Pro:
Vorteile: Die Bilder sind die Geschichte
Kontra:
Nachteile: Ohne Spannungssteigerung
Empfehlung:
Ja
Heute mal wieder ein Märchenfilm, wobei bei mir fast jeder Film, den ich schreibe, irgendwie eine Vorgeschichte hat, ein warum und wieso. Als unser Ältester 6 Jahre alt war, durfte er zum ersten mal ganz allein vom Kinderferienprogramm aus, mit dem Bus nach Schwäbisch Hall mitfahren, wo vor der Michaelskirche alljährlich eine Freilichtbühnen aufgebaut ist, wobei zu dieser Zeit das Stück "Alice im Wunderland" aufgeführt wurde. Er freute sich riesig darauf, jedoch die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben, als ich ihn wieder am Treffpunkt abholte, zumal ihm wohl die Aufführung gefallen hat, nur eben hatte er den Zusammenhang dieser Geschichte nicht richtig verstanden. Am meisten schwärmte er vom weißen Kaninchen, das immerfort "keine Zeit, keine Zeit" gerufen hat. Okay, ich sah den Fehler ein, dass ich in der Eile des Gefechts vergessen habe ihm diese wunderschöne Geschichte vorzulesen, sprich ihn darauf vorzubereiten, da es bis zu Letzt in der Schwebe hing, ob er überhaupt mitfahren durfte, weil er damals der Jüngste war, wobei zu dieser Zeit schon die Pflege meines Vaters auf mir lastete. Auf jeden Fall holten wir dies gleich nach dieser Theateraufführung nach, sprich ich besorgte mir das Buch "Alice im Wunderland", und las ihm und seinem jüngeren Bruder diese Geschichte vor, woraufhin dies bis heute seine Lieblingsgeschichte geblieben ist, sodass er sich nicht nur im Frühjahr diesen Film im Kino ansah, sondern jetzt die gleichnamige DVD kaufte, die erst vor ein paar Tagen auf den Markt gekommen ist.
Ist ja klar, dass er uns (Mama und Papa) dazu einlud, mit ihm zusammen diesen fantastischen Märchenfilm anzuschauen, von welchem er überaus begeistert ist. Nur ob dieser mich genauso faszinierte, steht nun im folgenden Bericht.
Aber zunächst mal kurz, was ich im Vorfeld über den Film in Erfahrung gebracht habe.
Irgendwo habe ich gelesen, dass sich der Regisseur Tim Burton bewusst nicht an dem Original des Romans "Alice im Wunderland" und "Alice hinter dem Spiegel" orientieren wollte, zumal 6 Regisseure vor ihm diese Geschichte bereits verfilmt haben, sprich diese nun schon die 7. Verfilmung des Romans von Lewis Carroll ist. Okay, man erkennt von vornherein, um was für einen Film es sich handelt, nämlich "Alice im Wunderland", wobei gerade diese Figur von einer sonderbaren, merkwürdigen Begegnung zur nächsten gelangt. Dabei handelt es sich bei den bisherigen Verfilmungen nicht so sehr um eine Geschichte, sondern lediglich um eine Ansammlung von kleinen Episoden. Nun kam also Tim Burton auf die Idee, dass seine Verfilmung unbedingt anders werden sollte, nämlich mit einem gefühlsbetonten Kernstück und einem erzählerischen Rahmen, das heißt, dass aus "Alice im Wunderland" eine Geschichte entsteht, und keine Aneinanderreihung von ungewöhnlich Abenteuern. Nur leider, so finde ich zumindest, ist ihm die ganze Umsetzung seiner Idee doch nicht so geglückt. Aber urteilt selber.
