Pro:
Unterhaltung, gute Grundidee
Kontra:
abgeflachte Story, schwache Charaktere, keine fesselnde Geschichte
Empfehlung:
Nein
Da meine Schreibwut noch ein wenig anhält, kommt heute ein neuer Bericht von mir. Auch diesmal handelt es sich um einen Buch-Bericht.
Ich habe es von meiner Kollegin zum Geburtstag bekommen und nachdem ich letzte Woche ein wenig Ruhe hatte auch gleich angefangen, zu lesen. Hier folgt also nun meine Einschätzung von
Michael Robotham's „Dein Wille geschehe“.
*** Das Buch ***
Wie schon erwähnt, habe ich das Buch zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen. Mit seinen 568 Seiten weist das Buch eine enorme Dicke auf und verspricht ein langes Lesevergnügen.
Erschienen ist das gebundene Buch im Goldman-Verlag und wurde 2008 unter dem Originaltitel „Shatter“ von Michael Robotham veröffentlicht.
Mein Bericht basiert auf der 1. Auflage der Originalausgabe von 2008. Es hat einen Einband, den ich im Folgenden beschreiben werde, das Buch selbst ist schlicht in schwarz gehalten.
*** Das Cover ***
Das Buch hat als Grundfarbe weiß. Darauf abgebildet ist in schwarzen und roten Tönen Geäst und ein Vogel.
Auf der oberen Hälfte des Covers zwischen dem Geäst befindlich ist der Name des Autors (Michael Robotham – rote Schrift) und der Titel („Dein Wille geschehe“ - schwarze Schrift). Unmittelbar darunter befindet sich noch die Genre-Bezeichnung „Psychothriller“, ebenfalls in rot gehalten.
Am unteren Ende ist noch das Logo des Verlages (rotes Rechteck mit weißem „Goldman“-Schriftzug) zu finden.
Schrift und Motiv lassen sich erfühlen. Sie sind zwar nicht direkt reliefartig, aber scheinen als eine feine, glatte und glänzende Schicht auf das Papier gedruckt worden zu sein.
*** Die Rückseite ***
Die Rückseite weist eine Fortsetzung des Cover-Motives auf. Oben befindlich wieder das schwarze Geäst, darunter das schwarze, blutrot übermalte Geäst.
Genau dazwischen befindet sich folgender Text:
Dein Wille Geschehe – mein Tod komme (in schwarz)
Ein neuer packender Fall für den Psychologen Joe O'Loughlin und Inspektor Vincent Ruiz (in rot)
Unter dem schwarz-roten Geäst ist folgender Rückklappentext zu lesen:
„Es gibt einen Moment, in dem alle Hoffnung vergeht, aller Stolz schwindet, alle Erwartung, aller Glaube, alles Sehnen. Dieser Moment gehört mir. Dann höre ich den Klang einer zerbrechenden Seele.
Es ist kein lautes Knacken wie von splitternden Knochen, wenn ein Rückgrat bricht oder ein Schädel birst. Auch nicht weich oder feucht wie ein gebrochenes Herz. Es ist ein Klang, bei dem man sich fragt, wie viel Schmerz ein Mensch ertragen kann; ein Laut, der das Gedächtnis zerschmettert und die Vergangenheit in die Gegenwart sickern lässt; ein Ton, so hoch, dass nur die Hunde der Hölle ihn hören können.“
Unmittelbar darunter befindet sich – wieder in rot gehalten – die Aussage:
„Thrill pur!“ von Tobias Gohlis, DIE ZEIT
Auch hier ist das Logo des Verlages am unteren Ende des Einbandes zu finden.
*** Die Geschichte ***
Er ist Psychologe. Er kennt die Menschen. Er weiß, was sie wollen, was sie denken, was sie fühlen. Und doch....
Joe O'Loughlin wollte sich und seiner Krankheit, die er stets nur „Mr. Parkinson“ nennt, ein ruhigeres Leben gönnen. Er ist mit seiner Frau und seinen zwei Kindern von der großen Stadt an der Themse auf das Land gezogen.
Seine Praxis hat er aufgegeben, stattdessen ist er jetzt Dozent an der Universität in Bristol. Es ist seine erste Vorlesung. Draußen schüttet es wie aus Eimern, die Nachrichten berichten von anschwellenden und Ufer übertretenden Flüssen, Regen und noch mehr Regen.
Es ist Herbst.
Nach seiner Vorlesung wird Joe von seinem alten Freund Bruno Kaufman vom Hörsaal zum Psychologischen Institut begleitet. Durch den strömenden Regen.
Vor dem Institut steht ein Polizei-Auto. Ein Constable tritt auf Bruno zu und bittet ihn zu einem Notfall auf der Clifton Bridge. Bruno aber hat keine Lust und schickt Joe mit dem Polizisten mit.
Auf der Brücke steht eine nackte Frau. Rote High Heels an den Füßen, den Schriftzug „Hure“ auf ihrem Bauch und ein Handy am Ohr.
