Pro:
spannend, actionreich, wendungsreich, kompetent übersetzt, günstige Taschenbuchausgabe
Kontra:
könnte romantischer, emotionaler sein, häufiger Szenenwechsel, 1 schwerer Übersetzungsfehler
Empfehlung:
Ja
Der geheimnisvolle Camel Club will die verborgenen Machenschaften der US-Regierung aufdecken, um Korruption und Betrug ein Ende zu bereiten. Auch Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat sich dieser hehren Aufgabe verschrieben, doch unvermittelt wird sie selbst zur Gejagten. Nachdem sie den Mörder ihrer Mutter, einen skrupellosen Kasinoboss, um 40 Mio. Dollar erleichtert hat, steht sie als Nächste auf seiner Abschussliste.
Im Kampf um Leben und Tod ist ihr die Hilfe des Klubs gewiss. Die Karten werden jedoch neu gemischt, als dessen Anführer Oliver Stone von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich selbst vor einem Killer fliehen muss… (abgewandelte Verlagsinfo)
Mein Eindruck
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Im typischen Baldacci-Stil springt die Erzählung von Szene zu Szene und wechselt dabei stets Schauplatz und Figuren. Schon bald hat der Leser Mühe, den drei - oder waren's vier? - Erzählsträngen zu folgen. Da ist zum einen Oliver Stone, dann Annabelle Conroy und ihr wiedergefundener Vater, die noch ein Hühnchen mit Jerry Beggar zu rupfen haben. Und da ist der Killer Finn, der beauftragt worden ist, einen Rachefeldzug auszuführen.
Bei allen Beteiligten wächst der psychische Druck. Indem sich jedoch Stone einfach an Finns Fersen heftet und ihm über die grüne Grenze nach Kanada folgt, stößt er auf Lesya und Geheimdokumente, die Grays und Simpsons Schuld am Anti-Andropow-Komplott beweisen. Brisanter Stoff! Lesya will Solomons Rehabilitation, Stone will Grays und Simpsons Ende.
Doch als sie in Washington eintreffen, ist dort die Lage bereits zu ihren Ungunsten gedreht worden - Gray ist auf alles vorbereitet. Deshalb kommt es direkt vor dem Capitol und dessen neuem Besucherzentrum zu einem explosiven Showdown, der sich gewaschen hat. Auch das Nachspiel bleibt spannend bis zur letzten Szene. Also: dranbleiben!
Man sieht also, dass der Autor nicht nur die Drecksarbeit der Spezialkommandos in Vietnam aufgearbeitet hat, sondern auch noch eine Erklärung für den vorzeitigen Tod der beiden UdSSR-Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko serviert.
Wem dieses ganze Geflecht von Querverbindungen und laufendem Szenenwechsel zu kompliziert ist, weil er lieber MTV schaut, der kann sich jetzt einfach das Buch zulegen. Da hat er dann Gelegenheit, jederzeit wieder zurückzublättern. Das Taschenbuch ist am 16. September 2011 erschienen und mit knapp 10 Euro relativ preisgünstig..
Unterm Strich
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In seiner üblichen Technik des spannenden Erzählens verknüpft Baldacci mehrere Handlungsstränge, um sowohl finstere Machenschaften aufzudecken als auch um ein altes Familiengeheimnis aufzudecken und zu sühnen. Dass dabei bestimmte Figuren auf der Strecke bleiben, andere aber überleben, versteht sich von selbst - mehr darf nicht verraten werden.
Baldacci schreckt nicht davor zurück, die Tode der beiden russischen Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko, die den Aufstieg Gorbatschows ermöglichten, der CIA unterzuschieben. Natürlich wusste der Präsident nichts davon! Aber klar doch. Und der Präsident genehmigte auch nie Foltermethoden wie Waterboarding (das hier fälschlich als "Surfbrett-Methode" übersetzt wird). Schon klar.
Merkwürdig, dass sich zwischen Stone und Annabelle Conroy kein Techtelmechtel entwickelt. Aber er ist wohl "einfach zu alt für diesen Scheiß", hat er doch schon in Vietnam gedient. Jedenfalls hat er nicht seine Kampffähigkeiten verloren. Der Leser ist gut beraten, Action bis zum Schluss zu erwarten.
Fazit: vier von fünf Sternen.
Michael Matzer © 2011ff
Info: Stone cold, 2007; Bastei-Lübbe, 09/2011, Köln; 480 Seiten, aus dem US-Englischen von Uwe Anton; Preis: 9,99 EU; ISBN 3404160800 weiterlesen schließen
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