Pro:
Der Film wird mit zunehmender Laufzeit spannender
Kontra:
blasse Hauptfigur, einige Ungereimtheiten, nichts wirklich Neues
Empfehlung:
Ja
Kinderhorror hat eigentlich gar nichts mit Tierhorror zu tun. Tiere kann eh keiner leiden, insbesondere wenn sie hässlich sind und überall rumkrabbeln. Gut, hässliche Kinder kann auch keiner leiden, aber es war doch immer etwas „besonderes“, wenn Kinder vor laufender Kamera abgeschlachtet, gequält oder vergewaltigt werden. Die meisten Vertreter sind (zu Recht) auf dem Index, aber spätestens seit Scary Movie und Postal wissen wir, dass auch Kinder nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst werden (müssen). Gott sei dank, die Super-Nanny ging mir eh die ganze Zeit schon auf die Eier.
Story
Elaine will mit ihrer fünfköpfigen Familie und Schwester Chloe in einem abgelegenen Landhaus Silvester feiern. Es herrscht gute Stimmung, obwohl Paulie, der jüngste im Kreis sich scheinbar eine Infektion eingefangen hat. Die gute Laune findet jedoch ein jähes Ende, als beim Schlittenfahren ein schlimmer Unfall passiert, bei dem ein Familienmitglied stirbt. Die Unfälle häufen sich und langsam aber sicher wird klar, dass dahinter gewollte Absicht steckt und zwar seitens der Kinder.
Kritik
Der Beginn verläuft noch ziemlich schleppend, aber ab der 30. Minute werden die Kinder aggressiver und es wird zunehmend spannender. Der Wandel gelingt vom fröhlichen Familien- zum Terrorfilm. Als sich die Situation zuspitzt, sammeln sowohl Kinder als auch Eltern Minuspunkte beim Zuschauer. Die Kinder sind scheinbar verrückt und entwickeln sich plötzlich zu hochintelligenten und systematisch agierenden Killern. Die Eltern begreifen die Situation nicht und beschützen ihre Kinder, da sie versuchen eine andere Ursache dafür ausfindig zu machen, oder besser gesagt, sieht man sie in diesen Situationen blind handeln, weil sie überfordert sind. Wohl auch aus dem Glauben heraus, dass kein Kind von einer Sekunde auf die Andere, ohne ersichtlichen Grund, so böse werden kann, wie es uns im Film gezeigt wird. Einzig Casey, kein Kind mehr, aber frisch in der Pubertät angelangt, begreift die Lage schnell und scheut sich nicht die kleinen Quälgeister mit allen Mitteln zu bekämpfen.
Der Wandel der Kinder ereignet sich plötzlich, der wahre Grund bleibt ungeklärt. Genau hier entstehen aber auch Ansätze für erste zarte Hinterfragungen: wie ist es möglich, dass Kinder ihr Eltern/Verwandten, durch teilweise dumme Unfälle umbringen können und auf der anderen Seite sich die Erziehenden in unnötig gefährliche Situationen bringen. Diese Fragestellungen ergeben sich zwar nur zu Beginn des Zweikampfes zwischen Groß und Klein, da im späteren Verlauf die mordenden Absichten deutlicher werden, trotzdem ist das herbeiführen der Situationen und die vermeintliche Überlegenheit der Kinder, die in ihrem Alter noch nicht einmal addieren von onanieren unterscheiden dürften, weit hergeholt. Im Grunde erzählt uns The Children hanebüchenen Mumpitz, der es sich dann auch noch erdreistet sozialkritische Fragen zu stellen, aber genau das funktioniert. Es wird eine Frage gestellt, die man einem ähnlichen Vertreter aus dem Titel klauen kann: Ein Kind zu Töten, bei The Children geht es noch einen Schritt weiter, da es sich um die eigenen Kinder handelt. Trotzdem bleibt es dabei, dass hier nur an der Oberfläche gekratzt wird.
Der (kinderlose) Zuschauer entwickelt schnell ein Unverständnis dafür, wieso die Eltern stets auf der Seite der Kinder sind, obwohl diese sich offensichtlich zu kleinen Satansbraten entwickelt haben. Insbesondere junge Paare, die an Nachwuchs denken, haben hier aber eine anschließende Gesprächsgrundlage. Auch wenn das Thema selbst nicht neu ist, von Eltern die ihre eigenen Kinder beschützen, trotz der bösen Absichten der Sprösslinge, ist es stets aktuell. Eden Lake war der letzte bekannte und von mir gesehene Genre-Vertreter, der dieses Thema aufgegriffen hat und den Zuschauer dabei mit mehr Unverständnis zurückließ als es The Children tut. Allein die Gewalt, die im Schlussdrittel den Kindern angetan wird, ist aufgrund der vorangegangenen Verhaltensweisen der Blagen nachvollziehbar und wirkt nicht so schockierend.
