Pro:
Ist lang nicht so brutal wie das Original
Kontra:
Handlungsort, Szenen und Szenenablauf, Kameraeinstellung usw. ist mir zu identisch
Empfehlung:
Nein
Na ja, normalerweise hätte ich ja lieber wieder einmal einen Hitchcock-Filmbericht geschrieben, jedoch in Anbetracht dessen, das ich seit gut einem Jahr mir mindestens schon fünfmal den Film "Verblendung" aus der Stieg Larsson - Millennium Trilogie angeschaut hab, musste ich natürlich auch diesem David Fincher "Remake" meine Aufmerksamkeit widmen, wobei es mich schon sehr interessierte, in wieweit die Fassung vom Original verändert worden ist, und natürlich auch, ob es diese/r Schauspieler Daniel Craig auch so gut drauf haben/hat, zumal gerade dieser Schauspieler absolut nicht zu meinen Lieblingsschauspielern gehört. Nun gut.
Zunächst einmal kurz, um was es sich in diesem Film dreht.
Da ist zunächst einmal der bekannte Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist, welcher einen recht sonderbaren Auftrag von Henrik Vanger bekommt, welcher nicht allein ein überaus betagter Herr, einer einflussreichen Industriellenfamilie ist, sondern seine Nichte Harriet vermisst, welche vor über 40 Jahren unter mysteriösen Umständen spurlos verschwand. Ja, mit diesem Auftrag nach ihr zu suchen, beauftragt er Mikael Blomkvist, welchem unerwartete Hilfe von der hochbegabten wie auch kompromisslosen Hackerin Lisbeth zuteil kommt. Mit ihr gemeinsam tauchen die beiden bei ihren Nachforschungen immer tiefer in die Geschichte der Vanger-Dynastie ein - und stoßen dabei auf Grausames, Erschreckendes, Unerträgliches...
Jetzt nun gleich zur eigenen Meinung
Na ja, milde ausgedrückt, bin ich schon recht über diesen Film "Verblendung" enttäuscht, zumal mir zumindest diese 158 Minuten wie eine Ewigkeit vorkamen. Gähnend langweilig, gegenüber dem Original aus dem Jahre 2009, welches trotz seiner enormen Länge von 180 Minuten mich nicht ermüdete, sondern richtig fesselte und in seinen Bann zog.
Na ja, an was liegt dieser Unterschied? Etwa an den Schauspielern, am Regisseur, oder ist gar die Produktionsfirma Schuld?
Okay, dass ich einen Aber habe, was Daniel Craig betrifft, das habe ich ja schon eingangs erwähnt. Nur an was das nun liegen mag? Auch darüber habe ich mir schon den Kopf zerbrochen, wobei es aller Wahrscheinlichkeit an seiner gefühlskalten, emotional, unnahbaren Ausstrahlung liegt, wie auch an seiner überheblichen Art, welche auf mich so wirkt, so als ob er mit anderen Personen nichts anzufangen weiß, mit Ausnahme, als er seine Tochter im Film trifft. Und genauso zeigt er sich als Mikael Blomkvist. Denn als er angeschossen wird, rennt er planlos durchs Unterholz weiter, so als ob nichts gewesen wär. Ähnlich verhält er sich als James Bond in "Ein Quantum Trost", als er über sich eine Folterszene ergehen lassen muss. Als "unverwundbarer", beinahe schon als "Übermensch" wirkt er nicht nur in dieser James-Bond Folterszene, sondern auch in "Verblendung" als ihm eine Plastiktüte über den Kopf gezogen wird. Klar, man erkennt einen nach Luftringenden, aber da hab ich schon ehrlichgesagt viel dramatischere Szenen gesehen, in welchen den Schauspielern wahrlich die Angst ins Gesicht geschrieben stand. Diese Szene hat Michael Nyqvist im Original besser bewerkstelligt. Ihm sah man wenigstens seine Angst und seine Schmerzen an.
