Pro:
tolle Naturaufnahmen, beeindruckender James Franco
Kontra:
mancher mag ihn langweilig finden
Empfehlung:
Ja
Heute möchte ich euch mal wieder eine DVD vorstellen die ich erst gestern gesehen habe. Wieder einmal handelt es sich um eine DVD, die ich auf gut Glück günstig ertauscht habe, sonst hätte ich wohl eher kein Geld dafür ausgegeben.
*** 127 HOURS ***
Nach allem, was ich vor und auch nach dem Sehen an Kritiken darüber gelesen habe, steht eines fest: dieser Film scheint die Zuschauer in zwei Lager zu spalten. Die einen sagen: langweilig, unrealistisch, schade um das Geld. Die anderen loben ihn mit Worten wie 'sehr gut', 'unvergesslich' 'ein echtes Filmerlebnis'. Die Frage ist also vor allem, wie hat er auf mich gewirkt?
Aber bevor wir zu meinem Eindrucken von diesem Film kommen, möchte ich euch doch eine kurze
*** INHALTSANGABE ***
machen, für den Fall, das ihr noch nie von diesem Film gehört habt.
Aron Ralston ist ein Einzelgänger und ein echter Draufgänger. Snowboarden im Winter, Radrennen durch Wüsten, Klettertouren in unwegsamen Gebirgen. Immer plant er irgendeine Tour, oftmals macht er sich allein auf den Weg, nur mit dem Notwendigsten im Rucksack und seiner Digitalkamera griffbereit um alles festzuhalten.
Dieses mal es es der Blue John Canyon in Utah, den er für seine Klettertour ausgewählt hat. Unterwegs trifft er zwei junge Mädchen, die sich verirrt zu haben scheinen und denen er nicht nur den richtigen Weg zeigt, sondern auch ein wenig Zeit mit ihnen verbringt. Das diese Beiden vielleicht die letzten sein werden, die er in seinem leben sieht, ahnt er zu diesem Zeitpunkt nicht.
Denn als er sich durch eine enge Felsspalte bewegt, gerät ein riesiger Felsbrocken über ihn in Bewegung, reißt ihn mit sich und – was viel schlimmer ist – quetscht seinen Arm unter sich ein. Alle versuche, sich zu befreien, scheitern. Völlig auf sich allein gestellt, ohne Aussicht auf Hilfe, beginnt Arons Kampf ums Überleben …
*** MEINE MEINUNG ***
Wie gesagt, bin ich völlig unvoreingenommen an diese DVD ran gegangen, einfach die Geschichte fand ich recht interessant. Was mich vom ersten Moment an beeindruckt hat, sind die Landschaftsaufnahmen, die den Zuschauer mitnehmen in abgelegene Gebiete Utahs und eine Wüsten- und Gebirgslandschaft ohnegleichen zeigen. Das erste Wow-Erlebnis waren für mich die Szenen, die er beiden jungen Mädchen mit nimmt auf eine Abkürzung, die nicht ganz ungefährlich ist und mit einem waghalsigen Sprung in eine schmale Felsspalte endet, an deren Ende ein unterirdischer See auf sie wartet. Wunderschönen Aufnahmen, sehr gut gedreht.
Aber schnell kommt der Abschied und Aron zieht wie geplant allein weiter auf seiner Tour. Der Absturz in die Felsspalte lässt nicht lange auf sich warten. Die ersten Augenblicke hält man die Luft an. Wie Aron seine Lage ganz nüchtern analysiert, nachdem der erste Schock überwunden ist, wie er Bilanz zieht und nach und nach alle Dinge aus seinem Rucksack holt, die ihm noch geblieben sind, wie er jedes einzelne davon inspiziert um herauszufinden um vielleicht irgendetwas davon ihn aus seiner misslichen Lage befreien kann.
Bis dahin sind vielleicht 30 Minuten des Films vergangen und ich habe einen Moment lang angefangen mich zu fragen, was denn nun noch 60 weitere Minuten lang passieren soll. Wer jetzt erwartet, dass der Film 'nach außen' schenkt, Eltern und Schwester zeigt, die langsam anfangen sich zu sorgen, eine Vermisstenmeldung aufgeben, einen Suchtrupp zusammenstellen lassen, der irrt. Denn der Film denkt gar nicht an einen Ortswechsel. Der Zuschauer begleitet die ganze Zeit Aron in seiner Felsspalte – lediglich unterbrochen von seinen kurzen, bruchstückartigen Erinnerungen, später auch Halluzinationen Seltsamerweise stellt sich die von mir gefürchtete Langweile aber nicht ein. Mehr und mehr fasziniert verfolgt man Arons Schicksal, seine verzweifelten Versuche, sich zu befreien, obwohl er eigentlich wissen muss, dass es hoffnungslos ist, seinen Kampf zu Überleben.
Seine Erinnerungen verraten ein wenig mehr über die Person Arons, über den man als Zuschauer eigentlich recht wenig weiß. Trotzdem ist es mir nicht schwer gefallen, ihn sympathisch zu finden, seine Überlebenswille ist beeindruckend und die paar Bruchstücke an Erinnerungen reichen aus, um zu zeigen, das Aron zwar Freunde, Eltern, eine Schwester hat die die offensichtlich lieben, aber das er irgendwo doch ein recht einsamer Einzelgänger ist, der es immer vorgezogen hat, allein zu sein. Trotzdem versucht er in diesen Stunden in der Felsspalte, die mit großer Wahrscheinlichkeit die letzten seines Lebens sein werden, auf seine Art Abschied zu nehmen, macht Videoaufzeichnungen von sich für seine Eltern und Freunde.
