Pro:
hervorragende DarstellerInnen
Kontra:
sehr konventionelle und bisweilen behäbige Umsetzung
Empfehlung:
Ja
Hallo Zielgruppe!
In kaum einem Industrieland gibt es in der Bildungslandschaft so krasse Unterschiede wie in den USA. Viele Unterprivilegierte haben wenig Chancen auf eine vernünftige Bildung. Dass es aber auch Beispiele gibt, wie aus solchen Unterprivilegierten durch überdurchschnittliches Engagement von Mitmenschen herausragende Persönlichkeiten werden können, zeigt dieser Film, der (wieder einmal) auf einer wahren Geschichte beruht.
### DER INHALT ###
~~~ wie so oft zuerst die „Gemeinwesen's Tight End“ - Kurzversion ~~~
Michael Oher ist ein vernachlässigter und quasi obdachloser schwarzer Teenager, der ungewöhnlich groß gewachsen ist. Eigentlich hätte sein Schicksal niemanden interessieren müssen, wenn er nicht eines Tages den Weg der reichen Familie Tuohy gekreuzt hätte. Nach einer Highschool-Veranstaltung sehen sie, wie der Junge im T-Shirt durch die kalte Winternacht streunt. Sie nehmen ihn bei sich auf, behandeln ihn trotz ihrer zwei bereits vorhandenen Kinder wie ihren eigenen Sohn, fördern ihn nach Kräften und siehe da: Im Laufe der Zeit entwickelt er sich zu einem sehr talentierten Football-Spieler und auch seine schulischen Leistungen werden immer besser. Irgendwann wird er dann zum gefeierten Footballstar und den Rest kann man dann in der Sports Illustrated nachlesen...
~~~ und nun wieder die „Dr.Ed's Wide Receiver“ - Langversion ~~~
Michael Oher (Quiton Aaron) ist ein vernachlässigter und quasi obdachloser schwarzer Teenager, der für sein Alter ungewöhnlich groß gewachsen ist. Da seine Mutter Alkoholikerin ist und er seinen Vater nicht kennt, hat er kein eigenes Zuhause. Meist kann er bei irgendwelchen Freunden unterkommen, aber selten länger als für eine Nacht. Eine richtige Schule hat er auch nur in ganz jungen Jahren von innen gesehen. Durch einen guten Bekannten wird Michael an eine Highschool vermittelt, wo er auf Grund seiner Körpergröße und seines Bewegungstalents in ein Sportförderprogramm aufgenommen wird. Da aber Michaels schulische Leistungen nicht die besten sind, droht ihm bald, dass er aus dem Förderprogramm wieder herausfällt.
Normalerweise hätte sein Schicksal niemanden interessieren müssen, wenn er nicht eines Tages den Weg der reichen Familie Touhy gekreuzt hätte. Nach einer Highschool-Veranstaltung beobachten sie, wie der Junge nur mit T-Shirt und Jeans bekleidet durch die kalte Winternacht streunt. In diesem Moment beschließt Mutter Leigh-Anne Touhy (Sandra Bullock), dem Jungen ein zuhause zu anzubieten. Sohn SJ (Jae Head) ist von der Idee begeistert, während Tochter Collins (Lily Collins) und Ehemann Sean (Tim McGraw) dem ganzen eher skeptisch gegenüberstehen. Sie sehen in ihrem Projekt eher eine soziale Marotte als einen ernsthaften Hintergrund.
Anfangs ist selbst Michael skeptisch, da er in seinem Leben noch sie viel Fürsorge erfahren hat und schon gar nicht von Weißen. Aber da Mutter Tuohy ihre Sache vehement durchzieht und Michael konsequent sportlich und schulisch fördert, beginnen seine Schulnoten, sich langsam zu verbessern. Nicht zuletzt dank des Engagements von Coach Cotton (Ray Mc Kinnan), dem Trainer des Footballteams der Highschool, einiger anderer Lehrkräfte an der Schule, die Michael's Bemühungen anerkennen und last but not least der resoluten Nachhilfelehrerin Miss Sue (Kathy Bates) schafft Michael die Abschlussprüfung an der Highschool. Wie es weitergeht, erfahrt Ihr im Kino oder bei wikipedia oder sports illustrated...
