Pro:
gute Alternative zu Marken
Kontra:
etwas zu süß
Empfehlung:
Ja
Hallo Schokifans,
nachdem ich mich nun mit der Rahm-Mandel-Schokolade von der Rewe-Eigenmarke „Ja!“ befasst und diese für ziemlich lecker befunden habe, gehe ich nun den nächsten Schritt an. Die Zeit ist reif für die Weiße von „Ja!“.
=== „Beginnen wir mal mit dem Fachchinesisch…“ ===
Es ist ein Leichtes, Produkte der Rewe-Eigenmarke von Weitem zu erkennen. Fallen die anderen durch ihre bunten Farben, die ungewöhnlichen Formen oder übertriebenen Preis auf lässt dies die Hersteller der „Ja!“-Marke kalt. Ein kühles Weiß strahlt den Suchenden aus der unteren Fachetagerie an, das blaue fettgedruckte „Ja!“ blinzelt von der oberen Verpackungsgrenze entgegen. Mit viel, aber auch wirklich viel Glück gibt es noch, wie zum Beispiel hier, bei der weißen Schokolade, einen gelben dicken Streifen in der Tafelmitte. Die abgebildeten Produkte ähneln eher einer schnell dahin überlegten Variante und die Verpackungsformen lassen auf längst vergangene Geschichte schließen. Klassisch, ohne Wenn und Aber.
Bei der Schokolade hier vor mir denke ich an Omas Zeiten zurück, in denen die Umhüllungen tatsächlich noch aus umweltbösem Material bestanden und dank der damals neusten Fließbandtechnologie beidseitig verschlossen wurde. Ist es nicht schön, wenn schöne Erinnerungen wieder im Gedächtnis aufkreuzen?
Preislich gesehen fallen die „Ja!“-Produkte allemal auf. Sie liegen mehr wie deutlich untern dem Niveau der anderen Marken. Bleiben wir bei der Schokolade. So liegt eine Alpia-Schoki -in weiß- bei circa € 0,50 auf 100g. Das Gegenstück vom Rewe-Markt ist freundliche zehn Cent günstiger (100g). Milka & Co bringen es weit über die € 0,70. Da fragt man sich manchmal, wie groß mag die Gewinnspanne der Hersteller sein? Oder macht es wirklich den Geschmack aus? Ich beschließe einen Test zu vollziehen. Die weiße Schokolade von „Alpia“ (übrigens sehr, sehr lecker) stellt sich als Gegner der Weißen von „Ja!“ auf. Beide je 100g, lediglich der Preis ist unterschiedlich. Wird es einen Gewinner geben, oder schmecken beide gleich? Macht der Preisunterschied im Geschmack wirklich soviel aus?
Wir werden sehen!
Beginnen wir mal mit dem Fachchinesisch: Den Nährwertangaben. Die Angaben beider Tafeln beruhen sich jeweils auf die kompletten einhundert Gramm. Würde ich also die komplette Tafel verschlingen hätte ich in beiden Fällen 563 Kalorien intus (2347Kj). Hier liegen die Werte also im gleichen Segment. Immerhin. Auch der Fett- und Eiweißwert befindet sich auf demselben Niveau. Mit 6,6g Eiweiß und 35g Fett hat man schon einen gut gefüllten Bauch. In der Angabe des Zuckergehaltes nimmt man es bei „Ja!“ ganz genau. So sind es 55g bei der Alpia-Weißen und 54,9g bei der Konkurrenz. Mit dem berühmten 0,1g-Unterschied wartet man bei den Kohlenhydraten auf, dabei liegt die Alpia-Schoki mit 55,3g am höchsten. Natrium (0,13g) und Ballaststoffe (0g) liegen gleich auf.
