Pro:
Tommy Lee Jones und Will Smith, DVD-Extras
Kontra:
Keine neuen Ideen, langweilige Monster
Empfehlung:
Ja
Es gibt die Legende, dass sie überall dort aufgetaucht sind, wo sich unerklärliches abgespielt hat. Meist in Zusammenhang mit Ufo-Sichtungen oder sonstigen sonderbaren Erscheinungen werden diese, ganz im dunklen Outfit gekleideten und mittels schwarzen Karossen vorfahrenden Männer bisher gebracht. Den Gerüchten nach verschwinden sie aber dann auch genau so schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind - so, als hätte es sie nie wirklich gegeben.
Barry Sonnenfeld gelang aus dieser eigentlich doch sehr finsteren Vorlage, eine gagreiche Agenten- und Alien-Komödie zu fabrizieren, deren größte Stärke die Skurrilität der Außerirdischen und die Coolness seiner beiden Hauptdarsteller war - „Men in Black“.
Der Erfolg war gigantisch und schrie geradezu nach einer Fortsetzung, deren einziges Hindernis die horrenden Gagenforderungen von Mr. Smith und Mr. Jones waren, die sich gegenseitig zu überbieten schienen -,glaubt man zumindest den damaligen Berichten der Presse...
Filmhandlung
Vor gut 20 Jahren war sie schon einmal auf der Erde, Serleena das Wesen mit dem Geschlängel aus hunderten von Krakenarmen. Damals war sie auf der Suche nach einem sonderbaren Licht, dass angeblich aber dann wieder von der Erde gebracht wurde. Auch diesmal landet sie wieder mit ihrem Raumschiff auf dem blauen Planeten, nachdem sie lange Jahre vergeblich nach diesem Licht ganze Sonnensysteme durchforstet hat und sie dann schließlich zerstörte.
Nachdem Agent Kay (Tommy Lee Jones) die Brocken bei MIB hingeschmissen hatte und mittels Neuralisator seiner Erinnerungen beraubt wurde, ist jetzt Ray (Will Smith) die unbestrittene Nummer 1. Doch da es sich bei den Alien-Jägern in den schwarzen Klamotten schnell herumgesprochen hat, dass Serleena noch immer auf der Suche nach dem geheimnisvollen Licht ist und der "geblitzdingste" Kay der jetzt bei der Post arbeitet der einzige ist, der Ahnung davon haben könnte, wo sich dieses Licht befindet, wird der Agent A.D. kurzerhand reaktiviert.
Doch Kays Gedächtnis muss erst noch etwas auf die Sprünge geholfen werden; dazu bringt Jay ihn erst mal ins MIB-Hauptquartier. Aber auch Serleena sucht das Gebäude auf, sie fackelt nicht lange und beginnt sämtliche Agenten in Nullkommanichts außer Gefecht zu setzen.
Kay und Jay werden unter Verwendung eines Notfallplans im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Gebäude gespült. Sogleich machen sich die Elite-Agenten auf, nach einer Apparatur zu suchen, mit der es möglich ist Kays Erinnerungen wieder aufzufrischen, da der Gedächtniswiederherstellungsmechanismus in der Zentrale jetzt unter Serleenas Kontrolle steht.
In einem Keller werden sie fündig. Ein alter Bekannter - ein außerordentlich schräges außerirdisches Exemplar - versetzt Kay wieder mittels eines primitiv zusammengesetzten Nachbaus in seinen alten Zustand.
Danach müssen erst noch ein paar finstere Aliens, die die Kraken-Kreatur Serleena ihnen auf den Hals geschickt hat vermöbelt werden, bevor ihre Suche nach dem mysteriösen Etwas, auf dass die - was Gewaltanwendung betrifft, kurz angebundene - Weltraumamazone so scharf ist weitergehen kann. Wenn dann endlich feststeht, was mit dem ominösen Licht wirklich gemeint ist, werden alle schließlich doch mehr als erstaunt aus der Wäsche gucken...
