Pro:
Jodelle Ferland - ein, zwei Szenen sind recht gut umgesetzt
Kontra:
vorhersehbar - nicht wirklich fesselnd
Empfehlung:
Ja
Und weil so schön war gibt es gleich den nächsten DVD Bericht. Heute darf's mal ein bisschen was grusliges sein - obwohl ich eigentlich gar nicht so sehr auf typische Horrorfilme stehe. Auf diesen hier war ich neugierig, weil ich unbedingt mal einen Film sehen wollte in der die erst sechszehn Jahre junge Schauspielerin Jodelle Ferland eine der Hauptrollen spielt (zum Zeitpunkt des Drehs war sie sogar erst zwölf Jahre alt, hatte aber schon eingie Erfahrung mit Filmen und Fernsehserien gesammelt) . Sie war nämlich, als Darstellerin der Vampirin Bree Tanner aus Twilight auf der Ring Con als Gaststar angekündigt - leider hat sie inzwischen wieder abgesagt. Schade, ich hätte sie gern mal live erlebt. Aber das nur am Rande.
Tatsache war, ich hatte mir die DVD
*** FALL 39 ***
schon vor einiger Zeit ertauscht und nun lag sie eben in meinem Regal rum. Also konnte es doch auch nicht schaden, ihr wenigstens mal eine Chance zu geben, oder?
*** INHALT ***
Damit ihr euch ein Bild von dem Film machen könnt, eine kurze Inhaltsangabe.
Lilith Sullivan ist eine engagierte Sozialarbeiterin die es immer wieder mit Fällen von misshandelten, vernachlässigten Kindern zu tun bekommt. Eines Tages legt ihr Boss ihr eine neue Akte auf den Tisch - die 39, die sie zu bearbeiten hat. Lilith ist zunächst alles andere als begeistert von diesem zusätzlichen Fall, aber natürlich nimmt sie ihre Aufgabe ernst und besucht das Mädchen zu Hause.
Ein seltsamer Besuch - das Mädchen wirkt verstört und spricht kaum, die Mutter ist irgendwie verängstigt und der Vater weigert sich, überhaupt ein Wort zu sprechen. Lilith spürt, das hier etwas nicht stimmt - auch wenn keine offensichtlichen Anzeichen für eine Kindermisshandlung vorliegen.
Ihr gelingt es aber, das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen und ihr einen zettel mit ihrer Telefonnummer zuzustecken - nur für alle Fälle. Der Fall der Fälle trifft schneller als erwartet ein. Mitten in der Nacht erhält Lilith einen verzweifelten Anruf des Mädchens. Als sie sich mit einem befreundeten Polizisten auf den Weg zu ihr nach hause macht, muss sie eine entsetzliche Entdeckung machen: Die Eltern haben das kleine Mädchen in den Backofen gesperrt und sind gerade dabei sie lebendig zu verbrennen ...
Emily, so der Name des Mädchens, scheint zu Lilith vertrauen gefasst zu haben und als sie sie bittet, bei ihr bleiben zu dürfen setzt sich Lilith gegen jede Vernunft dafür ein, wenigstens so lange ihre Pflegschaft zu übernehmen bis Adoptiveltern gefunden sind. Was nun beginnt ist ein Alptraum für Lilith ... ein Alptraum, den sie zunächst nicht glauben will, ist Emily doch nur ein kleines, zehnjähriges Mädchen. Aber als sich die Vorfälle häufen - ein Junge aus Emilys Betreuungsgruppe ermordet plötzlich seine Eltern - Emilys Psychologe äußert sich, das er vor ihr Angst hat - beginnt Lilith Emilys Unschuld zu hinterfragen ...
Kommen wir jetzt zu meinen
*** EINDRÜCKEN ***
von dem Film.
Ich muss zugeben, das er nicht wirklich überraschend abläuft. Wer Filme wie Das Omen oder Der Exorzist kennt, kann sich ziemlich schnell ausrechnen was hier vor sich geht. Es ist einfach von Anfang an klar, das Emilys Eltern weniger Täter als vielmehr Opfer sind - Opfer von einem kleinen Mädchen, das nicht ist, was es zu sein scheint.
Auch der weitere Ablauf der Geschichte überrascht nicht - Lilith, die Anfangs total auf Emilys Seite steht aber nach und nach erkennen muss, das Emily an all dem Schlimmen was plötzlich um sie herum passiert nicht unschuldig ist. Lilith Entsetzen darüber und dann ihre Entschlossenheit, etwas dagegen zu unternehmen. Mir kommt das alles etwas zu plötzlich.
Dabei finde ich die erste Hälfte des Films durchaus gelungen. Er fängt recht ruhig an, mit einer Emily mit der man als Zuschauer Sympathie aufbauen könnte ... wenn man nicht schon wüsste, was sich hinter ihrem harmlosen Äußeren verbirgt. Ich würde nicht sagen, die weitere Entwicklung im Film ist wirklich spannend - dazu ist sie einfach ein wenig zu vorhersehbar ... und manchmal ein wenig sehr weit her geholt Das erste Mal bin ich darüber gestolpert als plötzlich der kleine Junge aus Emilys Gruppe seine Eltern umbringt. Okay, sein Verhältnis zu seinen Eltern war ebenfalls angespannt, aber er hat offensichtlich geliebt ... wieso, weshalb, warum Emily ihn dazu bringt, seine Eltern zu töten ... keine Ahnung. Das erklärt uns der Film nicht.
