Pro:
einige gelungene Gags
Kontra:
Etliche Gags verfehlen ihr Ziel
Empfehlung:
Nein
Hallo Zielgruppe!
Road-Movies, in denen es darum geht, dass eine Person eine andere Person innerhalb einer bestimmten Zeitspanne unbeschadet von A nach B bringt, gibt es zuhauf. Meist sind es irgendwelche Kopfgeldjäger oder Polizisten, die einen Vedächtigen durch die Gegend karren müssen und dabei allerhand Abenteuer erleben, die die beiden ach so ungleichen Charaktere zusammenschweißt. Meist ist so etwas als Actionfilm oder Komödie angelegt. Nun kommt ein Film in unsere Kinos, wo der unbedarfte Mitarbeiter einer Plattenfirma einen abgehalfterten Rockstar innerhalb von 3 Tagen von London nach Los Angeles karriolen soll. Wie lustig oder spannend das Ganze ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ wie so oft zuerst die „Gemeinwesen hält Sex, Drugs und Rock'n Roll für überbewertet“ - Kurzversion ~~~
Aaron Green arbeitet als Praktikant bei einer Plattenfirma. Das Label steckt wegen stagnierender Absatzzahlen in der Krise. Der Chef verlangt von seinen Angestellten Vorschläge, wie die Firma aus der Krise wieder herauskommen soll. Da macht Aaron eher beiläufig den Vorschlag, dass man den abgehalfterten Rockstar Aldous Snow wieder aus der Versenkung holen könne. Der Labelchef ist von der Idee sehr angetan und so soll Aaron nun Aldous innerhalb von 3 Tagen von London nach L.A. schaffen. Klingt zunächst simpel, aber ist in der Ausführung doch um einiges schwieriger als gedacht, da Snow alles mögliche ist, außer diszipliniert...
~~~ und nun wieder die „Dr.Ed hat in seinem Musiker-Leben kaum was ausgelassen“ - Langversion ~~~
Aaron Green (Jonah Hill) ist als Praktikant bei einem Plattenlabel tätig. Die Firma steckt wegen stagnierender Absatzzahlen in der Krise. Der Chef Sergio Roma (Sean „P. Diddy“ Combs) verlangt von seinen Angestellten Vorschläge, wie die Verkaufszahlen wieder angekurbelt werden könnten. Eher beiläufig macht Aaron den Vorschlag, dass man den abgehalfterten Rockstar Aldous Snow (Russell Brand) wieder aus der Versenkung holen könnte. Das Album von dem Mitschnitt seines Live-Auftritts im Greek-Theatre von L.A. vor knapp 10 Jahren ist nach wie vor eines der bestverkauften Rock-Live-Alben und da das 10-jährige Jubiläum unmittelbar bevorsteht, könnte man die Veranstaltung doch einfach wiederholen.
Roma ist von dieser Idee sehr angetan und gibt Aaron den Auftrag, Aldous Snow innerhalb von 3 Tagen von London nach L.A. zu befördern. Diesen Auftrag nimmt Aaron dankbar an, denn für ihn ist Aldous nach wie vor eines der größten Rock-Idole, auch wenn sein letztes Album ein grandioser Flop war. Was in der Theorie einfach klingt, erweist sich in der Praxis doch um einiges tückischer als erwartet, denn Snow ist ständig zugedröhnt, vergnügungssüchtig und ewig notgeil. Außerdem ist sein Zeitverständnis ein völlig anderes, als man es von einem normalen Menschen erwarten würde und so dauert es nicht lange, bis Aaron beginnt, in dieser dekadenten Orgienwelt den Durchblick zu verlieren. Wenn ihn sein rigider Boss Sergio nicht zwischendurch immer wieder weitertriebe, würde sich Aaron alsbald im Sex- und Drogensumpf Snows auflösen.