Der Psychologe spricht die Frau an, doch sie ignoriert ihn völlig. Er beobachtet sie, nimmt Dinge wahr und erkennt:
Sie ist vollkommen isoliert. Ihre Aufmerksamkeit gilt allein der Person am anderen Ende der Telefonschnur. Noch bevor er eine Strategie entwickeln kann, ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, springt die junge Frau in den reißenden Fluss.
Selbstmord! Klare Sache für die Polizei. Und doch.... Joe hat das Gefühl, dass die Person am Telefon da ein Wörtchen mitzureden hatte.
Und so geraten die Dinge ins Rollen...
*** Leseprobe ***
„Mein Handy war abgeschaltet. Auf der Mailbox sind drei Nachrichten von Julianne. Ihr Zug aus London ist vor mehr als einer Stunde angekommen. Ihre Stimme wechselt von Nachricht zu Nachricht von verärgert über besorgt zu hektisch.
Ich habe sie seit drei Tagen nicht gesehen. Sie war mit ihrem Boss, einem amerikanischen Spekulanten, auf Geschäftsreise in Rom. Meine großartige Frau spricht nämlich vier Sprachen und macht gerade Karriere in der Finanzwelt.
Sie sitzt auf ihrem Koffer und arbeitet an ihrem PDA, als ich in der Kurzparkerzone am Bahnhof halte.
„Kann ich Sie vielleicht mitnehmen?“, frage ich..
„Ich warte auf meinen Mann“, antwortet sie. „Er hätte schon vor einer Stunde hier sein sollen, ist aber nicht gekommen. Hat nicht angerufen. Jetzt kommt er auch nicht mehr, wenn er nicht eine sehr gute Erklärung vorbringen kann.“
„Tut mir leid.“
„Das ist eine Entschuldigung, keine Erklärung.“
„Ich hätte anrufen sollen.“
„Das ist die Feststellung des Offensichtlichen, aber immer noch keine Erklärung.“
„Wie wär's, wenn ich dir eine Erklärung, eine unterwürfige Entschuldigung und eine Fußmassage anbiete?“
„Du massierst mir die Füße nur, wenn du Sex willst.“
[...]“
(Seite 30 f.)
„Ich streiche über die aufgeschlagenen Seiten des Schuljahrbuchs. Freundinnen stehen hinter und neben ihr. Einige haben sich seit 1988 überhaupt nicht verändert. Andere sind fett geworden und haben ihre Haare gefärbt. Und nur ein oder zwei sind aufgeblüht wie späte Rosen inmitten von Unkraut.
Überraschend viele sind in der Gegend geblieben. Haben geheiratet. Kinder bekommen. Sich scheiden lassen. Leben getrennt. Eine ist an Brustkrebs gestorben. Eine lebt in Neuseeland. Zwei wohnen zusammen.
[...]
Eine hübsche Plastikfrau liest die Nachrichten vor, den Blick leicht nach links gerichtet, wo wahrscheinlich der Teleprompter steht. Sie gibt an einen Reporter ab, der in eine Kamera spricht, weise nickend und mit der ganzen Aufrichtigkeit eines Arztes, der hinter seinem Rücken eine Spritze verbirgt.
Dann wird in einen Konferenzsaal umgeschaltet. Die Bullenlesbe und der Seelenklempner sitzen nebeneinander wie Laurel und Hardy.
Sie reden mit Reportern. Die meisten Fragen werden von einem leitenden Polizebeamten beantwortet, der wegen irgendwas schwer verkniffen ist. Ich drehe den Ton lauter.
„... dass wir es mit einem perversen Feigling zu tun haben, der sich schwache, verletzliche Opfer aussucht, weil er keine Frau kriegen oder festhalten kann oder als Kind nicht lange genug gestillt wurde. (...)“
Ich kann durch Wände gehen.
Ich kann die Köpfe der Menschen öffnen.
Ich kann hören, wie Stifte einrasten und Zylinder sich drehen.
Klick... Klick... Klick...“
(Seite 307 f.)
*** Charaktere ***
Hauptcharaktere sind, wie ihr euch bestimmt schon denken könnt, zum Einen unser Professer der Psychologie und zum Anderen unser Täter.
Joe
Der Psychologe scheint mit seinem Schicksal zu hadern. Mr. Parkinson macht ihm das Leben schwer und er wirkt, als wolle er dies stets als Ausrede für sein Verhalten nutzen. Seine Gedanken drehen sich immer und immer wieder um seine Krankheit, stets erzählt er davon. Mal in einem Nebensatz, mal in Form einer Erinnerung, mal als Geschichte.
Er liebt seine Kinder und verehrt seine Frau. Aber Mr. Parkinson trübt seinen Blick.
Fachlich kompetent tritt er in allen Belangen seines „Polizei-Jobs“ auf, was sein Privatleben angeht wirkt er eher unorganisiert und unsicher.
Täter
Der Täter weist parallelen zum Psychologen auf. Auch er scheint durch und durch ein „Mann seines Faches“ zu sein. Nur im persönlichen Bereich wirkt er inkompetent.
