Pro:
Johnny Depp, Tim Burton, Thema
Kontra:
nicht der beste Film von Johnny Depp/Tim Burton, Preis
Empfehlung:
Ja
Die Story:
Avon-Beraterin Peg ist sehr überrascht, als sie eines Tages dem düsteren Schloss über ihrem amerikanischen knallbunten Heimatort und dort einen jungen Mann antrifft: Edward. Doch Edward ist kein normaler Junge, statt Händen hat er riesige Scheren, denn sein "Vater" hat ihn gebaut, doch bevor er ihm Hände anpassen konnte, starb er.
Peg nimmt Edward mit nach Hause. Die neugierigen Nachbarn schließen ihn schnell ins Herz, denn er ist ein Könner mit seinen Scheren: Erst schert er Hecken, dann Hunde und schließlich entdeckt die Stadt sein Talent als Frisör.
Doch als auch Pegs Tochter Kim sich zu Edward immer mehr hingezogen fühlt und ihr Freund eifersüchtig wird und gegen Edward intrigiert, wendet sich die Stimmung gegen Edward. Immer mehr Nachbarn haben Angst vor seinen gefährlichen Scheren. Und so dauert es nicht lange, bis der Mob Edward auf Leben und Tod jagt ...
"Edward mit den Scherenhänden" war der erste Kinofilm des damaligen Teenie-Fernsehstars Johnny Depp und seine erste von vielen gemeinsamen Projekten mit Tim Burton. Die beiden Namen sollten ausreichen, um einigen von denen, die diesen Film noch nicht kennen, Lust darauf zu machen.
Allerdings muss ich dabei kleine Einschränkungen machen: Als ich "Edward mit den Scherenhänden" zum ersten Mal gesehen habe, war ich restlos begeistert. Inzwischen kenne ich aber viele weitere Tim Burton- und/oder Johnny Depp-Filme, darunter einige, die ich (noch) besser finde.
Ich finde, dass Tim Burton in "Edward mit den Scherenhänden" seine Fantasiewelt und ihre Integration in den amerikanischen Alltag noch nicht vollständig gelungen ist (wie beispielsweise in "Big Fish"), der Film spielt nach meinem Geschmack zu viel in einer ganz normalen Welt mit nur einer einzigen "märchenhaften" Figur (Edward). Dadurch kommt es, dass ich den Film stärker an der Realität messe als andere Tim Burton-Filme und mir somit bei jedem Ansehen wieder kleine Logikfehler bzw. mangelnde Motivation der Ereignisse auffallen. So finde ich immer, dass die Verfolgungsjagd auf Edward am Ende zu wenig motiviert ist - schließlich haben die Menschen, die Edward da verfolgen, ihn kurz zuvor noch gemocht! Außerdem scheint es mir immer, dass Kim das Missverständnis leicht aufklären könnte.
Dennoch macht dieser Film fraglos großen Spaß!
Die wichtigsten Darsteller:
Zu Johnny Depp muss ich nicht viel schreiben - derzeit ist er in "Fluch der Karibik 2" im Kino zu sehen, und auch ansonsten gibt es wohl keinen Johnny Depp-Film, der nicht sehenswert wäre.
Ansonsten gefallen mir in "Edward mit den Scherenhänden" vor allem Winona Ryder als Kim - ihre vielleicht beste Rolle -, Dianne Wiest als Peg - eine echte Entdeckung! - und Hollywoodgröße Vincent Price in der kleinen Rolle als Edwards Erfinder.
Vom Team ist außer Regisseur Tim Burton vor allem sein "Haus- und Hofkomponist" Danny Elfman zu nennen, der zu vielen Tim Burton-Filmen die Musik beigesteuert hat und auch hier wieder sehr subtil die Handlung unterstreicht und Akzente setzt, ohne die der Film vielleicht gar nicht so genial wirken würde.
Der Film ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben, was mir deutlich zu niedrig angesetzt scheint. Eine Altersfreigabe ab 12 Jahren wäre einigen unheimlichen und grausamen Sequenzen des Films und dem vergleichsweise komplexen Thema angemessener.
Die DVD-Ausstattung:
Die DVD bietet den Film im englischen Original oder mit deutschem Synchronton, gleiches gibt es auch an Untertiteln.