Paulie ist zuerst von einem mysteriösen Virus betroffen, der sich in Windeseile auf die anderen Kinder überträgt. Regisseur Tom Shankland umgeht es gekonnt, einen Erklärungsversuch aus dem Hut zu zaubern, mit dem er sich nur noch mehr in unnötige Erklärungsversuche verstricken würde. Das Ende ist offen und gibt einen möglichen Aufschluss darüber, auf welche Personengruppen sich die Krankheit überträgt, aber das ist so zweideutig, dass nur eine Fortsetzung diese Hypothese bekräftigen könnte. Die vom Virus befallen Kinder wirken optisch eher wie die 68’er Zombies von Romero.
Die Charaktere der Eltern sind allesamt unterschiedlich, bedienen aber trotzdem noch das stereotypische Raster. Da ist der Vater dem manchmal auch die and ausrutscht und im Gegensatz dazu der verständnisvolle, der gern die Zügel locker hält. Die weibliche Garde ist da ähnlich strukturiert, auch wenn die Mütter eine stärkere Bindung zu ihren Kindern aufweisen, so begreift zumindest eine die Situation ziemlich schnell, auch wenn sie trotzdem noch total überfordert zu sein scheint. Casey, die älteste Tochter, eine optische Samenanlaufstelle mit Minirock und halterlosen Strümpfen (trotz scheinbarer Minusgrade draußen), die zu Beginn noch am aufsässigsten wirkt, aber (was dem aufmerksamen Zuschauer früh bewusst wird) sich schnell zu derjenigen mit dem klarsten Verstand herauskristallisiert. Insbesondere die Rolle der Casey hätte mehr Tiefgang verdient, da sie sich schnell als eigentliche Identifikationsfigur herausstellt, aber den kompletten Film über ziemlich blass wirkt. Die Kinder sind keine Totalausfälle, insbesondere die Masken tragen ihren Teil dazu bei, dass man bei den Kindern den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen kann.
Es ergeben sich während des Sehens zahlreiche Fragen, man munkelt, dass es sich dabei um Logiklöcher handeln könnte. Wie kommt Caseys Freundin problemlos in die winterliche Pampa, wenn die Cops aufgrund der Schlechtwettersituation keine Möglichkeit auf ein Durchkommen haben. Zumal es zu keinem Zeitpunkt schneit oder regnet. Und wieso verhalten sich die Erwachsenen so töffelig, die Kinder hingegen wie alteingesessene Profikiller? Sicherlich werden mehrere Fragen bereits während des Films gelöst, trotzdem bleibt (zu) vieles unklar.
Die Handlung findet ausschließlich in einer abgelegenen Ski-Hütte, inklusive angrenzendem Wald statt. Wenn es sich nun um die X-te Fortsetzung von Twilight oder So finster die Nacht handeln würde, wäre die winterliche Location gut, hier erweist sie sich als Atmosphäre-Killer. Der Schnee scheint keine wirkliche Gefahr zu sein (außer für die Cops), das Haus wirkt zu belanglos, die Tatsache, dass sich die ganzen Ereignisse bei Tageslicht ereignen ist da noch nicht einmal so schlimm. Trotzdem bleibt eine austauschbare Location über, die sich immerhin in einer landschaftlich wunderbaren Gegend befindet.
Die richtigen Schnitte und Kameraeinstellungen sorgen dafür, dass der Splatter eine Prise deftiger wirkt, als er eigentlich ist. Vieles geschieht im Off, beziehungsweise ist es oft so, dass man nur ganz kurze blutige Einblendungen sieht, diese aber eine große Wirkung zeigen. Die Tatsache, dass hier ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Eltern und Kindern stattfindet, lässt dabei das so oft angepriesene unangenehme Gefühl in der Magengegend zurück.
DVD
Seit dem 12.11.2009 ist The Children im Verleih erhältlich. Die Kaufversion gibt es ab dem 10.12.2009. Extras gibt es leider keine, bis auf die handelsüblichen Trailer. Wer Extras will sollte auf die Special Edition warten. An Bild- und Tonqualität gibt es nichts zu beanstanden. Ton sowie Untertitel gibt es in Deutsch und Englisch.
Fazit
The Children ist eine Verschlimmbesserung von Eden Lake und Ein Kind zu Töten. Wer diese beiden Filme kennt, wird mit The Children keinesfalls gedanklich überfordert sein, eher ein weit hergeholtes und oft zitiertes Thema abermals in Erinnerung rufen können. Regisseur Tom Shankland hat es sich nicht sonderlich schwer gemacht, trotzdem ist unterhaltsame Horror-Kost dabei herausgekommen, die insbesondere in der zweiten Hälfte zu überzeugen weiß.
Filminfos
Titel: The Children
Herstellungsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe
Regie: Tom Shankland
Drehbuch: Tom Shankland, Paul Andrew Williams
Darsteller: Eva Birthistle, Raffiella Brooks, Stephen Campbell Moore, Jake Hathaway, William Howes, Eva Sayer, Jeremy Sheffield, Rachel Shelley, Hannah Tointon weiterlesen schließen
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