Auch die Bettszene mit ihm und Rooney Mara, welche Lisbeth Salander spielt, ist total unglaubwürdig, wobei ich jetzt nicht die schauspielerische Leistung meine, sondern das Gefüge, wie eins zum anderen kommt. Meiner Meinung nach hat der Regisseur hier die zwei zu schnell miteinander ins Bett gebracht, während im Roman, Hörbuch wie auch im Film unter Regie von Nils Arden Oplev, den zwei noch Zeit gegeben wird, sich erst mal richtig kennenzulernen.
Ja, und nun zu Rooney Mara, welche im Gegensatz zu Noomi Rapace wie ein braves, ja beinahe schon unschuldiges Mädchen wirkt, welches nur ein Schulter-Tattoo trägt, und auch so recht spärlich mit Gesicht-Piercing besäht ist. Klar, sie trägt ihre schwarzen, kurzen Haare wild nach oben gekämmt, wobei auch der Punkhafte Auftritt bei ihr nicht so ausgeprägt ist. Keine schwarzen Lippen und keine schwarz lackierte Fingernägel, wobei jedoch recht dunkel gekleidet beide sind. Noomi Rapace und Rooney Mara.
Dass hinter diesen recht feinen, mädchenhaften Gesichtszügen eine furchtbare Vergangenheit stecken soll, ist mehr als unglaubwürdig, zumal Kindern, die eine schwere Vergangenheit haben oder hatten, noch in späten Jahren, dies im Gesicht geschrieben steht, was sie einst mit- und durchmachen mussten. Normalerweise soll Rooney Mara eine psychisch Gestörte darstellen, welche eine recht schwere Kindheit hatte (Mutter wurde vom Vater regelmäßig vergewaltigt und geschlagen, was Lisbeth mitbekommen hat). Allein dies zeichnet ein Trauma aus, was üblicherweise zu Berührungsängsten gegenüber anderen, in diesem Fall Männern führt. Dies wurde im Film total verfälscht.
Und wenn ich nun zur Vergewaltigungsszene komme, so fehlt mir gänzlich die Angst in ihrem Gesicht. Klar, sie wehrt sich und schreit, als sie ins Bett gefesselt ist, nur schreit sie mir zu unentwegt, wobei man bei Noomi Rapace unter ihrem wimmern und klagen den Schmerzensschrei noch raus hört, als er in sie eindringt. Recht unglaubwürdig wirkt es des weiteren, dass jemand nach so einem brutalen Analverkehr, kurze Zeit später fast schmerzfrei wieder laufen kann. Auch die Rache, die sie an ihrem Peiniger nimmt, wirkt lächerlich, wenn man das Original kennt. Ganz ohne Spannung läuft dies ab. Bei Noomi Rapace hat man immer noch das Gefühl "ob das was sie vor hat, auch gut geht", wobei man bei Rooney Mara nie wirklich das Gefühl gehabt hat, dass man um diese Angst haben muss. Damit möchte ich nun nicht sagen, dass Rooney Mara eine stärkere Persönlichkeit darstellt, sondern vielmehr sieht man schon von vornherein, was auf sie zukommt. Auch als eiskalte Erpresserin, gegenüber ihrem Vormund, tritt sie recht unglaubwürdig auf.
Ja, und dieser Vormund ist ihr Peiniger, welche sie Vergewaltigt hat. Was für eine Person stellt dieser dar? Gespielt wird dieser von Yorick Van Wageningen als Nils Bjurman. Als "schmieriger", fieser Typ, oder böser Onkel, kommt dieser ganz sicher, zumindest für mich nicht rüber. Er spielt meiner Meinung nach den bösen Vormund nicht leidenschaftlich, böse genug, sondern eher ausdruckslos und gleichgültig. Ohne viel Druck auf sie auszuüben findet z.B. der Oralsex statt, wobei ich zu Rooney Mara zurückkommen möchte, die sich nicht sichtlich davor ekelt mit Würgereiz und so, sodass ihr Wasser allein zum Mundausspülen genügt. Auch die Schmerzen, sind Ausdrucksmäßig keine richtigen Schmerzen für ihn, welche ihm Lisbeth nicht nur mit dem Tattoo-Gerät, sondern auch mit dem Dildo zufügt, welches sie ihm in seinen Anus steckt, was im Film jedoch ganz, ganz kurz angedeutet, gezeigt wird. In der ersten Verfilmung kommt diese Szene richtig brutal rüber.
