Pro:
gute Darsteller + ein eigentlich interessantes Thema für einen Film...
Kontra:
- ... welches irgendwie größtenteils lahm umgesetzt wurde - Hellseher sind Humbug
Empfehlung:
Ja
Was kommt danach ? Kommt überhaupt etwas ? Oder wird, wie es Maries Freund so treffend in diesem Film ausdrückt, nach dem Ableben der Stecker gezogen und "finis" ? Diese Frage jedenfalls versucht der 2010 unter der Regie des einstigen "Dirty Harry" und Westernhelden in verschiedensten Rollen darstellenden Clint Eastwood nachzugehen. Ist dieses Thema aber für einen "Thriller" , als den sich dieser Film sehen möchte, überhaupt geeignet ?
=== So kam ich zu diesem Film ===
Beim Aldi gibt es doch an und ab immer wieder einmal ganz interessante DVDs zu recht günstigen Preisen. Für 7,99€ nahm ich so "Hereafter" mit, da mich das Thema schon irgendwie ansprach und sich Clint Eastwood nicht zuletzt schon durch einige seiner Regiewerke auszeichnen konnte.
== Zum Film ==
=== Darum geht es ===
_ Irgendwo in Thailand _
Marie ( _ Cecile De France_ ), von Beruf Fernsehjournalistin , wird während ihres Urlaubs in Thailand von einem Tsunami überrascht. Sie wird von der reissenden Flutwelle mitgezogen und ertrinkt - beinahe jedenfalls, denn nach einigen Minuten unter Wasser wird sie von beherzten Helfern gerettet und kehrt so - quasi für wenige Augenblicke schon klinisch tot - so ins Leben zurück.
Danach ist für die sonst so erfolgreiche Fernsehjournalisten nichts mehr so, wie es war.
Auch wieder zurück in Frankreich bekommt sie Visionen von den Ereignissen, die sie während ihrer Nahtoderfahrung durchgemacht hat. Als ihr dies just mitten in einer Sendung unterläuft, drängt sie ihr Freund Didier ( _Thierry Neuvic_ ) der gleichzeitig die Regie in ihrer Sendung führt, dazu, erstmal eine längere Pause einzulegen und an ihrem Buch weiter zu schreiben. Tatsächlich geht Marie darauf ein, kann jedoch nicht , wie geplant an ihrem Thema "Francois Mitterand" bleiben und macht sich so zu Recherchen nach Leuten auf, die - wie sie - Nahtoderfahrungen gemacht haben. Die Recherchen führen sie bald nach London...
_ London, England _
Marcus ( _Frankie McLaren_ ) und Jason ( _George McLaren_ ) müssen ihr Leben in London weitestgehend eigenständig meistern, weil ihre alleinerziehende Mutter sie zwar liebt, aber wegen ihrer Drogenabhängigkeit nicht dazu fähig ist, sie großartig zu unterstützen. Tatsächlich versuchen die beiden , nur durch 12 Minuten Lebenszeit "getrennten" eineiigen Zwillinge einiges anstellen, damit sie nicht vom Jugendamt etwa in getrennte Pflegefamilien untergebracht werden. Dazu tun sie alles, um die Beamten zu überzeugen, dass ihre Mutter "topfit" ist und sie sich um sie kümmert. Tatsächlich gelingt es ihnen das eine oder andere Mal, die Jugendamtmitarbeiter zu täuschen. Kurz nach einem solchen erfolgreichen Täuschungsversuch schickt ihre Mum Jason los, ihr Medikamente aus der Apotheke zu holen - tatsächlich scheint sie nach Recherchen der Jungs gewillt zu sein, einen Entzug zu wagen, denn die Medikamente sind allesamt dazu gedacht, einen "sanften Entzug" zu unterstützen. Jason will so frohgemut nach Besorgung der Medikamente nach Hause zurückkkehren, als er durch eine Jugendgang aufgehalten wird, die ihm sein Handy und die Medikamente stehlen wollen. Jason schafft es aber, sich loszureissen und eilt in Panik auf die Straße - wo er von einem Lieferwagen überfahren wird und an den Folgen stirbt. Sein Bruder Marcus ist untröstlich und auch seine Mum ist mit den Nerven am Ende. So kommt Marcus, der bitter um seinen Bruder trauert und immer wieder mit ihm redet, schließlich doch in eine Pflegefamilie. Er sucht nach einem Medium oder Hellseher, über den er Kontakt zu seinem Bruder aufnehmen kann - zunächst vergeblich, doch dann...