Nun zur Geschichte
Die kleine Alice Kingsley, gerade mal 6 Jahre alt, träumt immer wieder den selben Traum, nämlich von einem sagenumwoben Wunderland in welches sie Nachts eintaucht, und ihre Freunde besucht. Sie zweifelt an sich selber schon, ob sie den Verstand verloren habe, wobei ihr einfühlsamer Vater sie liebevoll beruhigt, und sagt, dass es nur ein Traum ist, der jedoch 13 Jahre später abermals in Erscheinung tritt, nämlich während einer viktorianischen Gartenparty, die zu ihren Ehren arrangiert wird. Recht überraschend macht ihr Hamish (Leo Bill), der gut situierte, aber ziemlich schnöde Sohn von Lord und Lady Ascot, ihr einen Heiratsantrag. Alice (Mia Wasikowska) beobachtet jedoch beiläufig während des Festakts ein sonderbares weißes Kaninchen, das eine Weste an hat, und mit seiner Taschenuhr winkt. Schnurstracks folgt sie diesem, und lässt Hamish, ohne ihm eine Antwort zu geben, stehen.
Beide (Alice und das Kaninchen) laufen über eine Wiese, bis sie zu einem Loch eines Kaninchenbau gelangen, in das sie hinein purzelt, von einem Sog erfasst wird, und wie im Traum in eine Fantasiewelt eintaucht. In einem runden Raum, der verschiedene verschlossene Türen hat, beginnt ihre wundersame Reise. Gleich nachdem sie sich von ihrem ersten Schreck erholt hat, sieht sie ein kleines Fläschchen mit der Aufschrift "Trink mich" und ein kleines Törtchen, das mit den Worten "Iss mich" verziert ist, in einem Schrank stehen, der sich ohne Schlüssel öffnen lässt. Während Alice die schrumpfende Wirkung des Trankes und die vergrößernde Wirkung des Törtchens an sich ausprobiert, wird sie vom weißen Kaninchen, der Haselmaus und Diedeldum und Diedeldei beobachtet, die jedoch Zweifel hegen, ob sie tatsächlich die echte Alice ist, die vor 13 Jahren durch diese Tür gekommen ist. Nachdem es Alice gelungen ist eine der Türen zu öffnen, befindet sie sich plötzlich in einer zauberhaften Welt, die sie als Kind als "Wunderland" gedeutet hat, jedoch dessen Bevölkerung es Unterland nennt.
An jenem Ort trifft Alice auf eine gemischte Gruppe von Charakteren, die von der kühnen Schlafmaus, bis zu dem total verrückten Hutmacher reicht. Und von der Grinsekatze, zu der Wasserpfeife qualmenden Raupe Absalom, über die gruselige, Dämonenhaft aussehende Weiße Königin, bis zu ihrer niederträchtigen, gemeinen und missmutigen älteren Schwester, die zu diesem Zeitpunkt, Herrscherin und Herzkönigin von Unterland ist.
Alice bildet sich noch immer ein, als sie durch das bunte, farbenfrohe, fantastische Unterland spaziert, dass sie sich in ihrem Traum befindet. Und trotz alldem, dass es ihr wie ein Traum vorkommt, nimmt sie ziemlich schnell wahr, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die Rote Herzkönigin (Helena Bonham Carter) die den Herrschaftsbereich ihrer weißen Schwester (Anne Hathaway) an sich gerissen hat, kann laut Vorhersage nur die alleinige wahre, echte Alice dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben, wobei sie den Kampf mit einem Schwert, gegen das drachenähnlichen Untier Jabberwocky aufnehmen kann und darf, das der Herrscherin von Unterland gehört. Und wenn sie diesen Drachen besiegt, ist Wunderland gerettet. Also macht sich die 19jährige Alice, gemeinsam mit dem verrückten Hutmacher (Johnny Depp) auf eine gewagte, abenteuerliche Reise, wobei sie mit der Zeit nicht nur selbstbewusster wird, sondern auch so nach und nach realisiert, dass es sich hierbei um keinen Traum handelt. Sondern dass es für sie heißt, Verantwortung und Verpflichtungen zu übernehmen, woraufhin letzten Endes es zum entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse kommt, sprich der Weißen Königin und der Roten Herzkönigin.
