Pro:
Humor und Spannung vereint
Kontra:
Nichts entdeckt
Empfehlung:
Ja
Zwei Werke des Kabarettisten und Autoren Jörg Maurer hatte ich bereits gelesen - langsam wurde es Zeit, mir das dritte vorzunehmen, denn sowohl "Föhnlage", als auch "Hochsaison", die ersten beiden Maurerschen Alpenkrimis mit Kommissar Jennerwein als Protagonosten, hatten wir ausnehmend gut gefallen. Und so hatte ich natürlich auch eine entsprechende Erwartungshaltung, als "Niedertracht" auf dem Stapel meiner ungelesenen Bücher endlich recht weit oben angekommen war.
Der Kauf
Wieder einmal wurde ich bei meinem Stamm-Buchhändler im Internet, bei buecher.de, fündig. Für das 2011 im Fischer-Verlag erschienene broschierte Buch mit 377 Seiten und einem Reise tauglichen Gewicht von gut 300 Gramm waren dort 8,99 Euro fällig. Geliefert wurde nur wenige Tage nach der Bestellung durch die DHL, ein zusätzlicher Versandkostenanteil war nicht zu zahlen.
Das Aussehen
Auf der Vorderseite des Umschlags werden Autor und Titel des Buches genannt, außerdem gibt es den Hinweis, dass es sich dabei um einen Alpenkrimi handelt. Und so zeigt das Titelbild auch Schnee bedeckte gezeichnete Berge, vor denen einige Gemsen mit Zielscheibe zu sehen sind - so, wie das in etwa an einem Schießstand zu sehen ist. Auf der Rückseite des Covers gibt es eine Inhaltsangabe und Hinweise auf die beiden voraus gegangenen Bände. Das Buch hat das Format 19 mal 12 Zentimeter.
Der Autor
Jörg Maurer stammt aus Garmisch-Partenkirchen. Er studierte Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und Philosophie und ist Krimiautor und Musikkabarettist. Eine feste Größe in der süddeutschen Kabarettszene, leitete er jahrelang ein Theater in München und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kabarettpreis der Stadt München (2005) und dem Agatha-Christie-Krimi-Preis (2005 und 2006). Sein Krimi-Kabarettprogramm ist Kult.
Der Inhalt (Buch-Rückseite)
In der Gipfelwand über einem idyllischen alpenländischen Kurort findet die Bergwacht eine Leiche. Kommissar Jennerwein ermittelt zwischen Höhenangst und Almrausch, während die Einheimischen düstere Vorhersagen über weitere Opfer machen. Was bedeutet derweil die Mückenplage in Gipfelnähe, warum hat ein grantiger Imker auf einmal viel Geld, und wieso hilft ein Mafioso, ein Kind aus Bergnot zu retten? Jennerwein hat einen steilen Weg vor sich...
Leseprobe
Die beiden Wanderer bogen um die Kurve und blieben stehen. Sie waren jetzt auf zweieinhalbtausend Meter Höhe, die Luft war merklich kühler als unten im Kurort, wo die Touristen schon in kurzen Hosen von Eisdiele zu Eisdiele schlenderten. Hier oben wurden die beiden Wanderer von bösen Winden attackiert. In der Ferne bäumten sich zwei unförmige Gebirgskegel mit windschiefen, gezackten Gipfeln auf: links die Gatterlköpfe, rechts die Plattspitzen.
"Was sind denn das für Berge?", fragte der eine der Wanderer.
"Links, das ist der Brunntalstein, rechts der Blassenkopf", entgegnete der andere.
"Ist das rechts nicht eher das Schroffkogeleck?"
"Das Schroffkogeleck auf keinen Fall."
"Es muss das Schroffkogeleck sein. Der Blassenkopf ist doch ganz woanders."
Der Blassenkopf lag wirklich ganz woanders. Der Brunntalstein und das Schroffkogeleck aber auch.
Die beiden Wanderer sahen sich um. Notgedrungen mussten sie den Weg räumen. Kopfschüttelnd machten sie Platz für ein eiliges Trio, zwei Männer und eine Frau, die durch das Karstgelände marschierten, als wäre es ein Polizeieinsatz.
"Idioten", sagte der eine der Wanderer.
