Pro:
wendungsreich, gewissermaßen innovativ, überraschend
Kontra:
wackelige Kameraführung, an einer Stelle leider arg übertrieben (lächerlich)
Empfehlung:
Ja
Filme rund um das Thema Exorzismus, Besessenheit ob des eigenen Glaubens, eines Fluchs, einer Erblast oder gar die Frage, ob nicht vielmehr Epilepsie hinter den Anfällen steckt, gibt es mancher Meinung nach satt und genug. In der Tat empfinde auch ich es so, als das die letzten Jahre eine recht große Schwemme an Land spülten. Über den Aspekt, dass es sogar einen zweiten Teil von „Der letzte Exorzismus“ geben wird, was meines Erachtens nach ein Widerspruch in sich sein sollte, mag ich mich gar nicht erst auslassen, bringt mich solcherei zwar einerseits zum seufzen, andererseits hält es mich jedoch nicht davon ab, inmitten eines Videotheken-Räumungsverkaufs zu dem spanischen Beitrag
ldquo;Der Exorzismus der Emma Evans&ldquo zu greifen. In der Tat kommt dieser nicht nur Dank des Titels kaum umhin, sich zwangsläufig mit _„Der Exorzismus der Emily Rose“_ vergleichen zu lassen, geht es auch hier um einen Priester (Stephen Billington), der exkommuniziert wurde, nachdem ein vermeintlich besessenes Mädchen zu Tode kam.
Weiterhin steht – wenn auch nur kurzzeitig – der Verdacht im Raum, dass die 15jährige Emma (Sophie Vavasseur) ihren Anfall simuliert, um nicht erneut auf ihren jüngeren Bruder Mark (Lazzaro E. Oertli Ortiz), aufpassen zu müssen.
Der Großteil der Zuschauer wird hier bereits ahnen, dass bei den Untersuchungen nichts herauskommt, Emmas Zustand sich jedoch kontinuierlich verschlechtert.
Während Emmas Eltern Lucy (Jo-Anne Stockham) und John (Richard Felix) förmlich weigern, den Ernst der Lage zu erkennen, bietet Emma ihren Onkel um Rat ~ jenen Priester, der seinerzeit als Exorzist scheiterte....
===Die Umsetzung=== gibt hier und dort Rätsel auf, die jedoch den Spannungsbogen auf hoher Ebene konstant halten. Dank diverser Rückblenden weiß man als Filmgucker nie so genau, was genau wann geschehen ist, ohne sich von dieser Schicklichkeit jedoch genervt zu fühlen. Ich persönlich wunderte mich durchaus, wie Emma unbedingt auf die Idee kommen sollte, besessen zu sein ~ ein Aspekt, der sich ebenfalls im weiteren Verlauf erklärt und mich ~ um dies vorweg zu nehmen ~ vollends zufrieden zurückzulassen.
Durch Emmas Freundschaft zu Rose (Isamaya French) und Alex (Tommy Bastow) erhält _„Der Exorzismus der Emma Evans“_ einen weiteren Handlungsrahmen, der obendrein dazu beiträgt, an Emmas Unschuld zweifeln zu lassen. In der Tat gibt es Momente, in denen man Emma ein Theaterspiel unterstellen könnte, stellt ihre dringliche Bitte, auf den Hausunterricht künftig verzichten zu dürfen und dafür eine „normale“ Schule besuchen zu dürfen, durchaus einen weiteren Knackpunkt der Szenerie dar.
Das Gefühl, Emma mit dieser These Unrecht zu tun, hält sich allerdings gleichermaßen konstant, finden sich immerfort Zeichen, dass die Teenagerin keineswegs Herr ihrer Sinne ist.
Zu gute kommt dem Gesamtwerk meines Erachtens nach der Entscheid, nicht auf allzu verstörende Schock-Elemente zu setzen, sondern eher eine Gänsehaut verursachen zu wollen. Gewisse blutige Szenen werden nicht in exorbitanter Großaufnahme dargeboten, sondern finden eher am Rande statt ~ fast, als ob es einen stillen Beobachter hinter der Kamera geben würde, der ein hohes Maß an Pietät gewährleisten wollte.