So, und nun zur eigenen Meinung
Na ja, etwas enttäuscht war ich schon von dieser Verfilmung, zumal mir persönlich die Geschichte wie an einem Band, ohne Pausen, zu schnell erzählt wird, sprich Alice von einem Abenteuer ins nächste fällt. Die Ruhe, das zu sich kommen, wie man es von anderen fantastischen Märchen gewohnt ist, fehlt hier gänzlich. Die Weite fehlt hier, alles wirkt so zusammengepresst. Nehmen wir mal z.B. das Märchen "Frau Holle" auch dort muss in der Unterwelt die Gold- und die Pechmarie Abenteuer bestehen. Aber nach jeder erfüllten oder unerfüllten Aufgabe, wandert das Mädchen der nächsten entgegen. Und bei "Alice im Wunderland" geht es "Knall auf Fall" weiter, wobei die Spannung immer oben bleibt, es kein auf- und abschwellen gibt, dass neue Spannung hoch-, aufkommen kann. Da gibt es kein entgegen-fiebern, was als nächstes passiert, was auf mich schon recht ermüdend wirkt.
Die Bilder hingegen sind wirklich fantastisch, prachtvoll und farbenfroh, obwohl oftmals auch ein düsteres, bedrückendes "Wunderland" zu sehen ist, an welchem man sich jedoch auch satt sehen und verlieren kann. Die Idee ist wirklich nicht schlecht, wie der Regisseur die "Alice"-Themas, "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" miteinander verbunden hat, wobei ich der Meinung bin, dass die Verfilmung der Geschichte wohl schon okay ist, Stil hat, aber leider es an der Gliederung fehlt, die ich oben bereits erwähnt habe. Auf diese muss man verzichten.
Verzichten muss hingegen niemand, auf die vielen bekannten Charaktere und Landschaften, wie sie in der Geschichte vorkommen. Nur eben mit dem Unterschied, dass der Regisseur Tim Burton auf seine Art die Figuren zum Leben erweckt hat. Und obwohl die Figuren eher wie Schablonen über den Bildschirm wandeln, haben sie dennoch eine Aufgabe zu erfüllen, auch wenn diese nicht alle aus Fleisch und Blut sind. Das wertet wohl die Geschichte etwas ab, was jedoch mit dem gebotenen, was man letztendlich zu sehen bekommt, wieder wett gemacht wird, zumal man im Verlauf des genauen Betrachtens des Films von der Faszination der Bilder und den absonderlichen Figuren mit in den Bann gerissen wird. Die komplette Neuverfilmung des Wunderlands, das, wie es sich im Endeffekt herauskristallisiert, an und für sich Unterland heißt, ist in seiner Vielfalt angemessen, und ein wahrer Augenschmaus.
Die Geschichte an und für ist ja bekannt, aber dennoch ist sie nicht ganz die gleiche, weil eben eine erwachsene Alice im Mittelpunkt steht. Dazu nun meine Interpretation.
Alice ist ein kleines Mädchen, das märchenhafte Dinge sieht, und das mit solch einer kindlichen Blauäugigkeit an diese Sachen glaubt, wobei sie diese nicht anzweifelt, sondern ganz fest daran glaubt, und das schon über eine lange Zeit. Viel lieber lässt sie sich für verrückt halten, als dass jemand versucht ihr einzureden, dass diese Fantasien nur reine Einbildung sind.
Aus dem Mädchen wird eine junge Frau, die jedoch im Innern noch ein Kind ist, das aber heiraten, und von heut auf morgen, den Ernst des Lebens verstehen soll. Das heißt, dass sie Verpflichtungen und Verantwortung übernehmen soll, wobei sie in ihren fantastischen-Traumerscheinungen ihrer Kindheit noch immer gefangen ist, sprich diese sie nicht los lassen, und durcheinander bringen. Aber dennoch ist Alice so stark, dass sie eine Entscheidung trifft, nämlich ihren (Kindheits-) Träumen zu folgen, um im Wunderland anzukommen.
Nur ein Traum, nicht weiter als nur ein Traum, soll dieses Wunderland für Alice darstellen, wobei es jedoch IHR Traum ist, den sie sich ständig einredet. Und weil es IHR Traum ist, soll es dort nach ihrem Plan, so wie sie sich das ganze vorstellt ablaufen. So wie sie es will und wann sie es will. Allerdings regiert in dieser fantastischen Welt ein eigener, spezifischer Willen, mit eigenen Zielvorstellungen, sodass es für Alice nur ein unbeherrschbares Geschehen bleibt. Jedoch wenn man an Alices Träumen Teil nehmen und mitwirken möchte, bleibt es keinem erspart, an die Wirklichkeit dieses Wunderlandes zu glauben.