_ San Francisco, Kalifornien, USA_
Der Fabrikarbeiter George ( _Matt Damon_ ) in San Francisco kann von Kindesbeinen an mit den Toten kommunizieren (sogenannte "Readings") , was es ihm unmöglich macht, normale Beziehungen zu führen. Da ihm seine "Gabe" entsprechend mehr als einmal gründlich das Leben verhagelt hat, hat er es aufgegeben, seine durchaus lukrative Kunst als Medium weiterhin zu Geld zu machen. Sein Bruder ist davon gar nicht begeistert und ermutigt ihn immer wieder, den eher nicht einträglichen Job in einer Zuckerfabrik aufzugeben und führt ihm so immer wieder recht subtil und teils hinterhältig verzweifelte Menschen zu, die ihn geradezu um seine Hilfe anflehen. George jedoch weigert sich bald strictement, seine "Readings" durchzuführen und geht zum Ausgleich abends in eine Kochschule für Erwachsene. Hier trifft er auf die nette Melanie ( _Bryce Dallas Howard_ ), die es ihm schon angetan hat. Doch gleich an dem ersten Abend, wo er sie zu sich nach Hause einlädt, bekommt Melanie mit, was Georges Begabung ist. Sein Bruder hat ihn nämlich auf den Anrufbeantworter gesprochen und Bezug auf den letzten "Patienten" , den George als Medium diente, genommen. Neugierig überredet Melanie nun George dazu, mit ihr ein Reading zu veranstalten - dabei erfährt sie Sachen, die sie so nicht hören wollte - das erste Date ist entsprechend ein Reinfall.
So konzentriert er sich auf seine zweitliebste Freizeitbeschäftigung: Lesungen von seinem Lieblingsautor Charles Dickens - ein Hobby, das ihn bald nach London treibt...
=== Darsteller und Charaktere ===
Im Prinzip machen alle Schauspieler ihre Sache recht gut. Matt Damon ist der eigentlich recht sympathische, allerdings doch stark mit seinem Schicksal hadernde "Seher", der einfach genug von seiner - seiner Meinung nach unnatürlichen- Gabe hat, die ihn täglich sehen lässt, dass sie ihm selbst nur Kummer einbringt. Cecile de France, die "Marie" darstellt, die eigentlich vor ihrer Nahtoderfahrung eine kompetente Journalisten war, wird durch diese Erfahrung vollkommen in ihrem Leben umgekrempelt. Ihr Job ist ihr bald nicht mehr so wichtig, allerdings ist ihr journalistischer Forschungsdrang durch die für sie immer wieder unerklärlicherweise auftretenden Visionen mehr als nur geweckt. Auch die beiden Brüder McLaren machen ihre Sache wirklich gut. Ich fand es jedenfalls schon sehr rührend mit anzusehen, wie Marcus verzweifelt alles tut, um mit seinem verstorbenen Bruder Kontakt aufzunehmen. Die Charaktere dieses Filmes sind jedenfalls allesamt frei von jedweder Art von Klischee gezeichnet und wirken als solche recht authentisch - eben wie Menschen, die -unabhängig voneinander - recht intensive Erfahrungen mit dem Tod gemacht haben.
=== Das macht diesen Film aus ===
Clint Eastwood versucht dem Thema "Reden mit den Toten" bzw. "Medium, Wahrsager,Hellseher - ist da was dran?" eine gewisse Sachlichkeit zu verpassen und aus der Parapsychologie zu nehmen, indem er dieses Thema mit Schicksalen von Menschen verknüpft, die Nahtoderfahrungen bzw. Erfahrungen mit dem Tod generell gemacht haben. Dies ist einerseits doch recht eigentümlich, denn dadurch versucht er, dieses Thema weitab von Klamauk oder Belustigung ob des Glaubens an diese Dinge zu behandeln - er schildert den "Nahtod" als Einstiegsschance, mit den Toten kommunizieren zu können. George / Matt Damon kann es schon seit frühester Kindheit, wo er fast wegen einer Hirnhautentzündung verstorben wäre und - nah am Tod - doch gerettet werden konnte, genauso wie Marie, die erst "kürzlich" diese Nahtoderfahrung machte und nun auf der Suche nach ihren neuen Zielen ist. "Marie" parliert übrigens in der ersten Stunde des Filmes mit ihrem Freund Didier und anderen, sie umgebenden Menschen durchweg auf französisch - die deutschen Untertitel werden eingeblendet, es ist aber manchmal schon anstrengend, der durchaus schnell wechselnden Kommunikation zu folgen.
Marcus dagegen ist - plötzlich durch den Tod seines Zwillingsbruders Jason von ihm getrennt - verzweifelt auf der Suche nach jemandem, der Kontakt zu ihm herstellt. Die drei Schicksale laufen so schließlich unweigerlich aufeinander zu - eine Reise, die ich teils mit einem gewissen Maß an Langeweile mitmachte. Der Film streckt sich doch arg in der ersten Stunde, irgendwie mag Eastwood den Faden nicht wirklich stringend spannend durchhalten zu können. Viel zu viele Kleinstdetails, die ich eigentlich gar nicht wissen möchte, dann eher minutenlange Ausdrücke einer doch eher von "Depri"-Stimmung durchzogenen Gefühlswelt - "ach du je, passiert denn sonst nichts weiter ?" , dachte ich mir so beiläufig. Ich war sogar fast soweit, in der Mitte des Filmes das Schauen aus "Einschläferungsgefahr" einzustellen, da ergab sich dann doch die doch erstaunliche Wende zu einem Ansatz von Spannung, die zwar auch nicht großartig in Schwung kam , aber mich doch noch so gerade bei der Stange hielt, bevor ich von dieser noch schlafend herunterfiel. Wie gesagt, das war, um beim Thema zu bleiben, meine persönliche "Nahschlaferfahrung" beim Schauen dieses Filmes, wenn man so will..