Unter "Sonderausstattung" finden sich die Extras, nämlich:
"Audiokommentar":
Es stehen zwei verschiedene Audiokommentare zur Auswahl, einer von Tim Burton, einer von Danny Elfman (dem Komponisten).
Ich besaß zunächst DVDs von Tim Burtons späteren Filmen und war immer sehr enttäuscht, dass dort, wenn es überhaupt Audiokommentare gab, diese nie von Tim Burton gesprochen wurden, denn ich stellte mir immer vor, dass ein Mann wie er wunderbare Kommentare sprechen können müsste. Seit ich einige DVDs mit Audiokommentaren von ihm besitze (frühere Filme), ist mir klar, warum er so selten Kommentare spricht. Der Hauptteil seines Kommentars besteht nämlich daraus, sämtliche am Film Beteiligten geradezu zu Tode zu loben.
Wobei man sagen muss: Der Kommentar zu diesem Film ist noch einer seiner besseren. Zwischen dem vielen Loben findet er hier nämlich tatsächlich noch Zeit, ein bisschen was über seine Gedanken zum Film zu sagen. Aber im Vergleich zu den Kommentaren einiger anderer Regisseure ist dieser hier einfach nicht anhörenswert.
Angenehm überrascht war ich dagegen vom Kommentar von Danny Elfman. Ich hatte mir relativ wenig davon erwartet. Der Komponist der Filmmusik soll was zum Film sagen? Was kann der schon zu sagen haben! Aber was er sagt, ist wirklich interessant, man lernt viel darüber, was die Filmmusik zu einem Film beiträgt. Dabei geht er auch auf dramaturgische Überlegungen zur Musik ein.
Interessant ist auch, dass er den Film nicht zuquatscht, sondern einen erstens immer die Musik, über die er sprechen will, auch ohne Unterbrechung anhören lässt (leider nur die Musik, die Dialoge werden ausgeblendet), und zweitens auch sonst nur etwas sagt, wo man dann auch wirklich das Gefühl hat, dass er dazu etwas zu sagen hat.
Aus diesem Grund empfehle ich allen, die sich einen Audiokommentar anhören wollen, lieber den von Danny Elfman zu nehmen.
"Featurette" (4'28):
Leider wirkt die Featurette eher wie ein verlängerter Trailer oder ein Werbefilm als wie eine Information über den Film. Man kriegt neben kurzen Aussagen von Tim Burton und verschiedenen beteiligten Schauspielern vor allem Ausschnitte aus dem Film zu sehen.
"Soundbites":
Hier bekommt man kurze Interviewfetzen mit Schauspielern und Crew zu sehen, die man einzeln nach den Interviewten aufrufen kann.
Enthalten sind Interviewfetzen mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne West, Tim Burton (Regisseur), Caroline Thompson (Drehbuchautorin), Alan Arkin, Vincent Price und Danny Elfman (Komponist).
Die Interviewfetzen sind leider zu knapp und unzusammenhängend, als das man sich ein richtig gutes Bild machen könnte. Es ist zwar beispielsweise interessant, Johnny Depp mal so jung und so bescheiden im Interview zu sehen, aber mehr als flüchtige Eindrücke vermittelt dieses Extra leider nicht.
"Trailer":
Zwei verschiedene amerikanische Kinotrailer zum Film sowie drei spanische TV-Trailer.
"Konzeptzeichnungen":
Hier findet sich eine Galerie mit gut 20 Zeichnungen von einigen der Figuren und Schauplätzen des Films. Da es sich ja um einen Spielfilm, keinen Trickfilm handelt, ist es mit Ausnahme der Zeichnungen von Edward teilweise schwer, die Skizzen überhaupt mit einer Figur in Übereinstimmung zu bringen, denn die Skizzen wirken eher wie Karikaturen.
Fazit:
Die DVD ist leider nicht so gut ausgestattet, wie es auf den ersten Blick scheint. Dazu kommt ein immer noch recht hoher Preis von knapp 15 Euro. Für Johnny Depp- und/oder Tim Burton-Fans lohnt sich der Kauf, für alle anderen ist Ausleihen eine günstige Alternative. weiterlesen schließen
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