Pro:
Schön bunt.
Kontra:
Mit über 15,-Euro ist schön bunt zu teuer.
Empfehlung:
Nein
Leider sind mein Mann und ich gute Vorbilder. Warum leider?
Eigentlich machen wir einfach nur nebenberuflich ein wenig Musik. Sofern wir Zeit und Lust haben, auch zuhause. Unser bis jetzt einziges Kind wird natürlich einbezogen, es gehört ja zu unserem Leben dazu und macht Spaß. Selbstverständlich gibt es auch allen möglichen Klapperkram (fachdeutsch: Orff-Instrumente) in einer Musik-Kiste und wir besuchen einen Musik-Garten-Kurs. Letzteres gehört ja sowieso schon fast zum Grundprogramm mit Kleinkindern. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass wir irgendetwas musikalisch forcieren. Wir sehen das ganz locker. Dass unser Kleinkind musikalisch zu sein scheint, liegt meines Erachtens eher an den Genen.
Trotzdem scheint unser Vorgehen oder unser Erscheinen an sich Druck auszuüben. Druck auf die anderen Eltern des Musikgartenkurses. Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein wahres Wettrüsten im Gange ist, was die Ausstaffierung des Nachwuchses mit Instrumenten betrifft. Der Witz dabei ist, dass wir dabei immer die Letzten sind. Ein Kleinkind in dem Kurs ist sogar schon "stolzer" Besitzer einer 1/32 Violine - mein Mann oder ich (je nachdem, wer den Kurs gerade besucht) zucken immer nur zusammen, wenn das Teilchen mal wieder gegen ein Tischbein schlägt. Auch die heute vorgestellte Clarina haben wir als letztes gekauft. Alle anderen im Kurs haben uns schon schräg angeschaut, weil wir unserem Kind dieses einmalige, phantastische und so dermaßen pädagogisch wertvolle Instrument vorenthalten, wo wir doch "soooo musikalisch sind":
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Hohner Clarina 8 Set
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HOHNER:
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"Das Traditionsunternehmen Hohner produziert seit 1857 auf allerhöchstem Niveau Musikinstrumente. Heute geschieht dies selbstverständlich mit technisch ausgereiften Lösungen, aber dennoch handwerklich, um dem guten Namen Hohner gerecht zu werden. Erstes und wichtigstes Produkt ist die Mundharmonika, die hundertprozentig "handmade in Trossingen" und mit einer jährlichen Produktion von einer Million weltweit führend ist. Weitere Produkte sind Akkordeons, Gitarren und Bässe, Flöten und Melodicas.
Seit Jahren arbeitet unsere Hohner-Gruppe mit professionellen Künstlern zusammen. Ziel ist es, durch ständige Forschung und Entwicklung Qualität und Klang zu verbessern und immer wieder neue Produkte zu schaffen, mit denen Künstler ihre musikalische Leidenschaft virtuos zum Ausdruck bringen können. So verfolgt Hohner die Strategie, mit behutsamen Ergänzungen zur existierenden Produktpalette ein immer breiteres Angebot für den Musikinteressierten und den Profi anzubieten."
CLARINA 8 SET:
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"Das neue Clarina-Startpaket. Da ist alles drin, was für einen erfolgreichen Start in die Musikerlaufbahn benötigt wird.
Features:
- Kurzanleitung zum Umgang und Spielen mit der Clarina
- 20 für Clarina aufbereitete bekannte Lieder in farbiger Notation
- attraktive Geschenkverpackung
- Korpusmaterial: Hochwertiger Kunststoff
- Korpusfarbe: Rot
- Tastenfarbe: Bunt
- Tonumfang: 8 (g´- g´´)
- Stimmung: Dur
- Tonart: G
- Gewicht: 80 gramm
- Länge in cm: 37
- Altersempfehlung: ab 4 Jahren (Anmerkung: in den von Hohner herausgegebenen Musikgarten-Kursen werden die Clarinas durchgängig ab zwei Jahren empfohlen)
Die CLARINA ist das Blasinstrument für die kleinen Musiker. Das Instrument mit seinen großen farbigen Tasten unterstützt insbesondere auch kleine Kinder bei den ersten Schritten zum großen Musiker. Durch das Liederheft mit farbigen Punktnoten stellen sich schnell die ersten Erfolge ein - und das bunte Design motiviert jedes Kind zum häufigen Spielen mit diesem Instrument."