Nebenbei reibt sich Aaron noch an der Beziehung mit seiner Freundin Daphne (Elisabeth Moss) auf, da es zwischen den beiden ganz schön kriselt. Snow dagegen trauert seiner Beziehung mit Sängerin und Model Jackie Q (Rose Byrne) hinterher, die jetzt mit Metallica Drummer Lars Ulrich (als er selbst) liiert ist. Auch Snows Verhältnis zu seinem Vater (Colm Meaney) ist nicht ungetrübt, denn der versucht immer wieder, ihm in allen möglichen Dingen reinzureden. So entwickelt sich der Trip für Aaron immer mehr zum Alptraum, denn mit fortschreitender Zeit erscheint es immer unwahrscheinlicher, dass sie ihr Ziel innerhalb der gesetzten Frist erreichen und so muss zwischendurch Roma nach Las Vegas einfliegen, um noch die Kastanien aus dem Feuer zu holen...
### MEINE MEINUNG ###
Zunächst muss man mal wieder in Richtung Verleih schimpfen, die aus dem Originaltitel „Get him to the Greek“ ein nichtssagendes oder vielmehr unsägliches „Männertrip“ gemacht haben. Zugegeben: Das Original würde in wortgetreuer Übersetzung ein wenig danach klingen als solle jemand zum nächstgelegenen griechischen Restaurant verfrachtet werden. Aber angesichts der Tatsache, dass die Hauptfigur zu einem Ort gebracht werden soll, der „Greek“ heißt, klingt das doch irgendwie noch ein wenig sinniger. Sei's drum. Zumindest wäre die Eindeutschung des Filmtitels ziemlich weit vorne dabei, wenn es einen Preis für stumpfsinnige Filmtitel gäbe.
Apropos stumpfsinnig: In diesem Film gibt es etliche stumpfsinnige Momente, wo man sich fragt, was das alles eigentlich soll. Der schlechte Geschmack feiert in diesem Film einmal mehr fröhliche Urständ. Egal, ob es um Liedtexte oder Szenen geht, der gespielte Fäkalwitz ist in diesem Film offenbar unvermeidlich bzw. unausweichlich und das ist durchaus im wörtlichen Sinne zu verstehen. Da gibt es ein Sammelsurium exkrementiger Gags, angefangen bei Alkohol- und Drogenexzessen, etwas Schmuddelsex, wilden Kotzereien und den obligatorischen Popoloch-Spielereien. Kurzum: Kaum ein Klassiker des Fäkalhumors wird hier ausgelassen.
Andererseits gewährt der Film aber auch einiges an Einblicken in die groteske Welt des Musik- bzw. Show-Business. Man sieht die Abgründe, die sich hinter den Kulissen verbergen und man bekommt einiges von dem Zynismus mit, der in dieser Branche üblich zu sein scheint. Man kriecht den Künstlern förmlich in den Arsch oder bläst ihnen Zucker hinein oder trägt ihnen ihren Allerwertesten hinterher, damit sie das tun, was man von ihnen erwartet. Man sieht aber auch, welche emotionalen Höhen und Tiefen Künstler durchmachen, insbesondere dann, wenn sie schon mal bessere Zeiten hatten und dem Tiefpunkt ihrer Karriere näher sind als dem Höhepunkt.
In dieser Hinsicht gibt die Figur des Aldous Snow eine ideale Prjektionsfläche diverser Rockstar-Klischees ab mit allem, was dazu gehört, sozusagen Sex, Drugs und Rock'n Roll in Reinkultur, mit diversen Höhepunkten und darauffolgenden Abstürzen. Zwar sind die ganzen Ausschweifungen und Verhaltensweisen von Aldous Snow mit Sicherheit stark überzeichnet, aber man kommt nicht umhin zu denken, dass darin auch ein wahrer Kern steckt und so hat die Figur des abgehalfterten Rockstars mitunter mehr charakterlichen Tiefgang, als man es zunächst vermuten möchte. Auch die Hin- und Hergerissenheit zwischen Faszination und Abscheu, sowie ziwschen Vernunft und Spaßhaben der Figur des Aaron Green ist sicher gut nachvollziehbar.