### MEINE MEINUNG ###
Wie wir alle wissen, schreibt die besten Geschichten bekanntlich immer noch das Leben. Obwohl hier vieles zu gut scheint, um wahr zu sein, so ist doch nur das allerwenigste erfunden. Denn dass eine reiche, weiße Familie einen schwarzen, mittellosen Jugendlichen ohne ernsthafte Schulbildung bei sich aufnimmt und wie ein eigenes Familienmitglied behandelt, ist schon irgendwie ungewöhnlich. Zwar ist diese Art Aschenputtel-Geschichte keineswegs neu – man denke nur an Filme wie „Good Will Hunting“ oder „Forrester – Gefunden“. Aber wenn so eine Geschichte nunmal auf wahren Tatsachen beruht, dann liegt es natürlich für die Amerikaner nahe, sie auch zu verfilmen.
Die Verfilmung als solche ist eher sehr konventionell geraten. Sie wird sehr gradlinig erzählt mit nur wenigen Rückblenden und zeitweilig wird noch Original-Bildmaterial von den beteiligten Personen mit in den Film hinein geschnitten. Zwar hat das ganze eine leichte Tendenz zur Überlänge, aber dennoch gelingt es dem Film recht schnell, beim Publikum ein Herz und Sympathien für seine Figuren zu wecken. Den Figuren wird ausreichend Platz gelassen, um sich zu entwickeln und um auch etwas Tiefgang zu haben, auch wenn einiges am Ende doch recht oberflächlich bleibt. Hier werden die ruhigen und gefühlvollen Töne in den Vordergrund gestellt und der Film verlässt sich auf seine einfühlsame Geschichte, die aber auch für einige gefühlte Längen mitverantwortlich ist.
Darstellerisch haben die Beteiligten einiges zu bieten. So darf Sandra Bullock nach „L.A. Crash“ endlich einmal wieder beweisen, dass sie auch das Charakterfach beherrscht und nicht immer nur in irgendwelchen Komödien auftritt, die ebenso romantisch wie belanglos sind wie zuletzt in „Selbst ist die Braut“. Ob sie den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle für diesen Film wirklich verdient hat, will ich mal dahingestellt lassen, aber es kann ja auch nicht immer nur Meryl Streep gewinnen ;-) Die eigentliche Entdeckung des Films ist jedoch Quinton Aaron: Obwohl er bislang keine größeren Rollen in seiner Schauspiel-Karriere vorzuweisen hat, gelingt es ihm trotzdem hervorragend, seine Figur glaubwürdig zu verkörpern. Trotz seines relativ zurückhaltenden Spiels trifft er immer den richtigen Ton und hat auch genügend Leinwandpräsenz, um sich nicht von den anderen an die Wand spielen zu lassen.
Insgesamt ist der Film auch nicht besonders herausragend oder innovativ, dafür ist er zu konventionell erzählt und dafür hat man auch zu vieles in diesem Film auch schon mal an anderer Stelle in ähnlicher Form gesehen. Unterm Strich ist er aber immer noch eine durchaus sehenswert verfilmte Lebensgeschichte einer interessanten Persönlichkeit mit liebenswürdigen Charakteren. Vielleicht ist auch einiges zu nett gemacht worden, aber darüber kann man auch schon mal wohlwollend hinwegsehen.
### FAZIT ###
Wenn man Filme wie „Good Will Hunting“ oder „Forrester – Gefunden“ mochte, wird man auch an dieser Geschichte Gefallen finden, zumal sie recht solide und nicht übermäßig gefühlsduselig inszeniert wurde. Zwar würde ich den Film durchaus als sehenswert erachten, aber wirklich gesehen haben MUSS man diesen Film nicht.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2009, 128 Min., FSK 6
Regie: John Lee Hancock
Buch: John Lee Hancock (Drehbuch), Michael Lewis (Geschichte)
Kamera: Alar Kivilo
Musik: Carter Burwell
~ Michael Oher – Quinton Aaron
~ Leigh-Anne Tuohy – Sandra Bullock
~ Sean Tuohy – Tim McGraw
~ Collins Tuohy – Lily Collins
~ SJ Tuohy – Jae Head
~ Coach Cotton – Ray Mc Kinnon
~ Miss Sue – Kathy Bates
~ Mrs. Boswell – Kim Dickens
~ Beth – Rhoda Griffis
~ Big Tony Hamilton – Omar J. Dorsey
u.v.a. weiterlesen schließen
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