Kritik
Etwas zwiespältig präsentierte sich mir dieser erneute Aufguss der bizarren Alien- und Agenten-Komödie. In bester Dr. Jekyll und Mr. Hyde Manier war ich zwischen den - immer gern gesehenen Akteuren Tommy Lee Jones und Will Smith und dem sich im Endeffekt doch schon arg wiederholenden Schema der Gags hin und her gerissen. Einerseits war es sehr amüsant wieder - sozusagen am schwarzen Humor der Aushängeschilder der Men in Black – Agent Kay und Agent Ray teilzuhaben, wobei hauptsächlich Kay (Jones) die Lacher mit seinem diesmal noch intensiveren treudoofen Dackelblick und sparsamster Mimik auf sich zieht. Andererseits sind die von Rick Baker entworfenen Wesen irgendwie nicht gerade besonders einfallsreich ausgefallen, sodass der aha-Effekt aus dem ersten Teil wohl diesmal vergeblich gesucht wird.
Nur die Alien-Queen, die im sehr anschaulichen Körper von Lara Flynn Boyle auftritt und der Mops Frank, der im ersten Teil noch mit einer kleinen aber einprägsamen Statistenrolle vorlieb nehmen musste, können einigermaßen überzeugen. Gerade der kurzbeinige Mops, den die Computerspezialisten die schon dem „Schweinchen Babe“ das Sprechen beibrachten, zu einem quasselnden Flohteppich machen, ist eine relativ kurzweilige und witzige Angelegenheit. Schließlich verlieh die Lukasschmiede ILM noch dem Alien-Geschöpf Serleena, die ihre Aal-artigen Fangarme blitzschnell ausfahren kann, ihre kühl-gefährliche Ausstrahlung.
Was die anderen Bösewichter anbelangt ist der Film aber eher eine Enttäuschung. Einfallslos vom Guru der künstlichen Filmkreaturen – Rick Baker entworfen und eigentlich nur als pure Staffage zu verwenden. So sind etwa die kriminellen außerirdischen Gauner, die sich dem furchtlosen MIB-Duo entgegenstellen, ein wenig farblos geraten und nach meinem Empfinden auch bei weitem nicht so unterhaltend, wie sie wohl wirken sollten. Wenn man den enormen Aufwand bedenkt mit dem sie entwickelt und auf die Leinwand gebracht wurden, ist das um so unverständlicher.
So ist zum Beispiel der Gag mit dem Verbrecher-Alien zu nennen, dass seine Hoden dort trägt, wo es kein anständiger Erdling vermuten würde. Vielleicht produziert das gerade noch einen Lacher bei pubertierenden Teenagern, die es noch lustig finden sich gegenseitig in die Genitalien zu hauen, mir war dieser Witz aber einfach eine Nummer zu flach. Auch die vergnügungssüchtigen Würmer aus Teil 1, die offensichtlich von den „Gremlins“ abgekupfert wurden, bekamen in der Fortsetzung einen Rahmen der für meinen Geschmack um einiges zu groß ausgefallen ist.
Die Sets sind zwar eine Nummer größer als noch im Vorgänger, bleiben aber dem 60er Jahre Design vom Original zum größten Teil treu. Wirkliche Innovation muss man aber auch hier mit der Lupe suchen.
Gut gefallen hat mir das Spiel mit Dimensionen und Größenverhältnissen, das anscheinend eine Leidenschaft von Sonnenfeld zu sein scheint. Diese kurzen aber markanten Szenen sind noch mit am besten gelungen. So öffnet Agent Kay ein Schließfach und eine eigene, ziemlich bizarre Welt a. miniature erschließt sich nicht nur den Spezial-Agenten an der Alien-Front, sondern auch einem nicht gerade durch Überraschungen verwöhnten Publikum.