Überhaupt macht dieser Film erstaunlicherweise den Versuch, den Figuren so etwas wie Tiefgang zu verleihen. Auch wenn bei Rockstar und Plattenproduzent kaum ein Klischee ausgelassen wird, kann man die emotionale Achterbahnfahrt, die sie zum Teil durchmachen, gut nachvollziehen. Die Darstellung ihrer Sorgen, Nöte und Verlangen wirkt fast schon realistisch. Sean „P.Diddy“ Combs als zynischer, cholerischer, manipulativer aber immer auch berechnender Großkotz ist herrlich und wirkt fast so, als würde er sich selbst parodieren und hätte dabei noch jede Menge Spaß. Russell Brand als durchgeknallter Rockstar wirkt zwar manchmal ein wenig aufgesetzt schwuchtelig, aber auch glaubwürdig und Jonah Hill kann die emotionalen Nöte seiner Figur auch überzeugend rüberbringen.
Inszenatorisch wirkt der Film allerdings etwas unentschlossen. Die Dramaturgie entspricht in weiten Teilen einer klassischen Komödie wie z.B. „Midnight run“: Also eine Person soll eine bestimmte andere Person innerhalb einer bestimmten Zeitspanne von A nach B bringen. Die andere Person macht ihm diesen Job durch ihre Zicken und ihr unberechenbares Verhalten so schwer
wie möglich und bringt sie von einer Verlegenheit in die nächste. Im Laufe der Zeit raufen sich dann alle irgendwie zusammen und alles passt dann doch auf irgendeine Weise irgendwo zusammen. Bedauerlicherweise bewegen sich dabei viele Gags eher unter der Gürtellinie oder haben sonstwie Zotenniveau. Das reicht zwar für einige Lacher und Schmunzler, aber richtig gute Gags oder Oneliner bleiben doch eher Mangelware
Auch sonst schöpft der Film sein Gagpotential nicht konsequent aus, sondern eiert zwischen schlechtem Geschmack, Brachialwitz und plattem Klamauk auf der einen Seite, sowie sensitiven Momenten und Satire auf das Musikbusiness hin und her. Vor allem bei den Satire-Elementen hätte man noch einiges rausholen können, denn da werden zuviele mögliche Pointen oder Überspitzungen einfach ausgelassen, obwohl sie in etlichen Situationen naheliegend gewesen wären und der Geschichte noch einige überraschende Wendungen, sowie den nötigen Biss hätten geben können. Da die Figuren ja glücklicherweise schon nicht so eindimensional geraten sind, hätte das auch noch mehr als genügend Möglichkeiten gegeben, darauf aufbauend dem Verlauf der Geschichte noch den ein oder anderen zusätzlichen Schwung verleihen.
### FAZIT ###
Insgesamt kann ich den Film nur eingeschränkt empfehlen. Er hat zwar einen relativ hohen Unterhaltungswert, aber er schöpft sein Humor-Potential nicht voll aus und dasselbe gilt auch für die Story, denn da hätte man mit Sicherheit mehr draus machen können. Von daher ist es vielleicht besser, sich den Film mal für einen entspannten DVD-Abend auf die Liste zu setzen.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2010, 109 Min., FSK 12
Regie: Nicholas Stoller
Buch: Nicholas Stoller, Jason Segel
Kamera: Robert D. Yeoman
Musik: Lyle Workman
~ Aaron Green – Jonah Hill
~ Aldous Snow – Russell Brand
~ Sergio Roma – Sean „P.Diddy“ Combs
~ Daphne Binks – Elisabeth Moss
~ Jackie Q – Rose Byrne
~ Jonathan Snow – Colm Meaney
~ Chantal – Kali Hawk
u.v.a. Darunter Pink, Katy Perry, Christina Aguilera, Lars Ulrich und weitere hierzulande eher unbekannte Showgrößen als sie selber weiterlesen schließen
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