Pro:
Vorteile: Gut umgesetzte Literaturverfilmung
Kontra:
Nachteile: keiner
Empfehlung:
Ja
Auch diese DVD "Die Blechtrommel" befindet sich doch schon einige Zeit, in der immer größer werden Sammlung. Damals, als ich noch die Schulbank drückte, wurde uns auferlegt den gleichnamigen Roman von Günter Grass zu lesen, was mir eigentlich doch etwas gegen den Strich ging, zumal mich eigentlich der ganze Nationalsozialismus und alles was dazugehört, damals regelrecht am Hut vorbeigegangen ist. Aber dennoch hab ich mich aufgerappelt und mich brav neben meinen Mann gesetzt, der die DVD startklar machte, sprich diese in das Abspielgerät beförderte. Die Story kannte ich ja schon, sodass ich eigentlich recht gut dem Film folgen konnte, der nun zu sehen war.
Und damit man diesem Film "Die Blechtrommel" folgen kann, ganz kurz eine kleine Einleitung. Dieser Film spielt in Danzig, einer Hafenstadt an der Ostsee, im heutigen Polen, das von 1919 - 1939 vom Völkerbund kontrolliertes eigenständiges Gebiet war, in welchem neben einer deutschen Bevölkerungsmehrheit eine polnische Minderheit ihr Dasein pflegte. Außerdem gab es in der Gegend eine weitere slawische Volksgruppe, die Kaschuben. Günter Grass erzählt in seinem Roman von diesem Nebeneinander, das kurze zeit später zu einem Gegeneinander wurde, da bereits im Deutschen Reich der Diktator Adolf Hitler herrschte, der auch in Danzig seine Anhänger und Gefolgsleute hatte, sodass mit dem Zweiten Weltkrieg von 1939, der in der Nähe von Danzig begann, diese Stadt seinem Herrschaftsgebiet vollständig eingegliedert wurde.
Wir schreiben das Jahr 1899, als die Bäuerin Anna Bronski (Tina Engel) auf einem Feld, an ihrem Kartoffelfeuer sitzt, wobei sie unter ihren vielen Röcken, dem Brandstifter Joseph Koljaiczek (Roland Teubner), ein flüchtiger Pole, Zuflucht gewährt. Zugetragen hat sich dies im Herzen der Kaschubei, woraufhin Anna, neun Monate später, Agnes auf die Welt bringt. Hinter Joseph ist noch immer die Polizei her, der jedoch irgendwann auf Nimmerwiedersehen in einem Fluss verschwindet, wobei man sich erzählt, dass er später in Chicago mit Feuerversicherungen ein Vermögen gemacht haben soll.
Agnes (Angela Winkler) heiratet nach dem Ersten Weltkrieg in Danzig den stupiden, deutschen Kolonialwarenhändler Alfred Matzerath (Mario Adorf), wobei sie auch weiterhin ein enges, inniges Verhältnis zu ihrem polnischen Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski) pflegt, sodass es nicht ganz sicher ist, wer nun der Vater ihres Sohnes Oskar (David Bennent) ist, der 1924, im Besitz all seiner geistigen Kräfte, das Licht der Welt erblickt.
Im Grunde möchte Oskar am liebsten zurück in den Mutterleib, sodass nur das Versprechen, dass er an seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel geschenkt bekommt, ihn umstimmen kann. Noch während der Geburtstagsfeier, seines dritten Geburtstags, als er die Blechtrommel um seinen Hals trägt, und die versteckten Tändeleien zwischen seiner Mutter und Jan sieht, steht für Oskar der Entschluss fest, nie der verrückten Welt der Erwachsenen beizutreten, woraufhin er sich die Kellertreppe hinunter stürzt, und daraufhin seine Wirbelsäule so verletzt wird, dass er nicht mehr weiter wachsen wird. Oskar sieht man nur mit der Blechtrommel um dem Hals, sprich er trommelt von früh bis spät, sodass, als man einmal versucht, ihm seine geliebte Trommel wegzunehmen, er einen durchdringende Schrei ausstößt, woraufhin das Glas zu Bruch geht, sprich er zum Zerspringen bringen kann.
Ein Zirkus gastiert zurzeit im Ort, sodass Oskar Bekanntschaft mit dem Liliputaner Bebra (Fritz Hakl), einem Zirkusartisten macht, der ihm zu dieser seltenen Fähigkeit gratuliert. Misstrauisch beobachtet Oskar in seiner Nachbarschaft, dass immer mehr zu den Faschisten überlaufen, woraufhin er bei einer Großkundgebung auf der Danziger Maiwiese sich unter die Tribüne setzt, und mit seiner Trommel so lange einen Dreivierteltakt gegen die Marschmusik schlägt, bis die ganze Versammlung sich im Walzertakt wiegt und zu tanzen anfängt. Und da es noch dazu zu regnen anfängt, kann man Sprichwörtlich sagen, dass die ganze Versammlung ins Wasser gefallen ist, zumal alle Anwesenden Fluchtartig das Weite suchen. Alfred Matzerath hat auch schon die Nazi-Uniform im Schrank, während Jan Bronski weiterhin in der polnischen Post arbeitet.