Der nächste Todesfall (ich möchte euch jetzt nicht sagen um wen es sich hier handelt und wie genau er stirbt, um nicht auch noch das letzte bisschen Spannung aus dem Film zu nehmen) ist zumindest erklärbar - und ich muss zugeben, die Art ihn zu Töten und einige Szenen die damit zusammenhängen sind wirklich recht gut gelungen. Wenn mir in dem Film zu irgendeinem Zeitpunkt ein Schauer über den Rücken gelaufen dann sicherlich in diesen Szenen.
Danach schlägt der Film für mich aber ins total absurde um. Als Lilith beginnt gegen Emily zu kämpfen wird es für mich nicht etwa spannender, weil man sich fragt, wer zum Schluss siegen wird, sondern es fängt eher an, mich kopfschüttelnd vor dem Fernseher sitzen zu lassen und zu hoffen, das es möglichst schnell zu Ende geht. Wobei es kurz vor dem Ende nochmal eine recht gute Szene gibt (Lilith vergeblicher Versuch Emily endgültig zu töten - mehr werde ich auch hier nicht sagen, sorry) - zwar auch nicht wirklich überraschend und total neu - aber recht gut umgesetzt wie ich finde.
Alles in allem ein Film den man, wenn man bereits andere Filme dieser Art gesehen hat, getrost im Regal stehen lassen kann. Er erfindet das Genre sicher nicht neu sondern greift eher auf altbekanntes zurück. Ist er am Anfang noch recht "sympathisch" umgesetzt so entwickelt er sich im Laufe der zeit immer mehr zu einem eher langweiligen Abklatsch. Abgesehen von ein, zwei Szene die zumindest von der Umsetzung her recht gut gelungen sind fand ich vor allem die zweite Hälfte des Films dann doch eher lächerlich überzogen und total unlogisch.
Noch ein paar Worte zu den
*** DARSTELLERN ***
Allen voran möchte ich hier mal Jodelle Ferland erwähnen, die mit ihrer Rolle als Emily sicher eine tragende Rolle in diesem Film trägt. Und ich finde, sie macht das durchaus sehr überzeugend. Anfangs das scheue, verschüchterte, kleine Mädchen entwickelt sie sich im Laufe des Films zu einem "Dämon", der äußerlich immer noch gelassen aber mit einem unglaublich kaltem Gesichtsausdruck jedem Menschen Angst einflößen würde. Ihre Darstellung ist durchaus überzeugend - auch wenn mich der ganze Film an sich nicht so recht überzeugen konnte. Und wenn man bedenke, wie jung sie noch war als der Film gedreht wurde, muss ich sagen: Hut ab - in diesem kleinen Mädchen steckt eine wirklich gute Schauspielerin und - falls sie denn dabei bleibt - sicher genug Potential, das man noch ausbauen kann für weitere, noch größere Rollen.
Ihr zur Seite steht Lilith, gespielt von Rene Zellweger. Sicherlich spielt sie nicht schlecht - dumm nur, das ihre Rollen in Komödien wie Bridget Jones einfach nicht aus dem Kopf bekommen kann - und das verträgt sich schlecht mit einer solchen Rolle wenn ich sie ernst nehmen will. Vielleicht liegt es also einfach an meiner Sichtweise das ich mit ihrer Rolle nicht so ganz warm werden konnte und sie stellenweise als viel zu gespielt und viel zu wenig "echt" empfunden habe.
Das war's dann auch schon mit größeren Namen an diesem Film. All anderen Personen sind auch sowieso eher Nebenrollen die ab und zu mal durchs Bild huschen dürfen. Bradley Cooper als Lilith Freund Doug und Emilys Psychiater, Ian McShane als Detective Baron oder auch Collum Keith Rennie und Kelly O'Mally als Emily's Eltern - Namen, die ich schneller wieder vergssen als aufgeschrieben habe. Als Schauspieler bleiben sie mir ebenso wenig in Erinnerung wie in ihren Rollen.
Zum Schluss wie immer noch ein paar
*** INFOS ZUM FILM UND ZUR DVD ***
Fall 39 / OT: Case 39 - na, das finde ich doch mal lobenswert, hier wurde mal nichts dran gedreht ;)
gedreht 2006 in Kanada, kam aber erst 2009 in die Kinos
deutsche DVD Veröffentlichung 2010
Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch (alles in Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bild: 16:9 widescreen
An Bild und Ton gibt es nichts auszusetzen - es ist eben normale DVD Qualität, wie man sie bei einem recht aktuellen Film erwartet
Lauflänge: 105 Minuten
FSK: 16 Jahre - daran gibt es nichts zu rütteln, allein schon die Thematik verbietet eine Abgabe an jüngere Kinder
Extras:
Making off
Interviews
entfallene Szenen
alternatives Ende
Das Making off und die Interviews sind sehr kurz und knapp gehalten und geben wicht wirklich etwas her. Am ergiebigsten sind noch die 30 Minuten langen entfallenen Szenen (17 Stück an der Zahl) und das 4 Minuten lange alternative Ende.
Preis: Neupreis liegt noch immer über 15,00 Euro und ist damit in meinen Augen viel zu teuer. Wenn überhaupt dann höchstens mal ein Ausleihen aus der Videothek.
*** Mein Fazit ***
Ein Horrorfilm der mich nicht wirklich überzeugt hat. Von der Handlung her bietet er nichts wirkliches neues und gerade die zweite Filmhälfte ist in meinen Augen viel zu überzogen und vorhersehbar um echte Spannung zu erzeugen.
Es gibt ein, zwei Szenen, die wirklich gut umgesetzt sind und es gibt eine Jodelle Ferland, die in ihren jungen Jahren selbst erfahrene Schauspieler glatt gegen die Wand spielt. Aber ob es sich deswegen lohnt, den Film anzusehen?
@ Prisca - Oktober 2010 weiterlesen schließen
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