Die Zutatenliste ist bei beiden Tafeln recht klein und übersichtlich und ähnelt sich ungemein. So beschreibt man das Produkt mit „Weiße Schokolade (Kakao 27%, Milchbestandteile 23%). Könnte es sein, dass beide Produkte von ein und demselben Hersteller (Stollwerk, Köln) stammen? Hauptbestandteil ist natürlich der gute alte Zucker, in natürlicher Form als auch in Milchzucker. Kakaobutter, Milch-, Sahne- und Süßmolkenpulver sind genauso vorhanden wie der Emulgator Sojalecithine. Das Aroma Vanillin wir bei der Alpia spezifisch erwähnt, bei der „Ja!“-Schoki nicht. Während man bei Alpia den Service erwägt, diese Zutaten in englischer, italienischer und tschechischer Landesprache zu ergänzen, verzichtet der günstigere Rewe-Hersteller komplett darauf. Man sieht: „Ja!“ ist also für den deutschsprachigen Raum gemacht. Wieder etwas gelernt!
Den berühmten Tipp für die Allergiker unter uns, dass sich Spuren von Nüssen, Erdnüssen und Gluten im Produkt befinden können hat man beidseitig nicht vergessen. Eine Qualitätsgarantie vergibt nur Alpia, dafür warnt „Ja!“: „Trocken lagern. Vor Wärme schützen.“.
=== „Umgekehrt verhält es sich beim Duft…“ ===
Während die Alpia-Schokolade ihre Umhüllungen in doppelter Ausfertigung aufzeigt (Papier außen, Folie innen) verlässt sich der Mitbewerber von „Ja!“ auf eine einseitige Verpackung. Ein folienähnliches Gemisch. Beide Hüllen lassen sich bequem öffnen. Während man das Markenprodukt dank der Folie wieder verschließen kann, hat der günstigere Mitbewerber da seine Problemchen. Von einer Möglichkeit der Wiederverschließung fehlt keine Spur. Man wird sozusagen diesbezüglich zum Aufessen gezwungen – was mir persönlich keine argen Schwierigkeiten bereiten dürfte… ;-) Dass ein jeder wissen darf, mit welcher Marke man sich gerade beim Genuss befasst, ist bei Alpia ein Muss. So hat man den Firmennamen auf die Folie gedrückt und das Alpialogo auf die einzelnen Schokoladenstücke. Bescheidener gibt man sich diesbezüglich bei „Ja!“. Hier sind es lediglich ein paar Linien auf den Stücken, die quadratisch angeordnet wurden. Das Logo auf der Folie dürfte entfallen, da man ja auf Selbige verzichtet hat. Auch gut.
Umgekehrt verhält es sich beim Duft der einzelnen Schokoladen. Ob posi- oder negativ – die Rewe-Marke riecht ungemein stark nach Schokolade, was das Ganze etwas unnatürlich erscheinen lässt. Hier wiederum ist die Alpia bescheidener. Sie behält sich ein leichtes Windchen vor, übertreibt nicht, schnuppert angenehm. Vorteil für die Marke. Auch in Sachen Farbspiel gibt es kleine aber feine Unterschiede. So ist die Weiße von Alpia wirklich cremig weiß, während der günstigere Part aus dem Rewe-Markt den Ton ins gelbliche hat. Ehrlich gesagt sieht man diesen Unterschied natürlich nur, wenn man beide Tafeln neben einander hält. Somit würde ich blicketechnisch wieder einen Punkt dem Markenprodukt geben. Dieses sieht einfach natürlicher aus.
Kommen wir zum Geschmackstest. Dem wohl wichtigsten Ereignis des heutigen Tages. Wird sich tatsächlich die Marke gegen das „Unikat“ durchsetzen können? Und wie sind die Nachwirkungen, wenn man dazu ein Käffchen serviert?
Wir geben der Marke mal den Vortritt, denn das „Ja!“-Produkt ist um einen Hauch etwas größer geraten. Klein darf vordrängeln. So ist das Leben. Schmatz… Ja, kann man essen. Cremig, es schmilzt langsam im Mund und schmeckt typisch nach weißer Schokolade. Nix anderes erwartet. Das Stück riecht wie es schmeckt. Mild, angenehm, nach mehr.
Der etwas deutlicher duftende Gegenpart ist um einen Hauch süßer. Aber wirklich um einen Hauch. Auch Hier ist der Dahinschmelz-Faktor angenehm lang, man hat lange etwas im Mund. So soll es auch sein. Kurios: Diese Variante bleibt geschmacklich länger im Gedächtnis, man hat letztendlich mehr davon.