Agnes, die sich jeden Donnerstag mit Jan, ihrem Vetter, in einer Pension zu Liebesspielen trifft, gibt für diese Zeit ihren Sohn in die Aufsicht des Spielzeugwarenhändler Sigismund Markus (Charles Aznavour), woraufhin Oskar ihm entwischt und auf einen Kirchturm steigt, wo er mit seiner Stimmkraft die Fenster zum Platzen bringt. Unerwartet wird Agnes wieder schwanger, wobei sie diesmal fest entschlossen ist, das Kind nicht zu bekommen. Bei einem Ausflug ans Meer stößt die Familie auf einem Fischer, der aus einem Pferdekopfkadaver lebend frische Aale herauszieht, woraufhin Agnes so schlecht wird, dass sie sich in den folgenden Tagen und Wochen nur so mit Fisch vollstopft, dass sie an einer Fischvergiftung stirbt.
Gleich zu Beginn des Krieges verliert Oskar nicht nur seine Mutter, sondern auch den jüdischen Spielzeugwarenhändler Sigismund Markus, sein immerwährender Trommellieferant, und Freund seiner Mutter, der Selbstmord begeht, aus Angst vor den Nazis. Am 1. September 1939 versuchen die Polen verzweifelt, ihr eigenes Postamt gegen den deutschen Sturmangriff zu verteidigen, jedoch vergeblich, woraufhin Jan, zusammen mit den anderen, erschossen wird. Alfred Matzerath bringt ein neues Dienstmädchen ins Haus, das Maria (Katharina Thalbach) heißt, und gerade mal sechzehn Jahre alt ist, genauso alt wie Oskar. Maria wird Oskars erste große Liebe, wobei er ihr sein erstes sexuelles Erlebnis verdankt, jedoch auch Matzerath sich an ihr vergreift, woraufhin sie schwanger wird, und Alfred heiratet, obwohl auch Oskar der Vater von dem kleinen Kurt sein könnte, zumal Oskar in der entscheidenden Sekunde auf den Rücken seines Vaters gesprungen ist, sodass er die empörte Maria nicht rechtzeitig verlassen konnte.
Der kleinwüchsige Oskar trifft seinen Freund Bebra wieder, woraufhin er sich als Clown dieser Liliputanergruppe anschließt und mit ihnen durch die Weltgeschichte reist, wo sie bei deutschen Soldaten in Paris gastieren, wobei er zu dieser Zeit bereits Hals über Kopf in die Liliputanerin Roswitha (Mariella Oliveri) verliebt ist. Nach schönen, gemeinsamen Tagen in der Normandie tritt diese kleine Gruppe in einem Schloss auf, woraufhin sie am nächsten Morgen unsanft von Amerikanern aus dem Schlaf gerissen werden. Oskar und Bebra gelingt die Flucht, jedoch Roswitha kommt in einem Granateneinschlag ums Leben.
Oskar kehrt allein zum Kriegsende ins zerstörte Danzig zurück, als Danzig von der Roten Armee eingenommen wird, drückt Oskar seinem Vater sein Nazi Parteizeichen in die Hand, der es aus Angst verschluckt und dran fast erstickt wäre, wenn die sowjetischen Soldaten sein Fuchteln mit den Händen nicht missverstanden und ihn erschossen hätten. Im Grunde ist ihm damit eins erspart geblieben, dass er wenigstens das nicht miterleben muss, wie ein fremder Mann, ein Pole, namens Fajngold (Wojciech Pszoniak), seinen Kolonialwarenladen übernimmt. Bei der Beerdigung dann, wirft Oskar zuerst seine Blechtrommel auf den Sarg, woraufhin er von Kurt einen Stein an den Kopf geschleudert bekommt, sodass Oskar kopfüber in die Grube fällt. Schugger-Leo (Marek Walczewski), der als lebendes Inventar des Friedhofs gilt, ist fest davon überzeugt, dass Oskar von nun an wieder wächst. Oskar, Maria und Kurt klettern daraufhin in einen Flüchtlingszug, der sie in den Westen bringt, wobei nur Großmutter Anna Koljaiczek (Berta Drews) in ihrer Heimat bleibt, zumal sie sagt: "Denn mit de Kaschuben kann man keine nich Umzüge machen, die missen immer dableiben und Koppchen hinhalten, damit die anderen drauftäppern können, weil unsereins nich richtich polnisch is und nich richtich deitsch jenug. Und die müssen immer alles jenau haben".
Nun zur eigenen Meinung
Hier mit der Flucht 1945 hört der Film von Volker Schlöndorffs auf, wobei im Unterschied zum gleichnamigen Roman, Oskar ein Krüppel bleibt, nach Düsseldorf geht, woraufhin er letztendlich in eine Irrenanstalt eingeliefert wird, wo er dann seine Biographie zu Papier bringt. Aber ich finde, dass dies dem Film keinen Abbruch tut, zumal diese Geschichte chronologisch erzählt wird und mit der Flucht endet.
Okay, wenn ich nochmals zum Schluss des Filmes komme, so muss ich doch sagen, dass es so, wie es nun mal ist, die Geschichte eine sinnvolle Abrundung bekommen hat, da Oskar beinahe seine ganze Familie verlor, außer seiner Großmutter, die in ihrer Heimat geblieben ist. Wenn man den Film des öfteren gesehen hat, so fällt einem auf, dass dieser in einzelne Erzähl-Blöcke unterteilt ist, die jedoch wiederum locker miteinander verbunden sind. Da ist zunächst die "intime" Agnes-Geschichte, darauf gleich im Anschluss die Anfangszeiten des Krieges gezeigt werden, wie der Brand der Synagogen und der Sturm auf die Polnische Post, woraufhin es wieder friedlicher zugeht, als Oskar der "Lehrling" von Maria ist. Und als sich Oskar diesem Fronttheater anschließt, fällt einem eigentlich nur das auf, dass er jetzt auf eigenen Füßen steht, trotz seines Zwerggenwachstums. Dabei bleibt Oskar ein passiver Held, der zum scharfen Beobachter seiner Umwelt und deren politischer Veränderung wird, wobei er in der Zeit des heraufziehenden Nationalsozialismus gegen den gottlosen Übermut dieser Weltauffassung und ihrer Anhänger trommelt. Eher rührend als boshaft wird Oskar vom kleinwüchsigen David Bennent gespielt, dem damals zwölfjährigen Sohn des Schauspielers Heinz Bennent, der nicht mit bösen Blicken in die Welt schaut, wobei dessen anfängliche Ablehnung weiter zu wachsen gehindert wird, indem er sich absichtlich die Kellertreppe hinunterstürzt, sowie seine ersten "Anfälle" auch eine parabolische Äußerung darstellt: Er verweigert sich dieser Welt, und er will zum einen nicht an der, auf Vorteil bedachten Kleinbürgerwelt der Erwachsenen teilnehmen, wobei er diese beobachtet, sie verachtet, und sich seine kindlichen Nischen sucht. Kurz gesagt, diese Äußerungen, des Aufbegehrens rühren offensichtlich daher, dass Oskar auf seine Mutter, die ein Verhältnis zu ihrem Vetter Jan gehabt hat, eifersüchtig ist. Literaturgeschichtlich gesehen, ist Oskar ein Schelm, ein Lausbub, wobei aus diesem im Film daraus eine halb eigentümliche, halb mitleiderregende Figur wird, die das teils nichtssagend, teils absurd, teil abartig Geschehen aus großen Kinderaugen mit verfolgt.
Eine recht gruselige Szenen, zumindest so empfand ich diese, war die, als sich aus einem Pferdekopfkadaver Aale herauswanden. Und auch sonst waren doch recht aufsehenerregende Filmszenen zu sehen, wie, die Liebesgier zwischen Agnes und Jan, und, das letzte Kartenspiel in der brennenden Polnischen Post, wobei sich beide mal der Erzählfluss verlangsamt und man somit voll und ganz dem schauspielerischem Können der Hauptdarsteller folgen kann.
Auch die anderen Hauptrollen waren optimal besetzt: Die Großmutter mit Berta Drews, Witwe des 1945 tragisch umgekommenen großen deutschen Schauspielers Heinrich George und Mutter des heute in Deutschland überaus begehrten und bekannten Götz George. Angela Winkler, die die Agnes Matzerath spielt, wobei ich nur eine Szene herausstellen möchte, was schon einer Art "Todesbegehren" gleichkommt, als sie sich verzweifelt Fische in den Mund stopft. In die Rolle des Alfred Matzerath schlüpft der Deutsch-Italiener Mario Adorf und Jan Bronski spielt der Pole Daniel Olbrychski, der Star vieler Andrzej-Wajda-Filme ist. Den jüdischen Spielzeughändler Sigismund Markus spielt der Franzose Charles Aznavour, wobei Maria, das Dienstmädchen zwischen erwachsener Frau und kleinem Mädchen schwankt, das Katharina Thalbach hervorragend verkörpert.
Hervorragende Besetzung und hervorragender Film "Die Blechtrommel" der ich gerne die volle Bewertung gebe und sie für sehr sehenswert einstufe.
Nun die Daten zur DVD "Die Blechtrommel"
Darsteller: David Bennent, Angela Winkler, Mario Adorf
Regisseur(e): Volker Schlöndorff
Komponist: Maurice Jarre
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (Mono)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Kinowelt GmbH
Erscheinungstermin: 20. November 2001
Produktionsjahr: 1980
Spieldauer: 136 Minuten
Extras:
Audiokommentar des Regisseurs
Fotogalerie
Fazit: Nur die ersten 2 Teile vom Roman sind verfilmt worden weiterlesen schließen
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