Pro:
unterhaltsam, faszinierender Stoff
Kontra:
teilweise hapert es an der Umsetzung
Empfehlung:
Ja
Vor einigen Monaten habe ich im Kino den Trailer zu einer Neuverfilmung von "Das Bildnis des Dorian Gray" gesehen. Zugegeben, der Trailer sprach mich nicht sonderlich an, aber es hat mich doch gewundert, dass ich außer besagtem Trailer nie wieder etwas von dem Film gehört habe.
Mein ehemaliger Englischlehrer war großer Oscar Wilde Fan, aber dieses Werk von ihm haben wir nie lesen müssen und ich muss gestehen, dass ich mich in meiner Freizeit nicht auch noch mit Wilde beschäftigen wollte, aber die Geschichte von Dorian Gray übte dennoch eine gewisse Faszination auf mich auf, seit ich vor vielen Jahren eine ältere Verfilmung des Stoffes gelesen habe.
Obwohl ich letztendlich über die Neuverfilmung "Dorian Gray" einige eher gelangweilt klingende Kritiken gelesen habe, habe ich mir den Film jetzt in der Videothek ausgeliehen und um es schon mal vorweg zu nehmen: ich habe es nicht bereut.
_Darum geht´s
Nach dem Tod seines Großvaters, kehrt der junge und unbedarft Dorian Gray nach London zurück, um das Erbe von Lord Kelso anzutreten.
Nur sehr zögerlich gewöhnt er sich an sein Leben in der High Society. Die Londoner Lords und Ladies können sich dem jugendlichen Charme von Dorian Gray aber nicht entziehen und so wird er zunächst die neue Muse des talentierten Malers Basil Hallward und schließlich von dem zynischen Lord Henry Wotton unter seine Fittiche genommen.
Als Basil ein Portrait von Dorian vorstellt, sind alle begeistert und auch Dorian wird magisch von seinem eigenen Antlitz angezogen. Lord Henry macht Dorian klar, dass das Bild ewig so bliebe, aber dass er seine Jugend aber irgendwann einbüßen würde.
Um Lord Henry entgegenzusetzen, beschließt Dorian seine Seele dem Teufel zu vermachen, damit er auf ewig so jung und schön bliebe wie auf dem Bild und das Gemälde für ihn altern möge.
Schon bald merkt Dorian, dass sämtliche Alkohol- und Drogeneskapaden tatsächlich an seinem Körper spurlos vorübergehen, aber an seinem Gemälde zeigen sich erste Veränderungen. Das so wohl gelungene Bild von Basil bekommt erste Risse, man sieht Augenringe auftauchen und schließlich ist Dorian gezwungen das Bild auf den Dachboden zu hängen.
Da er seine moralischen Verfehlungen nicht mehr sehen kann, stürzt er immer tiefer in einen Sumpf aus Sex-Orgien, Alkohol und Drogen.
Bis Dorian sich 20 Jahre später schließlich in die Tochter von Lord Henry verliebt und das Unheil seinen Lauf nimmt, weil Dorians Seele mittlerweile tiefschwarz ist…
_Meine Meinung
Die Geschichte von Dorian Gray ist schon für sich sehr faszinierend. Der junge, unschuldige Dorian schließt einen Pakt mit dem Teufel, ohne dass dieser in Erscheinung tritt und ohne dass Dorian auch nur ahnt, welchen Preis er für seine ewige Jugend und äußerliche Schönheit zu bezahlen hat.
Um sein Leben lang auszusehen wie ein Engel, zahlt er den Preis seiner Seele und wird innerlich zum Teufel.
Er zahlt einen hohen Preis für die Einsicht, dass das Sich ganz dem Leben und allen seinen Versuchungen Hingeben nicht ohne Folgen bleiben kann.
Die Äußerlichkeiten sind im Film wirklich gut gezeichnet. Schon in der ersten Szene blickt man in das unschuldige, engelsgleiche Gesicht von Dorian Gray und zumindest ich konnte mich der Faszination dieser Makellosigkeit nur schwer entziehen. Es ist demnach verständlich, dass ihm die Londoner High Society zu Füßen liegt.
Diese fesselnde Unschuld im Gesicht wird ihm aber schließlich zum Verhängnis, als Lord Henry Wotton ihn herausfordert, sich seine Seele an die Tür des Teufels zu nageln. Er ist sich der Tragweite seiner lapidaren Äußerung nicht bewusst und zu dem Zeitpunkt kennt er auch noch nicht alle Verlockungen, die in den verruchten Etablissements Londons auf ihn lauern.
Soweit so gut. Hauptdarsteller Ben Barnes ist zweifelsohne von seinem Äußeren perfekt für die Rolle, aber mir fehlt gerade bei Dorians zügellosem Leben ein bisschen die Tiefe in seiner Darstellung. Den skrupellosen Mörder und kaltherzigen reichen Mann nehme ich ihm nicht so ganz ab.
Weiterhin finde ich die Verbindung zwischen seiner Jugend und dem Altern des Gemäldes nicht sehr gelungen.
Mir erscheint es so, als hätte sich Regisseur Oliver Parker nicht entscheiden können, ob er einen Horrorfilm dreht, oder sich doch lieber auf die Gesellschaftsstudie beschränken müssen und so ist beides eher halbherzig im Film zu sehen.
Es gibt hin und wieder die typischen Schock-Momente, in denen die Musik laut wird, ein Spiegel zerbricht, oder man einen kurzen Flashback in die Vergangenheit sieht, aber diese Momente passen gar nicht zum Rest des Films.
Am Ende, wo man denn endlich den erwarteten Blick in die Abgründe der Seele Dorian Grays bekommt, wird es dann auch ganz schlimm trivial horrormäßig.
Das hätte der Film eigentlich nicht gebraucht, denn er war auch so unterhaltsam und fesselnd. Die Darstellung der britischen Gesellschaft ist gelungen, die verschiedenen Charaktere sind gut herausgearbeitet und die Spannung ergibt sich ja aus der Entwicklung von Dorian Gray und den Reaktionen der Leute auf sein Wesen und seine immerwährende Jugendlichkeit. Hiervon hätte ich mir dann wiederum etwas mehr gewünscht, denn das hätte Dorian Gray als fast schon teuflische Figur, die den Menschen trotz seines Antlitzes große Angst macht, noch mehr gestärkt.
Ob der Film jetzt der literarischen Vorlage gerecht wird, kann ich, wie oben bereits erwähnt, leider nicht beurteilen, aber ich würde auf jeden Fall sagen, dass der Film schon an der Oberfläche kratzt und der Tiefgründigkeit von Oscar Wilde möglicherweise nicht gerecht wird.
Dennoch fand ich „Dorian Gray“ einfach unterhaltsam und schön anzuschauen.
_Allgemeines
"Das Bildnis des Dorian Gray". UK 2009
Regie: Oliver Parker
Drehbuch: Toby Finlay, nach einem Buch von Oscar Wilde
Darsteller: Ben Barnes, Colin Firth, Rachel Hurt-Wood, Ben Chaplin, Rebecca Hall
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben