Fantasie gelingt es sogar, dem Schönling und Konkurrenten Nico ein Schnäppchen zu schlagen, ihm die Kehrmedaille des Touristenlebens vorzuzeigen. Eine Reise die ist halt lustig…
=== „Kurz & Bündig“ ===
Mir ist immer noch schleierhaft, wieso man diesen Film „My big fat greek summer“ genannt hat, obwohl er selbst im Entferntesten kaum was mit „My big fat greek wedding“ gemein hat. Vielleicht ist dies der einzige Anziehungspunkt? Wollte man dem Zuschauer etwa vorgaukeln, dass die Familie Portokalos neue Abenteuer erlebt? Offenbar. Bei mir ist es gelungen. Dies war eigentlich der Punkt, weshalb es mich ins Kino zog. Doch denkste Puppe, von Fortsetzung keine Spur. Neue Geschichte, neue Darsteller und Figuren, neue Szenerien.
Nun habe ich aber die Karten bezahlt und man bleibt enttäuschter Weise im Theater. Wer weiß, man sollte jeder Kunst eine kleine Chance bieten.
Sehr einfallsreich ist die Geschichte der Reiseleiterin Georgia nicht wirklich. Ähnlich wie bei „My big fat greek wedding“ ist die Story leicht vorhersehbar. Dennoch hat sie etwas an sich, dass Spaß macht sich anzusehen. Sind es die Späße aus der Mottenkiste, die man diesbezüglich wieder heraus gekramt hat? Vielleicht! Wann bekommt man diese Art der Slapsticks denn derzeit mal zu sehen und zu hören?
Ist es die facettenreiche Kulisse Athens mit der der Zuschauer immer wieder konfrontiert wird? Kann schon sein. Auch wenn man mehr oder weniger an den wichtigen Highlights der Kulturlandschaft vorbeischwebt, im Hirn bleibt es dennoch. Wie schnell wurde unser Urlaub in Griechenland (der schon Jahre her ist) wieder ins Gedächtnis gerufen!
Oder sind es die Entwicklungen der Reisegruppe, in der man als Zuschauer gern dabei sein würde? Wer kennt das nicht, wenn man sich selbst in einer nörgelnden Touri-Gesellschaft befindet, die Shoppen und Eislutschen interessanter findet, als die Besteigung der Uralt-Tempel? Im Laufe der Entwicklung entwickeln sich hier Bekanntschaften innerhalb der Gruppe, die Ähnlichkeiten in so manchem wahren Leben haben könnten.
„My big fat greek summer“ ist leichter Stoff für die ganze Familie. Wer Liebesdramen erwartet, killende Entführer von U-Bahnen oder Flugzeugen oder ausbrechende Naturgewalten ist hier falsch. Der Film basiert wirklich auf einfachster Weise, ein Mitdenken ist nicht erforderlich. Sanfte Slapstick, netter Humor, niedliche Stunts, gute Darsteller und schöne Kulissen sind die Vorteile des Films. Action ist hier nirgends zu finden, es sei denn, quälende langatmige Ablenkungsmanöver beziehungsweise crashende Busse zählen dazu. Die Story ist nicht umwerfend, bringt aber dennoch ihren Reiz mit ins Geschehen.
Es kommt nicht häufig vor, dass ich mich den Beurteilungen der Kinomagazine, - Foren und –Zeitungen entgegenstelle. Kaum eine der Kritiken zum Film hielt dem wahren Geschehen stand. So beurteilten viele den Streifen als langatmig und dementsprechend langweilig. Dementsprechend gab es maximal eine mittlere Bewertung. Dem stelle ich mich entgegen. Vielleicht ist es ja eben gerade das Langatmige oder die vorrausschauende Geschichte die mich zum Weitersehen animierte, wer weiß. Von mir erhält „My big fat greek summer“ vier von fünf Sternen. Der verlorene Punkt geht zu Lasten der DVD-Unfähigkeit.
©knopfi.de´09 weiterlesen schließen
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