Es sind die kleinen Szenen in diesem Film, die mich angezogen haben. Etwa der Rabe, der morgens über die Felsspalte hinweg zieht Ein Lebewesen in der Einsamkeit. Die Sonnenstrahlen, die sich morgens für ca. 15 Minuten in den Felsspalt schleichen und Aron für ein paar Minuten Wärme geben. Oder auch das Unwetter, das plötzlich aufzieht, zunächst von Aron begrüßt, denn regen bedeutet Wasser und Wasser bedeutet Überleben. Wie es immer mehr und mehr regnet, zu einem Sturzbach wird, der ihn schließlich unter sich zu ertränken droht. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als durch die Wassermassen Arons Arm unter dem Felsen frei gespült wird, er hinaus schwimmen kann und sich zu seinem Auto schleppt, begreift man als Zuschauer, als es nur eine Halluzination war. Aber wie gesagt, unglaublich gut gefilmt, beeindruckende Bilder, die fesseln.
Ich weiß nicht, ob ich jetzt noch ein viele Worte über das Ende verlieren soll, denn egal wie ich es schreibe, es wäre ein Spoiler. Vielleicht nur soviel als Warnung: Die letzten zehn Minuten des Films haben es in sich. Ich denke schon, das hier der eine oder andere lieber die Augen schließen wird als hinzusehen.
*** SCHAUSPIELER ***
Ich glaube, selten habe ich zu einem Film so wenig zu den Schauspielern zu sagen gehabt. Und das nicht, weil James Franco, ein bis dato recht unbekannter Darsteller, schlecht spielt. Im Gegenteil, er schafft es, den Film auszufüllen, den Zuschauer zu erreichen. Man nimmt ihn die Rolle dieses unerschrockenen jungen Mannes ab, der selbst in seiner misslichen Lage nicht bereit ist, aufzugeben, egal wie hoffnungslos die Sache ist. Bis auf einige schwache Minuten schafft er es, mich vor dem Fernseher zu fesseln – und das, obwohl er sicherlich 80 Minuten eines 90 Minuten langen Films allein zu bestreiten hat. Ich denke, das spricht ganz klar für seine schauspielerische Leistung.
*** HINTERGRUNDGESCHICHTE ***
Wer diesen Bericht jetzt bis hierhin gelesen hat – und vor allem auch wer den Film gesehen hat, ohne sich vorher damit zu beschäftigen – der wird jetzt vielleicht denken, dass diese Geschichte vielleicht doch ein wenig weit her geholt ist. Wie ein Mensch unter solchen Schmerzen – und ich bin fest davon überzeugt, das er zumindest in den ersten Stunden / Tagen welche gehabt hat, bis der Arm nach und nach abgestorben ist – noch so rational denken kann, ist unvorstellbar. Besonders das Ende des Films kommt einem da eher vor wie ein Film.
Aber weit gefehlt. Diese Geschichte erzählt die Geschichte von Aron Ralston, der im Jahr 2003 genau das durchgemacht hat was in diesem Film erzählt wird. Mit diesem Hintergrundwissen bekommt der Film gleich noch einmal eine ganz andere Tiefe wie ich finde – es ist eben eine Sache eine Film zu gucken und wissen, es ist alles Fiktion und eine ganz andere, wenn man weiß, dass ein Mensch genau dies wirklich durchlitten hat.
*** FAKTEN UND CO ***
127 Hours (ich staune mal wieder das dieser Titel nicht in deutsch übersetzt wurde – vielleicht gibt es ja noch Hoffnung)
Regie, Produktion uns Drehbuch : Danny Boyle
nach dem Buch von: Aron Ralston
Gedreht: 2010 USA/Großbritannien
deutsche DVD Veröffentlichung: 2011
Laufzeit: 93 Minuten
FSK: 12 Jahre (eine Altersfreigabe, der ich eigentlich zustimmen würde … wenn da nicht die letzten zehn Minuten des Films wären, die haben es dann doch in sich, wie ich finde)
DVD-Fakten:
Ton: dolby digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bild: 16:9
Weder an Ton noch Bild gibt es wirklich etwas auszusetzen, das einzige, was ich teilweise als etwas störend empfunden habe, war, dass der Soundtrack (der eigentlich sehr gut gewählt und geschickt eingesetzt ist) stellenweise sehr laut wird – wobei ich allerdings davon ausgehe, dass das kein Produktionsfehler ist sondern einfach so gewollt war
Preis: neu ca. 12,-- Euro, gebraucht etwas günstiger
Was mich an der DVD ganz klar enttäuscht hat, sind die fehlenden Extras. Nicht mal die üblichen 08/15 Trailer, Kommentare o.ä. findet man hier (nicht, dass ich das unbedingt brauchen würde). Wenn ich mir allerdings die Extras der BlueRay ansehe, wo man unter anderen einen längeren Bericht von der wahren Geschichte Aron Ralstons findet, dann finde ich das schon ärgerlich, das man als 'einfacher DVD-Käufer' mal wieder übergangen wird.
*** FAZIT ***
Ich fand diesen Film durchaus sehenswert, allerdings ist es kein Abenteuerfilm wie man es vielleicht anhand der Beschreibung auf dem DVD Cover erwarten mag. Er lebt allein von den Geschehnissen rund um Aron Ralston … und von wirklich gelungenen Naturaufnahmen.
Zum Ansehen kann ich nur jedem raten, der es auch mal ein wenig ruhiger mag … ob man die DVD zu einem Preis von immerhin noch 12,-- Euro kaufen mag, obwohl sie wirklich nur minimalst ausgestattet ist, muss jeder mit sich selbst abmachen.
@ Prisca – November 2011 weiterlesen schließen
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