Daten zum Film "Verblendung"
Originaltitel: The Girl with the Dragon Tattoo
Land: USA, Schweden, UK, Deutschland, 2011
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steven Zaillian
FSK: 16
In Reihenfolge - Rolle - Darsteller - Synchronsprecher
Mikael Blomkvist - Daniel Craig - Dietmar Wunder
Lisbeth Salander - Rooney Mara - Kaya Marie Möller
Henrik Vanger - Christopher Plummer - Lothar Blumhagen
Martin Vanger - Stellan Skarsgård - Detlef Bierstedt
Dirch Frode - Steven Berkoff - Otto Mellies
Erika Berger - Robin Wright - Irina von Bentheim
Erik Bjurman - Yorick van Wageningen - Olaf Reichmann
Anita Vanger - Joely Richardson - Christin Marquitan
Cecilia Vanger - Geraldine James - Marianne Groß
Dragan Armansky - Goran Visnjic - Oliver Siebeck
Polizeibeamter Morell - Donald Sumpter - Friedrich Georg Beckhaus
Hans Erik Wennerström - Ulf Friberg - Peter Flechtner
Plague - Tony Way - Tobias Müller
Pernilla Blomkvist - Josefin Asplund - Luisa Wietzorek
Gunnar Nilsson - Mats Andersson - Uli Krohm
Meiner Meinung nach fehlt diesem Film jegliche Spannung, wirkt im Gegensatz zum Original richtig lasch und schal, ja, man kann schon sagen blass, sodass man ihn eher schon in die Schublade der Komödien oder seichten Dramen stecken, ja verschwinden lassen kann. Denn von einem richtigen Thriller fehlt jede Spur, auch wenn sich der Film als solcher nennt. Allein was den Regisseur dazu bewogen hat, da er Meister der Thriller ist, was man in seinem Erfolg in "Se7en" (1995) und "Der seltsame Fall des Benjamin Butten" (2008) sehen kann, um nur diese zu nennen, von welchen ich wahrlich begeistert bin, lässt sich schwer sagen, zumal er als Perfektionist als Regisseur gilt. Vielleicht gerade deshalb, weil er der Buchvorlage 100%zig gleich sein wollte, hat er recht viele Szene derartig entschärfen, dass diese fast nichts mehr mit einem Thriller gemein haben. Zum Beispiel, als Lisbeth in der Erstverfilmung von mehreren Jugendlichen in einer Unterführung angegriffen wird, wirkt dies wie ein richtiger Überfall, während in dieser Verfilmung dies eher wie ein einfacher Handtaschendiebstahl dargestellt wird, welches zum Leidwesen nicht wirklich zur richtig bösen Charakterisierung der Lisbeth führt. Nur, und da wird mir sicher jede/r Buchleser rechtgeben, schwingt beim Lesen noch die Fantasie mit, kann man sich die Szenen noch selber ausmalen, wie brutal diese ablaufen, was, wenn man sich einen Film anschaut, schon vorgegeben ist.
Außerdem, so meine ich, wird hier die Wennerström-Affäre viel zu viel in den Hintergrund gedrückt, während man mehr planlos und wirr, unzählige Ermittlung Szenen aneinander reiht, nur um den Film in die Länge zu ziehen. Über das andere Ende, darüber lässt sich streiten. Das ist meiner Meinung nach halt Geschmacksache. Im Großen und Ganzen finde ich die Schauspieler wohl nicht schlecht, aber schlecht in diesem Film, welcher nach mehr Brutalität, Rohheit und Quälerei schreit. Als eine totale Fehlbesetzung muss man Herriet sehen, welche so ca. 60 Jahre alt sein müsste, jedoch eine Frau, geradeso um die 30 im Film auftaucht. Auf jeden Fall an das schwedische Original kommt dieser Film nicht heran, welchem hier einfach die Rauigkeit das Schmutzige fehlt. Nun, Finchers "Remake" wird wohl mehr zum Amerikanischen Publikum passen, welches sich allzu gerne Verblenden lässt.
Was bleibt ist Action alla Hollywood und ein schaler Beigeschmack.
Fazit: Ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, wenn man das Original kennt. weiterlesen schließen
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