In diesem Kontext komme ich ausnahmsweise auf die Kameraführung zu sprechen: ob nun Absicht oder profane Schusseligkeit dahinterstecken mag; Fakt ist, dass hin und wieder inmitten einer einzigen Szene das Bild mehrfach herangezoomt wird und wieder zurückschwenkt. Nicht auf die Art und Weise, dass es einen Sinn machen würde; sondern vielmehr so, dass dem Gucker leicht schwindelig werden könnte. Stellenweise wackelt es gewaltig, während fragmentarisch die Aufnahmeperspektive regelrecht wundersam gewählt wurde. In Momenten, in denen die Krankenhauseinfahrt von weit-weit-weg gezeigt wird, könnte man an der vorliegenden Drehgenehmigung zweifeln, wenn man denn arg paranoid wäre.
Weitaus tragischer in meinen Augen dennoch, dass inmitten einer intensiv-packenden Szene in der ungefähren 34.ten Minute die Bedrohlichkeit durch den allzu beliebten „Schwebeeffekt“ der Hauptfigur der banalsten Lächerlichkeit preisgegeben wird. Mir scheint, als hätte annodazumal jemand verkündet, dass in Exorzisten-Filmen solch ein Element auf Teufel komm raus (Ha!) vorkommen muss.
Insgesamt betrachtet bin ich nichtsdestominder des Lobes voll. Obschon sich manche Elemente wohl oder übel wiederholen „müssen“, bietet _„Der Exorzismus der Emma Evans“_ einige Überraschungen, die durchaus das Wörtchen „innovativ“ auf ihre Flagge schreiben können. Dadurch, dass weiterhin das filmische Finale viele Szenen eben dieses Films vollends auf den Kopf stellt, entstand in mir als Gucker ein KABUMM-Gefühl, welches mich persönlich über manche marginale Patzer hinwegsehen lässt.
===Die DVD selbst=== wartet mit einem sage und schreibe 58minütigen '''Making of''' auf, was in der Tat als recht interessant zu bezeichnen sein dürfte. Absolut gefesselt hat mich dieses zwar nicht, dennoch ist der guten Ordnung halber hinzuzufügen, dass ich für meinen Teil äußerst selten überhaupt Interesse an solchen Hintergrundinformationen habe.
Hinzu gesellen sich ein paar wenige '''Trailer während die Vertonung lediglich in Deutsch wie Englischer Sprachspur vorliegt.
Die optische Gestaltung des Menüs passt sich den Spezial-Effekten innerhalb des Hauptfilmes an, wirken diese nicht immer vollends überzeugend oder gar tiefergehend gruselig. Die FSK16 Freigabe ist meines Ermessens nach durchaus angebracht, gibt es neben wenigen blutigen oder verbrennungsbezogenen Szenen hier lediglich ein paar potentiell fiese Käferszenen zu bestaunen, die den Großteil der Zuschauer vermutlich kaum unters heimische Sofa befördern werden. Wirklich zusammengezuckt bin ich selbst lediglich aufgrund einer zugeschlagenen Tür. Was für sich selbst betrachtet nicht einmal gruselig gemeint war.
Über Bild und Ton des Filmes selbst lässt sich nicht streiten: helle wie dunkle Aufnahmen sind deutlich erkennbar; jedes geflüsterte Wort ist zu verstehen ~ eine Beförderung hat der Kameramann meines eigenen Empfindens nach Dank der vereinzelt allzu zittrigen Aufnahmen indes beileibe nicht verdient.
===Summa summarum=== hat mich _„Der Exorzismus der Emma Evans“_ positiv überrascht, wenngleich ich anfänglich von einem neuerlichen Aufguss des Vergleichsfilms _„Der Exorzismus der Emily Rose“_ ausging. Der hierzu identische Handlungsstrang spielt sodann eher eine untergeordnete Rolle, dessen Gewichtung dem potentiellen Zuschauer erst später so wirklich klar wird.
Über die Authentizität oder gar Überzeugungskraft respektive Overaction seitens der Hauptdarstellerin in Szenen, in denen sie weggetreten ist, mag man sich durchaus uneinig sein... weiterhin kann man dem Film vorwerfen, von allzu vielen themengleichen nicht nur jeweils einen Deut abgekupfert zu haben, sondern darüber hinaus diese Vorlagen allzu krampfhaft in die Story hineingepresst zu haben.
Da ich persönlich der Meinung bin, dass fast ein jeder Film sich diverser Inpirationen bedient, stört mich dies in keinster Weise.
Ob des Schnäppchenpreises von knapp 3 Euro schafft es „Der Exorzismus der Emma Evans“ in meiner Wertung auf die volle Punktzahl, während ich bei dem derzeitigen Ladenpreis von durchschnittlich 10 Euro aller Wahrscheinlichkeit einen Stern abgezogen hätte. weiterlesen schließen
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