Ein zweites Stück der Neunundvierzig-Cent-Marke kommt ins Spiel. Ein guter Schluck Kaffee einer bekannten Pad-Marke dazu, abwarten. Ja, kann man akzeptieren. Dank des kräftigen Schokoladengeschmacks gerät der Kaffee in den Hintergrund, was absolut nicht schlimm, sondern völlig angenehm ist. Umgekehrt wäre es fatal, denn ich möchte ja keine Kaffeeschokolade, sondern eine weiße Schoki mit Kaffeegeschmack. Der Kaffeegeschmack bleibt deutlich im Abseits, ist aber so stark, dass er hervorkommt und Unterstützung leistet. Die Alpia schmeckt jetzt noch genialer. Der Kick ist gekommen. Was bin ich nur für ein Erfindungsgeist. Kann mir jemand sagen, ob es sowas schon als fertige Mischung zu kaufen gibt? Sonst würde ich doch vielleicht eine gute Million damit verdienen wollen…
Aber auch das „Ja!“-Produkt möchte hier mithalten. Hmm… Auch hier verdünnisiert sich der Kaffee deutlich ins Eck, meiner Ansicht viel zu sehr ins Aus wie gewollt. Die Schokolade verdrängt ihn einfach. Somit ist kein gewollter großartiger Geschmack erkennbar. Nein, hier stört der Kaffee einfach. Hier ist es ratsam, dass sich die Schokolade bereits im Magen befindet und nun der Schluck des Bohnengetränks genommen wird. Es wird sich nur ein kleiner Kick feststellen lassen. Nö, das war nichts, liebes „Ja!“-Team. Eine weiße mit Kaffeegeschmack sollte man vielleicht im Regal belassen? Wer weiß.
=== „Fazit“ ===
Was möchte uns dieser Test denn nun sagen? „Ja!“ oder nein?
Im Grunde genommen ist die Alpia-Schoki schon einen Tick voraus. Sie ist cremiger, natürlicher und verhält sich zu einem Schluck Kaffee einfach teamfähiger gegenüber dem „Ja!“-Produkt. Dem puren Genuss können allerdings beide mithalten. Beide Produkte sind im Nährwertbereich so gut wie gleich, ebenso in den Zutaten.
Kleine Differenzen gibt es im Verpackungsmaterial. So ist die Alpia-Schoki mit ihrer Folie wesentlich leichter wiederverschließbar als ihr Mitbewerber. Dieser hat nur eine Verpackungseinheit, die ohne fremde Hilfsmittel kaum die geschlossene Frische beibehalten dürfte. Auch das Duftverhältnis ist etwas anders. So riecht die Alpia etwas natürlicher, das Rewe-Produkt kräftiger, süßer.
Geschmacklich sind beide gut im Rennen. Das günstigere Produkt ist kräftiger, verbleibt etwas länger im Mund, ist allerdings auch etwas süßer. Die Alpia schmilzt schneller dahin, verträgt sich aber mit kleinen Zusatzgetränken, wie zum Beispiel Kaffee, wesentlich besser wie die Weiße von „Ja!“.
Das Fazit: Mit legeren € 0,39 ist die weiße Schokolade von „Ja!“ unschlagbar günstig. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, für den schnellen Verzehr kann man hier nicht meckern. Markenfreunde werden sich sicherlich nicht auf diese Variante einstellen können, denn es existieren schon recht feine Differenzen in Sachen Kremigkeit und Komplexität. Wer bereit ist, sich die zehn Cent von Stollwerks Meisterwerk Alpia zu gönnen, sollte dies ruhig tun, denn hier sind schon etwas mehr Vorteile gegenüber der günstigeren Rewe-Marke zu sehen. Ansonsten kann man beruhigt zum Neununddreißig-Cent-Produkt aus der unteren Schokoladenetage greifen. Die Weiße schmeckt. Vier Sterne und somit eine Kaufempfehlung.
Test ausgeführt. Test bestanden. Nun bin ich satt, habe einen dicken Schokoaldenbauch und brauch erst einmal eine Couch! Verdammt! Wieso weiß ich einfach nicht, wann genug ist?
PS: Krümeln tun beide Schokoladen gleichermaßen viel. Vorteil gegenüber einer dunklen Schoki: Man sieht sie besser!
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