So, und nun wieder ich.
Alice, kindlich naiv, aber nicht dumm, hat ihre eigenen Vorstellungen vom Leben, wobei sie von klein auf weiß was sie will, ihr Traum sie gefangen hält. Viele haben solche Träume, die oft als "Hirngespinste", "Flausen" usw. bezeichnet werden, die jedoch vollkommen Alters unabhängig sind. Auch ich selber hatte als Jugendliche recht viele Pläne, was ich später einmal werden/machen möchte, wobei ich mir einen Traum erfüllt habe, nämlich selbstständig in der Arbeitswelt zu sein.
Dieser Weg, war wie der von Alice, die Abenteuer zu bestehen hatte, nicht immer leicht, wobei es bei mir, wie bei Alice darauf angekommen ist, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Klar, auch Alice brauchte ab und zu einen Schubs, Mut-Zuspruch von Freunden, dass es weiter geht, was ich eigentlich auch ganz normal finde, zumal das Leben nicht immer "Himmelhochjauchzend" ist, und es auch Tiefpunkte gibt.
Okay, die sind im Film schon zu erkennen, werden aber meiner Meinung nach zu schwach zum Ausdruck gebracht, was dann wiederum den Anschein hat, dass das ganze Geschehen, die Abenteuer die Alice zu bestehen hat, linear, gradlinig ablaufen. Nicht langweilig, aber irgendwie so ohne Tiefpunkt, da es sich auf einer Handlungsebene abspielt. Ich glaub, das ist treffend gesagt.
Man muss an das was in der Geschichte geschieht glauben, kann sie nicht ändern und keinen Einfluss nehmen, weil eben die ganze Geschichte die Alice durchlaufen muss, um erwachsen zu werden, schon vorgeschrieben ist. Man kann höchstens Teil davon werden, sich z.B. mit der tapferen und zielstrebigen Alice identifiziert, die ihre Aufgabe als Heldin des Wunderlands annimmt und rettet.
In einer kurzen Zusammenfassung möchte ich sagen, dass in der ganzen Geschichte "Alice im Wunderland" starke Züge eines typischen Fantasy-Epos verankert sind, was wiederum heißt, dass es um eine Heldin geht, die verschiedene Aufgaben, Abenteuer zu bestehen hat, ehe sie dann zum finalen Show-down antritt.
Was Bild, Ton und Farben der DVD angeht, so kann ich nicht klagen, wobei die Farben reichhaltig, recht farbintensiv gestaltet sind. Auch der Ton hat einen vollen Sound.
Nur leider hätte das doch sehr interessante Bonusmaterial etwas umfangreicher ausfallen können.
Ansonsten ein schöner, farbenprächtiger Film, der sich zwar zum Teil an die Originaldialoge gehalten hat, aber insgesamt doch mehr in den typischen Nonsens-Smalltalk abgefallen ist. Okay, ist eben ein neuer Film, mit einer neuen Umsetzung der Geschichte, die wohl nicht jedermann Geschmack ist. Meinen Kindern (27 und 23) hat dieser Film sehr gut gefallen, mir persönlich weniger, weil eben alles so "Knall auf Fall" geht und die Spannung immer auf gleicher Höhe bleibt. Aber das ist, wie schon erwähnt reine Geschmackssache.
Die Schauspieler und Figuren-Gestaltung sind einfach super, die Geschichte beläuft sich fortwährend auf Hochspannung, und das ganze fantastische Wunderland erstrahlt in brillanten Farben. Also was will man mehr, wobei ich meine, dass dieser Film "Alice im Wunderland" gute vier Sterne verdient hat.
Daten zur DVD "Alice im Wunderland"
Darsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Crispin Glover, Anne Hathaway
Regisseur(e): Tim Burton
Format: Dolby, PAL
Sprache: Türkisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Walt Disney
Erscheinungstermin: 22. Juli 2010
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 104 Minuten
Extras: Der verrückte Hutmacher, Alles über Alice, Spezialeffekte im Wunderland
Fazit: Untertauchen in das magische (Unter)-Wunderland weiterlesen schließen
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