Pro:
Eine ganz besondere Atmosphäre
Kontra:
Im Sommer oft überfüllt
Empfehlung:
Ja
Nachdem wir mit einem befreundeten Ehepaar eine Kurzreise nach Prag unternommen hatten, wurde anschließend gefragt, was denn wohl das Schönste am Aufenthalt in der tschechischen Hauptstadt gewesen sei. Die Antwort kam ebenso schnell wie unvermutet: "Der Gang über die Karlsbrücke", hieß es seitens der Dame, die erstmals die Moldau-Metropole besucht hatte. Eine Bücke als Höhepunkt der Reise - das ist ungewöhnlich. Oder doch nicht? Auf jeden Fall ist es diese Brücke wert, an dieser Stelle vorgestellt zu werden.
Der Ort des Geschehens
Die Karlsbrücke (tschechisch: Karluv most) ist eine im 14. Jahrhundert errichtete, historisch bedeutsame Brücke über die Moldau, die die Altstadt mit der Kleinseite verbindet. Sie ist die älteste erhaltene Brücke über den Fluss Moldau und eine der ältesten Steinbrücken Europas. Die Brücke erhielt ihren heutigen Namen erst im Jahr 1870, sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und gehört zu den nationalen Kulturdenkmalen. Über die Brücke führte der Krönungsweg der böhmischen Könige. Die heute ausschließlich für Fußgänger zugelassene Brücke ist 516 Meter lang und nur zehn Meter breit. Nach dem Vorbild der Steinernen Brücke in Regensburg wurde die Karlsbrücke als Bogenbrücke mit 16 Bögen errichtet. Die Bögen sind fast symmetrisch über die gesamte Brückenkonstruktion angeordnet. Dass angeblich der für den Bau der Brücke verwendete Mörtel zur besseren Stabilität mit Eiern versetzt wurde, lässt sich nicht beweisen. An beiden Seiten der Brücke gibt es Türme, den Altstädter Brückenturm und den Kleinseitner Brückenturm. (Informationen: Wikipedia).
Die Skulpturen
Im Laufe der Jahre wurden über den Brückenpfeilern Skulpturen von Heiligen und Patronen aufgestellt. Diese stammen aus verschiedenen Bildhauerwerkstätten und sind überwiegend im barocken Stil gehalten. Dazu gehört zum Beispiel die heilige Lutgard von Tongern. Wohl am bekanntesten ist die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk, der angeblich an dieser Stelle im Jahre 1393 ertränkt wurde. An die Sage, dass das Berühren der Statue Glück bringt, glaubt wohl niemand - und dennoch geht kaum ein Tourist an dieser Statue vorbei, ohne sie berührt zu haben - und natürlich wird das fotografiert. Seit einigen Jahren werden die steinernen Figuren schrittweise durch Repliken ersetzt; die Originale gehen in das Nationalmuseum.
Meine Meinung
Ist es die Ehrfurcht vor diesem alten Bauwerk, die den Gang über die Brücke zu etwas ganz Besonderem macht? Oder liegt es an den 30 Statuen, an den romanischen bzw. gotischen Brückentürmen, die Touristen so begeistern? Ich denke, dass all das sicherlich eine Rolle spielt. Viel wichtiger aber noch ist die Atmosphäre, die hier direkt über der Moldau so ganz besonders ist. Dazu tragen die den Spaziergänger tragenden Steine natürlich bei, und auch der heilige Nepomuk bleibt nicht unbeachtet. Aber aus irgendeinem Grund herrscht auf der Karlsbrücke stets gute Laune. Kaum jemand wird sie betreten und benutzen, um einfach nur von einem Flussufer zum anderen zu kommen. Vielmehr gilt es immer wieder inne zu halten - um die Schiffe auf der Moldau zu beobachten, im Herbst den sich steigenden oder senkenden Nebel zu genießen, und um schließlich einen Blick auf die imposante Burg zu werfen, die von keiner Stelle der Stadt besser betrachtet werden kann als die Karlsbrücke.
Und dann sind da auch noch die Menschen. Künstler und Souvenirhändler stellen ihre Ware aus, eine Band spielt Dixieland-Musik oder Touristen nehmen Platz, um sich von einem Maler porträtieren zu lassen - das alles trägt zur guten Laune bei. Dazu wird der Spaziergänger all die anderen Menschen um ihn herum nicht unbeobachtet lassen, die eigentlich das Gleiche tun wie er selbst, die aber aus aller Herren Länder kommen und allein wegen ihrer Kleidung oder Sprache die Aufmerksamkeit anderer erheischen.
Der Weg ist also auf der Karlsbrücke das Ziel. Etwas Zeit sollte der Besucher schon mitbringen, denn er wird unweigerlich immer wieder anhalten, schauen, staunen und sich freuen. Und so werden die gut 500 Meter auf der mit Kopfsteinpflaster versehenen Brücke auch mehr als nur ein paar Minuten in Anspruch nehmen, eine halbe Stunde sollte durchaus eingeplant werden. Im Sommer allerdings kann es noch länger dauern, denn wenn in Prag Hochsaison ist, dann herrscht auf der Karlsbrücke nur ein einziges Schieben und Ausweichen, dann ist es dort einfach zu voll. Wer die besondere Atmosphäre dennoch genießen möchte, sollte auf die frühen Morgenstunden ausweichen und nach Möglichkeit schon vor 10 Uhr an der Brücke sein. Aber: Mir gefallen Karlsbrücke, Moldau und der Blick zum Hradschin ohnehin im Herbst am besten, wenn leichter Nebel über dem Wasser schwebt. Dann gibt es genau die Fotomotive, die zu Prag und seiner Brücke passen. Einen Besuch aber ist sie auf jeden Fall immer wert. weiterlesen schließen
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