Es war ein Polizeieinsatz. Drei Mitglieder der Mordkommission IV, nämlich Hauptkommissar Hubertus Jennerwein, die Polizeipsychologin Dr. Maria Schmalfuß und der Polizeiobermeister Johann Ostler, waren, wie die vielen Touristen auch, mit der Gondel auf den Zugspitzgipfel, dann mit der Gletscherseilbahn aufs Platt gefahren, den Rest der Strecke mussten sie zu Fuß gehen. Sie waren von der Bergwacht alarmiert worden.
Meine Meinung
Jörg Maurer ist "hauptberuflich" Kabarettist. Das ist auch seinen Büchern anzumerken, denn natürlich kann dieser Mann keinen normalen ernsthaften Kriminalroman schreiben, vielmehr bedient er sich der Elemente des Kabaretts, der Übertreibung, der Satire, der Ironie. Nur wer das weiß und auch mag, wird seine Romane auch mit Begeisterung lesen. Ich wusste es, denn ich hatte ja schon die ersten beiden Werke Maurers gelesen und war entsprechend auf Fall Nummer drei eingestimmt.
Skurril geht es hier zu. Skurril sind die Taten, die Kommissar Jennerwein aufzuklären hat, skurril sind aber auch die handelnden Personen - und natürlich sind sie herrlich übertrieben dargestellt. Der Kriminalfall steht natürlich im Mittelpunkt des Buches, aber Maurer schafft es auch, ein Bild der Menschen aus alpenländischen Regionen zu zeichnen. Ein Bild, wie es sich der gemeine Preuße selbst gemacht hat, wie es aber jeder Bajuware als längst überholten Vorurteil abtun würde. Humorig aber ist das auf jeden Fall.
Nicht nur der Plot ist interessant, wenn auch übertrieben konstruiert, sondern auch das gesamte Rundherum. Geschildert wird das Geschehen dabei übrigens aus mehreren Perspektiven, wobei der Leser einen Informationsvorsprung gegenüber dem Ermittler hat - das aber tut der Spannung keinen Abbruch, denn es interessiert schon, ob und wie die Kriminalfälle aufgelöst werden. Der Maurer-Kenner indes wird sich freuen, dass er auf einige alte Bekannte wiedertrifft, die schon in den beiden Romanen zuvor ihr Scherflein zur Attraktivität des Geschehens beigetragen hatten, wobei meine absolute Lieblings-Person ja der Österreicher Karl Svoboda ist, den seine verbrecherische Grundeinstellung nicht daran hindert, immer wieder menschliche Züge zu zeigen. Und wie Maurer es versteht, mit Sprache umzugehen! Das macht wirklich Freude, wobei mir die Schaffung neuer Adjektive und Verben durch den Autoren schon imponiert und ich im Zusammenhang mit dem Bergsteigen eine Vokabel wie das "trenkern" sofort verstanden habe. Eigentlich müsste dieses Wort schon bald Einzug in den Duden finden!
Ein Prolog, 53 Kapitel, ein Epilog und gleich zwei Anhänge bedeuten gleichermaßen viel Lesegenuss für Freunde des skurillen bis schwarzen Humors. Interessant ist auch, wie wenig Papier hier verschenkt wurde. Schon auf der Innenseite des Umschlags beginnt ein Interview mit dem Autor - und auch in der Folge sind leere Seiten nicht zu finden. Und natürlich gibt es eine Reihe weiterer kleiner optischer Schmankerl, wie zum Beispiel die Gemse oder das Jodel-Zitat an jedem Kapitelanfang - das alles ist sehr liebevoll gestaltet und entspricht so gar nicht der allgemeinen Vorstellung von der Herstellung eines billigen Taschenbuchs.
In der Summe also spreche ich gern für Freunde der subtil-skurril-schwarzen Humors eine Leseempfehlung aus - ich jedenfalls habe mich köstlich amüsiert. Wer Maurers Werke noch nicht kennt, sollte aber nach Möglichkeit mit dem ersten Buch aus der Reihe um Kommissar Jennerwein, nämlich "Föhnlage" beginnen. Verständlich ist das vorliegende Werk zwar auch ohne Vorkenntnisse, einige Pointen aber werden nur die verstehen, die den Protagonisten schon zuvor bei seiner Verbrecher-Jagd begleitet haben. weiterlesen schließen
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