ZUNGENTECHNIK:
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Habt ihr eine Durchschlagzunge? Klingt brutal, nicht wahr? Ich habe keine. Aber dieses Instrument. Und auch gleich noch in achtfacher Ausführung. Wer sich schon immer gefragt hat, wie bei diesen Plasteteilen die Töne zustande kommen, braucht das Instrument nicht aufzusägen. Die Technik ist wie bei Akkordeons oder Mundharmonikas: Durch Drücken auf die Tontaste wird das Kämmerchen, in dem sich die dazugehörige Metallzunge befindet geöffnet, die eingeblasene Luft kann durchströmen und bringt dadurch die Zunge zum schwingen. Der Unterschied zu vorgenannten Instrumenten ist, dass bei der Clarina ausschließlich durch Blasen ein Ton entsteht, nicht durch Luft Ziehen. Zieht man die Luft ein, wird das Kämmerchen verschlossen, es entsteht kein Ton, weil die Zunge nicht schwingen kann und auch ein weiteres Einziehen der Luft durch die Clarina ist nicht mehr möglich.
PÄDAWAS WERTVOLL?
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Ich fange mal mit den Vorteilen an:
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1.
Das Instrument hat acht Töne. Das entspricht einer Tonleiter. Kleine Kinder werden also durch einen zu großen Tonumfang nicht überfordert. Außerdem kennt das Kind durch die regelmäßige Beschäftigung mit der Clarina den in unserem Kulturkreis gängigen Aufbau einer Dur-Tonleiter.
2.
Die acht Töne der Clarina entsprechen der G-Dur Tonleiter mit den Tönen g' a' h' c'' d'' e'' fis'' g''. Mit dieser Tonhöhe wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Kindersingstimme üblicherweise Teil dieses Rahmens ist. Erwachsene singen mit Kindern oftmals schlichtweg zu tief, so dass sich die Kinder durch Nachahmung oftmals anpassen und sich ihre natürliche Stimmlage abtrainieren. Mit der Wahl dieses Tonumfangs wird dem entgegen gewirkt.
3.
Die Clarina ist schön bunt und das Material übersteht auch Stürze auf harten Fliesenboden.
Und nun die für uns schwerer wiegenden Nachteile:
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1.
Die Clarina ist schön bunt, aber eben "falsch bunt". Die Grundfarbe ist ein sattes rot, daran ist nichts auszusetzen. Wenn sich die Erfinder nun aber schon anscheinend Gedanken um die ideale Tonhöhe gemacht haben, warum spiegelt sich das nicht in der Farbwahl der Tasten wieder? Das empfinde ich als ein wirkliches Manko! Die Farbwahl vom tiefsten bis zum höchsten Ton ist folgende:
grün
braun
orange
gelb
grau
blau
lila
grün
Schön bunt, aber ein totales Durcheinander. Hier hätte die Chance bestanden, das Verstehen von Tonhöhe durch die Farbwahl zu unterstützen. Dass der erste und letzte Ton dieselbe Farbe haben, ist lobenswert, weil es der gleich Ton, nur eine Oktave höher ist. Wünschenswert wäre eine Farbwahl ähnlich eines Regenbogens oder Buntstiftkastens gewesen, der der ansteigenden Tonhöhe mit der Zuordnung von dunkel bis hell Rechnung trägt. Zum Beispiel in dieser Reihenfolge:
dunkellila (violett)
braun
blau
grün
rot
orange
gelb
helllila (flieder)
Damit wäre auch die nett gemeinte Zugabe noch etwas logischer gewesen. In dem Beiheft finden sich nämlich zwanzig der gängigsten Kinderlieder. Hier wäre das logische Erfassen des Notensystems durch die entsprechende Farbwahl der Tasten unterstützt worden, nun aber ist nur alles voll bunter Punkte. Sicher, Kinder ab drei, vier Jahren können die bunten Zeichen natürlich trotzdem den dazugehörigen Tasten zuordnen. Aber warum nicht diese sinnvolle Verbindung? Dann wäre dieses Instrument für mich auch pädagogisch wertvoll.
2.
Das Mundstück ist eine Katastrophe. Durch die Kegelform lädt es geradezu dazu ein, die Clarina so richtig schön weit in den Mund flutschen zu lassen. Sicher, im Beiheft wird darauf hingewiesen, genau dies nicht zu tun. Aber da dieses Instrument für Kinder ab ca. zwei Jahren gedacht ist, kann man diesen Hinweis glatt vergessen. Für jegliche Vorbereitung auf andere Blasinstrumente ist dieses Mundstück kontraproduktiv, kein Blasinstrument wird so tief in den Mund genommen. Zusätzlich wird auch noch die immens wichtige Funktion der Zunge ausgeschaltet, da diese durch das weite Hineinschieben des Instruments entweder stark nach unten an den Gaumen gepresst wird, oder der Mundstückkegel von unten umschlossen wird. Man haucht quasi in die Clarina - das muss dann für jedes andere Blasinstrument mühsam wieder abtrainiert werden. Es sei denn - ja es sei denn, Hohner spekuliert darauf, dass die Besucher des Musikgartenkurses (Herausgeber ist Hohner selbst) nahtlos in die Kurse mit ihren selbsterfundenen, dämlichen Schlauch-Melodikas wechseln. Für diese Instrumente braucht man wahrlich weder Mund- noch Zungentechnik. Wenn es anders gewollt gewesen wäre, wäre es ein leichtes gewesen, das Mundstück durch ein Hinzufügen einer "Delle" brauchbar zur Vorbereitung aller Blasinstrumente zu machen, statt nur für die eigenen.