Sein ganzes Denken wirkt klar strukturiert, ist aber durchzogen mit einem enormen Hass.
In den „Nebenrollen“ sind viele unterschiedliche Charaktere zu finden. Besonders häufig treten dabei auf:
Julienne, Darcy, Vincent Ruiz, DI Cray
Julienne
Sie ist eine Karrierefrau. Leidet aber unter den Kompromissen, die sie dafür eingehen muss. Ihrem Mann gegenüber wirkt sie strikt, stur und auch ein bisschen kalt.
Darcy
Darcy ist die Tochter des ersten Opfers, der jungen Frau, die von der Clifton Bridge stürzt. Sie ist es auch, die auf Grund ihrer Unnachgiebigkeit dafür sorgt, dass Joe diesem Fall von „Selbstmord“ nachgeht und ihn etwas näher beleuchtet.
Darcy scheint ein fröhliches und zielstrebiges Mädchen zu sein. Ein bisschen frühreif und ihrer Reize durchaus bewusst.
Vincent Ruiz
Er ist ein pensionierter Inspektor und ein guter Freund Joe's. Er unterstützt den Psychologen in seinen Ermittlungen durch sein Wissen und seine Verbindungen, um des Rätsels Lösung aufzudecken. Er wirkt wie ein gewaltiger Koloss, der besser nicht zu reizen ist.
DI Cray
Die lesbische Detective Inspector Veronica Cray wirkt unerschütterlich, wie ein Fels in der Brandung. Ihre Mitarbeiter und Untergebenen begegnen ihr stets respektvoll.
Sie ist auch die leitende Ermittlerin in den unerklärlichen Selbstmord-Fällen, die sich in ihrem Bezirk ereignen.
*** Aufbau ***
Das Buch ist in 70 Kapitel aufgeteilt, anschließend folgt noch ein Epilog, sodass das Buch in 71 Teile untergliedert ist.
Das Buch weist zwei Erzähl-Perspektiven auf:
Hauptsächlich wird es aus der Sicht von Joe O'Loughlin, der den Fall stets mit seiner Meinung bedenkt und immer aus seiner Sicht heraus analysiert – typisch Psychologe eben.
Zusätzlich folgen allerdings auch Abschnitte, die aus der Perspektive des Täters geschrieben sind. Auch er erzählt aus der Ich-Perspektive und auch er interpretiert und analysiert Situationen und Menschen.
Seine Ansichten werden uns in kursiver Schrift nahe gebracht, damit wir als Leser ja nicht Psychologe mit Täter verwechseln können.
*** Meine Meinung ***
Dieses Buch ist auf jeden Fall dazu geeignet, seine Zeit zu vertreiben. Die Grundidee dieses Falles ist an und für sich auch nicht schlecht, allerdings zieht sich das ganze Buch beim Lesen sehr in die Länge.
Besonders die diversen Auseinandersetzungen zwischen Joe und Julienne wirken wie der Versuch, einen Schlagabtausch à la Gilmore Girls zu erreichen, scheitern dabei aber extrem. Sie wirken emotions- und lieblos. Wie zwei Menschen, die sich um den letzten Parkplatz vorm Kino kurz vor Filmbeginn streiten.
Man hat nicht den Eindruck, dass Joe und Julienne wirklich verheiratet sind, sie wirken eher wie zwei Menschen, die zufällig im gleichen Haus wohnen.
Die Ähnlichkeiten zwischen Joe und dem Täter sind gut skizziert worden. Während der eine sich aber für den „guten“ Weg entschieden hat, ging der andere den „bösen“ Weg.
Grundsätzlich sind alle Charaktere nur skizziert und kaum tatsächlich beschrieben. Ich kann keinem von ihnen eine (besondere) Charaktereigenschaft zuordnen.
Der Schreibstil von Michael Robotham ist leicht verständlich. Die Gespräche, die er in dem Buch eingebaut hat, wirken teilweise erzwungen und ohne Tiefe. Es ist fast, als wäre allen alles gleichgültig.
Nöte und Ängste werden emotionslos beschrieben, ihnen fehlt die notwendige Dringlichkeit.
Mich hat dieses Buch nicht direkt gefesselt. Klar, ich habe angefangen zu lesen und wollte auch gerne wissen, wie die Geschichte nun ausgeht, aber es fehlte mir oft genug an Neugierde, um das Buch noch mal in die Hand zu nehmen. Somit brauchte ich auch über eine Woche, um endlich das Ende gefunden zu haben.
Für seine 19,95 € (Dank diverser Internet-Anbieter konnte ich den Preis des Buches feststellen) hat mir das Buch wenig Freude bereitet. Es war eine Ablenkung vom Alltag, mehr aber auch nicht.
Empfehlen kann ich das Buch somit auch nur bedingt. Wer ein wenig Zeitvertreib und abgeflachte Unterhaltung im Rahmen eines Psychothrillers sucht, kann dies hier finden.
Direkte Spannung und eine fesselnde Umsetzung eines interessanten Themas sollte man aber nicht erwarten.
Bis zum nächsten Buch
Eure
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