DVD 1
Der eigentliche Film wird mit einem aufwendigen tricktechnischen Menü eingeleitet, das aber insgesamt ein wenig zu unübersichtlich wirkt. Bild und Ton sind einer Top-Produktion angemessen. Das Bild kommt mit einer ausreichenden Schärfe ausgestattet daher und der Ton mit einem Effektfeuerwerk der Surroundkanäle. Der Audiokommentar vom Regisseur Sonnenfeld ist informativ und professionell eingespielt, lässt aber durch seinen sehr vorbereitet wirkenden Charakter vielleicht etwas an Spontaneität vermissen.
Außerdem gibt es noch auf der Scheibe die Punkte „Alien News“, in dem eine Mini-Featurette gezeigt wird, und „MIB-Training“, in dem sich deutsche Promis als Außerirdische zu erkennen geben.
Hört sich spaßig an, ist es aber dann doch nicht, weil das Ganze doch ein wenig zu gezwungen rüberkommt, wenn Oliver Kalkofe, DJ Bobo und Esther Schweins allzu krampfhaft versuchen witzig zu sein.
Schließlich kann man sich noch einige Trailer von MIB und anderen Streifen anschauen.
Filmdaten
Laufzeit: 84 Minuten
Sprachformat: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 1.85:1 / 16:9 Widescreen
Untertitel: Deutsch / Englisch / Türkisch
DVD 2
Interaktives Making Of:
Entweder kann man sich die 9 Dokumentationen, in denen die Entstehung des Films gezeigt wird einzeln, Auswahlweise, oder alle auf einmal anschauen. Die Themen Nachsynchronisation, Set-Design, Alien-Design, Filmmusik, Geräuschemacher und noch mal die Bearbeitung der Außerirdischen, werden in dem informativen Making Of näher beleuchtet. Leider hinterließ der Beitrag bei mir einen leicht sterilen und auch unzusammenhängenden Eindruck.
Outtakes:
Die besten Versprecher würden sogar das halten, was der Titel verspricht, währen sie nicht nach sehr kurzer Zeit auch schon wieder zu Ende.
Animationssequenzen:
Einige kurze Computeranimationsszenen werden gezeigt, in denen die Arbeit am Rechner noch einmal verdeutlicht wird.
Alternatives Ende:
Eine zusätzliche Idee für den Schluss, wobei die Ursprüngliche wohl doch die bessere ist.
Die Aliens:
Barry Sonnenfeld philosophiert über seine Auffassung über Comedy, die er mit dem Duo Smith und Jones zum Ausdruck bringen will. Dazu sieht man noch einige Filmschnipsel.
Schließlich gibt es noch Kinoplakate, das Musikvideo von Will Smith „Black Suits Comin“ und einen DVD – Rom Part mit allerlei zusätzlichen Spielchen der im englischen Original daherkommt. Alle anderen Extras sowie der Audiokommentar sind aber vorbildlich mit deutschen Untertiteln versehen – Columbia-typisch eben.
Resümee
Bei einem zweiten Teil eines solchen Erfolgs hätte man schon einiges mehr erwarten können, so jedenfalls war mein Eindruck den Film betreffend. Bei der DVD-Version ist alles sehr ähnlich. Wie ein auf Hochglanz polierter Weihnachtsbaum, der mit allerlei animierten Menüs und visuellem Specktakel herausgeputzt wurde, der dann bei näherer Betrachtung seine nicht gerade stattliche Erscheinung aber nicht mehr länger verbergen kann - genau so kam mir diese Doppelscheibe vor.
Fans des ersten Teils wird das wohl nicht unbedingt abschrecken, sie werden sich sicher auch die Fortsetzung zulegen. Diejenigen die schon den Erstling mit etwas kritischeren Augen sahen, empfehle ich den Silberling vielleicht erst mal auszuleihen, da meiner Meinung nach das fast durchgehend gute Echo, dass Sonnenfelds Werk erhielt, der Ehre für diese „Schwarzarbeiter“ doch fast schon zu viel des Guten war.
(c) winterspiegel für Ciao & Yopi weiterlesen schließen
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