3.
In unserem Kurs wurde uns Eltern von der völlig begeisterten Kursleiterin quasi als "Geheimtipp" und sinnvolle, wie auch weiterhin pädagogisch wertvolle Ergänzung eine Seite von Hohner im Internet empfohlen, auf der es nach ihrer Meinung wunderbare Begleitmusik zu den einfachen Kinderliedern gäbe. Unsere Skepsis hat sich nicht nur bestätigt, sondern mündete in purer Enttäuschung - was da geboten wird, ist reinste Folter für jedes auch nur annähernd musikalische Ohr und ich würde niemandem empfehlen, geschweige denn raten, diese Seiten als musikalische Ergänzung für gleich welches Instrument zu nutzen:
http://www.playandlearn.de/01liederneu.html
Wer sich wirklich selbst quälen möchte, sollte sich das Lied "Alle meine Entchen" anhören. Das löst bei mir sofortigen Kopfschmerz aus, ich habe ein Ganzkörpergefühl als müsste ich dreifach dosierte Zitronen lutschen und zusätzlich zieht jemand alle seine zehn Fingernägel über eine Schultafel. Nicht nur, dass der anscheinend einfachste verfügbare immer gleiche Rumtata-Begleitrhythmus unter sämtliche Lieder gelegt wurde, nein, es gibt keinen einzigen Harmoniewechsel. Das ist die reinste Höllentortur! Und was - zum Teufel - sollen Kinder da lernen? Hohner fährt mit dem Verkauf von Kursen und Instrumenten jedes Jahr unglaubliche Gewinne ein und da ist nicht mal eine vernünftige Begleitmusik auf so einer Seite für ein paar poplige Kinderlieder drin? Das ist beschämend!!!
Ein wirklich unverzeihlicher Fehler der Kursleiterin aber ist - der auf die geringe musikalische Qualität der Musikgarten-Ausbildung schließen lässt - dass sie beim kommunizierten selbst Spielen der Lieder mit dieser Begleitung nicht bemerkt hat, dass sich die Tonarten der Clarina und der Begleitung unterscheiden. Die Clarina ist in G-Dur eingerichtet, die Begleitung in C-Dur. Die Clarina taucht als Bild-Link für eine Begleitung auch gar nicht auf. Trotzdem wurde diese Seite zum Begleiten empfohlen. Zusätzlich ist es natürlich ausgemachter Blödsinn, dass der Farbcode der Instrumente identisch ist, obwohl es sich um zwei verschiedene Tonarten handelt. Das kann niemand entwickelt haben, der etwas von Musik versteht.
4.
Mich nervt der tutige Ton - nicht nur auf Dauer, sondern auch im Kurzeinsatz. Für mich hat das was von der Klangqualität der Quäken im Fußballstadion. Zum Glück benutzt unser kleiner Schatz die Clarina nicht sehr häufig. Unsere Musikkiste ist groß und es sind noch genug Alternativen vorhanden. Außerdem ist der höchste Ton (g'') schon etwas in Mitleidenschaft gezogen, das unser experimentierfreudiges Kind anscheinend mal die maximale Lautstärke ausprobieren wollte. Gut für das trainieren eines ordentlichen Lungenvolumens, schlecht für die Stimmzunge der Clarina, denn seitdem schwächelt dieser Ton etwas. Ich bin darüber nicht traurig und hoffe auf weitere Experimente. Vielleicht helfe ich auch selbst etwas nach ;) Sollen die anderen Eltern unseres Kurses ruhig denken, sie hätten mit diesem Instrument etwas Positives für die musikalische Bildung ihres Kindes getan - ich halte die Clarina für so überflüssig wie einen Kropf.
Abschließend bleibt für uns festzustellen, dass die Clarina ein buntes Spielzeug ist. Wer sich an dem quäkigen Ton nicht stört und wem die genannten Nachteile nicht wichtig sind, der kann sein Kind mit diesem Plasteteil ausstatten. Um es als pädagogisch wertvoll einzustufen ist es nicht durchdacht genug. Wer außerdem auf musikalische Qualität Wert legt, sollte den Bereich www.playandlearn.de weiträumig umfahren. Wertvoll ist dieses Instrument nur für Hohner: Billigst in der Herstellung, niedrige Werbekosten durch Mundpropaganda und Gruppendruck in den Kursen, hoher Preis im Gegensatz zum Material und Herstellungsort (Tschechien, China) - da füllt sich die Betriebskasse.
FAZIT:
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Für uns so überflüssig wie einen Kropf. weiterlesen schließen
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