== Zur DVD ==
=== Bonusmaterial ===
Drei Featurettes bietet die DVD an. Das erste behandelt den Dreh der "Tsunami"-Szene, im Zuge derer "Marie" ihre Nahtoderfahrung machen wird. Technisch wurde diese wirklich recht aufwändig in Szene gesetzt - ich denke, die Produktionskosten werden wegen dieser Szene allein schon hochgeschnellt sein. Das zweite Feature mit dem Titel "Hereafter - auf der Suche nach den stillen Charakteren" versucht , dem Film eine reale Grundlage zu verpassen, indem die "Geschichten hinter der Geschichte" (wie Guido Knopp es ausdrücken würde) beleuchtet werden, sprich: es werden Menschen vorgestellt, die just eine solche Nahtoderfahrung gemacht haben (und dennoch nicht mit Toten kommunizieren können). Das dritte Feature dreht sich um die Regieleistung von Clint Eastwood. "Die Eastwood Erfahrung" ist im Prinzip ein mit den Darstellern geführtes Interview über deren Zusammenarbeit mit Regisseur Clint Eastwood - die Aussagen darf man sich wohl denken (super, toll, spitze...)
=== Bild und Ton ===
Technisch ist das Bild der DVD am technisch Machbaren des PAL-Standards ausgerichtet - absolut top in Farben, Kontrasten und Auflösung präsentiert sich das mit 8000 kbps gemasterte Videobild. Wegen des verwendeten Breitbildformates von 21:9 bekomme ich es allerdings auf meinem 16:9 TV doch mit schwarzen Randstreifen im Bild zu tun. Der Ton kann sich leider wegen der überwiegend eher ruhigen.stillen Atmosphäre nur in der anfänglichen Tsunami-Szene auszeichnen und kommt hier raumklangmässig in Schwung. Sonst ist die Raumklangtiefe - szenenbedingt - weniger gut wahrnehmbar, dennoch: wo er muss, da ist der Ton auch "raumklangtief" genug.
=== Auf einen Blick ===
* Titel: Hereafter - Das Leben danach
* Studio: Warner Home Video Germany
* Genre: Thriller & Krimi
* Erstveröffentlichung: 3.6.2011 / Produktionsjahr: 2010
* FSK: ab 12 Jahren / Laufzeit: 124 Min.
* Darsteller: Matt Damon, Marthe Keller, Jay Mohr, Charlie Holliday, Cecile De France
* Regie: Clint Eastwood
* Bildformat: Widescreen; 2,40:1 / Tonformat: DD 5.1: Deutsch, Englisch, Spanisch
* Untertitel für Gehörlose: DEU,ENG
* Bonusmaterial: 3 Featurettes: Tsunami ! Eine Katastrophe wird nachgestellt / Hereafter- auf der Suche nach den stillen Charakteren / Die Eastwood-Erfahrung
=== FAZIT ===
Der Film konnte mich leider nur halb begeistern. Dafür ist er von seinem Spannungsaufbau einfach viel zu lahm - gut, es begann rasant mit dem Tsunami, der technisch wirklich top in Szene gesetzt wurde, doch dann ging alles irgendwie so spannungsmässig bergab. nach einer recht quälenden Stunde musste ich mich erst schütteln um dann kurz danach doch mit einer Spannung versprechenden Szene bis zum Ende des Films motiviert zu werden, dran zu bleiben. Einen "Thriller" jedenfalls stelle ich mir durchweg anders vor. Die Charaktere sind allesamt doch eher trist und solche der stillen Natur, wie soll ich da vor lauter Traurigkeit oder Bitterkeit noch an so etwas wie Spannung glauben ?
Eher ist der erste Teil des Films wohl als kleines "Drama" zu umschreiben, eben, als Jason, der Zwillingsbruder von Marcus, stirbt. Ansonsten konnte mich der Film nur mässig fesseln und in der Frage, ob es Hellseher nun, aus welchem Grund auch immer, mit echten Fähigkeiten gibt, bin ich nach wie vor unerschütterlich der Ansicht, dass dies alles Mumpitz ist. Da kann Eastwood dieses Thema noch und nöcher auf einen seriös gemeinten Sockel setzen, wie er will. Ich gebe wegen der weitgehenden Abwesenheit von Spannung 1 Sternchen und keine Empfehlung als Wertung - die guten Schauspieler können eben nicht alles herausreissen, was das eher trist-fade Drehbuch so verbockt hat. Vielleicht hätte Eastwood einfach die großen Längen cutten sollen, vielleicht.... weiterlesen schließen
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