Pro:
Spannung, Balance zwischen Glück und Strategie
Kontra:
Anleitung lässt Fragen offen
Empfehlung:
Ja
Nach „Die Säulen der Erde“ entwickelte Michael Rieneck auch ein Brettspiel zu „Die Tore der Welt“. Im Gegensatz zu den Büchern sind beides eigenständige Spiele, die sich auf die Romane beziehen. „Die Tore der Welt“ spielt im Mittelalter und ist eine Mischung aus Strategie -und Glücksspiel. Die Spielanleitung hat überschaubare zehn Seiten, ist relativ schnell durchgearbeitet und schon geht es los.
Ablauf
Eine Spielrunde hat vier Kapitel mit je sechs Runden. Zunächst einmal wird der Startspieler bestimmt, der sich allerdings jede Runde ändert. Dieser zieht eine Ereigniskarte, welche für alle Spieler gilt und somit die Runde wesentlich beeinflusst. Daraufhin suchen sich die Spieler gleichzeitig und geheim eine von zwölf verfügbaren Aktionen aus, wie zum Beispiel das Sammeln von Rohstoffen oder den Verkauf von Tuch. Sobald man sich eine Aktion ausgesucht hat, muss man gleich eine weitere ungenutzt aus dem Spiel nehmen. Beginnend mit dem Startspieler werden diese Aktionen ausgeführt. Die nächste Runde beginnt mit einem neuen Startspieler und nur noch zehn Aktionskarten, bis alle aufgebraucht sind und das folgende Kapitel beginnt.
Ziel des Spiels ist es, so viele Siegpunkte wie möglich zu sammeln und dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann Bauwerke errichten, Häuser bauen, medizinisches Wissen erlangen oder mit etwas Glück durch Ereigniskarten.
Erläuterungen und Kritik
Welchen Weg zum Sieg man wählt, entscheiden man am besten spontan, je nachdem, welche Ereigniskarten gezogen werden und wie das Spiel bisher verlaufen ist. Pro Kapitel gibt es mehr Ereigniskarten als Runden, wodurch jedes Spiel einen anderen Ablauf haben kann. Mit der Zeit weiß man allerdings, welche Ereignisse in den jeweiligen Kapiteln vorkommen können und kann sich darauf vorbereiten. Das verschafft erfahrenen Spielern einen kleinen Vorteil.
Obwohl Glück in dem Spiel eine große Rolle spielt, lässt sich der Spielverlauf durch eine passende Strategie meistens so weit stabilisieren, dass es bis zum Schluss spannend bleibt. Zum Glücksfaktor tragen die Ereigniskarten bei, die einen sehr großen Einfluss auf den Spielverlauf haben und zufällig gezogen werden, außerdem gibt es einen „Steuerwürfel“, der die Goldabgaben am Ende eines Kapitels bestimmt und zum Beginn jeder Runde erhält jeder Spieler einen Bonus, auf dessen Verteilung nur der Startspieler Einfluss hat.
Einerseits hemmen diese Faktoren die strategische Planung, andererseits sorgen sie für Abwechslung und Spannung. Zu Interaktion zwischen den Spielern kommt es nur in Ausnahmefällen. Es lohnt sich mehr für seinen eigenen Vorteil zu spielen als anderen eins auszuwischen, Handel untereinander gibt es ebenfalls nicht. In der Spielanleitung wird die Knappheit von „Getreide“ und „Frömmigkeit“ erwähnt, woraus man schließen könnte, sich hin und wieder einfach mal eines mehr zu nehmen, um es den Mitspielern zu erschweren, doch auch dies erweist sich als schwierig, da reichlich Rohstoffe vorhanden sind. Sonst ist die Anleitung übersichtlich, knapp aber treffend formuliert. Die auf der Schachtel angegebene Spieldauer von 90-120 Minuten trifft zu. Die Altersempfehlung „ab 12 Jahre“ ist in Ordnung, aber nur dann, wenn das Kind in Brettspielen fit und stark an ihnen interessiert ist.
Wer die Schachtel öffnet, entdeckt ein schön illustriertes Spielbrett mit passenden Pappplättchen. Die Materialien werden durch farbige Holzspielsteine dargestellt. Anspielungen auf den Roman findet man durch Zitate, Illustrationen und natürlich dem Mittelalterthema. Somit sind Vorkenntnisse nicht nötig und es bringt auch keine Vorteile, die Brettspielumsetzung des ersten Romans zu kennen, da es eigenständige Spiele mit verschiedenen Abläufen sind.
Eckdaten
Spieldauer: 90-120
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12
Spieleranzahl: 2 bis 4
Fazit
„Die Tore der Welt“ ist abwechslungsreich, spannend und bietet eine gelungene Mischung aus Glück und Strategie. Vom Anspruch her ist es ein guter Kompromiss für Gelegenheitsspieler und Vielspieler.
Anmerkung
Diesen Text habe ich auf anderen Plattformen bereits in ähnlicher Form veröffentlicht.
edit: Juli 2014
Vielen Dank an Thorsten, der mir das mit den Rohstoffsymbole erklärt hat. weiterlesen schließen
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